Protokoll der Sitzung vom 02.06.2023

Alle Abgeordneten der AfD-Fraktion können gern einmal in der Tabelle nachschauen, welche Bedingungen sie erfüllen müssten, um in der jeweiligen Altersgruppe das Sportabzeichen in Bronze zu erreichen. Wenn Sie an dieser Stelle klar „Ja, gern und morgen fange ich an!“ sagen, dann kommen Sie noch einmal zurück und wir führen die Debatte. Ich glaube, den Tag werden wir nicht erleben. - Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Zustimmung bei der SPD, bei der LINKEN und bei den GRÜNEN - Zurufe von der AfD)

Wir kommen zum nächsten Debattenbeitrag. Für die Fraktion DIE LINKE spricht Herr Gebhardt. - Na, dann los.

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich möchte die Debatte zum Thema

erst einmal dafür nutzen, um mich namens meiner Fraktion, aber ich denke auch im Namen des gesamten Hauses, bei allen Verantwortlichen in den zahlreichen Sportvereinen in diesem Land herzlich zu bedanken. Was dort von Übungsleiterinnen und Übungsleitern sowie von Trainerinnen und Trainern geleistet wird, ist sehr bemerkenswert und kommt vor allen Dingen den Kindern und Jugendlichen in unserem Land zugute. Das kann man gar nicht genug wertschätzen. Es ist viel Engagement, viel Leidenschaft dabei. Deswegen ein herzliches Dankeschön an die, die das in diesem Land aufrechterhalten.

(Zustimmung bei der LINKEN, bei der CDU, bei der SPD, bei der FDP und bei den GRÜ- NEN)

Ein zweiter Punkt der mir wichtig ist in dieser Debatte: Ja, wir haben enorme Defizite. Die sind auch fast wöchentlich in den Medien zu lesen. Erst letztens war ein großer Beitrag in der „Mitteldeutschen Zeitung“ dazu zu finden, wie sich die Nichtschwimmerquote entwickelt hat. Wir wissen, dass die zwei Pandemiejahre einen erheblichen Anteil daran hatten, dass viele Entwicklungen stagnierten oder einige sogar in ihrer Entwicklung zurückgeworfen wurden. Dort ist ein enormer Nachholbedarf.

Deswegen sind wir auch ausdrücklich immer wieder dafür und haben es hier mehrfach beantragt, dass ein Schwimmbadfonds kommen muss, dass wir dort Investitionen tätigen müssen, dass wir im Sportlehrerbereich nachlegen müssen usw. usf. Ein Sportabzeichen ist nun, glaube ich, in der Rangfolge ziemlich weit unten anzusiedeln. Wir denken, dass es andere Dinge gibt, die man in dem Bereich prioritär behandeln müsste. Ich habe ein paar Beispiele genannt. Deswegen werden wir den Antrag ablehnen. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Als Nächster spricht Herr Silbersack für die FDPFraktion.

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Das Deutsche Sportabzeichen ist tatsächlich eine Erfolgsgeschichte für die ganze Sportbewegung, für alle Menschen im Land und natürlich auch in Sachsen-Anhalt. Das Land Sachsen-Anhalt hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten überdurchschnittliches geleistet, was das Ablegen des Deutschen Sportab- zeichens betrifft. Wer sich die Tabellen und die Zahlen anschaut, sieht, dass wir sowohl im Bereich der Jugendlichen als auch bei den Junggebliebenen besser sind als der Durchschnitt der anderen Bundesländer.

Zur Wahrheit gehört auch, dass in den alten Bundesländern das Deutsche Sportabzeichen bei Weitem nicht so im Fokus steht, wie das bei uns in Sachsen-Anhalt und in den anderen neuen Bundesländern der Fall ist. Das hängt auch damit zusammen, dass insbesondere die Schulen sehr stark und sehr intensiv an der Abnahme des Sportabzeichens teilnehmen.

Warum ist das so? - Weil der organisierte Sport - das ist seine originäre Aufgabe - 180 Termine im Jahr anbietet, an denen das Sportabzeichen abgelegt werden darf. Jeder hier im Hohen Haus, der einmal bei einem solchen Sportabzeichen-Wettbewerb dabei war, merkt, dass dies das richtige Format ist, gemeinsam ein Sportabzeichen abzulegen, also freiwillig miteinander in den Wettstreit zu gehen. Ich halte relativ wenig davon, dem organisierten Sport das Thema wegzunehmen. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die wir auch in der Zukunft fortschreiben sollten.

