Protokoll der Sitzung vom 04.02.2021

Was den Wildverbiss betrifft, den Sie auch in Ihrer Rede angesprochen haben, haben Sie sicherlich die Jäger in unserem Land an Ihrer Seite. Ich denke, es helfen hier auch Gespräche, um eine vernünftige Wildbewirtschaftung in den Wäldern zu erzielen, damit der Verbiss in Zukunft nicht noch größeren Schaden verursacht.

Zur Waldbrandbekämpfung möchte ich kurz sagen, dass wir hierbei sicherlich noch Reserven haben. Gerade was die Wasserbereitstellung in den Wäldern betrifft, müsste, denke ich, zukünftig noch mehr getan werden, um die Brände effektiver bekämpfen zu können, wenn sie schon da sind.

Ein Thema, das ich in den vergangenen Jahren meiner Tätigkeit im Landtag immer wieder angesprochen habe, ist die Abschaffung der Doppelstrukturen. Sollte unsere Fraktion wieder die Gelegenheit bekommen, in einer nächsten Landesregierung mitzuwirken, wird das bestimmt wieder ein Thema in den Koalitionsverhandlungen sein.

(Zustimmung)

So wie Herr Daldrup schon Elemente eingestreut hat, werde ich dazu auch ein Element einstreuen.

Wir haben in diesem Haus immer wieder über die Personalstruktur diskutiert. Ich denke, das sollte man in der Diskussion über die Strukturen in der Forstverwaltung bei uns im Land mit erörtern.

Zur Ausbildung brauche ich hier nichts weiter zu sagen; das ist in den vergangenen Jahren gut gelaufen. Ich denke, wir sollten zukünftig daran festhalten. Ich sehe niemandem im Raum, der unsere Ausbildungsstätte infrage stellt. Sicherlich könnte man noch mehr Auszubildende übernehmen. Ich denke, es wird aufgrund der bestehenden Altersstruktur zukünftig durchaus hilfreich sein, dass wir selber so viel Personal ausbilden.

Für uns als SPD spielen neben den ökologischen Aspekten auch immer die sozialen Aspekte eine Rolle beim Einkommen aus dem Wald. Deshalb hat Frau Ministerin vollkommen recht, dass wir die Bauordnung angepasst haben, um das Bauen mit Holz zu erleichtern. Ich denke, man sollte zukünftig mehr machen, um diese Wertschöpfungsketten noch besser gestalten zu können.

Sie haben ein Unternehmen aus Finnland erwähnt. Ich möchte hier einen weiteren Fall erwähnen. In Österreich wurde eine Studie vorgestellt, wie man Schadholz zu Bioethanol verarbeiten kann. Ich denke, diese Möglichkeit sollten wir auch in Sachsen-Anhalt nutzen.

Zum Schluss noch einige Worte zu den Ökosystemleistungen. Ich weiß, dass ich hierbei nicht ganz auf der Linie mit meiner Bundes-SPD bin. Aber ich denke, trotzdem ist es so, dass der Wald allen zugutekommt. Deshalb möchten wir, dass Ökoleistungen anerkannt und vergütet werden. Somit würden wir die Forstbesitzer beim Waldumbau noch weiter unterstützen. Da durch den Wald langfristig CO2 gebunden werden kann, wäre es nur folgerichtig, diese Leistungen aus dem Topf der CO2-Steuereinnahmen zu vergüten.

(Zustimmung)

Meine Damen und Herren! Ich bin am Ende meiner Rede. Ich hoffe, in diesem Jahr macht der Wettergott nicht solche großen Kapriolen. Ich denke, wir brauchen mehr Wasser, auch im Winter. Zurzeit sieht es fast so aus. Ich denke, das wird so weitergehen. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall)

Vielen Dank, Herr Abg. Barth. Ich sehe keine Wortmeldungen. - Somit können wir zur nächsten Debattenrednerin kommen. Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wird die Abg. Frau Frederking sprechen. Sie dürfen an das Pult gehen und erhalten das Wort von mir. Bitte.

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Abgeordnete! Klimaschutz ist Waldschutz und Waldschutz ist Klimaschutz.

(Zuruf)

Leider sieht es in den Wäldern dramatisch aus. Dürre, Stürme und Schädlinge haben schon jetzt 25 000 ha Wald in Sachsen-Anhalt zerstört. Die Schäden erstrecken sich auf alle Baumarten aller Altersklassen und alle Waldarten, ob Wirtschaftswald oder weitgehend naturbelassener Wald. Selbst heimische Laubbäume, wie Eiche und Buche, sterben an vielen Standorten ab.

Die menschengemachte Klimakatastrophe ist die Hauptursache für das Waldsterben. Der Wald ist das erste große Opfer der Klimakatastrophe in unserer Region. Es gibt einfach nicht genug Wasser, sodass die Bäume anfällig werden oder regelrecht vertrocknen.

