Meine Damen und Herren! Ihre Rechnung scheint zu lauten: Fotovoltaik, Wind, und dann war es das und wir sind bei 6 Cent oder 7 Cent – Herr Böhme, rechnen Sie doch einmal die ganzen Speicher hinzu, die Sie noch nicht einmal erfunden haben und von denen Sie noch nicht einmal wissen, zu welchem Preis sie produziert werden können. Dann rechnen Sie bitte den kompletten Netzumbau mit hinzu. Wenn Sie diese Rechnung beendet haben, die Sie jetzt aber noch gar nicht erstellen können, weil die Kosten nicht bekannt sind, dann schauen wir einmal, was aus den 6 Cent oder 7 Cent geworden ist.
Wir haben seit dem Jahr 2000 über das EEG ungefähr 500 Milliarden Euro verbraten, verbraten für eine Energiewende, die uns bis heute kein Stück weitergebracht hat. Wir haben einen doppelten Kraftwerkspark. Wir haben dieselbe Kapazität elektrisch installierter Leistung – fossil und erneuerbar.
Hör zu! – Wie viele Windräder und Fotovoltaikanlagen wollen Sie denn noch in die Landschaft stellen, um einmal den prognostizierten Energiebedarf für das Jahr 2050 zu bewältigen, nur im Strombereich 1 500 Terawattstunden? Wie soll das funktionieren? Wie soll unsere Landschaft hier aussehen? Also, ich bitte Sie!
Wir brauchen also sehr viel Energie und natürlich müssen wir auch die Kosten im Blick haben, auch für Kernkraft. Es ist keine leichte Aufgabe – das gebe ich gerne zu –, aber vielleicht sollten Sie einmal darüber nachdenken, wenn Sie schon sehr viel erneuerbare Energie machen wollen, dass Sie die Kernkraft sogar als Partner bräuchten. Warum? Weil Sie mit dem Kernkraftwerk im Sommer sehr gut Wasserstoff erzeugen können. Den können Sie dann zu einer anderen Zeit nutzen. Dann haben Sie Ihren Wasserstoff in ausreichender Menge. Mit den erneuerbaren Energiequellen können Sie in der Zeit Stromversorgung betreiben.
Das sind aber Sachen, die müssen Sie auch einmal zu Ende denken. Dann funktioniert es vielleicht in einem gewissen Maße.
Dennoch sind wir als AfD der Meinung, dass wir unsere Energieversorgung auf mehrere Säulen stellen sollen. Das habe ich hier schon mehrfach gesagt. Dazu gehören auch die fossilen Energieträger. Aber wir bleiben bei der Kernkraft. Deswegen noch ein Hinweis, weil Sie die USA als Beispiel angeführt haben: Die USA haben jetzt die Studie bezüglich der Standortprüfung abgeschlossen
Herr Böhme – für ehemalige Kohlekraftwerke, die entweder schon geschlossen wurden oder demnächst geschlossen werden sollen. Sie haben 80 Standorte benannt, die sehr wohl dafür geeignet sind, mit Kernkraftwerken bestückt zu werden.
Auch eine interessante Meldung: Windparkprojekte. Ich erwähne das, weil Sie gesagt hatten: Na ja, das eine Projekt wurde eingestellt, gut, dann kommt ein nächstes. – Es werden auch Windparks komplett eingestellt, weil sie sich nicht rechnen. Auch diese Meldung ist vielleicht interessant, Herr Dr. Gerber. Also, wir können auf beiden Seiten der Energieerzeugung von Projekten berichten, die eben noch nicht funktionieren. Aber man muss weitermachen. Man muss weiter forschen und vorankommen. Wir haben einen enormen Energiebedarf, der auf uns zukommt.
Alle KI-Anwendungen, die in Zukunft kommen, werden einen enormen Stromverbrauch haben. Also, wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir diese Masse von Strom produzieren können. Wir können uns nicht nur auf unsere Nachbarn verlassen.
Die Haltung ist sehr bequem, zu sagen, wir machen nur die Windräder, wir machen nur die Fotovoltaikanlagen, und der Rest muss eben von unseren europäischen Nachbarn kommen. – Auch sie werden sich weiterentwickeln, auch sie werden in Zukunft einen enormen Strombedarf haben. Wir können uns nicht nur auf unsere europäischen Nachbarn verlassen und dann deren Atomstrom beziehen.
(Rico Gebhardt, DIE LINKE: Sie konnten ja gar keinen Atomstrom liefern, weil sie kein Wasser hatten! Mensch!)
Es gibt zwei Sichtweisen auf die Kernenergie. Auf der einen Seite steht der politisch-mediale Komplex in Deutschland.
Auf der anderen Seite steht so ziemlich der Rest der Welt. Die Unglücke von Fukushima – dabei waren wir vorhin – oder Tschernobyl sind eindrucksvolle Beispiele hierfür. Es waren Missmanagement und Behördenversagen, die zum Unglück führten. Es war keine Schwäche der Technologie an sich.
