Über die weichen Faktoren gerade für den ländlichen Raum haben wir auch schon gesprochen. Es liegt nicht alles nur am Geld. Man muss sehen, dass man das Problem in den Griff bekommt, dass sich insbesondere junge Ärztinnen nicht nur auf die Ballungszentren, vor allem Magdeburg und Halle, konzentrieren, sondern dass sie auch in den ländlichen Raum gehen.
Das bisherige Stipendienprogramm war da nicht ganz so erfolgreich. Wir müssen also etwas tun, sonst wird Sachsen-Anhalt eben keine Modellregion für ein selbstbestimmtes Altern, wie es in der Investitionsstrategie vorgesehen ist.
Genau. - Dann würde ich darauf hinweisen, dass wir eine gute Entwicklung bei der Gesundheitswirtschaft sehen, erstens wenn die Gesundheitsangebote touristisch noch besser vermarktet werden und zweitens wenn sich die Gesundheitswirtschaft stärker mit der jetzt schon starken Ernährungswirtschaft zusammentut. Denn es gibt einen wachsenden Markt auch an gesundheitsfördernden Lebensmitteln. - Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Frederking. - Für die SPD-Fraktion spricht jetzt Frau Budde. Bitte schön, Frau Kollegin.
Ja, mal wieder ein bisschen Wirtschaft. - Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Vielleicht hat die Gesundheitswirtschaft auch eine Antwort auf die Frage, wie man die Mittagssenke, selbst wenn es halb vier ist, überwindet und wie man es erreichen kann, dass das Blut nicht ganz so schnell in den Magen sinkt, sodass wir bei einem Thema, das wirklich ausschlaggebend und wichtig ist für die wirtschaftliche Entwicklung und für die Menschen in Sachsen-Anhalt, etwas weniger angestrengt zuhören müssen.
Die Entwicklungschancen in der Gesundheitswirtschaft für den Standort Sachsen-Anhalt sind - das haben alle gesagt - klar erkennbar. Das unterstreichen wir auch. Sie sind selbstverständlich gut. Und selbstverständlich müssen wir die Chancen wahrnehmen.
Aber die Chancen liegen nicht in der Vereinzelung der Branchen. Sie sind bisher nicht als die Gesundheitswirtschaft bezeichnet und in dieser Komplexität betrachtet worden, vielleicht vereinzelt. Aber in erster Linie sind sie in den letzten Jahren den unterschiedlichen Branchen zugeordnet gewesen und haben dort natürlich eine Förderung erfahren. Das muss man einfach sagen.
Wenn man sich den Bereich der Ernährungswirtschaft, des Tourismus, der Pharmazie, die Dienstleistungsbereiche, die Krankenhäuser usw. anschaut, dann muss man feststellen, dass sie schon im Fokus der Landesregierung gewesen sind, und auch in unserem Fokus hier im Landtag, wenn wir über die wirtschaftliche Entwicklung geredet haben.
Aber in dieser Zusammenfassung als Gesundheitswirtschaft ergibt das natürlich eine neue Qualität. Ich glaube, wir sind uns darin einig, dass es dringend geboten ist, dass wir die Kooperationsmöglichkeiten nutzen, das wir das zusammen vermarkten und mit Unterstützung durch die Landesregierung Ansiedlungskonzepte erstellen sollten.
Wenn man sich die drei Bereiche anschaut, dann wird deutlich, dass es einen Bereich gibt, der allein durch die Alterung der Bevölkerung, durch den demografischen Wandel automatisch wächst. Deshalb und bedingt durch andere Entwicklungen ist es so, dass der Krankenhausbereich, der Pflegebereich, die Bereiche der Physiotherapie und der Heilmittel automatisch mitwachsen. Aber in erster Linie sind diese Bereiche öffentlich finanziert.
