Von der Klasse kenne ich das: Es gibt immer ein paar, die Blödsinn machen, die nicht aufpassen - und nachher wissen sie nicht, was der Lehrer gesagt hat.
Ist eine Sache wichtig und gut, so ist nicht einzusehen, weshalb man sie nicht schnellstmöglich umsetzen sollte. Nach meiner Ansicht wäre das auch überhaupt kein Problem, da haben wir doch schon ganz andere Sachen hinter uns gebracht. Wir haben aus acht Jahren Volksschule neun Jahre Volksschule gemacht, aus sechs Jahren Lehrerseminar sieben Jahre Lehrerseminar. Es gibt noch viele andere Beispiele, das geht also durchaus. So etwas geht auch schnell. Hier aber lassen wir uns nun viele Jahre Zeit. Sich viele Jahre Zeit zu lassen heißt aber auch, dass es Kinder gibt, die heute im Gymnasium sitzen und von denen wir wissen, dass für sie die acht Jahre sehr schlecht sind, die nun aber in den acht Jahren das Abitur machen müssen. Von den Folgen von Corona für sie ganz zu schweigen. Diese Kinder gibt es. Warum kann man nun diesen Kindern nicht helfen?
Ich habe einen Verdacht: Bei jeder Lösung, die man wählt, bleiben immer drei, vier Probleme übrig. Bei der gewählten Lösung gibt es, Frau Schmitt-Lang hat es angesprochen, das Problem der Finanzen. Es gibt immer viele solcher Probleme, und lässt man es zu, dass die Probleme überhandnehmen, kommt die Lösung nie. Man muss also die Lösung in den Vordergrund stellen und dann überprüfen, wie man die Probleme lösen kann. Hier gibt es also ein Problem beim Finanziellen. Man hat Angst, es müssten mehr Räume geschaffen werden und es müssten mehr Lehrer eingestellt werden. Ich glaube beides nur sehr beschränkt. Denn es sind auch Räume gehortet worden; ich will das gar nicht weiter ausführen. Jedenfalls könnte man doch den wirklichen Bedarf ganz einfach feststellen, indem man in den Schulen das abfragt, auch bei den Eltern: Welche Kinder wollen das G8 fortführen? Welche Kinder wollen ab sofort das G9? Mit dieser Abfrage wüsste man auch um den Bedarf. Nach meiner Ansicht hat man aber geradezu Angst vor dem Wissen um diesen Bedarf und verzichtet deshalb auf die Abfrage.
Ich denke, es wäre normal und einfach, das zu tun. Das ist unser Anliegen: Wir sind dafür, dass G9 sofort kommt und dass man alle Kinder in seinen Genuss kommen lässt. Wir sind dafür, dass man die Leute fragt, wie groß der Bedarf tatsächlich ist. - Herzlichen Dank.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Aber vor allem: Liebe Eltern und liebe Schülerinnen und Schüler! Es war im April letzten Jahres, ein Monat nach der Landtagswahl: die erste Regierungserklärung unserer Ministerpräsidentin. Anke Rehlinger kündigte damals an, die G9-Reform komme noch im ersten Jahr der neuen Regierung. Das war ambitioniert. Nach elf Monaten darf ich nun feststellen: Wir haben Wort gehalten. Wir haben unsere Chance genutzt. Weniger Streit und Show, stattdessen Ergebnisse - dafür steht diese neue Landesregierung. Und so machen wir weiter, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich will gerne noch mal daran erinnern, wo wir herkommen. Es war 1999, die CDU hatte die Landtagswahl gewonnen, und auch Peter Müller nutzte seine erste Regierungserklärung, um etwas anzukündigen.
Man wollte Vorreiter bei G8 sein, Vorreiter beim Turbo-Abi, mit dem unsere Kinder schneller dem Arbeitsmarkt zugeführt werden sollten. Ja, und zwei Jahre später fiel der Startschuss im Zeltpalast bei mir in Merzig
im Beisein von Roman Herzog. Mit viel Tamtam und Brimborium sollte der Start von G8 gefeiert werden. Der DGB sprach damals spöttisch von einem Zirkus. Roman Herzog wiederholte damals, was er 1997 in seiner Ruck-Rede schon gesagt hatte: Ein Abitur nach neun Jahren sei gestohlene Lebenszeit. - Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht das Abitur nach neun Jahren hat unseren Kindern die Zeit gestohlen, sondern G8 hat ihnen die Zeit gestohlen!
