Russisch lernen galt in Jahren nach der Wiedervereinigung bis Anfang der 2000er-Jahre deshalb auch zu Recht als eine kluge Investition in die eigene Karriere,
weil es in Osteuropa und darüber hinaus interessante Arbeitsmöglichkeiten eröffnete. Wenn man eine typische Altparteienphrase verwenden wollte, könnte man sagen: Wir waren damals auf einem guten Weg.
Das ging aber nur so lange gut, bis der Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin im Jahr 2000 im Deutschen Bundestag eine Rede hielt, in der er, damals noch unter allgemeinem Beifall, die Idee eines in Frieden und Freundschaft prosperierenden eurasischen Wirt
schaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok entfaltete. Das wiederum führte dazu, dass in Washington alle Alarmglocken schrillten -
war es doch schon immer der Albtraum der Amerikaner, dass Deutsche und Russen in Frieden und Freundschaft zusammenfinden. Deshalb schüren die USA nicht nur politische Konflikte in Osteuropa, sondern sie versuchen auch, kulturell einen Keil zwischen Russland und das übrige Europa zu treiben,
(Olaf Meister, GRÜNE: Ich denke, Sie wollen über die russische Sprache reden! Was hat das mit der russischen Sprache zu tun?)
und fördern aktuell eine Kampagne gegen Russland, die so radikal ist, dass sie auch die unpolitischsten Kulturäußerungen erfasst und - wie das Beispiel des CDU-Landtagsabgeordneten Rosomkiewicz zeigt - sogar vor dem Sprachunterricht nicht haltmacht. - Das hat damit zu tun, um Ihren Zwischenruf zu beantworten.
Russland soll uns förmlich verekelt, alles Russische soll uns abspenstig gemacht werden. Ein Graben soll zwischen und unserem wichtigsten Nachbarn in Osteuropa gezogen werden, ein Graben, der so tief sein soll, dass ja nie wieder eine Mehrheit in diesem Land auf die Idee kommt, wir könnten in Freundschaft, Frieden und Handel mit Russland verbunden sein.
Wir sollen stattdessen glauben, überteuertes Gas aus den USA importieren zu müssen sowie nach Russland keine Waren exportieren zu dürfen, und sollen das alles als alternativlos ansehen. Das ist der wahre Zweck der antirussischen Propaganda. Diese Propaganda dient nicht unserem deutschen Interesse; sie dient dem Interesse der USA - und die CDU macht mit.
Aber wir, die Alternative für Deutschland, machen dabei nicht mit. Für uns ist das deutsche Interesse der höchste Maßstab der Politik und deshalb bekennen wir uns jetzt, gerade jetzt, zum Russischunterricht an unseren Schulen.
Es ist ein Glücksfall der Geschichte, dass wir nach dem Zusammenbruch des Kommunismus als Überbleibsel der engen Bindung zwischen DDR und UdSSR eine weitverbreitete russische Sprachfähigkeit in den neuen Bundesländern haben.
Wir sollten dieses Erbe als einzigartige Brücke nach Osten nutzen und pflegen, anstatt es möglichst schnell abwickeln zu wollen und damit denen zu gefallen, die uns unterdrücken, ausnutzen und unsere Pipelines sprengen.
(Zustimmung von der AfD - Guido Kosmehl, FDP: Wer unterdrückt Sie denn? - Olaf Meis- ter, GRÜNE: Gute Frage!)
- Um zu sehen, dass dieses Land und diese Regierung unterdrückt werden, müssen Sie sich nur das Gesicht von Kanzler Scholz ansehen, als er neben Biden stand und der verkündet hat: Wir werden euer Nordstream-2-Projekt be- enden. - Dann wissen Sie, dass diese Regierung unterdrückt wird.
Die letzten aus der DDR stammenden Russischlehrer werden in den nächsten Jahren in Pension gehen. Jedes Jahr kommen weniger Russischlehrer nach als Russischlehrer in Pension gehen.
Wenn wir nichts tun, wird auch - und gerade angesichts der antirussischen Propaganda - in wenigen Jahren das Russische aus unseren Schulen verschwunden sein. Die Diagnose des Abg. Rosomkiewicz trifft ja durchaus zu; wir teilen nur die Bewertung nicht.
Während die Landesregierung die Hände in den Schoß legt und das Aussterben des Russischunterrichts wohlwollend zur Kenntnis nimmt, finden wir uns damit nicht ab. Wir wollen etwas dagegen unternehmen und haben deshalb den vorliegenden Antrag eingebracht.