Ich selbst war vier Jahre lang als Vizepräsident Breitensport im DOSB für genau dieses Thema

zuständig. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt diesen Drive hineinbringen und es in die Schulen schieben würden, dann würde das nicht passen. Die Kooperation leben wir in Sachsen-Anhalt schon. Wir leben die Kooperation zwischen dem organisierten Sport und den Schulen.

Dafür ist es wichtig, dass man engagierte Sportlehrer hat. Aber die Befähigung, die Prüfung für das Sportabzeichen abzunehmen, haben sowohl Trainer als auch Sportlehrer. Es ist also eine Mischung. Deshalb muss ich ganz ehrlich sagen: Ich verstehe die Intention, die Sie verfolgen, noch mehr hineinzubringen, aber es ist eine freiwillige Aufgabe. Je mehr Kinder und Jugendliche wir motivieren können, dort in einen Wettstreit zu gehen, desto besser.

(Zustimmung von Konstantin Pott, FDP)

Deshalb gilt es doch viel mehr, den organisierten Sport weitergehend dahin gehend zu unterstützen, dass noch mehr Kinder und Jugendliche es machen. Das können die Kreissportbünde oder die Vereine tun. All diese Strukturen haben wir. Die sind erfolgreich. Das ist eigentlich auch das Maß der Dinge, auf das wir zurückgreifen sollten.

Ich lade jeden hier im Raum ein: Am 16. Juni 2023 besteht in Braunsbedra die Möglichkeit, das Deutsche Sportabzeichen abzulegen für die, die es in diesem Jahr noch nicht abgelegt haben. Jeder ist ganz herzlich eingeladen. - Vielen Dank, meine Damen und Herren.

(Zustimmung bei der FDP)

Dann kommen wir zum nächsten Debattenbeitrag. Es spricht Frau Sziborra-Seidlitz für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. - Sie haben das Wort.

Vielen Dank. - Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Schul- sport ist ein unverzichtbarer Bestandteil umfassender Bildung und Erziehung. Er soll bei allen Kindern und Jugendlichen die Freude an der Bewegung und am gemeinschaftlichen Sporttreiben wecken und die Einsicht vermitteln, dass sich kontinuierliches Sporttreiben verbunden mit einer gesunden Lebensführung positiv auf ihre körperliche, soziale, emotionale und geistige Entwicklung auswirkt.

Gleichzeitig soll Sport in der Schule Fähigkeiten wie Fairness, Toleranz, Teamgeist, Mitverantwortung und Leistungsbereitschaft fördern und festigen. - So beschreibt die gemeinsame Erklärung der Präsidentinnen der Kultusministerkonferenz, des Präsidenten des Deutschen Sportbundes und des Vorsitzenden der Sportministerkonferenz vom 12. Dezember 2005 die moderne Bedeutung des Schulsports.

Das Lernen von Freude und Spaß an Sport und Bewegung ist für die Schülerinnen an unseren Schulen ein wichtiger Teil ihres Schulalltags. Die gemeinsame Erklärung beschreibt zugleich die neuen Herausforderungen, die sich einer zunehmend bewegungsarmen, bildschirmaffinen und nährstoffsatten Zeit an den Schulsport stellen. Er soll als Teil einer umfassenden Bildung für das Leben Anlass sein, Sport selbstverständlich in den Alltag zu integrieren und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit körperlicher Bewegung schaffen.

Gleichzeitig bedeutet der Sportunterricht für viele sportlich weniger begabte Schülerinnen aber auch Scham, Peinlichkeit und Stress. Die Leistungsorientierung im Sport ist konfrontiert mit körperlichen Defiziten, mangelnder Fitness und Abweichung von der Norm. Wenngleich durch Fleiß und Training ganz sicher immer Leistungssteigerungen erreicht werden können,

führen selbst diese zu Versagenserleben, wenn absolut festgelegte Normzeiten oder Normwerte nicht erreicht werden können.

Auch im Bereich Mobbing spielt der Sportunterricht immer eine herausgehobene Rolle an den Schulen. Bildungswissenschaftlerinnen plädieren daher zunehmend dafür, gerade im Bereich des Sportunterrichts die Leistungsbewertung nach neuen Kriterien aufzustellen sowie eher Anstrengung, Fleiß und individuelle Entwicklung zu bewerten und nicht mehr Leistungswerte, die nicht für alle gleichermaßen zu erreichen sind.

