Interessant ist die Debatte, wie es mit dem Unterricht in den kommenden Schuljahren weitergehen soll. Hier wird offenbart, meine Vorrednerinnen haben es angesprochen, was der AfD wirklich wichtig ist und was nicht. Während der Ausfall in den Fächern Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern als besonders dramatisch bezeichnet wird, sind Gemeinschaftskunde, Ethik und Religion aus ihrer Sicht offensichtlich komplett entbehrlich. Die AfD macht keinen Hehl daraus, was sie von der politischen Bildung hält. Wir BÜNDNISGRÜNE sind bekanntermaßen einer anderen Auffassung. Es braucht gerade in dieser Zeit mehr politische und demokratische Bildung; gerade in dieser Pandemie.
Zum Thema Schwimmunterricht: Das Problem ist in der Tat virulent. Der Schwimmunterricht kann das zweite Jahr in Folge nicht richtig oder vollumfänglich stattfinden. Tausende Kinder bleiben bis auf Weiteres Nichtschwimmer. Das erfüllt mich mit großer Sorge. Genau deshalb hat das Kultusministerium bereits im vergangenen Jahr eine sogenannte „Task Force Schwimmen“ einberufen. Diese hat Empfehlungen erarbeitet, wie die Ausfälle kompensiert werden können. Währenddessen hat die AfD offensichtlich den zentralen Punkt noch immer nicht verstanden; deshalb von mir noch einmal der folgende Hinweis: Schwimmunterricht und Schwimmkurse scheitern derzeit nicht an fehlendem Begleitpersonal. Sie scheitern daran, dass die Bäder und die Freibäder geschlossen sind. Auch hier liefert Ihr Antrag keinen substanziellen Beitrag zur Lösung des Problems, sehr geehrte Damen und Herren.
Erlauben Sie mir zuletzt noch den Hinweis, dass auch der Kerninhalt des Antrages völlig verkürzt gedacht ist. Für die AfD sind Lernstandsanalysen nichts anderes als Vergleichsarbeiten. Das ist aber zu kurz gesprungen. Eine Lernstandsanalyse nimmt den gesamten Lernprozess in den Blick. Dabei müssen zwingend Lernausgangslagen berücksichtigt werden. Frau Leithoff hat das detailliert ausgeführt. Unser Ziel ist es, das individuelle Lernen der
Kinder zu unterstützen. Auch das passiert in den Schulen bereits, wenn auch aufgrund der unsicheren Öffnungen nicht immer flächendeckend.
Kurzum: Ihre Forderungen sind redundant. Sie bieten keine Lösungsansätze. Es braucht Ihren Antrag nicht. Wir werden ihn ablehnen.
Das war Frau Kollegin Melcher für die BÜNDNISGRÜNEN. Jetzt spricht Sabine Friedel für die SPD-Fraktion.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will mich zuerst bei Frau Leithoff für den Redebeitrag bedanken, weil er, glaube ich, deutlich gemacht hat, dass es aufgrund der besonderen Situation in dieser Pandemie, aber vielleicht auch grundsätzlich nicht verkehrt ist, mit einer Menge Empathie an das Thema Schule heranzugehen – Empathie für die Kinder, Empathie für die Lehrer und die Eltern. Ich bin deshalb dankbar, weil ich in den letzten Monaten den Eindruck hatte, dass dieser empathische Zugang auf das Bildungssystem und die Probleme, die uns die aktuelle Situation gerade verursacht, nicht nur Frau Leithoff, mich und die Kolleginnen und Kollegen in den Fraktionen leitet, sondern auch das Kultusministerium leitet und in den letzten Monaten geleitet hat. Dafür einen großen Dank!
