Studien belegen, dass die ersten Lebensjahre für die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung eines jeden Kindes entscheidend sind. Qualitativ hochwertige Betreuungsangebote, Fachkräfte, die Zeit haben, sich den Bedarfen und Bedürfnisse der Kinder anzunehmen und Förderung in der frühen Kindheit anbieten - damit geben sie den Kindern die besten Voraussetzungen für einen guten Start ins Leben.
Die pädagogischen Fachkräfte in unseren Kitas leisten dazu einen unschätzbaren Beitrag. Sie begleiten die Jüngsten in einer prägenden Lebensphase, sie tragen maßgeblich zu ihrer Entwicklung bei. Gleichzeitig wissen wir, dass die Anforderungen an die Fachkräfte stetig steigen, und das seit Jahren.
Die Umsetzung des Bildungsprogramms, die steigenden Unterstützungswünsche der Familien, die wachsenden Herausforderungen, die die Kinder mit sich bringen, aber auch im Umgang mit den Kindern, all das erfordert mehr Zeit, mehr Einsatz und vor allem mehr Fachkräfte.
Wir haben aber hier in Sachsen-Anhalt den schlechtesten Personalschlüssel bundesweit. Dieser schlechte Personalschlüssel wirkt sich aus. Was ist leistbar, wenn eine Fachkraft 15, 17 oder gar 20 Kinder allein betreut? Das ist nicht nur kurzzeitig, das, meine Damen und Herren, ist stets und ständig in den Einrichtungen der Fall. Das schlaucht. So kann man keinen Bildungsauftrag umsetzen. So kann man nicht nah am Kind sein, so kann man keine guten Sprachanlässe für eine gute Sprachbildung schaffen. In den Debatten zum Bildungsprogramm im letz-
Meine Damen und Herren! Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung werfen. Der Überblick über die Schuleingangsuntersuchungen zeigt, dass bei den Jüngsten der Förderbedarf seit Jahren steigt.
Die verpflichtenden Tests für Kinder, die im kommenden Schuljahr eingeschult werden, zeigen einen signifikanten Anstieg des Förderbedarfs in den Bereichen Artikulation, Grammatik und Feinmotorik. Diese Ergebnisse sind gravierend. Sprache und Motorik bilden sich aber nur durch Interaktion gut aus. Deshalb braucht es ausreichend Zeit und persönliche Zuwendung für die sprachliche und motorische Förderung. Wenn aber eine Fachkraft bis zu 20 Kinder am Tag allein betreut, gehen die Förderbedürfnisse der Kinder unter. Das ist fatal für ihre Entwicklung.
Meine Damen und Herren! Ein guter Personalschlüssel ist entscheidend für die Qualität der Betreuung, gerade in der frühkindlichen Bildung. Zeit für die Bedürfnisse der Jüngsten zu haben, darum geht es uns.
Es ist nicht länger hinnehmbar, dass wir in Sachsen-Anhalt Fachkräfte überlasten und gleichzeitig die Betreuungsqualität für unsere Kinder gefährden. Der gegenwärtige Schlüssel in Sachsen-Anhalt entspricht schon lange nicht mehr den wissenschaftlichen Empfehlungen. Er entspricht schon gar nicht den Anforderungen, die der Alltag in einer Kita mit sich bringt.
gerade in dieser Woche erneut kritisiert. Auch dort wurde eine deutliche Verbesserung gefordert. Gleichzeitig liegen uns im Petitionsausschuss mehrere Petitionen von Eltern, Trägern und Fachkräften zur Verbesserung des Personalschlüssels vor. - Wir brauchen diese Verbesserung dringend.
Deutlich ist - das ist uns allen bekannt -: Die Fachkräfte sind zunehmend belastet, was sich in überdurchschnittlich vielen Krankentagen niederschlägt. Der ständige Personalmangel führt zu einem Teufelskreis von Überlastung, Krankheit, verkürzten Öffnungszeiten, mehr Kindern je Fachkraft und schließlich zum Ausstieg aus dem Beruf. Dieser Trend, meine Damen und Herren, ist alarmierend. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird sich dies zuspitzen.
Das kann sich unser Land nicht leisten. Wir müssen alles dafür tun, das pädagogische Fachpersonal, das wir haben im System Kita haben, zu halten.
