Wenn man das versilberte Handballturnier der SCM-Spieler Tim Hornke und Lukas Mertens dazu zählt, wäre Sachsen-Anhalt auf Platz 50 des Medaillenspiegels gelandet, vor Staaten wie Indien und Griechenland, dem Mutterland der Spiele. Man kann klar sagen: Sachsen-Anhalt ist ein Sportland.
Das gilt nicht nur für den olympischen Spitzensport, sondern auch für den Breitsport. Ich denke dabei an den Kegelverein aus Zerbst, der in diesem Jahr zum sechsten Mal in Folge die Champions League gewonnen hat.
Oder an den mitteldeutschen Basketballverein aus Weißenfels, der tatsächlich laut ewiger Tabelle der Basketball-Bundesliga der erfolgreichste Klub aus den neuen Ländern ist.
Auch bei Trendsportarten wie Breakdance, das leider vorläufig nicht mehr zum olympischen Programm gehört, sind wir an der Weltspitze. So kommt die Breakdance-Gruppe Da Rookies, mehrfache Welt- und Europameister, aus Magdeburg.
Aber wir müssen auch ehrlich sein: Bei allem Stolz auf unsere Athleten müssen wir sicherstellen, dass Sachsen-Anhalt ein Sportland bleibt. Wir haben in dieser Olympiade, in den letzten vier Jahren, die Trendumkehr geschafft. Allerdings sind die Teilnehmerzahlen aus SachsenAnhalt seit der Wende klar rückläufig. Obwohl unsere Athleten im Vergleich zum gesamten deutschen Team überdurchschnittlich viele Medaillen sammeln, stagniert der sogenannte Wirkungsgrad bzw. ist im Vergleich zu Barcelona 1992 von 43 % auf 23 % gesunken.
Bei einer ehrlichen Betrachtung der Athleten, die zwar ein Erststartrecht für einen Verein aus Sachsen-Anhalt haben, aber in anderen Bundesländern trainieren, kommen wir nur auf zwei Medaillen und einen Wirkungsgrad von 11 %. Diese Richtung gilt für Deutschland im Allgemeinen.
Während die beiden deutschen Staaten in Jahr 1988 noch 142 Medaillen, davon 48 goldene, geholt haben, waren es im Jahr 2004 in Athen insgesamt nur noch 49 Medaillen. 20 Jahre später stehen wir noch bei 33 Medaillen. So können wir unseren dritten Platz im ewigen Medaillenspiegel sicherlich nicht verteidigen. Als drittstärkste Volkswirtschaft sollte das allerdings unser Anspruch sein.
Ich will an dieser Stelle gar nicht zu viel Wasser in den Wein gießen. Denn wie es aussieht, können wir das Wasser im Becken besser gebrauchen.
Damit wäre ich beim Schwimmen. In den Schwimmhallen sind Athleten aus Sachsen-Anhalt seit Jahren feste Größen. Lukas Märtens, Florian Wellbrock oder Isabel Gose gehören zur
absoluten Weltspitze. Daran hat natürlich auch der Bundestrainer des Deutschen Schwimmverbandes, Bernd Berkhahn, einen ganz wesent- lichen Anteil; der damit wieder einmal Magdeburger Schwimmhistorie beweist, wenn ich nur an Bernd Henneberg denke.
- Nein, 1996, das ist auch egal. - Bernd Berkhahns Trainingsgruppe hat eine hervorragende Olympiabilanz vorzuweisen. Zehn Schwimmer aus verschiedenen Ländern - Kollege Silbersack sagte es bereits - sind aus der Elbe-Schwimmhalle ins Olympische Becken gesprungen. Fünf von ihnen, genau die Hälfte, haben ein Edelmetall herausgefischt. Beispielsweise gehört auch die niederländische Goldmedaillengewinnerin Sharon van Rouwendaalzu den Schwimmern um Bernd Berkhahn.
Diese Erfolge hat der Bundesstützpunkt - man muss es so ehrlich sagen - trotz der Trainingsbedingungen erzielt. Die Elbe-Schwimmhalle in Magdeburg kann mit den internationalen Standards nicht mehr mithalten. Sie ist ohnehin in die Jahre gekommen. Unsere Schwimmstars sind weltweit die Einzigen, die sich ihr Becken mit Grundschülern und Senioren teilen müssen. Das wird den rund 90 Athleten am erfolgreichsten Bundesstützpunkt für Schwimmen nicht gerecht.
Vor diesem Hintergrund hatte sich der Landtag bereits im März 2023 ganz klar für eine neue geeignete Trainingsstätte ausgesprochen.
Ich bekräftige noch einmal: In Magdeburg muss ein Bundesleistungszentrum - auch wenn dieser Begriff nicht wirklich definiert worden ist - für die deutschen Schwimmer entstehen. Dort sollen unsere Sportler die besten Bedingungen vorfinden, von einem modernen Strömungs- kanal bis hin zur Videotechnik für Bewegungsstudien. Wenn wir Erfolge feiern wollen, müssen wir die entsprechenden Voraussetzungen schaffen.
Unsere Landeshauptstadt ist dafür nicht nur aufgrund der zentralen Lage in Deutschland der optimale Standort. Hier kann auch auf den bestehenden Strukturen und der vorhandenen Expertise aufgebaut werden. Das Land SachsenAnhalt unterstützt dieses Vorhaben. Der Deutsche Schwimmverband steht dabei an unserer Seite.
