Protokoll der Sitzung vom 02.06.2023

(Zustimmung bei der CDU - Jawohl! bei der AfD - Pfiffe und langanhaltender Beifall bei der AfD - Zuruf von der AfD: He, he, he!)

Werte Kolleginnen und Kollegen! Bei allem Wunsch, Herrn Krull zu unterstützen - wir sind hier nicht im Fußballstadion!

(Beifall bei der LINKEN, bei der SPD und bei den GRÜNEN - Unruhe bei der AfD)

Ich bitte Frau Anger von der einbringenden Fraktion noch um das Schlusswort in der Debatte. - Sie haben das Wort.

Vielen Dank, Herr Präsident. - Ich gehe einmal der Reihe nach vor.

(Unruhe)

Frau Ministerin, niemand will hier experimentieren. Wir meinen diesen Antrag zutiefst ernst, weil wir davon überzeugt sind, dass junge Menschen von 14 Jahren die Fähigkeit haben, an Wahlen teilzunehmen.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Herr Erben, es zeigt sich in der Tat, dass jemand, der an den ersten möglichen Wahlen teilnimmt, mit großer Wahrscheinlichkeit zukünftig auch zu weiteren Wahlen gehen wird.

(Frank Bommersbach, CDU: Na, na! - Sebas- tian Striegel, GRÜNE: Das ist so! Schauen Sie sich die wissenschaftlichen Ergebnisse an! Mensch, Mensch, Mensch! - Zuruf von Frank Bommersbach, CDU)

Es steigert das Interesse an Politik und an politischen Fragen - also ein Aktivierungseffekt. Das können Sie überall nachlesen. Das ist auch etwas, das wir eigentlich alle wollen sollten.

(Unruhe)

Und seien wir doch einmal ehrlich: Die große Mehrheit der Wähler*innen, egal welchen Alters, geht an eine Wahl mit persönlichen Einschätzungen heran, mit persönlichen Interessen, mit persönlichen Erfahrungen, auch wenn wir uns alle wünschen würden, dass unsere

Wahlprogramme viel intensiver studiert werden würden.

Ich will noch einmal auf Prof. Hurrelmann hinweisen, den Mitautor der Shell-Jugendstudie. Er geht sogar noch weiter als wir; er ist nämlich davon überzeugt, dass man bereits mit zwölf Jahren all das einschätzen kann und dass bereits Zwölfjährige in der Lage sind, an Wahlen teilzunehmen.

(Unruhe)

Herr Pott, es geht an keiner Stelle um einen Unterbietungswettbewerb, sondern es geht hierbei um Entwicklungen, um gesellschaftliche Entwicklungen und um individuelle Entwicklungen.

(Beifall bei der LINKEN - Zustimmung bei den GRÜNEN - Unruhe)

Sind Sie sich wirklich sicher, dass alle anderen Wähler*innen immer genau wissen, was sie warum wählen, und sich entsprechend informieren? Sie legen hier sehr unterschiedliche Maßstäbe an unterschiedliche Alterskohorten an. Ich finde, es ist schon eine echt unangenehme Art des Adultismus jungen Menschen gegenüber, wie Sie hier über Jugendliche reden.

Herr Striegel, Ihnen bin ich in der Tat dankbar, dass Sie noch einmal deutlich erklärt haben, warum Wahlalter 14. Da treffen wir uns definitiv.

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Schön, dass ich Ihnen das erklären konnte! - Unruhe)

Herr Krull, ich muss mit Bedauern sagen: Es ging mir bei Ihnen, wie es mir gerade selbst ergeht, ich konnte Ihrem Beitrag aufgrund der Lautstärke nur halb zuhören. Ich bin mir aber sicher, ich habe verstanden, wo Ihre Position ist; denn die überrascht nicht wirklich. Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg, Brandenburg,

Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen haben schon gezeigt, dass das Wahlalter 16 auch bei Landtagswahlen gut funktioniert. Ich verstehe nicht, warum Sie sich an dieser Stelle verweigern und gleichzeitig ein Gesellschaftsjahr in den Raum stellen, über das Sie entscheiden wollen, das aber wiederum die Zielgruppe betrifft, die Sie nicht an Wahlen teilhaben lassen wollen. Das finde ich in der Tat sehr, sehr schwierig; denn Sie bestimmen hier wieder über die Jugendlichen hinweg.

