Protokoll der Sitzung vom 24.10.2024

(Stefan Ruland, CDU: Das eine schließt das andere nicht aus!)

Das Bauhaus war eine Kunst-, aber vor allem Architekturschule, die 1919 in Weimar gegründet wurde und von 1925 bis 1932 in Dessau ihren Sitz hatte. Leitidee des Bauhauses war der Bruch mit allen existierenden Bautraditionen, die Abwendung vom Handwerk, die industrielle Fertigung von Bauteilen und damit verbunden das sogenannte modularisierte Bauen, also die Zusammensetzung von Häusern aus Fertigteilen. Holz, Stein und Ziegel wurden durch Stahl, Glas und Beton ersetzt.

Im Zeichen eines totalen Funktionalismus wurde jedem auch noch so schlichten Zierelement der Kampf angesagt. Beeinflusst vom Maschinenkult jener Jahre sollte auch das Haus zur Maschine werden, und zwar zur

Wohnmaschine, wie man sagte. Eine industrielle Architektursprache, scharfe Kanten, flache Dächer und geometrische Muster ersetzten die tradierten Formen des Hausbaus und sollten Wohnzwecke mit einem Minimum an Aufwand erfüllen.

Die Bauhausvisionäre beschränkten sich dabei nicht auf ihre Architekturideen, sondern propagierten auch gleich ein dazu passendes neues Menschenbild. So wie das Bauhaus die erd- haften Materialien, den Stein, den Backstein, das im Wald wachsende Holz verbannen wollten, so leugnete es auch die Bindung des Menschen an Grund und Boden und seine Verwurzelung in der Tradition.

Die von Land zu Land und von Region zu Region unterschiedlichen Baustile sollten durch einen überall gleichen, weil rein durch die Funktion definierten Bauhausstil aufgehoben werden, der deshalb auch internationaler Stil genannt wurde.

Die Entortung des Menschen war erklärtes Programm und ebenso die Aufhebung von Individualität in einer amorphen Masse. Walter Gropius etwa behauptete, die Menschen würden sich irren, wenn sie viel Wohnraum wünschen, und hielt das vielstöckige Hoch- haus für die ideale Wohnform, die rational betrachtet alle Bedürfnisse bestens befriedigen sollte.

Das Bauhaus suchte unverhohlen Anschluss an sozialistische und kommunistische Vorstellungen und verstand seine Entwürfe als Beitrag zu einer neuen Wohnkultur für eine klassenlose Gesellschaft.

(Detlef Gürth, CDU: Kann die AfD nicht jemanden sprechen lassen, der Ahnung hat? - Zustimmung bei der Linken, der SPD und den GRÜNEN)

- Wir setzen uns nachher noch damit auseinander, keine Sorge.

So nimmt es nicht Wunder, dass die Ideen der Bauhausarchitekten vor allem in der Sowjetunion und später in der DDR begehrlich aufgegriffen wurden. Doch ebenso wie der Sozialismus sein Heilsversprechen nicht einzulösen vermochte, hat auch die Bauhausarchitektur das menschliche Wohnbedürfnis nicht nur nicht mustergültig befriedigt, sondern im Gegenteil, das Bauhaus hat das menschliche Bedürfnis nach Geborgenheit und Behaglichkeit nach allen Regeln der Kunst vergewaltigt.

(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Oh!)

Mit den Wohnblocks in Ost-Berlin, in Halle- Neustadt, in der Straße des 18. Oktober in Leipzig, aber auch in vielen westdeutschen Städten hat die Bauhaus-Tradition in den 1960er- und 70er-Jahren Bausünden von erdrückender Hässlichkeit inspiriert, wo niemand wohnt, der dort nicht wohnen muss.

(Wolfgang Aldag, GRÜNE: Völliger Quatsch!)

In der Bevölkerung wurde diese menschenfeindliche Wohnform abfällig als Arbeiterschließfächer bezeichnet und mit Heiner Müller hat niemand anderes als der bedeutendste Schriftsteller der DDR höchstselbst die Wohnungen in den Betonhochhäusern etwas drastisch als „Fickzellen mit Fernheizung“ verspottet.

