Es bedarf aber auch nicht eines ständigen Überhörens einer Lehrkraft, um zu einer Leistungsbeurteilung zu kommen. Niemand spricht bei der FDP davon, dass die gesamte Vergütung oder Besoldung leistungsbezogen sein soll. Aber nehmen wir doch einmal einen zehnprozentigen Anteil, der einen Leistungsanreiz bieten soll, mehr zu tun. Warum können Sie nicht verstehen, dass man das auch als ein Element der Motivation nutzen könnte?
Das gilt nicht nur für die Lehrerinnen und Lehrer. Diese Möglichkeit hätte ich gern auch als Minister in diesem Land gehabt,
einfach einmal einen Bonus an einen, der mehr als alle anderen geleistet hat, auszahlen zu dürfen, einfach einmal in der Lage zu sein, von den hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums abweichen und sagen zu dürfen: Mensch, da hat über Ostern einer gekeult wie Hulle, der darf auch etwas extra bekommen!
Warum verschließen Sie sich dem so? Leistung sollte sich lohnen – das sollte auch und gerade für die Union gelten. – Herzlichen Dank.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Damen und Herren! Wir müssen in den Argumenten klar bleiben. Herr Balasus, wenn Sie sagen, Lehrkräfte wollten nicht mehr Geld, aber sie wünschten sich Beförderung – das war Teil Ihrer Aussage –, dann gehört dazu die Antwort auf die Frage, warum sie sich denn wahrscheinlich eine Beförderung wünschen. Ich habe da so eine Vermutung.
Die Anerkennung, ja genau: Alle meine Freunde lachen über mich, weil die A 14 sind und nicht nur A 13! Oder irgendwie so.
Das Problem bei der leistungsgemäßen Bezahlung von Lehrkräften sehe ich ähnlich wie Herr Krüger darin, dass das Kerngeschäft von Lehrkräften der Unterricht ist. Ich glaube zwar nicht, dass die Leistung im Unterricht durch die Lehrkraft nicht zu beurteilen ist, aber ich glaube, dass das wahnsinnig schwer zu bemessen ist. Ich habe beispielsweise an einem Gymnasium in Düsternbrook ganz andere Voraussetzungen als an einer Gemeinschaftsschule in Kiel-Gaarden. Es ist schon einmal völlig klar, dass es da nicht um Schulabschlüsse gehen kann, um die Leistung zu beurteilen. Um Noten sollte es auch nicht gehen, denn sonst komme ich schnell in die Versuchung, mein Gehalt mittels der Notenvergabe selbst beeinflussen zu können. Was dann? – Es ist jedenfalls schwierig. Deshalb freue ich mich auf die Beratungen im Ausschuss und die Ideen, die wir dazu aus Bayern vielleicht zu hören bekommen.
Das mit den Nullsemestern und den nicht ausgebildeten Lehrkräften wird von einigen noch unterschätzt. Deshalb nenne ich noch einmal die Zahlen.
Das Bildungsministerium hat vorgestern mitgeteilt: 200 Stellen in Schleswig-Holstein sind unbesetzt. Die werden im Laufe des Schuljahres nachbesetzt. Das war der Ist-Stand an diesem Tag: 200 Stellen nicht besetzt.
Dann schauen wir in den Bericht zur Unterrichtssituation 2021/22. Das ist der aktuellste Bericht, den wir haben. Da gab es 487 Stellen, die waren zwar besetzt, aber durch Menschen, die schwanger, im Sabbatical oder langzeiterkrankt, also jedenfalls nicht an der Schule waren. Damit sind wir schon bei über 600 fehlenden Lehrkräften.
Im gleichen Bericht zur Unterrichtssituation haben wir gelesen, dass fast jede zehnte Stelle an Schulen in Schleswig-Holstein durch Menschen besetzt ist, die keine abgeschlossene Ausbildung haben. An Grundschulen ist das Problem am größten: 14,1 Prozent der Leute, die dort unterrichten, haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. In den Gymnasien sind es immerhin noch 2,9 Prozent.
