Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Es freut mich wirklich sehr, dass wir uns heute im saarländischen Landtag mit zwei Anträgen befassen, die die berufliche Bildung in den Fokus nehmen. Aus beiden Anträgen geht klar hervor, dass sich die demokratischen Fraktionen im saarländischen Landtag einig sind: Wir müssen uns entschlossen für eine hochwertige Ausbildung unserer Jugend und damit auch für die Fachkräfte von morgen einsetzen.
Liebe Kollegin Schmitt-Lang, liebe CDU Fraktion, auch wenn ich nicht in allen Punkten - in einigen bestimmt, aber nicht in allen Punkten - mit Ihrem Antrag übereinstimme, so teile ich doch voll und ganz eine zentrale Aussage. Ich zitiere, mit Ihrer Erlaubnis, Frau Präsidentin, aus dem CDU-Antrag: „Doch von einer gesellschaftlichen Anerkennung der beruflichen Bildung als gleichberechtigter Bildungsweg zur akademischen Bildung sind wir noch weit entfernt.“ Das ist leider Realität.
Auch ich mache immer wieder die Erfahrung, dass erfolgreiche Menschen im Handwerk oder in der Industrie, ob selbstständig oder angestellt, ob mit eigenem Betrieb oder im Familienbetrieb, ihren Kindern raten, einen anderen Weg einzuschlagen, nämlich zu studieren, um nicht „nur“ eine duale Berufsausbildung zu haben. Dabei genießt unsere duale Berufsausbildung weltweit höchste Anerkennung. Warum also ist das so? Weshalb wird ihr dieser geringe Stellenwert beigemessen? Wie kommt es zu dieser Wahrnehmung?
Liebe Kolleginnen und Kollegen, schon in meiner Plenarrede im Dezember habe ich dieses Thema angesprochen, und es bleibt mir weiterhin ein Herzensanliegen. Ich bin überzeugt, dass wir alle hier im Parlament die Verantwortung tragen, aktiv an dieser gesellschaftlichen Debatte mitzuwirken. Wir müssen die Debatte positiv gestal
ten und der beruflichen Bildung den Stellenwert zuweisen, den sie verdient. Denn wir haben eine hervorragende berufliche Bildung in Deutschland, natürlich auch im Saarland.
Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU-Fraktion, ich stimme Ihnen auch in dem Punkt zu, dass es auf nationaler Ebene unbedingt mehr Unterstützung für dieses wichtige Thema geben muss. Deshalb freue ich mich, dass im Mai dieses Jahres der Pakt für berufliche Schulen als gemeinsame Initiative der Kultusministerkonferenz und der Bundesregierung ins Leben gerufen wurde und seine Arbeit aufgenommen hat. Themen wie digitale Ausstattung, Fachkräftesicherung, Lehrkräfteversorgung in Bezug auf Qualität und Quantität, die Weiterentwicklung der Berufsschulen zur Gestaltung des Strukturwandels und von Transformationsprozessen sowie die Ausweitung beruflicher Qualifizierung Zugewanderter sind nur einige Aspekte, mit denen sich der Fachbeirat dieses Paktes befasst. Diese nationale Initiative wird dazu beitragen, dass die beruflichen Schulen in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung gestärkt werden.
Vielleicht erinnern sich einige von uns noch daran, wie es damals war, als wir selbst vor der Entscheidung standen, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen sollte. Vielleicht haben einige, so wie ich auch, ihre Kinder durch diese Phase begleitet oder begleiten sie gerade durch diesen Prozess. Letzteres ist bei mir im Moment der Fall, und ich kann deshalb aus aktuellem Anlass sagen: Jede Form von Input ist wertvoll. Besonders die durchaus unterschiedlichen Wege, über die junge Menschen an Informationen gelangen können, sind entscheidend. Sei es die Schule, sei es die Agentur für Arbeit, seien es Berufsmessen, Praktika, Erfahrungsberichte aus dem Freundes- und Familienkreis und nicht zuletzt die digitalen Angebote - jede Informationsquelle hat ihre Berechtigung. Denn nicht jeder junge Mensch fühlt sich von jedem Format gleichermaßen angesprochen. Gut also, dass sich die Landesregierung in verschiedenen Bereichen, sei es Bildung, sei es Wirtschaft, sei es Arbeit, dieses Themas annimmt. Die vielen unterschiedlichen Maßnahmen zeigen, dass wir bei diesem Thema gut und breit aufgestellt sind.
