Protokoll der Sitzung vom 12.06.2024

Andernfalls würden Sie sich ja keine Sorgen um deren Finanzierung machen müssen und vor diesem Hintergrund bitte ich um Zustimmung zu diesem Gesetz.

Vielen Dank.

(Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD)

Das war Valentin Lippmann für die BÜNDNISGRÜNEN. Für die SPD-Fraktion spricht jetzt bitte Albrecht Pallas.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die wehrhafte Demokratie, über die wir heute schon viel gesprochen und gestritten haben, lebt auch von mündigen Bürgerinnen und Bürgern und damit von der politischen Bildungsarbeit. Davon, dass diese Bürgerinnen und Bürger dieses Landes sich informieren, miteinander in den Austausch treten und selbst Ideen entwickeln. Das ermöglichen unter anderem

die politischen Stiftungen, auch parteinahe Stiftungen genannt.

Es gibt in Sachsen einige. Eigentlich kann man allen in diesem Parlament vertretenen Parteien mittlerweile politische Stiftungen zuordnen und der FDP. Dabei sind sie personell und organisatorisch unabhängig von den Parteien und das müssen sie auch sein.

Es werden Seminare, Lesungen, Foren, Bildungsfahrten und vieles andere mehr veranstaltet. Dafür haben wir als Haushaltsgesetzgeber bereits in der Vergangenheit Geld an die Stiftungen gegeben, um ihre Arbeit in Sachsen zu unterstützen.

Nun schaffen wir als zweites Bundesland nach SachsenAnhalt ein eigenes Parlamentsgesetz auf Landesebene dafür, wie es das Bundesverfassungsgericht im Februar 2023 schon vom Bundesgesetzgeber verlangte. Damit schaffen wir Rechtssicherheit für die künftige Förderung politischer Stiftungen in Sachsen. Alle bislang geförderten Stiftungen werden bis Ende 2024 gefördert, danach erfolgt die Förderprüfung für alle auf Basis der Kriterien des neuen Gesetzes. Zum Thema Vertrauensschutz hat Kollege Lippmann eben schon alles Richtige und Notwendige gesagt.

Aber das Bundesverfassungsgericht hat auch entschieden, dass nicht alle Stiftungen gefördert werden müssen. Wer vom Staat als politische Stiftung oder als politische Partei Geld erhält, soll damit nicht noch gegen die Demokratie arbeiten können, eigentlich logisch. Wer sich nicht freimütig und engagiert zu unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen kann, der braucht auch nicht auf Steuergelder zu hoffen. Wer sich dazu nicht imstande sieht, weil er das für zu viel verlangt hält, wer vonseiten des Verfassungsschutzes als gesichert extremistisch eingestuft wird oder dessen ihm nahestehende Partei selbst verfassungsfeindlich und von der staatlichen Parteienfinanzierung ausgeschlossen ist, soll nicht auch noch Geld für seine demokratiefeindlichen Umtriebe erhalten.

Als Sozialdemokratie wollen wir in diesem Parlament und außerhalb verhindern, dass die Tatwerkzeuge für die Angriffe auf diese Demokratie auch noch staatlich mitfinanziert werden.

Meine Damen und Herren! Der Aufbau der politischen Stiftungen nach 1945 hatte vor allem zum Ziel, die junge Demokratie der Bundesrepublik Deutschland zu stabilisieren. Dieses Ziel ist auch heute, im Jahr 2024, hochaktuell. Die Vermittlung der Werte unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung und die Schaffung demokratischer Diskursräume für die breite Bevölkerung sind notwendiger denn je. Die SPD-Fraktion wird dem Gesetz zustimmen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD, der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN)

Das war für die SPD-Fraktion Albrecht Pallas. Gibt es jetzt weiteren Gesprächsbedarf vonseiten der Fraktionen? –

(Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE: Herr Keiler wollte uns noch erhellen! Mit dem macht es bekanntlich richtig Spaß!)