Wir haben ungefähr 26.000 Lehrkräfte in Schleswig-Holstein. Sagen wir, 2.500 oder 2.600 von ihnen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, plus die knapp 700 von eben, das sind insgesamt über 3.000 Fachkräfte, die an unseren Schulen fehlen. Über 3.000 ist eine ganz andere Zahl als 200 und motiviert vielleicht noch einmal ganz anders, da mehr hinzuschauen. – Vielen Dank.
Vielen Dank. – Ich sehe keine weiteren Wortmeldungen zu Dreiminutenbeiträgen. Deshalb erteile ich nun für die Landesregierung der Ministerin Karin Prien das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Erlauben Sie mir zunächst ein paar Sätze zu meinem Besuch heute Morgen in Neumünster. Ich war an der Schule, an der die beiden ermordeten jungen Menschen beschult wurden.
Ich hatte die Gelegenheit, mit der Schulleitung, einigen Lehrkräften, aber auch mit den Schulsozialarbeitern, den Schulpsychologen und einem Schulseelsorger, den es an der Schule regulär gibt, zu sprechen. Ich habe mit den Schülerinnen und Schülern der Klasse des Mädchens sprechen können, die auf ganz wunderbare Weise die Persönlichkeit die
Ich habe eine Schule erlebt, die extrem zusammenhält. Ich habe eine Schule mit einem wirklich großartigen Kriseninterventionsteam erlebt, das am Mittwochabend bereits alle Beteiligten informiert hat. Ich habe mir erlaubt, seitens der Landesregierung, aber auch als Abgeordnete weitere Unterstützung für die Schule zuzusagen; denn eins darf man nicht vergessen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Es sind nicht nur die unmittelbar betroffenen Schülerinnen und Schüler, die verunsichert sind. Es sind viele, die diese Bahnstrecke nutzen, und es gibt ein allgemeines Gefühl der Angst und der Verunsicherung.
Damit werden wir weit über diese einzelne Schule hinaus in den nächsten Wochen und Monaten noch zu tun haben. Die Schulen haben da eine große Aufgabe zu leisten. Dass sie diese Aufgabe so leisten, dafür bin ich außerordentlich dankbar.
Der Übergang ist jetzt nicht so ganz einfach. Ich versuche es mal mit Karl Jaspers, um dann ein bisschen in die eigentliche Debatte einzusteigen. Jaspers sagte – mit Erlaubnis der Präsidentin zitiere ich das –:
Ich glaube, einig sind wir uns hier im Haus, dass die Zukunft unserer Kinder, aber auch die Innovationskraft unserer Wirtschaft, unserer Gesellschaft, selbst die Stabilität unserer Demokratie nur dann zu sichern sein werden, wenn wir über ausreichende und gleichermaßen über gut qualifizierte Lehrkräfte verfügen, die dann auch noch eine hohe Motivation haben; denn ohne intrinsische Motivation ist man eben kein guter Pädagoge. Ich finde es vollkommen okay, auch über die Frage, wie man diese Motivation verbessern kann, intensiv zu sprechen. Was die Mittel angeht, muss man dann im Einzelnen tatsächlich darüber reden, ob die wirklich sinnvoll sind. Ob sie dem Ziel dienen, Herr Vogt, das wäre für mich die entscheidende Frage. Aber darüber zu reden, wird es ja ausreichend Gelegenheit geben.
Ich will zu der Zahlenfrage nur zwei Sätze sagen. Abgefragt wurde bundesweit, wie viel unbesetzte Lehrerstellen es an bestimmten Stichtagen gegeben hat. In Schleswig-Holstein waren das zu Schuljahresanfang 200, und es waren Anfang Oktober noch 70. Auch das zeigt – das sind deutlich weniger gewesen als in den Vorjahren –, dass es uns auch we
gen der vielen Maßnahmen, die wir in den vergangenen Jahren bereits ergriffen haben, ausgesprochen gut gelungen ist, sich diesem Problem zumindest massiv entgegenzustellen; denn eins ist doch auch klar, meine Damen und Herren: Das ist natürlich auch Ausdruck des allgemeinen Fachkräftemangels, den wir in allen Lebensbereichen spüren. Das macht es keinen Deut besser, aber es ist Teil des allgemeinen Fachkräfteproblems, und dem müssen wir uns mit geeigneten Maßnahmen entgegenstellen.
