Protokoll der Sitzung vom 20.09.2024

Das Leben erscheint in diesen Märchen als konstanter Kampf zwischen Gut und Böse in einer von klaren Wertungen geordneten Welt. Einen solchen Kompass brauchen unsere Kinder. Daran sollen unsere Kinder gebildet werden und nicht an dem Kehricht, den die Dragqueen Olivia Jones im Rahmen ihrer Initiative „Olivia macht Schule“ den Kindern in Sachsen-Anhalt vorliest; das letzte Mal erst wieder im März dieses Jahres, an einer Schule in Wittenberg.

(Zuruf von der AfD: Pfui Deibel!)

Die AfD-Fraktion fordert deutsche Volks- märchen statt Regenbogenmüll an unseren Grundschulen.

(Beifall bei der AfD - Guido Heuer, CDU: Ich wäre für Religionsunterricht!)

Die Amerikaner wussten bereits, weshalb sie unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in ihrer Besatzungszone die Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm aus den Bibliotheken aussortierten. Es ging ihnen nicht nur darum, die Verbrechen der Nationalsozialisten aufzuarbeiten - was ja für sich genommen noch legitim gewesen wäre -, nein, es sollte den Deutschen unter diesem Deckmantel auch gleich ihr Deutschsein aberzogen werden. Dafür mussten die Märchen der Gebrüder Grimm verschwinden.

Glücklich der Osten, der eine solche Umer- ziehung, eine solche Reeducation nicht über sich ergehen lassen musste,

(Olaf Meister, GRÜNE, lacht)

weshalb die Deutschen im Osten bis heute eine stabilere Nationalidentität aufweisen als die Deutschen im Westen; weshalb hier mehr Bürger die AfD wählen. Darauf kann der Osten stolz sein.

(Beifall bei der AfD - Zuruf von Olaf Meister, GRÜNE)

Genau das ist es, worauf der Osten stolz sein kann. Das habe ich von den Linken, die sich als die Anwälte des Ostens aufspielen, noch nie gehört. Wir bekennen uns ohne Wenn und Aber zu den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm.

(Hendrik Lange, Die Linke, lacht)

Damit unsere Kinder davon maximal profitieren können, sollen diese Märchen anhand des Textes der Ausgabe letzter Hand von 1857 in der Grundschule lesend und vorlesend zur Gänze durchgenommen werden.

Sodann wollen wir zu demselben Zweck den Sachkundeunterricht in Heimatkunde umbenennen. Den Kindern soll deutlich werden, dass sie es nicht mit beliebigen Sachen zu tun haben, mit denen man so oder so verfahren kann und die man so oder so sehen kann, sondern dass es um ihre Heimat geht, die ihnen Identität überhaupt erst spendet, indem sie ihnen ermöglicht zu sagen: Ich bin Deutscher.

Die Natur soll geschützt werden, weil der Naturraum, in dem wir leben, die Flüsse und Seen, die Wiesen und Wälder, die Berge und Täler, das Fundament ist, auf dem wir selbst, unsere ganze Kultur, alles Brauchtum und alle Traditionen

(Kathrin Tarricone, FDP: Mitsamt der Hexen- prozesse!)

stehen und aus dem unsere ganze Kultur bodenständig erwächst.

Indem wir etwa den deutschen Wald unter Heimatkunde statt unter Sachkunde subsumieren, betrachten wir ihn nicht nur als Ökosystem - wie es in der Sachkunde heißt -, sondern als ein Kul-

turgut und als ein identitätsstiftendes Element, das nicht zuletzt in den Märchen der Gebrüder Grimm ständiger Hintergrund ist, worin sich eine Erinnerung an Zeiten erhalten haben mag, in denen ein Großteil Deutschlands von Wäldern bedeckt war.

Die Kinder sollen das aus vorgeschichtlicher Zeit herkommende Brauchtum, die aus dem Lauf von Sonne und Mond hergeleiteten Jahresfeste, die regionalen Volksfeste und Volkstänze kennenlernen, die - wenn sie auch nicht mehr lebendig geübt werden sollten -, uns doch Aufschluss darüber geben, wie wir zu denen geworden sind, als die wir uns heute kennen, die in spielender Aktualisierung eigene Identität erfahrbar machen.

Schließlich wollen wir, dass in der Grundschule wieder mehr Volkslieder gesungen werden, die ebenso wie die Märchen, zumeist anonym gedichtet aus den Tiefen unserer Geschichte und Vorgeschichte kommend, Werte vermitteln und Identität spenden.

Darüber hinaus stiftet das gemeinsame Singen die Zusammengehörigkeit und kann so den desintegrativen Tendenzen einer von überprivilegierten Minderheiten und Massenmigration zerfetzten Gesellschaft entgegenwirken.

Ich wage die Behauptung, dass eine solche Identitätsstiftung, eine solche Charakterbildung und Charakterstärkung, wie wir sie erreichen wollen, auch der Kernaufgabe der Schule, den Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, entgegenkommt. Kompetenz und Identitätsvermittlung sind keine Gegensätze.

An welchen Texten könnten Kinder ein besseres Verständnis von der deutschen Sprache erwerben, als an den Märchen der Gebrüder Grimm, die ja bekanntlich nicht nur diese Märchensammlung, sondern auch ein 33-bändiges

Wörterbuch verfasst haben, das wie kein anderes den Reichtum unserer Sprache abbildet.