In den letzten Jahren ist die Geburtenrate in Sachsen-Anhalt rückläufig. Auch wenn dies auf den ersten Blick eine besorgniserregende Entwicklung ist, bietet es momentan zugleich eine Chance, die sogenannte demografische Rendite. Aufgrund der sinkenden Kinderzahl können wir die Betreuungsqualität bei gleichem Personaleinsatz deutlich verbessern. Anstatt Personal abzubauen, sollten wir die Gelegenheit nutzen, um unsere pädagogischen Fachkräfte zu entlasten und somit die Betreuungssituation für die Kinder zu verbessern.
Doch leider müssen wir feststellen, dass stattdessen in vielen Einrichtungen bereits jetzt über Arbeitszeitreduzierungen und sogar Entlassungen nachgedacht werden muss. Die aktuelle
Regelung des Kinderfördergesetzes führt aufgrund des schlechten Personalschlüssels dazu, dass bei sinkenden Kinderzahlen automatisch weniger Fachkräfte benötigt werden. Genau an der Stelle müssen wir ansetzen. Anstatt Personal abzubauen, sollten wir den Personalschlüssel anheben und so eben die Betreuungsqualität verbessern.
Unser Antrag, meine Damen und Herren, fordert genau das. Es darf jetzt nicht zu Entlassungen oder Stundenreduzierungen bei den pädagogischen Fachkräften kommen.
Aus Gardelegen kam bereits ein Hilferuf, ein Brandbrief der Oberbürgermeisterin. Aus anderen, gerade ländlichen Regionen sind gleichlautende Forderungen zu hören. Gerade die Sicherstellung der Betreuung im ländlichen Raum sollte uns ein Anliegen sein. Gerade dort, wo die Bevölkerungszahlen ohnehin rückläufig sind, ist die Gefahr groß, dass kleinere Kitas geschlossen werden müssen, weil sie eben nicht mehr genug Kinder betreuen. Das wäre ein herber Schlag für junge Familien, die auf eine wohnortnahe und zuverlässige Betreuung angewiesen sind.
Es darf eben nicht die Folge sein, dass Familien gezwungen werden, ihren Wohnort zu wechseln, weil sie in ihrem Dorf oder in ihrer Kleinstadt keine Betreuungsmöglichkeit mehr finden. Eine verlässliche Kinderbetreuung ist ein entscheidender Faktor für die Attraktivität des ländlichen Raumes; sie muss unbedingt erhalten bleiben.
Ein besserer Personalschlüssel könnte auch dort die Situation entspannen und dazu beitragen, dass wir kleine Einrichtungen halten können.
Wir müssen sicherstellen, dass das bestehende Personal gehalten wird, um den Anforderungen an die hochwertige frühkindliche Bildung gerecht zu werden. Dabei reicht es nicht aus, einen Pool mit 150 Fachkräften zu bilden, um diese augenscheinlich dort einzusetzen, wo gerade die Ausfälle am höchsten sind. Kinder brauchen festes Personal, Kinder brauchen Bezugspersonen. Beziehungsarbeit ist das A und O einer jeden Kita.
Mit unserem Antrag wollen wir erreichen, dass das Personal in den Kitas gehalten wird, welches wir jetzt haben.
In einem zweiten Schritt sollten wir ab 2026 den Personalschlüssel endlich sukzessive verbessern. Dabei sollten wir uns an den wissenschaftlichen Empfehlungen orientieren, die ein Verhältnis von 1 : 3 bei den unter Dreijährigen und von 1 : 7,5 Fachkräften bei den Drei- bis Sechsjährigen fordern. Nur so können wir eine qualitativ hochwertige Betreuung sicherstellen, die sowohl den Kindern als auch den pädagogischen Fachkräften zugutekommt.
Aber: Diese Maßnahmen dürfen nicht zu einer Erhöhung der Elternbeiträge führen; auch das sage ich ganz klar. Es liegt in unserer Verantwortung als Land, die notwendige Finanzierung sicherzustellen, um eben diesen Personalabbau zu verhindern und Kostensteigerungen für die Eltern zu vermeiden.