Die Feindschaft gegenüber dem Handwerk, die Ablehnung des Einfamilienhauses, das Ignorieren von Traditionen und Verwurzelungen, der Internationalismus, all das erklärt natürlich, weshalb das Altparteien-Establishment einen solchen Narren am Bauhaus gefressen hat. Denn das ist nichts anderes, als die globalistische Agenda, die Sie meinen, durch-

drücken zu müssen - avant la lettre. Und genau deshalb braucht das Bauhaus heute nichts so sehr wie Kritik, Kritik und nochmals Kritik.

(Beifall bei der AfD)

Das Bauhaus wollte wie auch andere Bewe- gungen der 1920er-Jahre eine Antwort auf die damals von vielen wahrgenommene Verhässlichung der Welt geben. Das Bauhaus reagierte aber nicht, wie es angemessen gewesen wäre, mit Orientierung an der Tradition und einer Einhegung des Industriekults, sondern im Gegenteil, mit einem bizarren Jetzt-erstRecht, mit einer Flucht nach vorne und einer forcierten Traditionsvernichtung.

Was mag man auch von einer Architektur- richtung halten, die, wie ihr Urvater Walter Gropius schon 1913 unumwunden eingestand, in den Getreidesilos von Kanada und Südamerika, in den Kohlensilos der großen Eisenbahnlinien und in den Werkhallen der nordamerikanischen Industrie-Trusts ihre stilistischen Vorbilder erkennt.

Das Bauhaus beantwortet Ödnis mit Ödnis, gab auf die Herausforderungen seiner Zeit eine untaugliche Antwort und vermag uns deshalb nicht als Vorbild, sondern nur als historische Verirrung noch etwas zu sagen. Das Bauhaus taugt nicht als Paradigma für unser politisches Handeln. Seine Ideen dürfen nicht aktualisiert, sie müssen historisiert und ins Museum gestellt werden. Allein schon wegen seiner Wirkungsmacht sollte er an das Bauhaus erinnert werden.

Ich sage hier ganz klar: Wir wollen keine Mittel kürzen, darum geht es uns nicht. Aber diese Erinnerung sollte eben nicht im Rahmen einer Modern-Denken-Kampagne stehen, die sich unreflektiert auf Ideen des Bauhauses bezieht, sondern diese Erinnerung sollte uns einen

Irrweg der Moderne präsentieren, sollte fragen, wie so etwas entstehen konnte, sollte die Wirkung untersuchen und von dort aus zu einer Kritik an unreflektierten Modernitätsdiskursen führen.

(Beifall bei der AfD)

So gesehen, wäre dann aus der Auseinandersetzung mit dem Bauhaus für uns etwas zu gewinnen. Dazu bietet gerade auch die zeit- genössische Gegenbewegung zum Bauhaus Ansätze. Zu nennen wäre etwa die sogenannte Um-1800-Bewegung, die sich an dem Baustil orientierte, der um das Jahr 1800 gepflegt wurde.

(Zuruf)

- Nein, ich gebe ein Beispiel. Mit dem 1802 eröffneten Goethe-Theater in Bad Lauchstädt hat Sachsen-Anhalt ein Bauwerk, das diesem Stilideal vollumfänglich entspricht und in mustergültiger Weise, um nicht zu sagen in klassischer Weise, Funktionalität mit Ästhetik versöhnt.

Die Um-1800-Bewegung entwickelte als Gegenentwurf zum Bauhaus den sogenannten Heimatstil, der nicht einfach nur Vergangenes kopierte, sondern Formen fand, die zeitgemäß und zugleich in der Tradition verwurzelt waren.

Weiterhin will ich das im Jahr 2020 erschienene Buch „Marke Bauhaus 1919-2019“ von Philipp Oswalt empfehlen, seines Zeichens ehemaliger Direktor der Stiftung Bauhaus. Oswalt liefert eine fulminante Kritik des Bauhauses, das er als substanzlose Marketingnummer kritisiert, bei der es vor allem darum ging, ein progressives Selbstverständnis zu simulieren und zu verkaufen.