Es fehlte die Zeit zum Lernen und Vertiefen, aber auch die Zeit, um Freunde zu treffen, Zeit für Handball oder den Musikverein, Zeit, um Kind zu sein. Man hätte früher als nach 23 Jahren einen Schlussstrich ziehen können, und ich finde auch persönlich als Mutter, man hätte ihn früher ziehen müssen. Aber das wollte die CDU ja nicht. Man blieb stur, obwohl man nach kurzer Zeit kaum noch jemanden hatte, der für G8 war. Die Gewerkschaften waren immer kritisch, aber auch die Wirtschaft erkannte schnell, dass sich die eigenen Erwartungen nicht erfüllt hatten. Mehr noch, fast alle Länder, die uns damals gefolgt waren, hatten G8 längst wieder abgewickelt. Die Saar-CDU war trotzdem nicht bereit dazu - nicht 2017 nach der Landtagswahl und
Heute ziehen wir einen Schlussstrich unter diese Murksreform, mit dem neuen G9 geben wir unseren Kindern Zeit zurück. Für mich ist das auch das wesentliche Ergebnis der Anhörung.
Alle Verbände waren sich einig: Diese Reform ist überfällig! Und wenn jetzt ausgerechnet die CDU von einem Schmalspurgymnasium fantasiert, will ich darauf antworten: Wer mit einem Finger auf andere zeigt, Herr Wagner, auf den zeigen drei Finger zurück!
Die Saarländerinnen und Saarländer wissen, wer jetzt vorangeht und wer sich hier mit der Vergangenheitsbewältigung beschäftigt!
Und deshalb gilt es, sich substanziell mit dem Kern der Kritik an G8 auseinanderzusetzen. Das heißt in der Konsequenz, dass wir die Stundenpläne gerade nicht mehr so vollpacken wie damals, dass wir den Schülerinnen und Schülern statt einem Mehr an Unterricht auch ein Mehr an Zeit geben, auch für außerschulisches Engagement, zum Beispiel in Vereinen oder Organisationen. Das ist genauso wichtig wie der Satz des Pythagoras oder die Frage, wann Rom aus dem Ei geschlüpft ist. Es braucht mehr Zeit zum Lernen, mehr Zeit zum sozialen Lernen, auch darum geht es, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Auch beim Thema Studierfähigkeit habe ich mich über die Äußerungen der CDU gewundert. Ja, Gymnasien müssen zu einem Studium befähigen. Aber Sie tun so, als müsste jeder mit Abitur auch studieren. Wir sind anderer Meinung.
Für uns zählt der Meister genauso wie der Master, lesen Sie Ihre Vorlage! Wer nach dem Abitur lieber ins Handwerk wechselt, ist nicht gescheitert, Kolleginnen und Kollegen!
Um Ihre Frage zu beantworten: Wofür steht das neue G9? Es steht für eine deutliche Stärkung der Kernfächer. Mathe, Deutsch und Fremdsprachen werden in der Zukunft länger und intensiver unterrichtet, und das ist gut so.
Schreiben, Lesen und Rechnen sind die Grundlagen, auf denen alle anderen Fächer aufbauen. Deshalb erhöhen wir die Jahreswochenstunden um 19 von 159 auf 178 Stunden, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Lassen Sie uns darüber reden, wie diese Stunden optimal genutzt werden können, denn am Ende zählt die Qualität des Unterrichts, und genau das ist es, was Christine Streichert-Clivot mit der Modernisierung der Lehrpläne plant. Das ist der richtige Weg, davon bin ich überzeugt, Kolleginnen und Kollegen!
Ich will etwas zur verpflichtenden Grundschulempfehlung sagen, die in Ihrem Antrag enthalten ist und die Sie wieder aus Ihrer konservativen Mottenkiste herausgekramt haben.
Zunächst einmal aus pädagogischer Sicht: Was sagen Sie denn zur Studienlage, dass bei verpflichtenden Grundschulempfehlungen Kinder eine deutlich erhöhte Noten- und Zukunftsangst und eine geringere Lernfreude zeigen? Ich finde, das müssen wir unseren Zehnjährigen nicht antun. Und ganz grundsätzlich: Ich bin froh, dass heute nicht mehr nach Klassenstufe 4 der Lebensweg eines kleinen Menschen vorentschieden wird.
Auch hier lohnt der Blick in die Schulpraxis. In diesem Jahr waren die Schulleitungen der Gymnasien, aber auch der Gemeinschaftsschulen in den Elternabenden der Grundschulen und haben ihre Konzepte vorgestellt. Das ist für mich eine gute und richtige Beratung, die Eltern und Kinder brauchen und die wirklich weiterhilft.
Aber Panik auch hier; es kommen ja schon Rufe aus Ihren Reihen, die vor einem Überlaufen der Gymnasien warnen. Auch hier wäre es sicher klug gewesen, erst mal die Anmeldezahlen abzuwarten, denn diese zeigen ganz klar, dass