Protokoll der Sitzung vom 24.10.2024

(Zustimmung bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD, bei der FDP und bei den GRÜNEN)

Das ist der Unterschied zu dem, was Sie hier fälschlicherweise behaupten.

Herr Tillschneider, wollen Sie reagieren?

Ja, natürlich. - Nein, es stimmt nicht. Er hat - das erkennen Sie, wenn Sie dieses Buch lesen - einen sehr, sehr kritischen Blick auf das Bauhaus entwickelt. Das Buch ist allerdings auch erst sieben Jahre, nachdem er dort geschasst wurde, entstanden. Ich denke, wir kennen beide die Geschichte.

Zum Kern Ihres Vorwurfs. Es ist wirklich sehr interessant. Sie werfen uns vor, wir würden das Bauhaus verbieten wollen. Das wollen wir doch gar nicht. Ich habe doch gesagt, die Stiftung soll bestehen bleiben. Man soll auch daran erinnern. Es geht uns aber um einen kritischen Umgang. Jetzt wird ein Schuh daraus. Sie wollen unseren kritischen Umgang verbieten.

(Unruhe - Guido Kosmehl, FDP: Nein, Nein!)

- Na, klar! Sie erklären das Bauhaus für heilig, für unantastbar. Ja, mein Gott, was ist denn das Bauhaus? Sie betreiben einen Bauhauskult. Wenn man sachliche Kritik vorbringt,

(Unruhe - Guido Kosmehl, FDP: Na ja, sach- lich!)

wie ich es hier vorgetragen habe, dann bleibt Ihnen nichts anderes als der Nazi-Vorwurf übrig und als uns wahrheitswidrig vorzuwerfen, wir wollten irgendetwas zensieren. - Nein, Sie wollen die Kritik am Bauhaus unterdrücken. Das ist die Wahrheit.

(Zustimmung bei der AfD - Guido Kosmehl, FDP: Nein!)

Jetzt kommt die nächste Intervention von Herrn Gallert. - Herr Gallert.

Ich danke erst einmal Herrn Gürth sehr dafür, dass er auf Herrn Oswalt eingegangen ist. Man kann das auch noch deutlicher ausdrücken. Die Kritik von Herrn Prof. Oswalt war, dass die an sich wirklich demokratischen, von Ihnen zutiefst gehassten Ansätze des Bauhauses nicht wirklich politisch konsequent durchgezogen worden sind, sondern auch damals schon in einer Art von Kommerzialisierung verwässert worden sind.

Das ist die Kritik von Herrn Prof. Oswalt. Wenn das Bauhaus das gemacht hätte, was

Prof. Oswalt sozusagen reflektiv gewollt hätte, dann wären Sie wahrscheinlich vorn am Mikrofon geplatzt.

(Hendrik Lange, Die Linke, lacht)

Denn das wäre für Sie noch viel schlimmer gewesen. Aber ich will gar nicht so tief darauf eingehen.

Über Ihrem Antrag steht „Irrweg der Moderne“. Sie haben hier von einer Hässlichkeit des Bauhauses gesprochen. Warum geben Sie sich so viel Mühe? Sagen Sie doch einfach, was Sie denken. Sagen Sie doch einfach, was Ihre ideologischen Vorgänger gesagt haben: entartete Kunst. Dann wissen wir doch, was los ist. - Danke.

(Zustimmung bei der Linken, bei der SPD, bei den GRÜNEN und von Jörg Bernstein, FDP)

Herr Tillschneider, bitte.

Auf diesen billigen Nazi-Vorwurf gehe ich gar nicht ein.

Ich komme noch einmal zu dem Oswalt zurück. Ich glaube, der ist gar nicht so weit von dem entfernt, was wir wollen. Denn im Kern kritisiert er die Verfestigung des Bauhauses zu einer Ideologie.

(Zuruf von Wolfgang Aldag, GRÜNE)

Es ist eine Linie seiner Kritik, dass aus einer Architekturschule eine Ideologie abgeleitet wurde. Genau das kritisieren wir an der Modern-denken-Kampagne, weil sie nämlich genau an diese Ideologie anschließt.

(Zustimmung bei der AfD)

Bevor wir in die Debatte einsteigen, nimmt für die Landesregierung Frau Ministerin Weidinger Stellung. - Frau Weidinger, bitte.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Ich komme zurück auf den eigentlichen Antrag. Die im Antrag formulierten Forderungen an eine kritische Kulturpolitik des Landes und die Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau werden bereits erfüllt. Die Konzeption des Bauhausjubiläums 2025/2026 zeigt sich

offen für einen kritischen Umgang mit allen infrage stehenden Auswirkungen der Moderne auf unsere aktuelle Lebenswelt.

In der Sitzung des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien sowie Kultur am 15. August 2024 in Dessau betonte Frau Dr. Steiner, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau, dass es in der Arbeit der Stiftung und in den Vorbereitungen zum Jubiläum 2025 und 2026 nicht darum gehe, das Bauhaus in eine Reliquie zu verwandeln, sondern der Frage nachzugehen, wie das Bauhaus in die Gegenwart komme und was es mit der Gegenwart zu tun habe.

