wirkungen des Klimawandels gehören ebenso dazu wie die Brandereignisse in diesem Jahr und vieles mehr.
Wer aber an die naturschutzfachlichen Grundsätze herangeht - das tut man, wenn man den Staatsvertrag aufheben müsste -, der hat die Bedeutung des Nationalparks für den Naturschutz, aber auch für den Tourismus in der Region und die Zusammenhänge, die sich daraus ergeben, nicht ganz verstanden oder nicht ganz erkannt.
Ich bin deshalb denjenigen aus dem Hause des Ministers sehr dankbar, die die möglichen Folgen eines solchen Ausstiegs sehr schnell und unmissverständlich aufgezeichnet haben. Verpflichtungen, resultierend aus den Vorgaben von Naturschutzgebieten, aus dem Grünen Band und auch aus den Vorgaben europäischer Förderrichtlinien würden berührt werden. Die Auswirkungen mit Blick auf die internationale Anerkennung wären kaum absehbar, so die Stimmen aus dem eigenen Haus.
Auch wenn die Aussage des Ministers jetzt als politisches Geplänkel abgetan wird und sie am Ende dazu dient, die eigenen Reihen zu bedienen, so zeigt die Reaktion doch auf, wie gefährlich es ist, an dieser Stelle die Axt anlegen zu wollen.
Wieder einmal blickt die Nation ungläubig auf Sachsen-Anhalt. Wieder einmal führen die Äußerungen des Ministers zu Unsicherheit bei den Betroffenen, in diesem Fall bei der Nationalparkverwaltung.
Herr Minister Schulze, ich appelliere an Sie, überlegen Sie bitte genau, welche Auswirkungen es hat, bevor Sie solche Äußerungen von sich geben, und bedenken Sie dabei stets, welches Licht das auf unser Land wirft.
Der Nationalpark Harz ist der einzige Ost-WestNationalpark, länderübergreifend mit einer einmaligen naturräumlichen Ausstattung und mit einer Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Mit dem Brocken liegt der höchste Berg der Region mitten im Nationalpark und gibt bei guter Sicht spektakuläre Blicke in die Umgebung frei. Der Harz ist das einzige deutsche Mittelgebirge mit einer natürlichen, klimatisch bedingten Waldgrenze und mittendurch verläuft das Grüne Band, die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der länderübergreifende Nationalpark Harz ist deshalb auch ein gelungenes Beispiel dafür, Grenzen zu überwinden, Orte zu schaffen, an denen Menschen sich begegnen. Im Harz gibt es viele davon.
Meine Damen und Herren! Aus all diesen Gründen ist der Nationalpark Harz der touristische Anziehungspunkt in Sachsen-Anhalt. Die Menschen kommen gerade wegen der Natur in den Harz. Sie schätzen die Ruhe und die Einsamkeit jenseits des Massentourismus. Sie schätzen die Art und Weise, wie die Nationalparkverwaltung mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort seit vielen Jahren eine hervorragende Arbeit leistet und den Harz gemäß dem Nationalparkgesetz entwickelt.
Entwickelt hat sich der Nationalpark Harz auch in der Ausdehnung der Naturdynamikzone. Waren es im Jahr 2006 noch 41 % der Gesamtfläche, so sind mit dem Jahr 2021 bereits 71 %
der Fläche Naturdynamikzone. Das heißt, in diesen bereits naturnahen Gebieten wird der Wald sich selbst überlassen. Man vertraut auf seine Kräfte. Der Mensch greift hier - bis auf sehr wenige Ausnahmen - nicht mehr ein.
Die internationalen Naturschutzregeln legen fest, dass Entwicklungsnationalparks wie der Nationalpark Harz nach ca. 30 Jahren auf mindestens 75 % der Fläche die natürliche Entwicklung der Ökosysteme gewährleisten sollen. Dieses Ziel ist mit dem Jahr 2022 bereits nach 16 Jahren erreicht. Das, meine Damen und Herren, ist ein großer Erfolg.
Natur sein lassen - mit diesem Motto wirbt der Nationalpark für sein Handeln, wie es durch das Nationalparkgesetz vorgegeben und geregelt und im Nationalparkplan in der Umsetzung beschrieben ist.
Der Nationalpark Harz ist einmalig. Wer die Axt an die Grundsätze dieses Nationalparks anlegt, der zerstört, was über viele Jahre mühsam aufgebaut wurde. Deswegen steht auch für uns als grüne Landtagsfraktion fest: Hände weg vom Nationalpark Harz! - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Naturverjüngung? - Das heißt, dass ich die Natur sich selbst überlasse und sich damit ein neuer Wald entwickelt.
(Johannes Hauser, FDP: Eben nicht! Das ist ein natürlicher Ausdruck für: Alle Bäume bleiben stehen und der Mischwald wächst hoch! - Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Das hat er doch gerade gesagt! - Unruhe)
ten! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf den Rängen! Dass wir den Nationalpark Harz weiter betreiben wollen, steht für uns alle, glaube ich, nicht infrage. Aber man durfte dem Minister in dieser Situation auch das Recht geben, so etwas einmal infrage zu stellen, damit die Diskussion erst einmal in Gang kommt.