Was sind geeignete Maßnahmen? Zum einen ist natürlich die Frage: Wo genau sind die Bedarfe? Die Lage ist dann eben sehr viel komplizierter und differenzierter zu betrachten. Nein, wir haben nicht in allen Bereichen einen Mangel an Lehrkräften. Das ist nicht so. Wir haben ihn nicht an allen Schularten, wir haben ihn nicht in allen Fächern, sondern wir haben ihn in ganz konkreten Bereichen. Das ist deshalb so wichtig zu verstehen, weil wir bei den Maßnahmen nicht nur daran ansetzen müssen, mehr Lehrkräfte an der Universität, im Referendariat, im Vorbereitungsdienst auszubilden, sondern wir müssen auch die richtigen ausbilden. Das ist natürlich schwierig, weil wir bisher in unserem Land den jungen Leuten natürlich keine Vorschriften darüber machen können, welches Fach sie studieren sollten.
Aber wir können natürlich, und das müssen wir zukünftig besser tun, jungen Menschen deutlich bessere Informationen über die einzelnen Fächer zur Verfügung stellen und sie besser unterstützen, damit sie ihr Studium erfolgreich abschließen können. Darauf wird in Zukunft ein wichtiger Schwerpunkt liegen, meine Damen und Herren.
Das heißt mit anderen Worten, wir müssen uns nicht nur die Nachfrageseite anschauen, sondern wir müssen uns auch die Angebotsseite angucken und da sehr genau schauen: Woran liegt es denn eigentlich, dass in bestimmten Studiengängen an einzelnen Hochschulen Abbrecherquoten von 60 bis 70 Prozent bestehen? Das ist die entscheidende Frage. Es geht nicht darum, immer nur neue Studienplätze zu schaffen, sondern es geht darum, erfolgreiche Studienverläufe viel besser als bisher zu ermöglichen.
Meine Damen und Herren, wir sind das Problem des Lehrkräftemangels in verschiedenen Bereichen seit Beginn der letzten Legislaturperiode sehr konsequent angegangen, im Ministerium und im Gespräch mit den Hochschulen, und haben eine Viel
zahl von Maßnahmen ergriffen. Sie sind zum Teil schon erwähnt worden. Natürlich ist die bessere Besoldung für Grundschullehrkräfte ein ganz wichtiger Punkt gewesen. Wir können auch nachweisen, dass das deutlich gewirkt hat. Das ist eine gute Maßnahme gewesen. Es war aber auch notwendig, mehr Studienplätze zu schaffen, insbesondere an der Universität in Flensburg. Wir haben duale Masterstudiengänge geschaffen. Wir haben Weiterbildungsmaßnahmen eingerichtet.
Die Informatikmaßnahme ist ein Riesenerfolg gewesen. Es gelingt uns auf diesem Weg, in relativ kurzer Zeit über 200 Informatiklehrkräfte für unser Land zu gewinnen, die eine volle Lehrbefähigung haben. Das wird übrigens bundesweit als beispielhafte Maßnahme, so auch heute im Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission hervorgehoben. Das kann man natürlich auch für andere Fächer machen. Man kann Lehrkräfte ermuntern, und zwar mit sehr großzügigen Entlastungsstunden, mit denen wir das begleitet haben, und ihnen die Möglichkeit eröffnen, sich für ein drittes Fach, das ein Mangelfach ist, zu qualifizieren. Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen.