Ich will eine zweite Vorbemerkung machen: In der Begründung für Ihren Antrag lese ich wieder etwas, das ich schon einmal gelesen habe. Sie beantragen, dass mehr Mathematik gemacht wird. Nun wissen Sie auch, dass wir nicht so viele Lehrer haben. Sie schreiben in Ihrer Begründung etwas, das Sie vor einem Jahr schon einmal geschrieben haben. Der Satz lautet: „Ausgebildete Lehrer für Mathematik sollten vorwiegend in höheren Klassenstufen den Fachunterricht erteilen. In den kleineren Klassenstufen“ – ich vermute, Sie meinen Jüngere – „kann der Unterricht fachfremd erteilt werden.“ Ich finde das deshalb so fatal, weil daraus deutlich wird, dass Ihnen jeglicher grundschuldidaktischer Zugang fehlt. Daraus wird klar, dass die großen Mühen, die der Anfangsunterricht an unseren Grundschulen und der fehlende Anfangsunterricht in der jetzigen Zeit, die das verursacht – – Das ignorieren Sie völlig.
Die Vorstellung, dass das Eröffnen des Zahlenraumes und das Vermitteln mathematischer Grundvorstellungen, wahrscheinlich genauso Lesen und Schreiben, fachfremd unterrichtet werden kann, spiegelt nicht nur eine gewisse Ein- und Wertschätzung negativer Art für den Grundschullehrerberuf wieder, sondern es offenbart gewisse bildungswissenschaftliche Lücken.
Kurz zusammengefasst lautet Ihr Antrag, wenn man ehrlich ist: Herunter mit Gemeinschaftskunde, Religion und Ethik. Wir brauchen mehr Mathe und Sport. Wir brauchen die Schule am Samstag und Praktika in den Ferien. Dabei ist es nur konsequent, dass Sie auch noch den Ausbau der schulpsychologischen Beratungsstrukturen fordern, weil man die danach braucht, glaube ich. Alles in allem folgt Ihr
Bild, das Sie zeichnen, dem Leitbild von Schule als Vermessungsanstalt für Kindergehirne. Das ist nicht unser Leitbild. Unser Leitbild von Schule ist der Entwicklungsraum für junge Menschen. In diesem Entwicklungsraum gibt es gerade viele Hindernisse. Viele engagierte Lehrkräfte versuchen, diese Stück für Stück an vielen Stellen mit großem Erfolg zu beseitigen. Dafür bin ich dankbar und glaube deshalb, dass die Kolleginnen und Kollegen recht haben, wenn sie uns die Ablehnung des Antrags empfehlen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Leithoff, ich habe es Ihnen angekündigt: Arbeiten wir uns an einigen Punkten ab. Sie haben gesagt, wir brauchen die Vergleichsarbeiten nicht. Wir möchten damit den Istzustand – – Was machen wir, wenn ein Schüler die Schule wechselt? Wie soll der Lehrer herausbekommen, wo er steht? Ich denke, die Vergleichsarbeiten helfen dabei. Sie haben weiterhin gesagt, dass der digitale Unterricht gut geklappt hat, gerade im MINT-Bereich. Klären Sie mich einmal auf, wo wir in Mittelsachsen – vielleicht habe ich ein halbes Jahr verschlafen – schnelles Internet hinbekommen haben. Ich sehe bei mir in der Gemeinde Großschirma noch wahnsinnige weiße Flecken. Ich sehe sie in Reinsberg, in Halsbrücke. Ich könnte noch unendlich viele Gemeinden in Mittelsachsen, auch in Ihrem Umfeld, aufzählen, in denen wir kein schnelles Internet haben, gerade im Gebirge. Wo hat dort der digitale Unterricht gut geklappt? Herzlichen Glückwunsch, CDU. Herzlichen Glückwunsch für 30 Jahre schnelles Internet in Sachsen. Wirklich!
Ja, Herr Piwarz, ich bin dort Wahlkreisabgeordneter und ich lege da Internet, ich lege da Glasfaser aus. Das mache ich demnächst.
Ja, da können wir ein wenig Praxis zusammen machen, fehlt ja auch den Schülern. Ersparen Sie sich solche Zwischenrufe.