Der zweite Bereich, zu dem die private Vorsorge oder auf bestimmte Altersgruppen zugeschnittene Nahrungsmittel bzw. Nahrungsmittel, die einen bestimmten Mehrwert verschaffen sollen oder dies auch tun, Fitness und Wellness gehören, hängt vom Einkommen der Nutzer ab. Damit ist diese zweite Säule ein Bereich, der nicht automatisch wächst, der aber im besonderen Fokus unserer Entwicklung stehen sollte. Denn ich glaube, dass diese beiden Säulen zusammen eine gute Mischung für Sachsen-Anhalt ausmachen.
Als dritte Säule würde ich den Bereich der Medizintechnik, der Ingenieurwissenschaften und der Pharmazie bezeichnen, die hierzu einen Beitrag leisten und die auch noch andere Entwicklungspotenziale haben als die, die wir bisher ausgeschöpft haben.
Kooperationsnotwendigkeiten zwischen den verschiedenen Säulen in der Gesundheitswirtschaft, das ist die Herausforderung für Wirtschaft und Politik, der wir uns als Land stellen müssen. Voltaire hat einmal gesagt: In der einen Hälfte des Lebens opfern wir die Gesundheit, um Geld zu erwerben; in der anderen Hälfte opfern wir Geld, um die Gesundheit wieder zu erlangen. Schon er wusste, dass es irgendeinen Zusammenhang zwischen Gesundheit und Geld gibt. Was liegt uns näher, als den Wirtschaftsbereich Gesundheit zum Thema zu machen, wie es mit der Großen Anfrage passiert ist.
Wir verzeichnen eine starke Abnahme der Bevölkerung bei gleichzeitiger Alterung der Bevölkerung. Das zeichnet schon einen allgemeinen Trend der Gesundheitswirtschaft vor. Das ist auch eine große
Herausforderung, der sich die Gesundheitswirtschaft selbst auch stellen muss. Gesundheitsorientierte Dienstleistungen werden für die Bevölkerung immer wichtiger. Ich möchte nicht noch einmal aufführen, über welche Bereiche wir hierbei reden.
Wir haben auch eine ganze Reihe von Unternehmen im Land angesiedelt, die hier produzieren, sowohl im Bereich der Medizintechnik als auch im pharmazeutischen Bereich. Aber mit Blick auf das Arbeitskräftepotenzial - es gibt insgesamt mehr als 131 000 Beschäftige im Bereich der Gesundheitswirtschaft - muss man auch sagen, dass die Gesundheitswirtschaft ein Sektor ist, der für Beschäftigung sorgt.
Ein Stichwort, das dabei immer wieder genannt wird, ist das Thema Fachkräfte, ein kompliziertes Thema. Man denkt an dieser Stelle zumeist an junge Leute, die sich dafür interessieren, in dieser Branche zu arbeiten. Was brauchen junge Leute, damit sie sich für einen solchen Beruf entscheiden? - Sie wollen einen sicheren Arbeitsplatz, sie wollen eine vernünftige Entlohnung, sie wollen Karrieremöglichkeiten, sie wollen Familie und Beruf miteinander vereinbaren und sie wollen am Ende eine vernünftige Rente bekommen.
Diesbezüglich haben wir in vielen Bereichen der Gesundheitswirtschaft noch einiges zu tun, damit die Berufe diesen Vorstellungen gerecht werden. Insofern kann man einen Schluss ziehen aus dem Satz, den Ford einmal gesagt hat: Autos kaufen keine Autos.
Wenn wir den zweiten Bereich der Gesundheitswirtschaft entwickeln wollen, müssen wir bedenken, dass Menschen mit niedrigen Löhnen, mit niedrigen Einkommen die zweite Säule, die private Vorsorge nicht bedienen können. Das heißt, einer der wichtigen Punkte, wenn wir über die Gesundheitswirtschaft reden, ist neben der gesellschaftlichen Anerkennung auch die Frage, unter welchen Bedingungen und in welcher Höhe man seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Darüber müssen wir ganz elementar reden.
