Protokoll der Sitzung vom 06.07.2023

Genau.

(Zuruf des Abg. Henning Homann, SPD)

Es gibt schon eine. Herr Minister, gestatten Sie die Zwischenfrage?

Ja.

Frau Friedel, bitte.

Vielen Dank. Ich möchte noch einmal ordentlich fragen, denn das ist ja im Stimmengewirr schwierig. Ich habe Sie in Ihrem Vortrag so verstanden, dass Sie die Cannabis-Legalisierung ablehnen. Auf Nachfrage haben Sie deutlich gemacht, Sie sprechen hier für die Staatsregierung. Ist das zutreffend?

Frau Abgeordnete, ich kann gar nicht anders, als für die Staatsregierung zu sprechen; denn ein Abgeordneter bin ich nicht.

(Heiterkeit und Beifall bei der CDU – Jörg Urban, AfD: Aber Herr Günther und Frau Meier!)

Und die Stellungnahme der Staatsregierung ist – –

Gestatten Sie noch eine Zwischenfrage, Herr Minister? Ich muss hier ein wenig für Ordnung sorgen.

Ja.

Frau Friedel.

Entschuldigung; vielen Dank. Mir war bisher nicht bekannt, dass die Position der Staatsregierung zur Cannabis-Legalisierung zustimmend oder ablehnend sei. Wann und wie wurde diese Position gebildet?

(Zurufe von der CDU – Gegenrufe von den LINKEN)

Herr Minister, möchten Sie das beantworten? Sie können das auch nachreichen oder die Antwort verweigern.

(Zuruf des Abg. Carsten Hütter, AfD)

Nein, ich bin Staatsminister des Innern, stehe hier und soll zu diesem Thema sprechen. Die Staatsregierung hat mich dazu beauftragt. Das empfinde ich als eine gewisse Stellvertreterrolle, wie auch immer man das danach bewertet. Vielleicht haben Sie Glück und ich bekomme Stress.

(Heiterkeit bei der CDU – Sabine Friedel, SPD: Ich will nur, dass Sie die Wahrheit sagen!)

Das halte ich als Staatsminister des Innern sehr gern aus am Kabinettstisch, meine Damen und Herren. Jetzt werbe ich noch einmal dafür, dass auch unsere Argumente seriös bewertet werden. Das vermisse ich heute hier ein bisschen. Wer hier alles beklagte, die Debatte hätte kein Niveau!

(Unruhe im Saal)

Ich habe mich mit dem, was die Bundesregierung vorgelegt hat – –

(Anhaltende Unruhe)

Frau Präsidentin, ich weiß jetzt nicht so genau, was das hier soll.

(Susanne Schaper, DIE LINKE: Was machen Sie denn, Herr Schuster?)

Ich habe die Bitte, dass mir eine Minute gutgeschrieben wird.

Herr Minister, Sie haben so viel Redezeit, wie Sie gern möchten.

(Oh-Rufe von der CDU – Rico Gebhardt, DIE LINKE: Das nützt uns!)

Die Staatsregierung darf immer reden und dann bekommen die Fraktionen noch ein paar Minuten drauf.

Meine Damen und Herren! Ich habe mich mit dem CARe-Modell oder Zwei-Säulen-Modell der Bundesregierung intensiv auseinandergesetzt. Die Ziele, die die Ampelregierung in Berlin mit diesem Vorhaben verfolgt, haben jedoch aus meiner Sicht keine reale Grundlage.

Die Erfahrungen aus den Niederlanden, Studien aus Kanada und den USA belegen eindeutig: Der Schwarzmarkt bleibt, die Cannabis-Sucht bei Zwölf- bis 17-Jährigen

steigt, die Zahl tödlicher Verkehrsunfälle steigt, Vergiftungszentralen erhalten mehr Notrufe und das Risiko für Depressionen und Psychosen erhöht sich. Laut dem World Drug Report 2022 – aktueller geht es nicht –, einer MetaStudie der Vereinten Nationen, ist Cannabis in der EU die Ursache für rund 30 % der Drogentherapien. Der Bericht stellt ferner fest, dass die Legalisierung in Nordamerika zu mehr Drogenkonsum führt, vor allem unter jungen Erwachsenen. Mehr psychische Störungen, mehr Selbstmorde und mehr Krankheitsaufenthalte, so die Studie weiter, sind die Folgen.