Meine Damen und Herren! Die Sicherung und die Verbesserung des Personalschlüssels sind auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel von zentraler Bedeutung. Jedes Jahr bilden wir in Sachsen-Anhalt mithilfe von Fördermitteln und Landesmitteln pädagogische Fachkräfte aus. Wenn wir diesen Menschen keine beruflichen
Perspektiven in unserem Land bieten, riskieren wir - bzw. dies passiert bereits viel zu oft -, dass sie in benachbarte Bundesländer abwandern. Das ist ein Verlust, den wir uns nicht länger leisten können.
Oftmals sind es gerade die jungen Frauen, die dann gehen. Diese bekommen dann auch in Sachsen-Anhalt keine Kinder mehr. Diese Situation hatten wir schon einmal; Sie erinnern sich mit Sicherheit daran.
Wir müssen dafür sorgen, dass die pädagogischen Fachkräfte, die wir ausbilden, auch mit Landesmitteln, langfristig in Sachsen-Anhalt bleiben. Dazu gehört zuvörderst die Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch einen besseren Personalschlüssel. Fachkräfte brauchen gute Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Beides kann durch die Maßnahmen, die unser Antrag vorsieht, erreicht werden. Diese bieten eben auch die erforderliche Wertschätzung, die wir den Fachkräften unbedingt ent- gegenbringen sollten.
Meine Damen und Herren! Wir haben heute die Chance, die Weichen für eine bessere Zukunft unserer Kinder zu stellen. Frühkindliche Bildung ist d e r Schlüssel für einen guten Start in das Leben. Es liegt in unserer Verantwortung, die Rahmenbedingungen für diese Bildung zu verbessern. Ein guter Personalschlüssel ist von zentraler Bedeutung.
Personelle Kapazitäten, die jetzt frei werden, müssen wir zur Qualitätsverbesserung einsetzen. Wo immer das möglich ist, soll eine Fachkraft in Krippe, Kindergarten oder Hort weniger Kinder als bisher betreuen. Wir dürfen jetzt
Lassen Sie uns gemeinsam verhindern, dass pädagogische Fachkräfte ihre Stundenzahl kürzen müssen oder gar entlassen werden. Nutzen wir jetzt die demografische Rendite, um die Betreuungsqualität zu verbessern, anstatt sie durch Sparmaßnahmen weiter zu gefährden.
Meine Damen und Herren! Ein letzter Punkt. Thüringen und Sachsen geht es genauso wie uns. Dort haben sie aber die Chance bereits erkannt. Sie haben im Landtag von beiden Bundesländern jeweils ein Kita-Moratorium beschlossen. Dieses sichert ab, dass die Landeszuschüsse für das Kita-Personal an die Kommunen und an die Träger im Gesamtvolumen trotz sinkender Kinderzahlen in gleicher Höhe weitergezahlt werden, und zwar bis der Personalschlüssel im Kita-Gesetz durch die Landesregierungen entsprechend verbessert wird. Das können wir doch auch in Sachsen-Anhalt. Lassen Sie uns heute endlich das gemeinsame Signal aussenden. Lassen Sie uns gemeinsam den pädagogischen Fachkräften mitteilen, dass uns jede Einzelne von ihnen wichtig ist und dass wir keine gehen lassen wollen.
Sie warten jetzt auf deutliche und klare Zusicherungen des Landes, das Personal bei sinkenden Kinderzahlen zu halten und somit die Qualität für unsere Kinder zu verbessern. - Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Anger. Es gibt eine Nachfrage von Herrn Pott, wenn Sie sie zulassen wollen. - Herr Pott, bitte.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Frau Anger, da Sie auch Thüringen angesprochen haben: Ganz davon abgesehen davon, dass das Ganze natürlich haushaltsrelevant ist und der Haushaltsplan noch nicht beschlossen worden ist, waren Sie jetzt zehn Jahre lang in Thüringen in der Situation, dass Sie selbst den Ministerpräsidenten gestellt haben. Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann sieht man, dass Sie es nicht geschafft haben, dort eine signifikante Verbesserung des Personalschlüssels zu erreichen.
Jetzt werfen Sie in Ihrer Rede der Koalition vor, sie würde nur Wahlversprechungen machen. Ich würde von Ihnen ganz gern wissen, woran es denn lag, dass Sie das in Thüringen nicht geschafft haben, und ob Ihre Aussagen nicht viel eher die Wahlversprechen sind, die Sie am Ende nicht einhalten können.