Weiterhin ist Folgendes festzustellen: Erstens. Das Bauhaus nimmt innerhalb der Bewegung der Moderne als Schule für Gestaltung zwar eine Schlüsselposition ein, doch belegen alle kulturwissenschaftlichen Betrachtungen des Bauhauses, dass es einen sogenannten Bauhausstil, wie er gelegentlich zur Polemisierung genutzt wird, überhaupt nicht gibt.

Zweitens. In der wissenschaftlichen Bearbeitung des Bauhauses wird die weit gespannte politische Orientierung sowohl der Bauhausmeister als auch der am Bauhaus Lernenden, später Studierenden, erforscht und offen vermittelt.

Drittens. In § 2 der Satzung der Stiftung Bauhaus Dessau heißt es unter anderem, dass die Stiftung zur „Sammlung, Bewahrung, Erforschung und Präsentation von Zeugnissen der Entwicklung des Bauhauses und seiner Wirkungsgeschichte“ verpflichtet ist. Durch die Formulierung des Stiftungszweckes ist die Arbeit der Stiftung ohnehin auf die Vermittlung der Wirkungsgeschichte des Bauhauses verpflichtet und kommt dieser Verpflichtung in Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen längst nach.

Insbesondere werden Auswirkungen der Bewegung der Moderne, innerhalb der das Bauhaus zwar eine Schlüsselposition, aber doch nur eine Position unter vielen einnimmt, auf den historischen und modernen Städtebau wissenschaftlich bearbeitet. Der Antrag der AfD-Fraktion ist daher abzulehnen. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Vielen Dank Frau Weidinger. - Ich sehe keine Fragen. Somit können wir mit der Debatte beginnen. Der erste Redner ist Herr Hövelmann für die SPD-Fraktion.

(Zustimmung bei der SPD - Ulrich Siegmund, AfD: Die müssen auch alles kopieren!)

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! „Es hat sich ausgeweimart, meine Herren, wir gehen jetzt dessauern.“ - So lautete der berühmt gewordene Satz von Bauhausdirektor Lyonel Feininger beim letzten Bauhausfest in Weimar im März 1925, als klar war, dass die Geschichte des Bauhauses in Weimar enden würde.

Am 1. April 1925 nahm das Bauhaus seine Arbeit als Schule in Dessau auf. Im nächsten Jahr wird die Ankunft des Bauhauses in Dessau vor 100 Jahren groß gefeiert. Ich hoffe, wir alle feiern mit Stolz unser Bauhaus.

(Beifall bei der SPD, bei der CDU, bei der Lin- ken, bei der FDP und bei den GRÜNEN)

Was passiert, wenn nationalkonservative

Rechte, vermeintlich Bürgerlich-Konservative

in einem Landtag die Mehrheit erringen, kann man exemplarisch an den Landtagswahlen in Thüringen beobachten.

(Ulrich Siegmund, AfD: Sehr gut!)

Nein, ich meine nicht den September 2024. Ich meine den Februar 1924. Zur Erinnerung: Die NSDAP war seit zwei Jahren wegen Republikfeindlichkeit in mehreren Ländern verboten. Der Hitlerputsch war erst knapp drei Monate vorbei und Hitler saß in Landsberg am Lech im Gefängnis, als in Thüringen im Februar 1924 eine Landtagswahl stattfand.

Die Mehrheit errangen die in dem sogenann- ten Thüringer Ordnungsbund zusammen-

geschlossenen bürgerlichen Parteien, deren Minderheitsregierung von der Vereinigten Völkischen Liste toleriert wurde. Es dauerte kein halbes Jahr, da verweigerte die neue Mehrheit im Landtag dem erst seit 1919 in Weimar ansässigen Bauhaus die finanzielle Unterstützung.

Die Deutschvölkische Freiheitspartei verlangte den Abbau einer solch unrentablen Einrichtung. Trotz internationalen Widerstands und zahlreicher prominenter Unterstützer musste sich das Bauhaus zum 1. April 1925 auflösen, um einer Kündigung zuvorzukommen.

Der dann beginnende Aufenthalt des Bauhauses in Dessau gehörte zur Blütezeit der Schu- le. Das damals errichtete Bauhausgebäude, die Meisterhäuser sind heute Ikonen der avantgardistischen Moderne. Nein, Herr Tillschneider, das Bauhaus ist nicht - ich darf Sie zitieren -, von einer abgrundtiefen Hässlichkeit und es hat keine Bausünden verbrochen. - Jedes Jahr kommen Zehntausende internationale Gäste aus aller Welt, um das Bauhaus zu sehen.

(Zustimmung bei der SPD, bei der CDU, bei der Linken, bei der FDP und bei den GRÜNEN)

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das Bauhaus war immer eine Schule der Moderne und wurde später als entartet diffamiert und verfolgt. Das zwang viele Bauhäusler, sich in alle Welt zu zerstreuen. Das Gleiche, meine sehr verehrten Damen und Herren von der AfD, tun Sie mit Ihren Äußerungen und Ihrem Antrag auch.

Es ist auch klar, warum Sie das tun. Denn das Bauhaus war und ist eben nicht nur eine Bewegung für Bauen, Architektur und Design, sondern es war vor allem eine Bejahung der Moderne und eine Emanzipationsbewegung.

(Zustimmung bei der SPD und bei der Linken)