Wie immer im Leben wird es deshalb nichts bringen, sich nur mit den Symptomen zu beschäftigen. Wir müssen auch an die Ursache heran; denn wenn sich der Klimawandel verschärft, hat der Wald gar keine Überlebenschance mehr. Wir werden überhaupt nur dann robuste Wälder schaffen können, wenn wir gleichzeitig den CO2Ausstoß drastisch reduzieren und die negativen Klimaauswirkungen bremsen.

(Zustimmung)

Konsequenter Klimaschutz bedeutet Klimaneutralität bis spätestens zum Jahr 2035. Konsequenter Klimaschutz bedeutet, alle Maßnahmen zu ergreifen, und zwar von allen.

Bei einer Baumpflanzaktion im Oktober 2020 auf Einladung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Glindenberg haben wir 500 Stieleichen im Auengebiet gepflanzt. Fast alle kamen mit dem Auto angerauscht. Da passen Anspruch und Wirklichkeit nicht wirklich zusammen. - So weit zur Analyse von Problemen und Ursache.

Wie sieht nun die Lösung aus? - Durchaus realistisch scheint es zu sein, dass in der Zukunft einige der heutigen Waldstandorte gänzlich aufgegeben werden müssen, weil dort selbst trockenresistente Bäume nicht mehr wachsen können, zum Beispiel auf den trockenen Sandböden im Fläming. Eine künstliche Bewässerung zum dauerhaften Erhalt von Wäldern erscheint im Moment viel zu aufwendig. So bleibt im nächsten Schritt die Wiederaufforstung.

Ziel ist, klimastabile Wälder zu bekommen. Die Bäume müssen standortgerecht sein, sodass ihre Ansprüche möglichst mit den Eigenschaften des Standortes übereinstimmen. Zudem darf

die Baumart keine negativen Einflüsse auf den Standort haben.

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt hat hierfür eine Entscheidungshilfe zur Wahl von standortgerechten Bestandszieltypen unter sich ändernden Klimabedingungen zur Verfügung

gestellt. Trotz der Forschungen haben wir es mit sehr vielen Unwägbarkeiten zu tun. Daher danke ich Ministerin Dalbert für ihre Ehrlichkeit, wenn sie sagt, dass wir nicht genau wissen, welche Baumarten die Baumarten der Zukunft sein werden.

Wir wissen jedoch, dass Monokulturen - das sind großflächige Gebiete mit überwiegend gleichartigen und gleichaltrigen Baumbeständen - instabiler und vulnerabler sind, unter anderem für spezialisierte Schädlinge und auch bei Stürmen.

Eine viel bessere Chance auf Stabilität haben Mischwälder mit Bäumen verschiedener Arten und Altersklassen. Grundsätzlich sollte ein Kahlschlag ausgeschlossen werden. Bei Mischwäldern ist mehr Stabilität gegeben. Aber wir wissen eben noch nicht, welche Bäume sich gut an den Klimawandel anpassen können. Deshalb setzt man bei Mischwäldern auf eine höhere Vielfalt. Die Hoffnung dieser Strategie besteht darin, mit einer anderen Baumgruppe weiter zu wirtschaften, wenn eine Baumgruppe stirbt.

Um die wichtigen Ökosystemdienstleistungen, wie CO2-Bindung, Reinigung und Kühlung der Luft, Wasserspeicherung, Stabilisierung des regionalen Klimas und nicht zuletzt auch den Lebensraum für Tiere und Pflanzen, dauerhaft zu erhalten, brauchen wir stabile standortgerechte und klimaangepasste Mischwaldbestände.

Für den Wald der Zukunft müssen wir aber mehr als nur die Baumarten ändern. Wir brauchen mehr Waldränder, wie beispielsweise die FSC-Zertifizierung vorschreibt. Diese sind mindestens 30 m breit und bestehen aus Laubbäumen, einem Strauchmantel und einem blütenreichen Kräutersaum.

Es ist gut, dass der Umbau zu naturnahen Mischwäldern mit öffentlichem Geld gefördert wird. Bei unserer letzten Debatte zum Wald im Oktober 2019 war noch vorgesehen, für die folgenden fünf Jahre Mittel in Höhe von 2,5 Millionen € pro Jahr für den Waldumbau und den Waldschutz zur Verfügung zu stellen. Inzwischen hat sich die Summe für diese beiden Richtlinien auf 17 Millionen € pro Jahr erhöht - siebenmal so viel. Mit weiteren Fördertöpfen ergibt sich aktuell ein Fördervolumen von 21,5 Millionen € pro Jahr für den Privatwald und den Kommunalwald. Dieser sehr hohe Aufwuchs zeigt, dass der Wald von der Politik als gravierendes Problem wahrgenommen wird.