Wir reden immer nur über die Jungen, es gibt aber auch die Alten, die über ein hohes Maß an Kompetenz verfügen. Sie haben in diesen Bereichen viel Wissen erworben. Gerade im Bereich der Gesundheitswirtschaft sind die Kenntnisse und Fähigkeiten, die man sich über ein Berufsleben angeeignet hat, von großer Bedeutung.
Deshalb sollte man auch einmal die Frage in den Mittelpunkt rücken, wie kann man ältere Beschäftigte in diesem Bereich halten, wie kann man sie fit machen - das ist dann wiederum ein Thema der Gesundheitswirtschaft -, damit wir ihre Potenziale weiter nutzen können.
Thema von heute Morgen zurückkommen; das hatte ich angekündigt. Ich meine den Bereich der Neurowissenschaften und der Pflege, den die Universitätskliniken abdecken.
Ich will darauf hinweisen, dass es im Bereich der Neurowissenschaften eine sehr gelungene Verzahnung gibt, bei der verschiedene Bereiche, die irgendwie zu dem Bereich der Gesundheitswirtschaft gehören, zusammengeführt werden. An der Otto-von-Guericke-Universität gibt es die deutschlandweit einzigartige Möglichkeit, den Masterstudiengang „Philosophie-Neurowissenschaften-Kognition“ zu absolvieren.
Man braucht natürlich auch Ausbildungsstandorte, sowohl im Bereich der Studierenden als auch im Ausbildungsbereich. Auch das ist ein Faktor, der der Gesundheitswirtschaft Anreize bietet, nach Sachsen-Anhalt zu kommen. Insofern ist das eine gelungene Kombination, die man noch viel besser vermarkten muss. Beispielsweise finden interdisziplinäre Studiengänge auch internationale Beachtung und lenken den Fokus wieder auf uns.
Wenn man sich die biomedizinischen Schwerpunkte wie Neurowissenschaften und Entzündungen in Magdeburg anschaut, die Pflegewissenschaften, die in Halle angesiedelt sind, hinzunimmt und dann reflektiert, dass 1 % der 60-jährigen Menschen und 50 % der 90-jährigen Menschen unter Demenz leiden, erkennt man das Potenzial. Wir haben ja gute Chancen, alt zu werden. Wir können schon einmal abzählen eins, zwei.
Von denen, die 90 Jahre alt werden, erkrankt die Hälfte an Demenz. Es wird erwartet, dass es ab dem Jahr 2015 zu 10 000 Neuerkrankungen in Sachsen-Anhalt kommen wird. Die Kosten für einen Demenzpatienten liegen bei 50 000 € pro Jahr. Das macht deutlich, vor welchem Problem bei der Finanzierung das Land steht.
Insofern ist es besser, die Erkenntnisse, die wir jetzt schon aus diesem Forschungsschwerpunkt an der Universität gewinnen können, zu nutzen und Sachsen-Anhalt zu einer Modellregion zu entwickeln. Damit könnte man die Rate der Demenzkranken unter den 90-Jährigen vielleicht von 50 % auf 20 % oder auf 10 % senken. Vielleicht haben wir Glück und gehören zu denen, die davon profitieren können.
An diesem Beispiel wird die Verknüpfung deutlich. Es gibt nämlich schon eine interministerielle Arbeitsgruppe, die eine Reihe von industriellen Anwendungen identifiziert hat und versucht, das auszugestalten und Unternehmen anzusiedeln. In diesem Bereich wird es dann auch hochqualifizierte Fachkräfte geben.
Gestatten Sie mir noch zwei Sätze. - In der Gesundheitswirtschaft ist es wie überall in der Wirtschaft: Wenn man im Land nur verlängerte Werk
bänke hat, wenn man nur Unternehmen hat, die den Vertrieb organisieren, dann sind sie nicht wirklich standortgebunden. In der Landwirtschaft würde man sagen, wir brauchen eine bodengebundene Produktion. Das heißt, wir müssen hier Wertschöpfungsketten aufbauen. Dazu gibt es einige gute Ansätze, was wir vielleicht in der Moderation als Land leisten können.