Eine absolute Erfolgsgeschichte zum Beispiel sind die Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter, ein gemeinsames Projekt des Wirtschaftsministeriums, der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer. Wie könnte man junge Menschen besser erreichen als durch Gleichaltrige, die aus erster Hand von ihren Erfahrungen berichten? Diese Botschafterinnen und Botschafter, meist Azubis im zweiten Ausbildungsjahr, geben Schülerinnen und Schülern auf Messen und Veranstaltungen zur Berufsorientierung, aber auch im Schulunterricht
Einblicke in ihren Ausbildungsalltag. Das Wirtschaftsministerium fördert die Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter bei ihren Einsätzen. In diesem Jahr werden rund 45 neue Botschafterinnen und Botschafter ausgebildet und für den Einsatz von den Ausbildungsbetrieben freigestellt. Herzlichen Dank an dieser Stelle allen Beteiligten für dieses tolle Engagement! Der größte Dank allerdings gilt den jungen Menschen, die mit viel Herzblut für ihren Ausbildungsberuf werben und so Jugendliche, aber auch - und das ist ganz wichtig - deren Eltern dafür begeistern. Das ist eine praxisnahe Berufsorientierung, die bei jungen Menschen ankommt.
Neben der Bereitstellung eines breiten Informationsangebots ist es auch wichtig, dass die berufliche Orientierung möglichst früh beginnt. Sie kann quasi gar nicht früh genug beginnen: Bereits im Kita-Alter sind die Kleinsten für handwerkliches Arbeiten spielerisch zu begeistern. Das wird von den Erzieherinnen und Erziehern in unseren Kitas auch gefördert und nicht selten durch den Besuch eines Betriebs vor Ort verstärkt. In diesem Zusammenhang geht auch ein Dank an die Handwerkskammer des Saarlandes, die unter dem Motto „Kleine Hände, große Zukunft“ mit dem Kita-Wettbewerb des Handwerks ebenfalls schon im Vorschulbereich sehr aktiv ist.
Fest verankert ist die Berufsorientierung auch in den Lehrplänen der allgemeinbildenden Schulen. Sie setzt in allen Schulformen, auch in den Gymnasien, in Klassenstufe 5 mit ersten Informationen über Berufe ein. Ab Klassenstufe 7 beziehungsweise 8 finden gezielte Maßnahmen zur beruflichen Orientierung statt, diese werden bis zum jeweiligen Abschluss fortgeführt. Den Prozess der Berufsorientierung gestalten die Schulen gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus der Berufsberatung und der Wirtschaft. Dabei nehmen sie die individuellen Bedürfnisse, Interessen und Potenziale aller Schülerinnen und Schüler in den Blick. Sie geben den jungen Menschen das notwendige Werkzeug an die Hand, mit dem diese ihren eigenen beruflichen Weg wählen können, indem sie die eigenen Interessen mit den Anforderungen und Möglichkeiten der Arbeitswelt abgleichen.
Ein Instrument, mit dem die eigenen Interessen prima überprüft werden können, ist die Praktikumswoche Saarland. Dieses Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 13 der allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, die freiwillige Praktikumstage in den Ferien absolvieren möchten. Interessierte Betriebe haben die Möglichkeit, ihre Ausbildungsschwerpunkte digital auf einer Plattform zu präsentieren, um potenzielle Auszubildende zu gewinnen. Die Schülerinnen und Schüler melden sich dort ebenfalls an und benennen durch Auswahl von Berufsfeldern ihre Interessengebie
te. In einem sich anschließenden plattformbasierten Matching-Prozess werden den Schülerinnen und Schülern Angebote für Praktika und den Betrieben die interessierten Praktikantinnen und Praktikanten zugeteilt. Dieses Verfahren ergibt einen individuellen Plan für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und führt zu einem täglichen Wechsel von Betrieb und Praktikantin beziehungsweise Praktikant. Das Ganze geschieht gänzlich ohne Papierkram, völlig unkompliziert über die Onlineplattform - absolut eine gelungene Sache.