Der erste Teil des Gutachtens der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission wird ja zur Stunde in Berlin vorgestellt. Darin sind viele Maßnahmen von denen, die Sie auch im Antrag der Koalition finden, enthalten. Es sind übrigens auch schwierige Maßnahmen drin, Herr Vogt. Die schlagen nämlich zum Beispiel nicht kleinere Klassen vor, sondern sie schlagen vor, vorübergehend größere Klassen einzurichten. Sie schlagen uns auch ganz klar vor, die älteren Lehrkräfte, die Seniorlehrkräfte, noch viel stärker einzubinden. Wir tun das in Schleswig-Holstein schon durch finanzielle Anreize; das haben wir gemeinsam in der letzten Legislaturperiode schon beschlossen. Sie empfehlen uns, die Studierenden einzubeziehen. Selbstverständlich gehören mehr Studierende in die Schulen. Dass uns das gelegentlich vorgeworfen wird in einer Phase, in der wir über das Programm „Aufholen nach Corona“ so viel Personal an den Schulen haben wie noch nie zuvor, finde ich, ehrlich gesagt, auch ein bisschen merkwürdig, um es vorsichtig auszudrücken.
Die Anzahl der Plätze für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zu erhöhen, ist ebenfalls eine richtige Maßnahme gewesen. Trotzdem haben wir zum Ende der letzten Legislaturperiode gesagt, dass alles, was wir an Einzelmaßnahmen machen, nicht genügt, sondern wir müssen einen strategischen An
satz wählen. Der strategische Ansatz betrifft natürlich das Ministerium über alle Abteilungen hinweg. Insbesondere die Einbindung der lehrkräftebildenden Hochschulen war für uns von entscheidender Bedeutung.
Vielen Dank. – Frau Ministerin, Sie haben zu Recht angesprochen, dass es ein Problem ist, dass es gerade in einigen Studienfächern extrem hohe Abbruchquoten und eine zu geringe Nachfrage gibt, vor allem im MINT-Bereich. Das beobachten wir ja parallel, wenn man so will, zum Beispiel an den Fachhochschulen. Bei den technischen Studiengängen ist es genau das Gleiche.
Die Fachhochschulen haben darum gebeten, und wir haben es gemeinsam ins Hochschulgesetz geschrieben, dass es Vorbereitungsbeziehungsweise Orientierungssemester geben soll. Sie haben in Ihrem Koalitionsantrag ja den Punkt „Maßnahmen zur Erhöhung des Studienerfolges in der ersten Phase der Lehrkräftebildung“. Wäre es aus Ihrer Sicht ein Punkt, dass auch die lehramtsbildenden Hochschulen, also Flensburg und Kiel, mit Vorbereitungs- und Orientierungssemestern arbeiten, um junge Menschen heranzuführen, um ihnen vielleicht auch ein bisschen die Sorge vor dem MINT-Bereich zu nehmen und sie dadurch sozusagen zu ermuntern, da reinzugehen, und dadurch vielleicht auch die Studienabbrecherquote zu verringern?
Vielen Dank, Herr Vogt, für die Frage. Ich bitte Sie: Geben Sie uns noch ein paar Tage. Wir werden im Februar gemeinsam mit der Allianz für Lehrkräftebildung den ersten Teil unserer Vorschläge unterbreiten. Da wird es auch darum gehen, wie man die Studierenden besser in bestimmte Studienfächer hineinbekommt, welche Vorbereitungsmaßnahmen, welche Aufklärungsmaßnahmen und welche Betreuungsmaßnahmen es braucht. Gedulden Sie sich einfach noch zwei, drei Wochen, dann werden wir sicherlich über die Vorschläge auch im Bildungsausschuss diskutieren können.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluss kommen. Wir werden im Rahmen unseres Handlungsplans in diesem Jahr wie folgt vorgehen: Wir werden im Februar die ersten Vorschläge gemeinsam mit der Allianz für Lehrkräftebildung vortragen. Wir werden einen zweiten Teil von Bausteinen im Juni 2023 vorstellen, und wir werden dann, nachdem die Ständige Wissenschaftliche Kommission im Herbst ein großes Gutachten zur grundlegenden Reform der Lehrerbildung in Deutschland vorstellen wird, ein drittes Paket von Bausteinen für Schleswig-Holstein vorschlagen. Insofern haben wir hier einen klaren zeitlichen Plan.