Ich war am Montag bei der Firma Steinke in Halberstadt. Das ist eine alte Firma mit jungen Unternehmern, die eine hohe Binnennachfrage bedient, die Wertschöpfungsketten aufgebaut hat und die junge, gut bezahlte Arbeitskräfte beschäftigt. Wenn wir hier als Moderator zwischen den Krankenkassen und den Unternehmen, die im Land ansässig sind, wirken und dazu beitragen können, dass die Wertschöpfung im Lande bleibt, dann hätten wir schon eine ganze Menge geschafft.
Dies und mehr ist unsere Aufgabe als Politik, das Netzwerk enger zu knüpfen. Ich glaube, dass die Gesundheitswirtschaft in Sachsen-Anhalt auf guten Füßen steht und noch bessere Chancen in der Entwicklung hat. - Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Kollegin. - Das Schlusswort hat jetzt der Kollege Herr Dr. Thiel. Bitte schön, Herr Kollege.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Im Dezember des vorigen Jahres war ich zum Thema Gesundheitswirtschaft beim CDU-Wirtschaftsrat eingeladen.
(Heiterkeit und Beifall bei der LINKEN und bei der SPD - Herr Schröder, CDU: Die Ex- perten wissen, wohin sie gehen müssen!)
Dort haben wir sehr ausführlich über diese Fragestellung diskutiert. In diesem Zusammenhang kam auch die Diskussion hoch zu der Frage, Masterplankonzept, ja oder nein. Minister Bischoff hat es am Beispiel des Saarlandes erläutert. Es gibt durchaus eine Reihe von privaten Initiativen, die sich dort zusammengefunden haben. So sehen wir es nach unserem Verständnis auch für das Land Sachsen-Anhalt.
Herr Minister Bischoff, ich erwarte ja nicht von Ihnen, dass Sie wie Egon Olsen heute sagen: Ich habe einen Plan. Aber wenn wir über die Strukturen und die Chancen der Gesundheitswirtschaft reden, sollte man einfach einmal darüber nachdenken, wie man das entwickeln will.
Sie haben gesagt, wir brauchten keinen Masterplan. Das ist, so denke ich, ein Punkt, über den wir uns in den nächsten Monaten trefflich streiten werden. Denn in der regionalen Innovationsstrategie werden beispielsweise auch die Themen Gesundheit und Medizin aufgegriffen. Aber dort fehlen nach unserer Auffassung einige wichtige Felder, auf die ich noch einmal kurz eingehen möchte.
Das erste Feld - Frau Frederking hat es angesprochen - ist die Verknüpfung mit der Ernährungswirtschaft. Da ist eine ganze Menge machbar. Die Ernährungsbranche ist eine der stärksten im Land Sachsen-Anhalt. Wir lassen sie bei solchen Überlegungen immer ein bisschen außen vor, weil es eine Branche ist, die keine großartigen Hilfen benötigt. Natürlichen nehmen sie, wenn sie Fördermittel kriegen, diese auch in Anspruch. Das ist keine Frage. Aber es ist eine sehr stabile Branche.
Es gibt solche Überlegungen. Das haben Sie in der Antwort auf die Große Anfrage auch so geschrieben. Welche Vorstellungen hat das Netzwerk der Ernährungswirtschaft? Wie könnte man im Lande bestimmte Dinge miteinander verknüpfen? - Leider findet sich das im Handeln nicht wieder. Deswegen plädiere ich dafür, das noch einmal zu untersetzen.
Wenn letztlich als unterstützende Maßnahme das EU-Schulobstprogramm oder das EU-Schulmilchprogramm übrig bleiben, dann ist das einfach ein bisschen wenig. Denn es gibt eine Menge lokaler Initiativen. Jetzt halte ich einmal ein Plädoyer für den Burgenlandkreis. Alle meine Kollegen aus dem Süden kennen das Apfellatein. Entwickelt wurde es vom mitteldeutschen Netzwerk für Gesundheit, vom Netzwerk der Ernährungswirtschaft und vom Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft.