Aber Panik auch hier; es kommen ja schon Rufe aus Ihren Reihen, die vor einem Überlaufen der Gymnasien warnen. Auch hier wäre es sicher klug gewesen, erst mal die Anmeldezahlen abzuwarten, denn diese zeigen ganz klar, dass
Zum Thema digitale Bildung. Ich würde mir wünschen, dass wir generell beim Thema Digitalisierung nicht immer nur Haare in der Suppe suchen, sondern dass wir auch Chancen erkennen. Chancen gibt es dort, wo wir unglaublich gut vorankommen, wo wir auch besser vorankommen, als viele andere Bundesländer mit deutlich robusteren öffentlichen Haushalten. In der digitalen Bildung können wir stolz sein auf den Weg, der bereits hinter uns liegt, wir können stolz sein auf die Online-Schule Saar, auf die digitale Schulbuchausleihe, auf ein Tablet in jedem Schulranzen.
Das sind alles Beispiele, die die CDU immer zerredet hat, Beispiele, bei denen uns aber der Erfolg recht gibt. Auch die Rückfragen aus anderen Ländern, wie wir damals genau gearbeitet haben, zeigen uns das. Und ich bin überzeugt, so wird das auch einmal beim Informatikunterricht sein. Auch dafür steht nämlich das neue G9. Informatikunterricht als Pflichtfach an Gymnasien ab Klassenstufe 7, das bedeutet, dass unsere Kinder nicht nur Französisch, sondern bald auch vielleicht eine Programmiersprache lernen werden, dass schon in frühen Jahren Interesse geweckt wird, was hinter einem Smartphone steckt, dass Kinder nicht ins kalte Wasser der digitalen Wirklichkeit geworfen werden, sondern auch Schwimmen lernen. Gut, dass hier Chancen in den Mittelpunkt gestellt werden, Chancen, die weit über den Klassenraum hinausgehen.
Informatikunterricht soll Lust machen, vielleicht sogar auf ein späteres Studium an der UdS. Es soll Chancen eröffnen für einen guten Arbeitsplatz, egal ob beim CISPA, bei INEXIO, Airbus oder den vielen KMUs im IT-Sektor. Auch das ist ein Baustein für einen erfolgreichen Strukturwandel. Nicht nur von neuen Arbeitsplätzen reden, sondern Kinder fit machen, damit sie diese Chancen nutzen können, darum geht es, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich muss an dieser Stelle auch noch einmal auf die Tablet-Diskussion eingehen. Die Diskussion, die hier geführt wird, sollte meiner Meinung nach sachlich geführt werden und vor allem nicht pauschalisiert werden. Die Schulen haben gute Medienkonzepte, die sicherlich dazu beitragen, dass Tablets ordnungsgemäß genutzt werden.
Und im Unterricht, Frau Schmitt Lang, das sollte Ihnen bekannt sein, haben die Lehrkräfte jederzeit die Möglichkeit, sich in die Bildschirme der Kinder einzuwählen.
Also, weniger Überschriften und pauschale Skandalisierungen und stattdessen mehr Fakten, Herr Wagner, das würde der Debatte guttun.
Ja, wir reden morgen darüber. - Aber sprechen Sie doch mal mit den Experten. Sprechen Sie mit Verena Wolf und Kevin Baum, beide Informatik-Professoren an der Uni des Saarlandes. Sie werden Ihnen bestätigen, dass die Gefahren auf den privaten Handys lauern, nicht auf den Schultablets. Wir setzen weiter auf Medienpädagogik und Aufklärung, anstatt auf Panikmache. Mit Bedenkenträgern schafft man keine Zukunft, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Ein letzter Punkt, den ich hervorheben will, ist das Thema Demokratiebildung in Schulen. Kinder brauchen Prozesse, aber auch Fächer, in und mit denen sie sich aktiv auseinandersetzen können. Wir befürworten ausdrücklich, dass Sozialkunde künftig ab Klassenstufe 8 unterrichtet wird. Der Klassenrat, aber auch die Mitbestimmungsgremien sind ebenfalls wichtige Bestandteile des schulischen Alltags, die demokratisches Miteinander und Partizipation fördern. Denn nur so können Schülerinnen und Schüler erfahren, wie sie sich beteiligen, aber auch Verantwortung übernehmen können, wenn beispielsweise die Sitzordnung in der Klasse verändert oder der nächste Ausflug geplant wird. Sich in der Klassengemeinschaft einigen, neue Ideen entwickeln, aber auch auf Grenzen stoßen, das ist gelebte Demokratie, die Kinder sicherlich auf ihrem weiteren Weg prägt. Deshalb wird uns bei der Lehrplangestaltung wichtig sein, dass neben der fest verankerten Stunde Klassenrat in der Klassenstufe 5 den Schulen zusätzlicher Raum in weiteren Klassenstufen ermöglicht wird. Dies sollte Teil der Lehrplangestaltung sein.