Ebenso erfolgreich, weil auch zum Anfassen, ist der Tag des Handwerks. In diesem Jahr ließen sich mehr als 2.000 Besucherinnen und Besucher von den vielen Ständen und Workshops begeistern und konnten so einen Einblick in die rund 70 Ausbildungsberufe des Handwerks bekommen. Der Besuch dieses Aktionstages kann durch das Ministerium für Bildung und Kultur durch Werbung in den Schulen, aber auch durch Förderung bei den Fahrtkosten unterstützt werden. Zahlreiche Schulen nutzen dieses attraktive Angebot bereits. Auch hier gilt ein großer Dank allen, die das möglich machen: der Handwerkskammer, den Innungen, den Verbänden und natürlich den Handwerksbetrieben mit ihren zahlreichen Mitarbeitenden.
Meine Damen und Herren von der CDU, Sie sehen, dass der Tag des Handwerks ein längst etablierter Aktionstag im Saarland ist. Warum Sie ihn in Ihrem Antrag noch als Forderung aufzählen, ist mir deswegen im Moment nicht so klar.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Rede würde zu lange dauern, würde ich alles aufzählen, was im Zusammenhang mit Berufsorientierung bereits geleistet wird. Man könnte neben den zahlreichen Angeboten der Agentur für Arbeit auch von Ausbildungsmessen, Hausmessen, kreativen Schulveranstaltungen und vielem mehr berichten, das aber würde hier definitiv den Rahmen sprengen.
Ein Thema möchte ich aber am Ende noch aufgreifen: Nicht immer läuft alles geradeaus und wie gewünscht oder geplant. Nicht alle Jugendlichen haben die gleichen Voraussetzungen und Chancen, um ihren beruflichen Weg zu planen und dann auch zu beschreiten. In solchen Fällen ist es umso wichtiger, dass wir ein gutes Übergangssystem haben. Zum Schuljahr 2020/2021 wurde das Übergangssystem an den beruflichen Schulen im Saarland reformiert: Die jeweils einjährigen Schulformen Berufsvorbereitungsjahr, Berufsgrundbildungsjahr sowie Berufsgrundschule wurden zu einer einheitlichen Ausbildungsvorbereitung zusammengefasst. Mit dieser können Jugendliche, die die allgemeinbildende Schule nach neun Jahren ohne Hauptschulabschluss verlassen, durch praktisches und handlungsorientiertes Lernen auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden. Ebenfalls wurde
die dualisierte Berufsfachschule in verschiedenen Fachrichtungen mit verstärkten Praxisanteilen eingeführt.
Durch meinen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der beruflichen Schulen erhalte ich regelmäßig Einblick in die Praxis. Hierbei kommen auch Themen, bei denen es noch hakt, und Verbesserungen, die erwünscht wären, zur Sprache. Ein solches Thema ist das Ausbildungsvorbereitungsjahr. In diesem Übergangssystem gibt es oftmals Jugendliche, die noch nicht über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügen. Insoweit stimme ich Ihnen völlig zu, Frau Schmitt-Lang. Das macht es den Jugendlichen oft nicht möglich, dieses Jahr erfolgreich abzuschließen. Diesbezüglich reagiert das Bildungsministerium bereits und ermöglicht es Jugendlichen mit entsprechenden Bedarfen, ihre Kenntnisse in einem Sprachkurs zu verbessern. Dass dies jedoch keine langfristige Lösung darstellt, ist uns allen klar. Deshalb sollte die Landesregierung sich dieses Problems weiterhin annehmen, zusätzliche Sprachförderkräfte einstellen und eine langfristige Lösung erarbeiten.
Eine weitere Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler mit unzureichenden Deutschkenntnissen zu unterstützen, bietet das Verfahren 2P, Poten zial & Perspektive. Die Kombination aus Kompe tenzanalyse und sprachlicher Förderung wurde in der Testphase an drei beruflichen Schulen gut angenommen. Das ist ein Grund dafür, dass man das Pilotprojekt nun ausführlich evaluiert und als flächendeckendes Angebot für weiterführende, allgemeinbildende und berufliche Schulen ausweitet.