Die Gebrüder Grimm zierten deshalb auch die Rückseite des letzten 1000-Mark-Scheins, bevor die identitäts- und seelenlosen Brücken der Brüsseler Technokraten die historischen Motive auf den Geldscheinen der Deutschen Mark ersetzten.

Wie dem nun sei. Junge Menschen mit gebildeten Charakteren, die wissen, wer sie sind und die stolz auf ihre Herkunft sind, werden nicht nur verantwortungsbewusste Bürger, sie lernen auch einfach besser.

Ich bitte Sie deshalb: Erteilen Sie einem Unterricht an der Schule, der unsere Kinder in einem geschichts- und identitätslosen Vakuum erzieht, eine Absage. Bekennen Sie sich zu einer Erziehung, die unseren Kindern sagt, wo sie herkommen, und sie an ihrer Tradition und Geschichte bildet. Denn so lautet der Titel unseres Antrags: „Zukunft braucht Herkunft“.

(Beifall bei der AfD)

Eine Intervention von Frau Gorr, bitte sehr.

Sehr geehrter Herr Dr. Tillschneider, wir benötigen von Ihnen keinerlei Belehrung oder Nachhilfe in Bezug auf die Gebrüder Grimm.

(Doch! bei der AfD)

Ich hätte auch ein Märchen, das zu Ihnen passen würde. Aber der Anstand verbietet es mir, es hier zu nennen.

(Lachen und Zustimmung bei der CDU, bei der FDP, bei den GRÜNEN und bei der SPD - Florian Schröder, AfD: Herr Striegel ist ein Märchen!)

Sie können darauf reagieren, Herr Tillschneider, wenn Sie wollen.

Na ja, das ist schon schwach. Das ist Schwachsinn. Sie haben ja gar nichts gesagt. Ich würde einmal vermuten, dass Sie vielleicht gar kein Märchen der Gebrüder Grimm kennen und deshalb aus Verlegenheit einfach keines genannt haben.

(Zustimmung und Lachen bei der AfD - Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE: Es sind Ihre Partei- genossen, die sich nicht auskennen!)

Es folgt eine Dreiminutendebatte. Sie beginnt mit dem Beitrag der Ministerin für die Landesregierung. - Frau Feußner, Sie haben das Wort.

(Unruhe)

Danke. - Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Zukunft braucht Herkunft“ ist einer der zentralen Sätze des Philosophen Odo Marquard. Der Satz bedeutet, dass zur Identität ganz wesentlich das Bewusstsein von der eigenen Geschichte gehört.

Es ist unbestritten, dass der Aufbau von Identität eine Aufgabe ist, an der auch insbesondere Schule mitzuwirken hat. Hierzu habe ich insbesondere den Sachkunde-, den Geschichtsunterricht, aber auch die kulturelle Bildung im Blick.

Daran, dass die Umbenennung von Sachunterricht in Heimatkunde zur Stärkung des Identitätsbewusstseins unserer Schülerinnen und Schüler beiträgt, habe ich gewisse Zweifel.

Der Sachunterricht ist ein Unterrichtsfach in der Grundschule, das sich mit naturwissenschaft- lichen und technischen Erscheinungen sowie mit sozialen, wirtschaftlichen und geschicht- lichen Gegebenheiten des heimatlichen Raumes vertraut machen soll. Die räumlichen, natür- lichen, historischen sowie gesellschaftlichen Aspekte des Wohn- und Heimatortes, also des Landkreises, der kreisfreien Stadt und des Landes, werden im Sachunterricht umfänglich thematisiert. Für das Weltwissen der Kinder engt eine Bezeichnung wie Heimatkunde dieses Fach sogar eher ein.

(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)

Eine solche Fachbezeichnung wird auch dem Ziel der Kompetenzentwicklung bei den Lernenden zur Behandlung von naturwissenschaft- lichen und gesellschaftswissenschaftlichen

Inhalten nicht umfassend gerecht.

Um vielleicht einen weiteren Punkt Ihres Antrages zu berücksichtigen, sage ich Folgendes: Der bis in die 90er-Jahre bestehende HeimatkundeUnterricht, dessen Existenz auf den Übergang aus der ehemaligen DDR zurückzuführen war, war kein Ankerpunkt gegen Abwanderung. Gerade aus dieser Generation siedelten Menschen in bisher nicht gekanntem Maße in die alten Länder über.

(Zuruf von der AfD: Warum? - Weitere Zurufe von der AfD)

Auch die im Antrag geforderte konzeptionelle Neuausrichtung des gegenwärtigen Sachunterrichtes ist nicht erforderlich. Die vorgeschlagenen Schwerpunkte sind bereits ein Bestandteil des gegenwärtigen Sachunterrichts.

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU - Lothar Waehler, AfD: Das ist wohl nicht so!)

Der Lehrplan eröffnet den Schulen und Lehrkräften Freiräume, damit unter Beachtung der örtlichen Gegebenheiten und räumlichen Bedingungen diese Schwerpunkte umgesetzt werden. Auch findet an den Schulen teilweise Schulgartenunterricht oder urbanes Gärtnern statt. Die Pausenhöfe oder die Umgebungen der Grundschulen werden zunehmend ökologischer und nachhaltiger gestaltet, damit sich die Kinder wohlfühlen. Dadurch wird auch ein Beitrag zur Gesundheitsförderung geleistet.

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich dadurch mit Themen des Naturschutz- und Umweltschutzes in ihrer Heimat, aber auch mit örtlicher und landwirtschaftlicher Nutzung aus- einander. Viele Schule haben Patenschaften mit regionalen Erzeugern abgeschlossen oder