Frau Präsidentin, ich komme zum Schluss. Wir schlagen mit dieser Reform nach 23 Jahren ein neues Kapitel in der saarländischen Bildungspolitik auf. Wir schneiden alte Zöpfe ab und schaffen ein neues G9. Das neue G9 steht für mehr Zeit zum Lernen und Vertiefen, aber auch mehr Zeit für Freunde und Engagement. Es steht für starke Kernfächer, für die flächendeckende Einführung von Informatik und damit für neue Chancen für unsere Kinder. Wir bitten daher um Zustimmung. - Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Holzner. - Es liegen weitere Wortmeldungen vor. Ich erteile nun für die CDUFraktion Herrn Fraktionsvorsitzenden Stephan Toscani das Wort.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir haben im Saarland eine breite politische und eine breite gesellschaftliche Mehrheit für das neunjährige Gymnasium. Das Ob ist überhaupt nicht die Frage. Auch wenn Frau Kollegin Holzner sehr viel Zeit darauf verwendet hat, Vergangenheitsbewältigung zu betreiben, die entscheidende Frage, um die es heute in der Debatte geht, ist doch die Frage des Wie. Wie soll das neue G9 ausgestaltet werden, wie soll das G9 in Zukunft konkret aussehen?
Eine souveräne Landesregierung, eine souveräne Mehrheit wäre klug beraten, bei dieser Frage auf eine breite Mehrheit im Land zu setzen.
Das hatte sich die SPD ursprünglich auch vorgenommen. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hat in ihrer Regierungserklärung von April letzten Jahres gesagt - Frau Präsidentin, ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis -: „Eine Alleinregierung muss nicht einsame Entscheidungen treffen.“ - Oder in derselben Regierungserklärung: „Wir werden auch zuhören, wenn innerhalb oder außerhalb des Parlaments bessere Argumente vorgetragen werden.“ - Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Kira Braun, hat in der Debatte im Dezember letzten Jahres gesagt: Eine Reform von oben heruntergedrückt wird es mit der SPD nicht geben.
Und was macht die SPD jetzt? Alle, die mit dem Gymnasium unmittelbar zu tun haben, haben die Pläne kritisiert, wie die SPD jetzt G9 umsetzen will. Es waren Lehrerverbände, Elternverbände, alle in der Debatte haben die Art kritisiert, wie Sie jetzt G9 umsetzen. Die SPD ignoriert alle Verbesserungsvorschläge. Sie suchen nicht den Konsens, Sie wollen eins zu eins Ihre Vorstellungen durchdrücken, ohne rechts, ohne links zu schauen. Augen zu und durch, das ist die Devise der SPD hier im Land.
Sie haben recht, Frau Kollegin Holzner, die Entscheidung, die wir heute treffen, wirkt langfristig. Das ist keine Entscheidung für die nächsten Jahre, das ist eine Entscheidung für die nächs
ten Jahrzehnte. Sie wären klug beraten, das Ganze auf eine breite Grundlage zu stellen. Aber was machen Sie? Sie spalten, Sie polarisieren ohne Not. Die SPD verpasst heute eine historische, eine große Chance.
Worum geht es konkret, warum gibt es so viel Kritik gerade vonseiten der Eltern und Lehrerinnen und Lehrer? Eben weil es keine Zugangsvoraussetzungen gibt. Jeder, der will, kann auf das Gymnasium. Es gibt immer weniger Versetzungsentscheidungen, auch am Gymnasium. Der entscheidende Punkt ist die Anzahl der Jahreswochenstunden. Es ist und bleibt so, dass im Vergleich aller Länder mit G9 das Saarland die geringste Jahreswochenstundenzahl am Gymnasium haben wird. Mit der SPD bekommt das Gymnasium im Saarland die rote Laterne. Die SPD senkt das Niveau am Gymnasium. Sie machen aus G9 ein Schmalspurgymnasium. Wir wollen als CDU ein Gymnasium mit Profil, wir wollen ein G9, das den Namen Gymnasium auch verdient.
Jetzt kann man sich die Frage stellen, warum Sie das machen. Was ist der tiefere Grund, der tiefere Sinn ihres Vorgehens? Warum schwächen die Sozialdemokraten das Gymnasium? Ist ihr Ziel, das Gymnasium und die Gemeinschaftsschule immer ähnlicher zu machen, die beiden Schulformen immer mehr anzunähern, bis sie am Ende gleich sind, sodass nur noch die Türschilder unterschiedlich sind? So, wie Sie hier vorgehen, so stur, so dogmatisch, das lässt einen Verdacht aufkommen. Das, was Sie heute machen und wie Sie es machen, ist der erste Schritt zur Einheitsschule. Der erste Schritt, um die Einheitsschule durch die Hintertür einzuführen, wie die Saarländer sagen, „dorsch die kalt Kisch“.