Doch auch das darf noch lange nicht alles sein. Damit die Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen bestmöglich gefördert und gefordert werden, braucht es entsprechendes Fachpersonal. Mit der aktuellen Landesregierung wurde der Abbau von Lehrerstellen gestoppt. Seit 2022 wurden über 1.500 Personen an unseren Schulen eingestellt, über 1.200 Lehrkräfte und fast 200 Sprachförderkräfte. Mit dem Mutmacht-Schule-Gesetz haben wir multiprofessionelle Teams und Schulen gestärkt und im Vergleich zu 2019 wurde die Anzahl der Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter an den Schulen mehr als verdoppelt. Diesen Kurs müssen wir fortführen, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch im Bereich der beruflichen Bildung.
Um junge Menschen an unseren Schulen in allen Bereichen zu unterstützen, müssen wir die Schulsozialarbeit noch weiter ausbauen und stärken, damit alle die Chance haben, ihren Schulabschluss zu erreichen und ihren eigenen Weg zu gehen, unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft.
Noch ein weiterer Baustein, da schließe ich mich meiner Vorrednerin an, ist wichtig, damit wir künftig auf einem guten Kurs sind: Die Digitalisierung darf nicht stocken! Deshalb fordern auch wir die Landesregierung auf, sich weiterhin für die Fortführung des DigitalPakts Schule 2.0 ein zusetzen, um die Weiterentwicklung der digitalen Bildung und die benötigte digitale Infrastruktur langfristig sicherzustellen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie Sie sehen, ist die berufliche Bildung bereits in ein strukturiertes System eingebettet, das in der Kita beginnt und alle Schulformen und Lehrpläne durchzieht. Wir brauchen es also nicht komplett auf neue Beine zu stellen, wir brauchen keinen kompletten Kurswechsel. Wir wollen an vielfältigen Maßnahmen festhalten und sie weiterentwickeln. Dort, wo es aktuell hapert, wollen wir an den richtigen Stellschrauben drehen, damit es wieder reibungslos läuft. Deshalb bitte ich Sie heute um Zustimmung zu unserem Antrag.
Ich danke Ihnen, Frau Kollegin Meiser. Ich eröffne nun die Aussprache. - Es liegen Wortmeldungen vor, und ich erteile für die AfD-Landtagsfraktion das Wort Herrn Fraktionsvorsitzenden Josef Dörr.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Ich glaube, das ist ein sehr wichtiger Tagesordnungspunkt. Ein großer Teil unseres Lebens ist ja Berufsleben. Wir werden natürlich auch erzogen, um ein erfülltes Leben zu führen, aber ein großer Teil auch dieses erfüllten Lebens ist unser Berufsleben. In meiner aktiven Zeit habe ich durch meine Schüler sehr viel mit Berufsschulen zu tun gehabt, und auch später als Abgeordneter und Beigeordneter im Regionalverband habe ich sehr viel mit Berufsbildungszentren zu tun gehabt. Wir brauchen einen Wechsel, zunächst mal einen Gesinnungswechsel, und zwar in die Richtung, dass wir nicht glauben, dass alle eine akademische Bildung anstreben müssten, nach dem Motto: „Mein Kind soll sich die Finger nicht schmutzig machen“ oder: „Meinem Kind soll es besser gehen als mir.“ Letzteres ist natürlich ein vernünftiges Anliegen, aber das heißt ja nicht unbedingt, dass ein Kind studieren muss. Wenn ich, wie gesagt, in meiner Zeit die Berufsschulen gesehen habe, dann habe ich die Schwierigkeiten der Kollegen gesehen, die es mit Schülern und Schülerinnen aus den verschiedensten Bildungseinrichtungen zu tun hatten. Da waren Kinder dabei, die keinen Hauptschulabschluss hatten, da waren Kinder dabei, die auf einer Förderschule waren, da waren Kinder dabei, die
auf dem Gymnasium waren, sie kamen aus allen möglichen Einrichtungen und auch aus allen Altersgruppen. Es waren 15-Jährige da und es waren 30-Jährige da. Mit all diesen Schwierigkeiten mussten Berufsschullehrer fertigwerden.
Das war immer schon ganz schwierig, deshalb gab es dort immer schon einen Lehrermangel und deshalb gab es auch immer schon Seiteneinsteiger, die eine Ausbildung hatten, die nicht immer genau zu dem, was sie unterrichten mussten, gepasst hat. Da kann man sich nur wundern und sehr dankbar sein, dass diese Männer und Frauen, die in diesen Schulen tätig waren, so Großartiges geleistet haben. Sie haben Großartiges geleistet, sie haben so Gutes geleistet, dass unser Berufsbildungssystem in Europa als Vorbild gilt.