Frau Neuhaus-Wartenberg, jetzt sitzen Sie hinter mir. Ich brauche nicht immer digitale Medien. Wir haben zu Hause für unsere drei Kinder letztes Jahr eine große Kreidetafel gekauft. Den Kindern macht es Spaß, sie malen jeden Tag
daran, wenn schönes Wetter ist. Da brauche ich kein Handygedaddel, da können wir uns draußen – – Daran können sie mit Mama und Papa malen, darauf kann man Zahlen schreiben. Man kann daran rechnen, schreiben. Man kann daran alles wunderschön didaktisch mit den Kindern machen. Dazu brauche ich keine digitalen Medien. Ja, so funktioniert Familie auch im ländlichen Raum.
Frau Friedel, Sie haben schon wieder etwas verwechselt. Wir reden von den weiterführenden Schulen, bei denen wir sagen, dort kann ein fachfremder Lehrer unten etwas machen, weil ich nicht weiß, an welcher Grundschule Biologie gegeben wird. Das hatten wir letztes Jahr schon, als wir einen ähnlichen Antrag hatten. Damals hatten wir die Diskussion. Ich traue einem grundständig ausgebildeten Lehrer zu, dass er einer 5. Klasse in Mathematik etwas in Geometrie vermittelt. Ich weiß, Sie können sich das nicht vorstellen. Ich kann mir das vorstellen.
Das zeigt, dass wir daran unterschiedlich herangehen. Ein guter Pädagoge wird in der Lage sein, einem Fünftklässler Mathematik fachfremd beizubringen.
Ja, wir wollen die Gemeinschaftskunde auf das alte Niveau vor der Novellierung zurückkürzen. Was ist denn 2017 passiert? Da ist die AfD bei der Bundestagswahl stärkste Kraft geworden, und da ist man nervös geworden, man verliert die Mehrheit.
Es wählen nur noch junge Menschen AfD. Jetzt müssen wir was tun. Was tun wir? Wir machen politische Bildung ab der 7. Klasse. Das ist eine ganz super Sache, da gibt es jetzt Theaterstücke für Bleiberecht. Das machen wir jetzt mit den Kindern, eine Staatsbürgerkunde 2.0 in allen Fächern, und das lehnen wir als AfD ganz entschieden ab, meine Damen und Herren.
(Beifall und Bravo-Rufe bei der AfD – Zurufe von den LINKEN – Rico Gebhardt, DIE LINKE: Mein Gott! – Zuruf des Abg. Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE)
Anstatt die Kinder zu indoktrinieren, sollen sie sich mit ordentlichen Sachen auseinandersetzen, zum Beispiel mit der Frage: Wofür benötigen wir CO2? Da sind wir bei unserem Schulgartenthema, das wir für gut halten. Also, wofür benötigen wir CO2? Dass Pflanzen wachsen. Schade, ich habe erst gedacht, Frau Neuhaus-Wartenberg, dass heute noch die Goldmarie von uns beiden abgespielt wird, aber irgendwann legen wir die gemeinsam, denke ich.
Wir könnten auch die Frage stellen für die Kinder und die Schüler: Welche Gefahren bringt die Energieversorgung
ausschließlich mit erneuerbaren Energien? Da kann Dunkelflaute und Energiesicherheit diskutiert werden.
Wo kommt das Lithium her? Wie ist die Wasserverschmutzung in Südamerika? Wo kommt das Kobold – – Jetzt hätte ich beinahe Kobold gesagt.
Also: Wo kommt das Kobalt her in Afrika, und wie viel Kinderarbeit ist dafür notwendig? Oder aktuell: Wie viel Plastikmüll entsteht jede Woche durch die Schnelltests? Sie brauchen pro Lehrer, pro Schüler pro Test eine Tüte Plastik. Auch das kann man diskutieren.
Nun aber noch zu einigen Punkten der Stellungnahme der Staatsregierung, auf die ich eingehen möchte: Wir sagen, wir möchten die schriftlichen Vergleichsarbeiten. Die Staatsregierung antwortet: Ja, es gibt da Kompetenzdefizite und Förderbedarf in verschiedenen Punkten. Wie wollen wir sie denn feststellen, wenn wir keine Vergleichsarbeiten machen? Ich meine, dafür haben wir doch einen Lehrplan,