Für die AfD-Fraktion Herr Dr. Keiler, bitte.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! An sich wollte ich nicht noch einmal sprechen, aber die Ausführungen von Frau Köditz und von Ihnen, Herr Lippmann, haben doch animiert, dass ich mich noch einmal zu Wort melde. Ich möchte etwas Licht ins Dunkel bringen.

(Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ach! – Kerstin Köditz, DIE LINKE: Die Sonne scheint! – Heiterkeit bei den LINKEN und der SPD – Jan-Oliver Zwerg, AfD: Ja, für Sie das letzte Mal!)

Was war das jetzt?

(Rico Gebhardt, DIE LINKE: Die Sonne scheint!)

Die Sonne scheint, okay.

(Jan-Oliver Zwerg, AfD: Für euch das letzte Mal! Das wisst ihr! – Rico Gebhardt, DIE LINKE: Bringen Sie mal ein bisschen Licht in das Dunkel Ihrer Stiftungen!)

Ja, das möge dann auch auf Sie abstrahlen, gell, Herr Gebhardt?

Die AfD hat im Bundestag in der Drucksache 20/8737 einen Gesetzentwurf zur Finanzierung politischer Stiftungen eingebracht. Die Grundposition der AfD zu diesen ganzen Stiftungsfinanzierungen, zu diesem ganzen Fördermittelwirtschaften, ist, dass das alles massiv eingedampft gehört.

(Sabine Friedel, SPD: Ja, ihr müsst auch keine Gelder …!)

Insofern ist es vollkommen richtig,

(Zuruf des Abg. Albrecht Pallas, SPD)

dass in der damaligen Zeit, damals durch den Prof. Elicker

(Sabine Friedel, SPD: Auch heute noch!)

vertreten auf unserer Position, argumentiert worden ist:

(Zuruf des Abg. Albrecht Pallas, SPD)

Wir fechten die Stiftungsförderungen an. Dazu stehen wir programmatisch auch heute noch

(Sabine Friedel, SPD: Geben Sie doch alle staatlichen Finanzmittel freiwillig zurück, Herr Keiler!)

und führen es im Bereich der politischen Stiftungen auf ein gerüttelt und vernünftiges, ein erträgliches Maß zurück. Es kann nicht sein, dass neben der Parteienfinanzierung noch 600 Millionen Euro an parteinahe Stiftungen fließen,

(Albrecht Pallas, SPD: Wir reden hier über Sachsen, Herr Keiler!)

für irgendwelche Aktionen, die mehr oder weniger völlig intransparent sind,

(Albrecht Pallas, SPD: Ich habe noch keinen Antrag gelesen, die Fördersumme zu reduzieren!)

nicht überprüfbar sind.

(Albrecht Pallas, SPD: Habe ich nicht gelesen!)

In diesem Gesetzentwurf sind in § 10 die Geldleistungen aus öffentlichen Mitteln genau definiert, spezifiziert. Ich darf § 10 Abs. 1 zitieren: „Die parteinahen Stiftungen erhalten insgesamt Geldleistungen aus dem Bundeshaushalt in einer Höhe, die maximal zwei Drittel der Summe der absoluten Obergrenze im Sinne von § 18 Abs. 2 und § 19 a Abs. 5 des Parteiengesetzes entsprechen […]“ Das wird massiv gedeckelt und massiv nach unten gefahren. Das ist die Grundintention der AfD.

Wir haben auch gesagt, Herr Lippmann:

(Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE: Ja?)

Solange das nicht zurückgefahren wird, wollen wir als AfD aus Gleichheitsgesichtspunkten an der geltenden Regelung partizipieren.

(Sabine Friedel, SPD: Oh, auch nicht sehr gradlinig!)

Sobald wir in Verantwortung sind oder kommen und die Möglichkeiten haben, das zurückzufahren, werden wir dieses Stiftungsunwesen zurückfahren,

(Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE)

ebenso die Förderprogramme der NGOs, davon können Sie ausgehen.

(Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE)

Das ist die Grundposition. Und dann wird es ganz schnell schlüssig.

(Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE, und Sabine Friedel, SPD: Nee!)