Jetzt zu dem Problem, vor dem wir aktuell stehen. Es gibt schon seit Jahren eine Missachtung dieser Institution, man stattet die Berufsschulen nicht in dem Maße, wie sie es bräuchten, mit Personal aus. Da kann man Zahlen nennen, wie man will. Man braucht ja nur in den Berufsschulen mal nachzuhören, das ist eine Tatsache. Es werden immer zuerst die Räder geölt, die am meisten quietschen, das sind nicht die Berufsschulen. Das heißt also, da besteht schon seit langer Zeit ein ständiger Personalmangel. Was die Kollegin Schmitt-Lang eben vorgetragen hat, deckt sich ziemlich genau mit dem, was auch meine Erfahrungen sind. Ich greife jetzt ein Beispiel heraus, und zwar das Beispiel der Schülerinnen und Schüler, die kein Deutsch können. Man kann sagen: „Ich bin für die Einwanderung von ausländischen Menschen“, oder: „Ich bin dagegen“, aber eines ist doch sicher: Wenn die Leute hier sind, dann ist es doch nur menschlich und normal, dass man sie schnellstmöglich und bestmöglichst eingliedert. Das gilt vor allem für die Jugend. Ich habe Asylkinder zu der Zeit, als sie überhaupt nicht schulpflichtig und schulberechtigt waren, schon in meine Schulen aufgenommen, weil ich das als Verbrechen angesehen habe, dass man die Leute zu Hause sitzen lässt und nicht ausbildet. Wenn es also Buben und Mädchen im schulpflichtigen oder im berufsschulpflichtigen Alter gibt, die kein Deutsch können, dann ist es doch wichtig, dass sie zuerst einmal Deutsch lernen. Natürlich können die auch im Umgang Deutsch lernen, sie lernen saarländisches Platt und sie lernen auch ein bisschen Hochdeutsch durch das Fernsehen. Sie lernen auch Deutsch in der Schule. Aber das genügt nicht! Sie müssen gut Deutsch können und sie müssen Deutsch können, um später auch die Fachsprache, die ja anspruchsvoller ist, zu verstehen.
Das heißt, hier kann man nicht kleckern, hier muss man klotzen. Da kann man auch keine Probleme schönreden, man kann nicht sagen, wir haben schon dieses gemacht, wir haben schon jenes gemacht. Nein, man muss sich dort,
Insofern können wir dem Antrag zustimmen. Es ist nur ein erster Schritt, das ist natürlich nicht alles so, wie wir uns das vorstellen; das ist wahrscheinlich auch nicht so gemeint. Es ist jedenfalls ein erster Schritt. Es ist mal auf das Problem aufmerksam gemacht worden und die ersten Schritte müssen unbedingt gegangen werden: mehr Personal und Deutsch lernen in der Berufsschule. - Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Ich danke Ihnen, Herr Fraktionsvorsitzender. - Ich erteile nun für die SPD-Landtagsfraktion das Wort Herrn Abgeordneten David Maaß.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, das zentrale Problem ist das, dass es immer mehr Menschen gibt, die ein Studium beginnen wollen, und immer weniger, die sich für eine Ausbildung entscheiden. Das war vor zehn oder 15 Jahren sicher lich noch anders. Mittlerweile, im Jahr 2024, ist es so, dass fast die Hälfte der Schulabgänger ein Studium aufnimmt. Das stellt natürlich die Unternehmen, aber auch uns als Gesamtgesellschaft, vor große Herausforderungen. Deswegen ist es Aufgabe von Politik, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen und die Betriebe zu unterstützen.
Im Antrag der CDU findet sich beispielsweise die Forderung nach einer kostenlosen Meisterausbildung. Ich will dazu anmerken, dass es die in keinem grenznahen Bundesland gibt, natürlich auch nicht hier im Saarland, dass es aber jetzt schon umfangreiche Fördermöglichkeiten im Saarland gibt, auch über den Bund, die fast die Kosten der entsprechenden Ausbildung decken.
Dazu will ich jetzt ein paar Ausführungen machen. Zum einen zu einer Sache, die Ihnen sicherlich bekannt ist, nämlich zum sogenannten Meisterbonus, der 2018 von der saarländischen Landesregierung als saarländischer Aufstiegsbonus eingeführt worden ist. Das ist eine finanzielle Anerkennung für bestandene Meister- und Fortbildungsprüfungen. Das sind stolze 1.000 Euro, die der Absolvent als zweckge bundenen, nicht rückzahlbaren Zuschuss erhält. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich denke, das kann sich sehen lassen.