Ich rufe den Bund dazu auf, sich ebenfalls ganz klar zu einem Leistungszentrum für den Schwimmsport in Magdeburg zu bekennen.
Damit wird die vorhandene Stützpunktstruktur ausgebaut und langfristig gesichert. Das kommt auch den Kanuten, den Ruderern und den Wasserspringern entgegen. Im Zuge der Ansiedlung des Bundesleistungszentrums muss darüber hinaus über die Einrichtung eines Bundesstützpunktes für Freiwasserschwimmer nachgedacht werden.
Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich dem Olympiastützpunkt Sachsen-Anhalt für die fachliche Begleitung unserer Topathleten. Gemeinsam mit den Fachorganisationen, dem LSB für den Breitensport und dem DOSB an der Spitze, besteht eine funktionierende Organisationsstruktur zur Förderung des Sports. Wichtig sind klare Strukturen, auch in der Trainerfrage, in
Von einer neuen Schwimmhalle profitieren im Übrigen nicht nur die Spitzensportler, sondern aufgrund der frei werdenden Kapazitäten in der Elbe-Schwimmhalle auch der Breitensport. Das ist gerade für Kinder und Jugendliche ein wichtiges Signal. Wir müssen die junge Generation von den Bildschirmen wegbekommen. Sport- liche Aktivität ist ein zentraler Baustein, um die Gesundheit der Bevölkerung sicherzustellen. Außerdem sichert ein starker Breitensport auch den Nachwuchs für olympische Erfolge.
Diesbezüglich müssen wir auch zu einem deutlich engmaschigeren Monitoring kommen. Ich begrüße ausdrücklich, dass seit dem Schuljahr 2016/2017 wieder Sport-Motorik-Tests in der Grundschule durchgeführt werden. Damit sollen Sporttalente frühzeitig erkannt und bestmöglich gefördert werden.
Diese sogenannten Emotikon-Tests sollten künftig auf eine breitere Datengrundlage gestellt und weiter optimiert werden. Aus meiner Sicht ist auch eine Erweiterung auf den Schwimmunterricht in der 3. Klasse äußerst sinnvoll.
Maßnahmen zur Nachwuchsförderung zeigen in der Regel etwa acht Jahre nach ihrer Implementierung erste Ergebnisse. Es braucht also auch etwas Geduld. Deshalb sollten wir nicht länger zögern, sondern die nächste Generation wieder für den Sport begeistern.
Japan haben vorgemacht, wie das mit Olympischen Spielen im eigenen Land geht. In Tokio und in Paris hat das japanische Team jeweils mit dem Erreichen von Platz 3 des Medaillenspiegels abgeschnitten. Auch Großbritannien profitiert sportlich immer noch von den Spielen in London. Insofern ist der nachhaltige positive Effekt von Heimolympiaden klar erkennbar. Auch wir in Deutschland sollten unter unserer Jugend wieder einmal das olympische Feuer entfachen.
Ich begrüße ausdrücklich eine Bewerbung Deutschlands für die Austragung der Olympischen Spiele im Jahr 2040. 104 Jahre nach Berlin und 68 Jahre nach München wäre es an der Zeit, der Welt ein freiheitliches und geeintes Deutschland zu präsentieren.
Wenn ich die Kapazitäten der Pariser Handballarena mit der Zahl der Plätze in der GETECArena vergleiche, kann ich mir olympischen Handball durchaus auch in Magdeburg vorstellen.
Bei allem muss das olympische Motto „Höher, schneller, weiter“ auf die Athleten beschränkt bleiben. Niemand will gigantomanische Spiele in Wettkampfstätten, die anschließend verfallen. Bei der Planung muss eine nachhaltige Sportförderung im Fokus stehen. Junge Menschen sollen in Deutschland wieder eine Heimat für ihren Sport finden.
Mit einer neuen Schwimmhalle für das Bundesleistungszentrum können wir dem Schwimmsport hier in Magdeburg eine Heimat bieten. Wir sollten diese Chance nutzen, um die Jugend für Sport zu begeistern.
Das ist die nächste Generation von Olympioniken aus Sachsen-Anhalt, wo auch immer sie trainieren, wenn ich an Frau Butkereit bzw. an Frau Grabosch denke. Egal wo sie trainieren, lasst uns Olympia-Erfolge nicht nur feiern, sondern auch darauf aufbauen! - Vielen Dank, meine Damen und Herren.
Danke, Herr Heuer. - Sie sehen Herrn Hövelmann dort stehen. Eine Intervention? - Okay, eine Intervention.
Genau, Herr Präsident. - Kollege Heuer, ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie die Erfolge der Zerbster Kegler und der Weißenfelser Basketballer mit erwähnt haben. Ich möchte gern noch etwas hinzufügen, wenn es gestattet ist: Die Rettungsschwimmsportler aus Deutschland
sind derzeit mit dem deutschen Nationalteam bei den World Games in Australien. Es gibt in ganz Deutschland einen Bundesleistungsstützpunkt für den Rettungsschwimmsport; der ist in Halle in Sachsen-Anhalt. Es gibt einen Team- manager der deutschen Nationalmannschaft, der aus Halle in Sachsen-Anhalt kommt: Holger Friedrich.