(Zustimmung bei der CDU - Wolfgang Aldag, GRÜNE: Eben nicht! - Zurufe von den GRÜ- NEN: Nein! Eva von Angern, DIE LINKE: Was ist denn das für ein Demokratieverständnis? - Zurufe von Guido Heuer, CDU, und von Frank Bommersbach, CDU - Weitere Zurufe von den GRÜNEN und von der LINKEN - Un- ruhe)
- Ich habe nur klargestellt, dass es dadurch einen Diskussionsansprung gegeben hat, dass wir darüber diskutieren.
(Sebastian Striegel, GRÜNE: Jeder darf jeden Unsinn erzählen! - Zuruf: Damit hast du ja Er- fahrung! - Zurufe von der LINKEN - Unruhe)
Zu der Frage, ob der Minister nicht weiß, was im Nationalparkgesetz steht. Ich glaube, er weiß ganz genau, was darin steht. Darin steht auch: Wenn es nötig ist, dann muss man die Dinge überprüfen können und entsprechend einschreiten können.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich, auch im Namen unserer Fraktion, den Feuerwehrleuten und Einsatzkräften vor Ort für den einmaligen Einsatz, den sie im Harz geleistet haben, danken.
Es ist für uns ganz wichtig, klarzustellen, dass das ein enormer Einsatz von Material und Mensch war, der dort stattgefunden hat. Nun müssen wir uns auch darüber unterhalten dürfen, wie wir damit in Zukunft umgehen. Wir werden sehen, ob die Maßnahmen, die in der Wernigeröder Erklärung vorgesehen sind, um Schaden von Mensch und Hab und Gut abzuwenden, ausreichend sind. Wenn wir erkennen, dass das noch nicht ausgereicht hat, dann werden wir dazu in der Zukunft in der Diskussion bleiben müssen.
Denn eines ist auch klar: Wir haben festgestellt, dass das liegende Totholz, von dem es immer hieß, es brennt nicht, doch brennt und mit hohen Temperaturen brennt. Es brennt nämlich nicht, wenn man einen Steppen- oder Grasbrand im Wald hat. Dabei reden wir von Temperaturen von 200 bis 300 Grad. Wenn wir von Totholzbränden reden, dann reden wir von 600 bis 800 Grad. Es gibt auch Bodenbrände, bei denen das Saatgut nicht nur anfängt zu keimen, sondern es verbrennt und geht für den natürlichen Waldaufbau verloren, der dann wieder stattfinden soll. Deshalb muss man auch darüber nachdenken, ob man bei bestimmten Dingen eingreift.
Ich sage jetzt einmal, was in den letzten fünf Jahren schiefgegangen ist. Wir hatten fünf Jahre lang klimatische Wetterverhältnisse mit großer Trockenheit, die einen großen Einfluss haben. Aber was ist passiert? Ausgehend von dem Sturm, der diesen enormen Windwurf im Harz hervorgerufen hat, hätten wir reagieren müssen. Das ist nicht getan worden, weil man nicht auf die Fachleute gehört hat. Man hat gesagt: Lasst uns doch einmal abwarten, was passiert. Die Folge war der Borkenkäfer. Hier hätte man spätestens einschreiten müssen, um den Borkenkäfer zu bekämpfen. Denn dies hat ja nicht nur zu dem Baumverlust im Nationalpark geführt. Es hat auch zum Baum-
Aber hätte man an dieser Stelle mit Pflanzenschutzmaßnahmen entsprechend eingegriffen, dann hätte man dieses enorme Ausmaß der Katastrophe verhindern können; denn dann hätte sich ein Waldumbau langsam gestaltet und dann hätte sich auch im Nationalpark der natürliche Waldumbau gestalten lassen.
Dort hatten wir - das hat Herr Roi richtig gesagt - eine Fichtenmonokultur. Deswegen haben wir auch eine Fichtenmonokultur an Samen im Boden.
Das heißt, wenn wir dem Natürlichen seinen Lauf lassen, dann müssen wir damit rechnen, dass wir dort an bestimmten Stellen wieder Fichtenmonokulturen bekommen. Das hat uns der Chef des Nationalparks Dr. P. bereits erklärt, als wir mit dem Ausschuss dort waren. Wenn man möchte, dass sich dort andere Baumarten etablieren, dann muss man dort ganz gezielt andere Baumarten pflanzen. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Wir tragen alle die Verantwortung für die zukünftige Gestaltung.
Ein Wort zu der Aussage, dass wir Windräder in den Nationalpark stellen wollen. Das ist mitnichten so. In meiner Fraktion bin ich der Einzige, der den Vorschlag, Windräder in den Wald zu stellen, in die Waagschale geworfen hat - im Nationalpark nicht; der steht außen
vor. Wir wissen, dass sich die Kosten für die Schäden, die wir im privatwirtschaftlich betriebenen Wald und im Landesforst haben, in den nächsten zehn Jahren auf ca. 1 Milliarde € belaufen werden. Ich frage mich, woher das Geld kommen soll. Ich habe die Frage bzw. den Vorschlag formuliert, darüber nachzudenken, auf Kahlflächen eventuell ein Windrad in den Wald zu bauen oder mehrere, um die Kosten entsprechend einspielen zu können. Das war der Hintergrund.