Angesichts der immer verrückter werdenden Stellenstreichungswellen, die über die Universität Halle hinweggehen,
brauchen wir eine in den Zielvereinbarungen festgeschriebene und nicht mehr verhandelbare Bestandsgarantie für die Slawistik an der Uni Halle, damit dort auch in Zukunft noch Russischlehrer ausgebildet werden können.
Weiterhin sollten russische Muttersprachler mit Hochschulabschluss, die etwa im Zuge des Ukraine-Konflikts nach Sachsen-Anhalt gekommen sind, als Seiteneinsteiger einfacher in den Schuldienst eingestellt werden können. So würde der Ukraine-Konflikt, anders als Rosomkiewicz meint, nicht dazu beitragen, dass Russisch an unseren Schulen verschwindet. Nein, sondern er würde im Gegenteil dazu beitragen, dass es erhalten bleibt.
Wie heißt es nicht so schön im russischen Volksmund: Нет худа без добра, was frei übersetzt heißt: Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut ist.
Natürlich müssen die ausgesetzten Schulpart- nerschaften wiederaufgenommen werden. Die Russisch-Olympiade muss erhalten bleiben. Und schließlich brauchen wir als Antwort auf die allgegenwärtige Hetze gegen das Russische eine groß angelegte Russischoffensive, mit der das Bildungsministerium Schülern und Eltern die Vorteile des Russischlernens deutlich macht.
Natürlich ist Russisch mit seinen sechs Fällen, der fremdartigen Schrift und den Verbalaspekten schwerer zu erlernen als bspw. Englisch. Aber schwerer heißt im bildungspolitischen Denken der AfD eben nicht schlechter. Nein, schwerer heißt besser, weil es besser ist, sich mehr anzustrengen, weil derjenige, der sich mehr anstrengt, mehr lernt und tiefer geformt, also besser gebildet wird.
Idiomatisch richtiges Englisch ist übrigens auch schwer. Englisch ist aber so strukturiert, dass es sich relativ schnell falsch sprechen lässt, weshalb so viele meinen, sie könnten nach ein paar Jahren Schulunterricht Englisch sprechen und uns mit ihrem blasierten Radebrechen auf die Nerven gehen. Englisch verleitet zum oberflächlichen Lernen und Sprechen.
Russischunterricht ist insofern auch eine Schule der Gründlichkeit und hat eine besondere pädagogische Qualität. Völlig unabhängig davon, wie
man zur aktuellen russischen Regierung steht, ja sogar, wenn man zu denen gehören sollte, die sie sich dort einen Regierungswechsel herbeisehnen, was ich für mich persönlich weit von mir weise,
aber selbst wenn man so denkt, kann man nichts dagegen haben, den Russischunterricht in Sachsen-Anhalt zu stärken und für die Zukunft zu sichern. Es gibt keinen Grund, den Russischunterricht an unseren Schulen sterben zu lassen. Viele gute Gründe aber sprechen dafür, den Russischunterricht zu erhalten. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag.
Herr Dr. Tillschneider, es gibt zwei Interventionen, zum einen von Frau Sziborra-Seidlitz und zum anderen von Herrn Räuscher, der sich gemeldet hatte, sich dann aber wieder hingesetzt hatte. Ich gehe davon aus, dass er keine Nachfrage hat, sondern eine Intervention machen möchte. - Frau Sziborra-Seidlitz.
Herr Tillschneider, es ist zum Glück so, dass Sie sich mit Ihren Ergüssen immer selbst als das entlarven, was Sie sind, nämlich eine Sprechpuppe Putins.
gang der russischen Sprache in unserer Kultur und des Russischunterrichts in Deutschland im Moment vor allem auf den imperialistischen Angriffskrieg Putins auf die souveräne Ukraine zurückzuführen ist. Ich hoffe, dass er Sie gut bezahlt für Ihre Reden.
Ich selbst hatte Russischunterricht in der Schule und bin sehr dankbar dafür, dass ich dabei nicht nur die russische Sprache, sondern auch viel über Kultur, über Solidarität und über die Geo- grafie dieses interessanten Landes gelernt habe. Aber vor allem bin ich dankbar dafür, dass meine Russischlehrerin mir beigebracht hat, worum es dabei geht, nämlich um Völkerver- ständigung, und dass sie mich in vielerlei Hin- sicht in die Lage versetzt hat, die Botschaft zu senden, die heute in allen Sprachen, aber vor allem im Russischen gehört werden muss, näm- lich: Заканчивайте войну в Украинe - мир украинскому народу