Wir haben diese öffentlichen Gelder für den Wald frei gemacht und wollen die Waldbesitzenden mit

ihren Problemen nicht allein lassen. Aber das viele Geld wird nur dann zur Heilung des Waldes beitragen können, wenn wir eben nicht weiterhin durch die Aufheizung des Klimas den Wald krankmachen. Es braucht also den Klimaschutz. Ohne den parallelen Klimaschutz wird es eben nicht gehen.

Der Forstbereich hat einen sehr hohen Stellenwert und wird gestärkt. Dazu sollen auch Unterstützungen helfen wie Verbesserungen beim Brandschutz, die Einrichtung von Nasslagern und die Sicherstellung von hochqualitativem heimischen Saatgut.

Ich befürworte es, sehr langlebige Produkte aus Holz herzustellen, speziell Möbel und Spielzeug. Dafür bieten sich natürlich auch Häuser an. Als grüne Landtagsfraktion haben wir uns deshalb im letzten Jahr im Rahmen der Novellierung der Bauordnung dafür eingesetzt, dass Bauen mit Holz einfacher wird.

(Zuruf von Oliver Kirchner, AfD - Weitere Zurufe)

Dabei werden auch gleichzeitig emissionsintensive Stoffe wie Beton verdrängt.

(Ulrich Siegmund, AfD: Wo kommt denn das Holz her? Aus Südamerika!)

- Es gibt immer Holz, das noch wächst. Dieses Holz soll auch genutzt werden.

(Ulrich Siegmund, AfD: Am Amazonas! - Weitere Zurufe von der AfD)

Bei der energetischen Nutzung des Holzes müssen wir natürlich genau darauf achten, dass Holz im regionalen Bezug in dem Umfang seiner Verwertung wieder nachwachsen kann. Alles andere wird nicht funktionieren.

Ich bin jetzt auf die Nutzung des Holzes eingegangen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten. Dennoch sieht es zurzeit für die Betriebe nicht rosig aus; denn es gibt ein Überangebot aufgrund der Schäden. Es gibt einen dramatischen Preisverfall. Es kommt hinzu, wie zuvor von mir beschrieben, dass der Klimawandel das wirtschaftliche Modell eines funktionierenden Wirtschaftswaldes immer schwieriger macht. An einigen Standorten wird man sich davon vielleicht auch verabschieden müssen.

Herr Daldrup hat danach gefragt, wie wir den Wirtschaftswald stärken können. Ich möchte deshalb in die Debatte einbringen - das hat Jürgen Barth vorhin auch angedeutet -, dass die Ökosystemdienstleistungen bezahlt werden könnten. Der Erhalt der Ökosystemdienstleistungen muss im Zweifel Vorrang vor der Holznutzung haben.

Wir sollten wirklich offen dafür sein, über neue Finanzierungsmodelle zu diskutieren. Es ist zum

Beispiel denkbar, dass wir diejenigen, die ökologische Leistungen erbringen, indem sie den Wald anpflanzen, indem sie ihn pflegen, sich um den Wald kümmern, sodass er zur CO2-Bindung beitragen kann, oder indem sie Totholz als Lebensraum für Tiere liegen lassen, dafür fair bezahlen. Es ist denkbar, dafür einen Teil der neu eingeführten CO2-Abgabe zu nutzen. Wir wissen, dass die derzeitige Abgabe in Höhe von 25 € pro Tonne in keiner Weise die Folgekosten abbildet. Das Umweltbundesamt hat deren Höhe mit 180 € beziffert. Von daher sollte eine höhere CO2-Abgabe angestrebt werden, die wiederum Spielräume für die Bezahlung der Ökosystemdienstleistungen des Waldes bieten könnte.

(Volker Olenicak, AfD: Vergesst nicht, das den Wählern zu sagen! - Daniel Rausch, AfD: Den Autofahrern!)

Frau Abg. Frederking, Ihre Redezeit ist zu Ende. Ich bitte Sie, den letzten Satz zu formulieren.

Die größte Herausforderung beim Wald

(Zuruf von Volker Olenicak, AfD)

bleibt aber eine ausreichende Wasserverfügbarkeit, und deshalb müssen wir an der Stellschraube des Wassermanagements drehen und sofort einen Paradigmenwechsel einleiten mit der Zielvorgabe, dass die Unterhaltungsverbände das Wasser nicht nur über die Gräben ableiten, sondern auch dafür sorgen, dass das Wasser gehalten werden kann. Als Gesellschaft sollten wir in gemeinschaftlicher Anstrengung probieren, alle Maßnahmen für einen klimastabilen