Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Einmal mehr beschäftigen wir uns heute mit einem eher rückwärtsgewandten Antrag der AfD-Fraktion.
Unter diesen Vorzeichen wird von Ihnen die flächendeckende Einrichtung von Schulgärten gefordert, finanziert durch den Freistaat Sachsen. In denen sollen dann alle Grundschüler zu Spaten und Harke greifen und Gemüse anbauen, welches der Konsum gerade nicht anbietet. So ist das verklärte Bild der Kollegen der AfD.
Nun hat sich aber in den letzten 30 Jahren die Welt ein wenig weitergedreht. Mit ihr hat sich auch die Bildungspolitik im Freistaat Sachsen positiv entwickelt. Schulgartenunterricht findet nicht mehr statt und ist stattdessen Bestandteil des Sachkundeunterrichts in unseren Grundschulen. Schüler sollen also nicht nur wissen, wie eine
Möhre angebaut wird, sondern vielleicht auch wie eine Kuh gemolken wird. Ich fände es jetzt besonders witzig, wenn wir in jeden Schulgarten noch eine Kuh stellen würden.
Sie erfahren im Sachkundeunterricht die Zusammenhänge von Natur und Umwelt, erschließen sich die Welt wesentlich komplexer, um in ihrem künftigen Leben auf die Herausforderung unserer Gesellschaft vorbereitet zu sein. Hierbei spielen sicherlich auch Themen des Klimawandels, der veränderte Wasserhaushalt, das Wachstum der Pflanzen, der Pflanzenschutz sowie die Entwicklung neuer Arten und Umwelteinflüsse eine Rolle – Themen also, die wichtig sind, um die Zukunft unseres Freistaates verantwortungsvoll mitzugestalten. Sicherlich kann zur Verbesserung fachlicher Kompetenzen und individueller Erfahrungen auch ein Schulgarten, aber auch ein spezielles Umweltprojekt oder die Zusammenarbeit mit Kleingartenvereinen, Umweltverbänden oder Vertretern der grünen Berufe geeignet zu sein, um dies zu erfahren, vor welchen Herausforderungen die Landwirtschaft, der Gartenbau oder die Forstwirtschaft – wir haben heute schon darüber gesprochen – in Deutschland stehen.
Insofern stellt auch ein Schulgarten ein mögliches Instrument dar, also ein außerschulischer Lernort. So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Schulträger im Freistaat Sachsen gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern auf den Weg machen, Schulgärten in Grundschulen einzurichten, um das im Sachkundeunterricht Erlebte und Erlernte erlebbar zu machen. Ähnliches organisieren auch unsere Pädagoginnen und Pädagogen im Rahmen von Exkursionen in den sächsischen Wald oder in Landwirtschaftsunternehmen, auch vor dem Hintergrund, die hinter diesen Branchen stehenden Berufsbilder zu präsentieren und Interesse für eine spätere berufliche Laufbahn bei den Schülerinnen und Schülern zu wecken.
Seit 1993 existiert im Freistaat Sachsen der sächsische Schulgartenwettbewerb für alle allgemeinbildenden
Schulen. Er wird durch Preisgelder und Fortbildung begleitet. Mehr als 1 000 Schulen mit weit über 100 000 Schülerinnen und Schülern haben sich bis heute am Wettbewerb beteiligt. Auch in diesem Jahr erfreut sich der 11. Sächsische Schulgartenwettbewerb großer Beliebtheit.
Sie sehen, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Auseinandersetzung mit Umwelt, Natur, Land- und Forstwirtschaft und Ernährungswirtschaft funktioniert, auch ohne ein gesondertes Fach Schulgarten und die staatliche verordnete Einrichtung von Schulgärten. Die Vermittlung entsprechender Kompetenzen im Sachkundeunterricht der Grundschule ist der entscheidende Indikator, um die Interessen der Schülerinnen und Schüler zu wecken.
Auch im Bereich der Ganztagsangebote gibt es eine Vielzahl von sehr guten und nachhaltigen Projekten in den Bereichen Natur, Umwelt sowie Gartenbau. Diese Projek
te gilt es zu unterstützen. In diesem Rahmen hat sich die Koalition in dieser Legislaturperiode dazu entschieden, Schulträger bei der Einrichtung von Schulgärten im Rahmen der Förderrichtlinie zur Schulinfrastruktur zu unterstützen und diese Möglichkeit auch explizit in der Förderrichtlinie zu verankern, ohne dass es hierzu extra eines Antrages der AfD-Fraktion bedurft hätte.
Insofern werden wir Ihren Antrag ablehnen. Er trägt weder zur Verbesserung der Situation bei noch enthält er neue oder verwertbare Ansätze, um unsere Grundschulen und den bereits guten Unterricht weiter voranzubringen.
Vielen Dank, Herr Gasse von der CDU-Fraktion. – Nun die Fraktion DIE LINKE; Frau Neuhaus-Wartenberg, bitte schön.
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Damen und Herren! Der Antrag der AfD ist meiner Meinung nach ein neuerlicher Versuch, über eine harmlos klingende Forderung nach mehr und besserem Schulgartenunterricht, die im Übrigen ja auch die meisten Menschen im Grundsatz teilen, rechte Ideologie einzuspeisen.