Genauso verhält es sich mit dem zweiten Part, das ist eine Förderung über den Bund, das sogenannte Meister- beziehungsweise Auf
stiegs-BAföG, das der Vorbereitung des Fortbildungsabschlusses dient. Es werden 50 Pro zent als einkommens- und vermögensunabhängiger Zuschuss bis maximal 15.000 Euro ge währt. Die Differenz zum maximalen Förderbetrag wird dann als zinsgünstiges KfW-Darlehen bezuschusst.
Ab Januar 2025 wird sich dort einiges ändern. Es gibt eine Reform auf Bundesebene mit einer noch stärkeren Unterstützung, um das Ganze noch attraktiver zu machen: Der Gesamtbetrag in Höhe von 15.000 Euro wird auf 18.000 Euro angehoben. Die Förderung „Ausstattung Meisterstück“ von 2004 wird auf 4.000 Euro, und der Kinderbetreuungszuschlag pro Kind pro Monat wird ebenfalls von 150 auf 160 Euro ange hoben. Bei einem erfolgreichen Abschluss werden dann anstatt 50 Prozent zukünftig 60 Prozent des noch nicht fällig gewordenen Darlehens erlassen. - Liebe Kolleginnen und Kollegen, das dient der Fachkräftegewinnung, das zeigt aber auch, dass es jetzt schon ausreichende Fördermöglichkeiten gibt, sodass wirklich nur noch ein geringer Eigenanteil übrigbleibt.
In dem Antrag der Kolleginnen und Kollegen der CDU findet sich auch die Forderung nach einer Ausbildungseignung, die automatisch zugesprochen werden soll, um die Quote der Ausbilder zu erhöhen. Wie Sie alle wissen, darf nach dem Berufsausbildungsgesetz nur derjenige ausbilden, der persönlich und auch fachlich dazu geeignet ist. Die entsprechenden Kenntnisse werden über die Ausbildung der Ausbilder, AdA, vermittelt. Wer den Meister hat, hat automatisch die AdA-Kurse, weil sie Teil der Meisterausbildung sind. Wer die Fachwirt-, Techniker- oder Betriebswirtausbildung hat, hat diese AdAKurse eben nicht, deswegen fehlt ihm auch die entsprechende pädagogische Eignung. Das Gute ist, dass beispielsweise über die Akademie für Berufe und Karriere entsprechende Kurse nachgeholt werden können, mit denen die Menschen sich die Kenntnisse erwerben, um ausbilden zu können.
Wichtig für die Politik, für die Gesamtgesellschaft ist es Berufsorientierung für junge Menschen zu garantieren. Dazu sind grundsätzlich die Schulen verpflichtet. Das Wirtschaftsministerium unterstützt mit diversen Programmen, zum Beispiel mit dem sogenannten BOP, dem Berufsorientierungsprogramm, ebenfalls gemeinsam mit dem Bund. Dabei soll die frühzeitige und auch praxisbezogene und systematische berufliche Orientierung bei Schülern allgemeinbildender Schulen, aber auch der Gymnasien, Interesse an der beruflichen Ausbildung wecken. Dadurch sollen realistische Vorstellungen über den Berufsalltag vermittelt werden. Es bietet den Betrieben einfach auch eine gute Gelegenheit, den Fachkräftenachwuchs zu gewinnen. Über eine sogenannte Potenzialanalyse des Einzelnen - den Begriff haben wir heute Morgen schon ge
hört, das ist aber etwas anderes - sollen die persönlichen fachlichen Kompetenzen und Interessen herausgearbeitet werden. Das Ministerium beteiligt sich ebenfalls an den Kosten der praxisorientierten Tage mit zehn Euro pro Tag pro Teilnehmer. Zur Praktikumswoche und zu den Ausbildungsbotschaftern hat die Kollegin Meiser vorhin schon etwas gesagt, ebenfalls zum Tag des Handwerks, der von der HWK auch mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums seit Jahren durchgeführt wird. Dort soll Handwerk hautnah, erlebbar, bunt und innovativ sein.