Japan fährt die Kernkraftwerke wieder hoch. Dort hat man aus Fehlern gelernt. Die Bevölkerung möchte die Kernenergie zurück.
Der umstrittene Reaktortyp in Tschernobyl wurde vorrangig zur Plutoniumgewinnung für das sowjetische Atomwaffenprogramm gebaut. In Deutschland war und ist ein solches Kraftwerk bis heute zu keiner Zeit genehmigungsfähig.
Arroganz, Fehlentscheidungen und die vorsätzliche Missachtung der Sicherheitsvorschriften führten zu diesem Unglück. Die Kernenergie an sich war nie das Problem. Es waren sozialistischer Erfüllungseifer und Ideologie,
die in die Katastrophe führten; denn die Kernenergie ist eine der sichersten Energiequellen. Sie ist auf einem Niveau mit der Windenergie oder der Fotovoltaik.
Würden die Altparteien alle Technologien so bewerten, wie sie es bei der Kernenergie tun, dann hätten wir gar keine Energie in Deutschland. Bei einem einzigen Staudammbruch in China starben je nach Quelle bis zu 230 000 Menschen. Niemand mit einem Funken Verstand würde deshalb an ein Verbot der Wasserkraft denken. Aber genau mit dieser widersinnigen Logik wird in Deutschland, und nur in Deutschland,
Dass die erneuerbaren Energien mittlerweile zu einer Gefahr geworden sind, verschweigt man lieber. Was passiert – wenn man sich nur darauf verlässt – bei einem lang andauernden, flächendeckenden Stromausfall? Noch haben wir ihn nicht, aber ich habe vorhin von den Netzeingriffen gesprochen. In dem betroffenen Gebiet wäre bereits nach wenigen Tagen die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern nicht mehr gewährleistet. Die Folgen kämen einer nationalen Katastrophe gleich.
Wer das nicht glaubt, der wird auf der Seite 119 der Bundestagsdrucksache 17/5672 fündig. Wir erinnern uns: Als dieses Gutachten erstellt wurde, waren es 200 Netzeingriffe. Bisher musste das Stromnetz mehr als 15 000-mal gerettet werden. Wachen Sie jetzt endlich auf! Ihre energiepolitische Dogmatik, werte Kollegen, hat viel mit der Denkweise gemein, die zu den großen Katastrophen geführt hat: Arroganz, blinder Eifer, Ideologie.
Sie stellen die Eingriffe in das Energienetz als ein großes Problem dar. Sie sind der energiepolitische Sprecher Ihrer Fraktion. Wir haben das hier schon häufiger besprochen. Ihnen ist sicherlich der SAIDI-Index ein Begriff. Ihnen ist bewusst, dass er die ganze Zeit sehr hoch ist und dass auch der Zubau der erneuerbaren Energien in den letzten zehn Jahren quasi zu keinerlei Einbußen in diesem Index geführt hat und dass wir hier immer noch genauso souverän Energie produzieren wie vor zehn Jahren?
Nein. Ich kenne den Index. Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir seit dem Jahr 2000 vermehrt Netzstabilisierungseingriffe vornehmen müssen. Wir haben seit dem Jahr 2000
Sie könnten mich schon antworten lassen. Das wäre ganz nett. Seit dieser Zeit ist es immer öfter vorgekommen, dass zur Stabilisierung in das Netz eingegriffen werden musste. Das ist so. Das können Sie nicht einfach wegwischen. Wir
sind bei 15 000 Eingriffen im Jahr. Das ist einfach zu viel. Irgendwann wird es nicht mehr geschafft.
Machen wir weiter. Auch das Atommüllproblem ist eine Scheindebatte; denn von Atomaltlasten geht grundsätzlich keine größere Gefahr aus als von Chemiemüll, aber es scheint die GRÜNEN nicht zu interessieren. Die Untertagedeponie Herfa-Neurode in Hessen, übrigens die größte ihrer Art weltweit, hat ein größeres Giftpotenzial als die nuklearen Reststoffe in Deutschland jemals erreichen können. Herr Staatsminister Günther, haben Sie darauf schon einmal aufmerksam gemacht oder darauf, dass bereits technische Lösungen für die Wiederverwertung von Atommüll existieren?
Mit den modernen Reaktoren ist zukünftig nahezu eine komplette Wiederverwertung möglich. Daran muss gearbeitet werden, denn das ist wichtig. Ob wir dann noch ein geologisches Endlager brauchen, bezweifeln mittlerweile viele Experten. Um sich überhaupt die Möglichkeit der Wiederverwertung offenzuhalten, müssten Partitions- und Transputationstechnologien in Deutschland erlaubt sein. Die hat die CDU-Regierung mit dem Atomausstieg 2011 aber gleich mit verboten.
Wir wollen das rückgängig machen und setzen uns mit dem Antrag auch für die Wiederverwertung von nuklearen Reststoffen ein. Es ist Energie, die uns in Zukunft zur Verfügung steht. Die Welt entwickelt sich weiter, meine Damen und Herren, aber im Moment eben ohne Deutschland – leider.