In Spanien herrschen in diesem Jahr bereits extreme Temperaturen und wir haben eine dramatische Dürre. In manchen Orten werden die heiligen Figuren durch die Straßen getragen
und es wird für Regen gebetet. In Frankreich, wo am Atlantik die Aprikosenbäume sterben, reagiert man auf die Wassernot mit Kampf anstatt mit Gebet. So kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen und Würfen mit Molotowcocktails und Feuerwerkskörpern, als Menschen gegen den Bau von Wasserspeichern für die Landwirtschaft protestierten.
Sie ist eine der gravierendsten Auswirkungen der Klimakatastrophe. Die Situation für die Landwirtschaft hat sich dramatisch zugespitzt und die wichtige und zu würdigende Arbeit der Landwirtschaft ist bedroht.
Und mit Blick auf die Menschen und um ihre Ernährung zu sichern, muss die gemeinsame europäische Agrarpolitik so ausgerichtet werden, dass solche Maßnahmen gefördert werden, die der Landwirtschaft helfen, widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen der Klimakatastrophe zu werden.
Bodenfruchtbarkeit und Wasserverfügbarkeit können z. B. mit Humusaufbau, mit AgroforstSystemen, mit Hecken und mit tief wurzeln- den Leguminosen verbessert werden. Das sichert die Ernten von morgen und das sichert auch den Betrieben eine auskömmliche und gewinnbringende Basis. Zum Selbstschutz der Landwirtschaft ist eine Agrarwende erforderlich. Aber sie kann nur zusammen mit einer
Ernährungswende funktionieren; denn für die landwirtschaftlichen Urprodukte muss es einen Absatz geben.
Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung und Verbrauch müssen immer zusammen gedacht werden. Der Landwirtschaftsausschuss hat in jedem Jahr die große Freude, bei der Grünen Woche Frau Prof. K. zu erleben. Sie führt uns mit ansteckender Begeisterung die neuen Produktentwicklungen der Hochschule Anhalt vor. Beim letzten Mal gab es Brot aus Ackerbohnen. Dieses Leguminosenbrot gibt es nun auf dem Markt. Es wird in Bäckereien angeboten.
Was ist das Fazit? - Für Agrarprodukte, die zu einer nachhaltigeren und klimastabileren Landwirtschaft beitragen, sollten auch Absatzmärkte geschaffen werden. Bei Biolebensmitteln ist die Klimabilanz je nach Produkt zwischen 5 und 25 % günstiger.
Sie sollten allerdings aus der Region kommen; denn Produkte aus der Region haben grundsätzlich einen kleineren CO2-Fußabdruck.
Würde die Landesregierung hier Maßnahmen zur Nachfrageerhöhung auf den Weg bringen, könnte sie auch ihr selbst gestecktes Ökolandbauziel von 20 % bis zum Jahr 2030 besser erreichen
und zugleich könnte der Kaufeinbruch bei Bioprodukten ausgeglichen werden. Auf der Bundesebene kommt die Bio-Außer-Haus-Verpflegung-Verordnung - feinstes Behördendeutsch -
Täglich essen 16 bis 17 Millionen Menschen in Deutschland in Kantinen oder anderen Gemeinschaftsverpflegungen. Das ist ein beachtlicher Markt, der auch für regionale Produkte erschlossen werden sollte.
Küchen, die mehr Bioprodukte einsetzen wollen, können sich mit bis zu 35 000 € für die Beratung fördern lassen. Ich würde mich freuen, wenn auch in Sachsen-Anhalt Kantinen von diesem Angebot Gebrauch machen.
Die Landesregierung muss dafür sorgen, dass mehr regionale Produkte und mehr regionale Bioprodukte in der Gemeinschaftsverpflegung von öffentlichen Institutionen zum Einsatz kommen. Über diesen Teil sprechen wir heute noch. Das schafft auch für die sachsen-anhaltische Landwirtschaft ein sicheres Einkommen und Planungssicherheit.
Wegen dieses Trends und weil die jetzige Nutztierhaltung Defizite beim Tierschutz hat, wie der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik bereits im Jahr 2015 an den ehemaligen CSUMinister Schmidt meldete, gibt es nun Antworten aus Berlin zum Umbau der Tierhaltung.
Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir macht nun ernst, nachdem 16 Jahre lang auf diesem Gebiet unter der CDU-Kanzlerin Merkel nichts passiert ist.
Mit einem Gesamtpaket, bestehend aus vier voneinander unabhängigen Bausteinen, die alle spätestens Anfang 2024 greifen sollen, stößt er die Tür für mehr Tierwohl auf. Damit bekommen die Betriebe Planungssicherheit und Verlässlichkeit.
Erstens. Mit der verbindlichen Tierhaltungskennzeichnung wird Transparenz für die Verbraucherinnen geschaffen. Und sie ermöglicht es der Landwirtschaft, tiergerechtere Haltungsbedingungen auf dem Markt auch sichtbar zu machen. Eine Kennzeichnung hatten schon CSU-Ministerin Aigner, CSU-Minister Schmidt und CDU-Ministerin Klöckner angekündigt, doch am Ende haben sie nichts auf den Weg gebracht. Nun beginnt Minister Özdemir mit dem Frischfleisch von Mastschweinen.
Danach wird die Kennzeichnung für alle Tier- arten und für verarbeitete Produkte wie für Wurst auf alle Vertriebswege, z. B. auf die Gastronomie, ausgeweitet.
Drittens. Eine Bundesförderung - Herr Hauser hat es angesprochen - für Investitionen zum physischen Umbau der Ställe, um partiell von Mehrkosten für die Unterhaltung entlastet zu werden, bietet tierhaltenden Betrieben eine verlässliche Perspektive.
Viertens. Vereinfachungen im Bau- und Genehmigungsrecht ermöglichen Betrieben den Umbau zu höheren Haltungsformen.