(Zustimmung bei den GRÜNEN und von Dr. Heide Richter-Airijoki, SPD)

Gleichzeitig sollen Sporttalente selbstverständlich auch im Rahmen des Sportunterrichts erkannt und gefördert werden. Deshalb ist es gut, dass es schon jetzt im Sportunterricht in Sachsen-Anhalt die Möglichkeit zum Ablegen des Sportabzeichens gibt. Denn es wird als Leistungsabzeichen für überdurchschnittliche und vielseitige körperliche Leistungsfähigkeit verliehen. Es ist genau damit geeignet, Talente weiter zu motivieren und zu fördern.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Für alle Schülerinnen, die talentierten und die untalentierten, brauchen wir aber vor allem motivierte und motivierende Sportlehrerinnen und Sportlehrer mit oder ohne Sportabzeichenlizenz; Hauptsache Sportlehrer, Hauptsache guter moderner Sportunterricht. Daher ist dieser Antrag anzulehnen. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei den GRÜNEN und von Eva von Angern, DIE LINKE)

Herr Borchert. Sie haben das Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Korell, lieber Thomas! Ich kenne dich ja schon sehr, sehr lange und ich weiß, du meinst es gut mit diesem Antrag, den Sport in die Schulen zu bringen. Ich weiß auch, dass du vor wenigen Tagen aus Südafrika zurückgekommen bist, weil du dort als Betreuer einen Schützling von dir zum Weltmeister im Bankdrücken gemacht hast. - Herzlichen Glückwunsch!

(Zustimmung bei der AfD)

Das ist Sport, wie du ihn dein ganzes Leben lang gelebt hast - ich kenne dich schon seit der Kindheit -, aber das passt nicht in die Schule. Ich werde auch schnell erklären, warum das so ist. Ich werde das ein bisschen anders aufziehen.

Punkt 1. Wir haben sehr viele Sportlehrer im Land, die froh sind, dass sie noch leben. Denn wenn man als Sportlehrer 35 Jahre lang in der Sporthalle steht und dort physisch und psychisch belastet wird, dann ist man breit.

Herr Dr. Tillschneider - er ist nicht anwesend - hat gestern einen wahnsinnigen Satz gesagt, als er sich mit Herrn Lippmann gestritten hat. Er hat Herrn Lippmann angegriffen und hat gesagt, in die Schule gehöre nur das, was mit Lernen zu tun habe und alles andere müsse heraus.

Heute kommt ein Antrag, mit dem ihr etwas hineinbringen wollt, was eigentlich heraus muss. „Heraus“ heißt ja nicht, dass es weg ist. Meine Vorredner haben schon wunderbar ge-

sagt, dass es die Verbindung zwischen Kreissportbund, Landessportbund, Schulen und Sparkasse gibt. Wir haben so viele Möglichkeiten, das Sportzeichen abzulegen, dass es einfach ist, es zu machen.

(Stefan Gebhardt, DIE LINKE: Ja!)

Unsere Lehrer wären an dieser Stelle 100-prozentig überfordert. Unsere Aufgabe ist es doch, an den Schulen dafür zu sorgen, dass unsere Lehrer entlastet werden. Das ist völlig kontraproduktiv,

(Zustimmung von Stefan Gebhardt, DIE LINKE)

obwohl ich deinen Ansatz verstehe. Übrigens, die Sportlehrer, die studieren wollen, die müssen auch Silber erwerben, sonst werden sie nicht zur Aufnahmeprüfung zugelassen. Die müssen das auch haben. Jetzt sage ich einmal, wenn jemand Polizist oder Sportlehrer in diesem Land werden will und er ist im Vorfeld nicht intelligent genug, wenn er sich die Bewerbungsvoraussetzungen durchliest - das macht der nicht einen Tag vorher -, dann die Möglichkeit zu finden, bei den vielfältigen Möglichkeiten, die wir im Land haben, das Sportabzeichen abzulegen, dann kann er auch kein Polizist oder Sportlehrer werden. Dann hat er nicht die Intelligenz dazu. Das kriegen die auch hin.

Es gibt Beispiele - die kenne ich auch -, dass da einige drei Tage vorher zum Sportlehrer kommen und fragen: Oh, ich muss übermorgen zur Aufnahmeprüfung der Polizeischule, wo kriege ich das Sportabzeichen her? - Dazu kann man keinen Kommentar abgeben. Das funktioniert nicht.

Die Idee verstehe ich. Die Ausführung ist un- möglich. Es geht um unsere Lehrer, es geht um unsere Schulen. Wir haben ein tolles Konzept in Sachsen-Anhalt in Bezug auf Sportabzeichenausbildung. Wir schauen einmal, was dahin gehend noch kommt. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

(Zustimmung bei der CDU)

Herr Korell kann zum Abschluss noch einmal reden. Alles gut, dann machen wir das. Herr Tillschneider hat eine Intervention.

Ja.

Dann machen Sie diese einmal.

(Lachen bei der AfD)