Eine kritische Auseinandersetzung ist aber vor allem deshalb notwendig, weil die ver-

korkste Bauhausideologie immer wieder zur Legitimation einer menschenfeindlichen Politik herangezogen wird. Ich habe eingangs die Modern-denken-Kampagne erwähnt. Das Bauhaus wird aber nicht nur in Sachsen-Anhalt von den Altparteien aufgegriffen. Auf EU-Ebene - hören Sie einmal zu -

(Lachen bei der AfD, bei der CDU und bei der FDP)

hat Ursula von der Leyen im Jahr 2021 im Zusammenhang mit dem sogenannten Green Deal ein neues europäisches Bauhaus ausgerufen, mit dem - ich zitiere -

„ein neuer Lebensstil geschaffen werden [soll], der Nachhaltigkeit mit gutem Design in Einklang bringt, weniger Kohlenstoff benötigt und inklusiv und erschwinglich für alle ist.“

In blumige Worte verpackt handelt es sich in Wahrheit um eine Horrorvision, ein Leben auf kleinstem Raum voller Verbote und Einschränkungen, ein Ameisenleben auf Spar- flamme für uns alle, ganz nach dem Motto: Ihr werdet nichts besitzen und glücklich sein. Von der Leyen beruft sich zu Recht auf das Bauhaus; denn dort liegt zumindest eine geistige Wurzel der globalistischen Agenda. Deshalb sage ich: Seien wir wachsam; dieser Schoß ist fruchtbar noch.

(Zustimmung und Lachen bei der AfD - Oh! bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Herr Dr. Tillschneider, es gibt eine Frage von Herrn Gürth. - Eine Intervention? - Herr Gallert steht; das ist eine Intervention. Herr Gürth hat sich nur gemeldet; das wäre also eine Frage. Ich denke aber, Herr Dr. Tillschneider, Sie lassen sie zu.

Na klar.

Na klar. Dann kann erst Herr Gürth seine Intervention tätigen. Danach kann Herr Gallert seine Intervention tätigen. - Herr Gürth, bitte.

Man muss erst einmal Luft holen nach der Rede. Am Anfang war ich total entsetzt. Jetzt bin ich eigentlich froh, dass Sie gesprochen haben, weil so klar wird, wo Sie stehen. Nach dem Dritten Reich gibt es nun eine zweite politische Kraft, die das Bauhaus verbieten, niedermachen oder schikanieren will. Sie hat drei Buchstaben und heißt AfD.

(Zustimmung bei der Linken, bei den GRÜ- NEN und von Guido Heuer, CDU)

Ich wollte aber nicht nur das allein sagen.

Mich entsetzt dieser respektlose Umgang mit dem Bauhaus, seiner Philosophie und den herausragenden Künstlern verschiedener Genres, die im Bauhaus zusammengefunden haben. Entgegen Ihrer Thesen und Ihrer Behauptung war es genau das Gegenteil von dem, was Sie hier unwissend erzählt haben. Das Bauhaus hatte nicht gleichförmige, industriell hergestellte Wohnungen oder Architekturen als Ziel - ganz im Gegenteil.

Wir können einmal Gropius zitieren. Der wollte nämlich eine große Philosophie des Bauhauses. Das war das Neue und das Fantastische, das weltweit Beachtung fand, z. B. in der Schweiz,

in Israel oder in den USA - schauen Sie es sich an -, nach der Vertreibung durch die Nazis. Sie wollten Architektur, Ingenieurwissenschaften, Kunst und Malerei zusammenführen zum Handwerk. Sie wollten keine industrielle Fertigung von Wohnungen, sondern handwerkliche, individuelle, neue, von vielen Genres mitgetragene und erarbeitete Formen des Wohnens gestalten. Das war das Bauhaus.

(Zustimmung von Sandra Hietel-Heuer, CDU)

Sie haben Herrn Prof. Oswalt erwähnt. Ich schätze Herrn Prof. Oswalt sehr. Sie haben natürlich nur auszugsweise zitiert und nicht den Kontext des Buches und seine Aussagen dargestellt.

(Zurufe von Matthias Büttner, Staßfurt, AfD, und von Oliver Kirchner, AfD)

Prof. Oswalt ist damals aus Dessau weggegangen, weil es einen Streit um ein paar Dinge gab. Er hat große Verdienste um das Bauhaus erworben. Dass das Bauhaus-Museum am jetzigen Standort so ist und dass es das überhaupt so gibt, ist ein maßgeblicher Verdienst des Bauhauses.

Er ist nie, niemals, ein Kritiker, sondern ein Bewunderer dieser Bauhausidee gewesen. Ihn hat nur bedrückt, dass man aus seiner Sicht ein gänzlich anderes und ein viel besseres Marketing für diese weltweite Einzigartigkeit und Besonderheit des Bauhauses hätte machen können.

(Zustimmung bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD, bei der FDP und bei den GRÜNEN)