Das Gymnasium auf dieser Art zu schwächen, das „G9 à la SPD“, wie es heute eingeführt werden soll, schwächt auch das gegliederte Schulsystem.
Wir als CDU haben von Anfang an gesagt: Ja, wir sind konstruktiv. Wir haben bei der Ersten Lesung - -
Entschuldigung, Herr Toscani. Ich würde auch an dieser Stelle bitten, im Plenarsaal die Geräusche nach unten zu fahren, sodass der Redner die Möglichkeit hat, seine Rede zu halten. - Danke.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Ich wollte darauf hinweisen, dass wir uns in der Ersten Lesung des Gesetzes ganz bewusst enthalten haben. Wir haben nicht dagegen gestimmt, sondern haben uns enthalten und gleichzeitig gesagt: Wir wollen die Anhörung nutzen und im Sinne eines Ringens um die besseren Argumente unsere Argumente einbringen. Wir wollen vor allem auch zuhören, was die Lehrerinnen und Lehrer, was die Elternverbände und die Schülerverbände zu sagen haben. - All diese Verbände - Lehrer- und Elternverbände - haben in der Anhörung G9 kritisiert. Das interessiert Sie aber offensichtlich nicht. Deshalb bleibt uns nichts anderes übrig als zu sagen, dieses G9, wie Sie es heute einführen wollen, können wir beim besten Willen nicht mittragen. Wenn Sie Ihre Position nicht verändern, wenn Sie nicht auf diejenigen zugehen, die berechtigte Kritik üben, dann können wir dieses G9 nicht mittragen. Wir stehen als CDU an der Seite derer, die sich Sorgen machen über das, was Sie heute beschließen. Wir stehen für ein gegliedertes Schulsystem, für eine Gemeinschaftsschule mit einem eigenständigen Profil und ein Gymnasium mit einem eigenständigen Profil. Sie als SPD stehen für ein Schmalspurgymnasium. Sie gehen heute durch die Hintertür den ersten Schritt Richtung Einheitsschule. Deshalb müssen Sie heute das tun, was Sie angeblich nie tun wollten: eine einsame Entscheidung treffen! - Danke.
(Langanhaltender und lebhafter Beifall von der CDU. Vizepräsidentin Heib: Vielen Dank, Herr Toscani. Es liegt eine weitere Wortmeldung vor. Ich erteile für die SPD-Frakti- on Frau Julia Harenz das Wort. Abg. Harenz (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler! Leon besucht die siebte Klasse eines Gymnasiums und geht morgens um 7 Uhr aus dem Haus. Um 7.45 Uhr beginnt der Unterricht und dauert heute bis 15.45 Uhr. Bis er mit dem ÖPNV zu Hause ankommt, ist es 16.30 Uhr. Leon ist müde und würde sich eigentlich gerne zu Hause etwas ausruhen. Aber da sind noch die Hausaufgaben und die Englischvokabeln müssen auch noch gelernt werden. Also geht es zu Hause wieder an den Schreibtisch. Um 18.30 Uhr sind dann die Hausaufgaben erledigt und die Vokabeln gelernt. Aber der Tag ist eigentlich gelaufen, denn um 19.00 Uhr gibt es Abendessen.
Wenn es mit den Hausaufgaben einmal nicht so gut läuft oder noch für einen Leistungsnachweis gelernt werden muss, kann der Arbeitstag einer Schülerin oder eines Schülers durchaus auch einmal bis 19.30 Uhr oder länger andauern. Damit sind unsere Schülerinnen und Schüler häufig länger am Arbeiten als ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin im Vollzeitjob. Zeit für Freunde, Hobbys, Entspannung oder auch Persönlichkeitsentwicklung Fehlanzeige!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist nicht der Alltag, den wir uns für unsere Kinder und Jugendlichen wünschen.
Genau deshalb hat unsere Ministerpräsidentin in ihrer ersten Regierungserklärung, wie heute schon häufig gesagt wurde, angekündigt, dass das neunjährige Gymnasium wiedereingeführt wird. Es gilt, die Kinder und Jugendlichen zu entlasten und neue Räume zu schaffen. Denn darauf kommt es an.
Erst gestern habe ich noch mit einer Schülervertretung gesprochen. Alle haben gesagt, wie froh sie sind, dass zukünftig nicht Nachmittagsunterricht die Regel sein wird. Eine Entlastung kann nur dann erfolgen, wenn die Jahreswochenstundenzahl in der Sekundarstufe I nicht explodiert. Welche Entlastung bringt es, wenn die Schülerinnen und Schüler weiterhin fast jeden Nachmittag bis 15.30 Uhr oder 16.00 Uhr in der Schule sitzen, nur eben ein Jahr länger als bisher? - Genau, überhaupt keine, liebe Kolleginnen und Kollegen.