Es geht Ihnen nicht um ein bildungspolitisches Thema und schon gar nicht um die Schülerinnen und Schüler, die durch Schulgartenunterricht mehr Wissen um Nachhaltigkeit, die eigene Gesundheit und Biologie vermittelt bekommen. Ich sage sehr deutlich: Wir haben überhaupt nichts gegen Schulgartenunterricht bzw. diesen auch abzusichern, und wir haben auch nichts gegen eine vernünftige Ausstattung der Schulen. Aber wir haben etwas gegen plumpe Deutschtümelei.
Der Schulgarten soll nach Ihren Vorstellungen insbesondere das Heimatgefühl der Kinder stärken. Ihr Begriff von Heimat beinhaltet aber immer Chauvinismus wie im Land, so im Garten und umgekehrt. Was Sie nicht begreifen, ist, dass Umweltschutz nicht Heimatschutz bedeutet und dass Erziehung zu Nachhaltigkeit bei den Jüngsten nichts mit biologischer Reinhaltung zu tun hat. Im Gegenteil. Was kommt als Nächstes? Verpflichtender Fahnenappell und Singen der deutschen Nationalhymne am deutschen Kartoffelbeet?
Was Sie eigentlich wollen, sind deutsche Kartoffelbeete, so weit das Auge reicht. Ich verrate Ihnen aber etwas: Die Kartoffel kommt eigentlich aus Lateinamerika, und Böden brauchen Vielfalt. Sie aber wollen Monokulturen. Das verödet die Böden und macht die Menschen krank, ebenso wie Sie unsere Gesellschaft krankmachen.
Und weil Sie aus dem Lehrplan zitieren: Ich empfehle Ihnen Lernbereich 1 Sachunterricht: Zusammen leben und lernen, Begegnung mit kultureller Verschiedenheit im Schul- und Familienalltag und im öffentlichen Leben, Kindern unterschiedlicher Herkunft begegnen, das Eigene am Fremden entdecken. Dazu könnten Sie doch einmal etwas machen. Es passt aber überhaupt nicht in Ihr Weltbild.
Eine Partei, die von Klimalüge und Klimaideologie schwafelt, die per Gesetz das Verbandsklagerecht im Umweltbereich angreifen will, die von Dieselmob im Ökowahn schwadroniert, die im Speziellen eine Klimaaktivistin und im Allgemeinen Hunderttausende junge Menschen aufs Übelste diffamiert, die die Energiewende ablehnt, eine Partei, die Leipziger Kitas, Pädagogen, Kinder und Eltern eines bewussteren Speiseplanes wegen der kulturellen Unterwerfung beschuldigt, eine Partei, in der man sich ein Atomkraftwerk in der Lausitz vorstellen kann, aber beim Anblick eines Windrades anfängt herumzuopfern und zu erklären, dass man nicht schlafen kann – eine solche Partei möchte nun Heimatgefühle im Schulgarten wecken.
Meine Damen und Herren, angesichts Ihrer Position und Forderungen in den Bereichen Naturschutz, Umwelt oder Klimaschutz, Energie- oder Verkehrspolitik klingt das gelinde gesagt nicht durchdacht. Ich habe den leisen Verdacht, dass – vorausgesetzt, Sie könnten alle Ihre Ideen einmal in die Tat umsetzen, wovon wir nicht ausgehen und wogegen wir kämpfen werden – das Einzige, was sich dann noch in einem sächsischen Schulgarten entfalten würde, Fahnen von vor 85 Jahren wären.
Wir lehnen Ihren Antrag ab, weil wir es überzeugten und bekannten Brandstiftern nicht abnehmen, Feuerwehr zu spielen.
Es gibt eine Wortmeldung an Mikrofon 7. Herr Dr. Weigand, Sie möchten vermutlich eine Kurzintervention machen? – Bitte schön.
Vielen Dank, Herr Präsident. Sehr geehrte Frau Wartenberg, nachdem ich Ihre Rede gehört habe, stelle ich fest, dass Sie Ihrem Anspruch, Vizepräsidentin dieses Hohen Hauses zu sein, nicht gerecht werden.
Ich stelle weiterhin fest, dass natürlich ein Garten Vielfalt schafft. Ich möchte zu Protokoll geben, dass ich die „Goldmarie“ als Kartoffelsorte sehr schätze.
Das war die Kurzintervention von Herrn Dr. Weigand an Mikrofon 7. Frau Neuhaus-Wartenberg möchte antworten. Mikrofon 1, bitte schön.
Vielen Dank, Herr Präsident. Zum ersten Punkt. Ich habe hier nicht als Vizepräsidentin gesprochen, sondern als ganz normale Abgeordnete des Sächsischen Landtags, als Mitglied der Fraktion DIE LINKE und als bildungspolitische Sprecherin.
Zum Zweiten. Wenn wir über Verhaltensregeln von Vizepräsidenten reden wollen, dann können wir das gern machen, und zwar an anderer Stelle.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Dieser Antrag ist ein reiner Schaufensterantrag.
Ernst nehmen kann man ihn nicht; denn er greift inhaltlich viel zu kurz. Sie begreifen offensichtlich noch nicht einmal, wozu Schulgärten eigentlich da sind, außer zur Ernährungserziehung und Heimatpflege. Sie haben den pädagogischen Mehrwert von Schulgärten überhaupt nicht begriffen.