Es ist für mich die Abwägung. Ich bin bei Ihnen: Wir haben heute keine gute Situation beim Thema Cannabis. Aber Sie riskieren mit einer Freigabe eine deutliche Verschlechterung dieser Situation, und ich glaube, das ist Ihnen nicht klar.

(Beifall bei der CDU)

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen künftig bis zu 25 Gramm pro Erwachsenem erlaubt sein. Er darf zu Hause mit drei Pflanzen eigengärtnern und er darf in Kifferklubs oder Social Clubs mit Cannabis versorgt werden. Jetzt liegt das vielleicht an meinem Alter. Ich denke da immer an diese kubanische Gruppe Buena Vista Social Club und dann wird es mir ganz warm ums Herz.

(Zurufe der Abg. Rico Gebhardt und Antonia Mertsching, DIE LINKE)

Meine Damen und Herren, das soll kein Humor sein. Merken Sie eigentlich, dass Sie von großpolitischer Ebene, aus den höchsten Ebenen der Politik jungen Menschen diese Droge verniedlichen, verharmlosen? Haben Sie eine Vorstellung, was das bedeutet?

(Beifall bei der CDU und der Staatsregierung)

Jetzt will ich zur zweiten Säule dieses Gesetzes kommen. Der Aufbau kommerzieller Lieferketten, staatlich kontrollierter Anbau, lizenzierte Shops – und die FDP denkt an Apotheken. Dort gehe ich übrigens hin, um gesund zu werden.

(Heiterkeit und Beifall bei der CDU und der AfD – Zurufe von den LINKEN und den BÜNDNISGRÜNEN)

Meine Damen und Herren, die Regierung in Berlin glaubt, mit solch einem Vorgehen den Schwarzmarkt eindämmen zu können. Wer glaubt in diesem Raum, dass der Staat mit der Organisierten Kriminalität,

(Zuruf der Abg. Sabine Friedel, SPD)

mit illegalen Drogenbanden im Rest der Welt und mit Dealern in einen Preiskampf treten kann, um den Markt zu beherrschen?

(Antonia Mertsching, DIE LINKE: Das ist doch Schwachsinn!)

Das Salonfähigste, was mir dazu einfällt, ist, dass das politisch total naiv ist. Das ist politisch total naiv.

(Beifall bei der CDU, der AfD und der Staatsregierung)

Das Einzige, was Sie mit diesem Vorgehen erreichen werden, ist eine Erweiterung des grauen Marktes, nämlich die Weitergabe an Kinder und Jugendliche.

Meine Damen und Herren, ich vermisse in dem Gesetzentwurf der Bundesregierung, wer das alles kontrollieren soll: drei Pflanzen zu Hause, 25 Gramm, Social Clubs. Wer soll das kontrollieren?

(Carsten Hütter, AfD: Da können wir neue Stellen schaffen!)

Sie nehmen sehenden Auges in Kauf, dass neue Abhängige erzeugt werden. Die Zukunft unserer Jugend wird aus meiner Sicht so gefährdet, Straftaten werden zunehmen, die Verkehrssicherheit nimmt ab. Wir werden mehr Drogenfahrten haben, mehr Arbeitsaufwand bei Cannabis-bedingten Unfällen, mehr Personalbedarf bei Bußgeldstellen, mehr Drogenvortests etc. pp.

(Rico Gebhardt, DIE LINKE: Mindestens! – Susanne Schaper, DIE LINKE, steht am Mikrofon.)

Gestatten Sie eine Zwischenfrage?