Meine Damen und Herren! Letztlich bleibt mir noch zu sagen: Die Absenkung des Wahlalters wäre eine große Chance für unsere Demokratie. Ich bitte Sie, darüber doch noch einmal ernsthaft nachzudenken. - Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN - Zustimmung bei den GRÜNEN)

Herr Pott hat sich hingestellt, weil er den Wunsch nach einer Intervention hat. Diese kann er jetzt realisieren. - Bitte.

Vielen Dank, Herr Präsident. - Frau Anger, ich lege überhaupt keine unterschiedlichen Maßstäbe an. Aber bei solchen Altersgrenzen, die wir festlegen müssen, müssen wir immer schauen, wie es bei dem Durchschnitt in dieser Altersgruppe aussieht. Dass es immer Einzelbeispiele gibt, bei denen das anders ist, ist gar keine Frage und das habe ich auch gar nicht bezweifelt. Aber der Regelfall, auf den müssen wir uns beziehen, und da sehe ich ein Wahlalter von 14 als verfrüht an. - Erster Punkt.

(Zustimmung von Frank Bommersbach, CDU)

Zweiter Punkt. Sie sagen, es ist unangenehm, wie ich über junge Menschen rede. Also, ich glaube, ich bin hier im Haus derjenige, der noch am nächsten an dieser Generation dran ist.

(Lachen und Beifall bei der FDP - Zuruf von der AfD: Oh! - Unruhe)

Und auch dazu: Junge Menschen können für sich selbst reden. Sie reden über sie; bei Ihnen bekommen sie keine Chance, auch politisch mitzuentscheiden. Bei uns ist das anders.

(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)

Sie können reagieren.

Herr Pott, Sie haben in Ihrer Rede sehr deutlich unterschiedliche Maßstäbe an das Herangehen an Wahlen von unterschiedlichen Altersgruppen gelegt. Allein darauf habe ich hingewiesen. Warum stellen wir an Jugendliche immer höhere Anforderungen, wenn wir über Wahlen reden, als wir das bei allen anderen Zielgruppen machen?

(Frank Bommersbach, CDU: Weil wir das im Strafrecht auch machen!)

Zum anderen: Das Alter allein ist nur eine Zahl; es sagt noch nichts über das Verhalten eines Menschen aus. Es gibt auch ziemlich alte 25-Jährige. - Danke.

(Lachen und Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN - Oh! bei der CDU und bei der FDP - Guido Kosmehl, FDP: Das ist so platt! So platt! Und bei nächster Gelegenheit wie- der weinen! Das gibt es doch nicht!)

Wir kommen alle mal wieder ein bisschen runter. Die Sache mit dem Blutdruck und so, Herr Kosmehl.

(Guido Kosmehl, FDP: Na ja, ist doch wahr!)

- Na ja. - Jetzt haben wir aber noch eine Abstimmung.

Abstimmung

Es steht zur Abstimmung der Antrag der Fraktion DIE LINKE in der Drs. 8/2684. Wer diesem seine Zustimmung gibt, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Die Fraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Wer ist dagegen? - Die anderen Fraktionen des Hauses. Damit ist der Antrag abgelehnt worden. Der Tagesordnungspunkt 26 ist beendet und wir führen hier vorn noch einen letzten Wechsel durch.

(Unruhe)

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir setzen fort.

(Thomas Keindorf, CDU, unterhält sich ste- hend mit Ulrich Thomas, CDU - Unruhe)

- Würden Sie bitte Platz nehmen?

Ich möchte noch einmal zurückkommen auf heute Morgen.

(Unruhe)

- Herr Keindorf! - Ich möchte noch einmal zurückkommen auf heute Morgen,

(Zuruf von der AfD: Oh!)

und zwar zu dem Tagesordnungspunkt 6, und möchte zwei Ermahnungen aussprechen. Die erste Ermahnung geht an Herrn Striegel, und zwar geht es um die Formulierung: „Ja, dabei geht es vor allem um Reichsbürger, Nazis […] Faschisten von Ihrem Schlage“.