Protokoll der Sitzung vom 24.10.2024

(Zustimmung bei der SPD und bei der Linken)

Dass Sie die Moderne und ihre Errungenschaften rundweg ablehnen und lieber in alte Zeiten zurück möchten, ist uns allen klar. Daher ziehen Sie hier gegen das Bauhaus zu Felde.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschichte wiederholt sich nicht, aber Parallelen sind erkennbar. Sie versuchen sich hier erneut im Kulturkampf und in der Umdeutung der Moderne. Ihren Angriff auf unser Bauhaus weisen wir scharf zurück. Wir lehnen Ihren Antrag ab.

(Zustimmung bei der SPD, bei der CDU, bei der Linken und bei der FDP)

Vielen Dank, Herr Hövelmann. - Für die Fraktion Die Linke spricht Herr Gebhardt.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Herr Hövel-

mann hat sich bereits auf das kommende Bauhausjubiläum gefreut. Ich möchte gern an das letzte Bauhausjubiläum erinnern. Im Jahr 2019 haben wir „100 Jahre Bauhaus“ in Sachsen-Anhalt gefeiert. Diese Veranstaltungsreihe war ein voller Erfolg.

(Guido Kosmehl, FDP: Na ja! Feine Sahne Fischfilet!)

Das Land Sachsen-Anhalt hat sich als guter Gastgeber präsentiert. Hunderttausende Gäste waren in Sachsen-Anhalt, und ich will es hier mit aller Deutlichkeit sagen: Wir lassen uns unser Weltkulturerbe von niemandem kaputtmachen.

(Beifall bei der Linken, bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Dass der Antrag der AfD-Fraktion einen klar nationalsozialistischen Background hat, hat Herr Hövelmann eben richtig dargestellt. Es gab seinerzeit - das wissen alle, die politisch gebildet sind - einen politisch motivierten Eingriff in die Freiheit der Kunst vonseiten der Nationalsozialisten.

Die Nationalsozialisten haben in ihrer Propaganda - das hat Herr Tillschneider heute auch getan - das Bauhaus als Symbol jüdischer und kommunistischer Beeinflussung deutscher

Kultur stilisiert und damit das Bauhaus als Feindbild nationalistischer Gesinnung stigmatisiert. Genau wie die AfD-Fraktion heute störten sich die Nazis seinerzeit schon am freiheitlichen Grundgedanken, dem das Schaffen des Bauhauses zugrunde liegt; denn mit dem vorliegenden Antrag versucht man zumindest, die Geschichte zu wiederholen.

Mit ihrem Antrag stört sich die AfD-Fraktion an der Formensprache des Bauhauses. Die AfD-Fraktion spricht in der Begründung zu

ihrem Antrag von Bausünden und meint, - auch Zitat - „ideologische Hintergründe“ des Bauhauses kritisieren zu müssen, und spielt offensiv auf die Leitung des Bauhauses unter Hannes Meyer an.

Darüber hinaus stört sich die AfD-Fraktion an der internationalen Ausrichtung des Bauhauses. Das alles, meine Damen und Herren, sind eins zu eins genau die vorgeschobenen Gründe der Nazis, die im Jahre 1933 zur Schließung des Bauhauses führten. Zeitgleich mit der Demokratie in Deutschland zerstörten die Nazis im Jahr 1933 das Bauhaus. Eine deutliche Parallelität in der Geschichte ist kaum denkbar.

(Beifall bei der Linken und bei der SPD)

Die politischen Verhältnisse führten nach 1933 dazu, dass ehemalige Bauhauskünstler ihre Arbeit verloren und aufgrund ihrer Herkunft ins Exil fliehen mussten. Mindestens 21 Bauhäusler wurden nachweislich in nationalsozialistischen Gefängnissen oder Konzentrationslagern umgebracht. Auch daran muss erinnert werden.

Die eigentliche Beeinflussung fand spätestens mit der Diffamierungsausstellung „Entartete Kunst“ im Jahr 1937 in München und der parallel installierten deutschen Kunstausstellung statt, indem die Nazis ihre Vorstellung deutscher Kunst zeigten.

Was wir heute hier mit diesem Antrag erleben, sind keine Irrwege in der Kulturpolitik unseres Landes, sondern es ist der Irrweg der Dreißigerjahre, den uns die AfD-Fraktion erneut anbietet.

(Beifall bei der Linken, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Wohin diese Politik führte, wissen wir: in die furchtbarste Zeit der deutschen Geschichte

mit Terror, Krieg und zig Millionen Toten. Wer solche Anträge stellt, der lässt die Maske fallen und macht deutlich, dass er gern die Barbarei zurückhaben möchte.

(Beifall bei der Linken)

Ein letzter Satz. Herr Tillschneider, Sie haben von Herrn Oswalt gesprochen und versucht, ihn für Ihre Gedanken zu vereinnahmen. Ich empfehle Ihnen: Hören Sie sich das Interview an, das er heute dem Norddeutschen Rundfunk gegeben hat.

(Beifall bei der Linken - Eva von Angern, Die Linke: Ja!)

Ich habe es mir heute angehört. Er nimmt nicht nur Ihren Antrag inhaltlich wunderbar auseinander, sondern er spricht - ich zitiere - „von großer Primitivität“, von der dieser Antrag gekennzeichnet ist.

(Beifall bei der Linken, bei der SPD und bei den GRÜNEN - Dr. Hans-Thomas Tillschnei- der, AfD: Oh!)

Besser als Herr Oswalt kann man es nicht ausdrücken.

(Beifall bei der Linken und bei den GRÜNEN)

Wir kommen zum nächsten Redner. Das ist Herr Silbersack für die FDP-Fraktion.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Dr. Tillschneider, aus dieser Nummer kommen Sie nicht mehr raus.

(Lachen bei der AfD)

Ich sage Ihnen auch, warum. Die Begrifflichkeit „Irrweg der Moderne“ ist nicht Ihre Erfindung, sondern ist die Erfindung des Rassenideologen Paul Schultze-Naumburg,

(Zuruf von der AfD: Was?)

der sich in seinem Buch „Kunst und Rasse“, 1928, mit der Verfremdung mit dem Bauhaus auseinandergesetzt hat.

(Zuruf von der AfD)

Sie haben heute den Beweis dafür erbracht, dass Sie das Gedankengut von Paul SchultzeNaumburg in sich tragen,

(Beifall bei der FDP, bei der Linken, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

und zwar in der tiefsten Form. Paul SchultzeNaumburg war, wie Sie, jemand, der den Heimatstil geliebt hat und der mit der Umstellung nicht zurechtkam. Er hat um die Jahrhundertwende auch gute Sachen getan, sich aber dann der Rassenideologie verschrieben.

Im Jahre 1940, nachdem er sich als Totengräber des Deutschen Bauhauses einen Namen gemacht hat, ist er mit besten Grüßen von Adolf Hitler in den Ruhestand verabschiedet worden, und zwar mit den Worten, dass er das Bollwerk gegen das verjudete Bauhaus war.

Wenn Sie sich hier hinstellen, Herr Dr. Tillschneider, und in der Tradition von Paul Schultze-Naumburg dieses Parlament missbrauchen, dann ist das ein Offenbarungseid, der schlimmer nicht sein kann, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der FDP, bei der CDU, bei der Lin- ken, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Es ist die Fratze des Nationalsozialismus. Hierbei geht es nicht um die Frage, ob ich den Jugendstil gut oder schlecht finde oder ob ich die Gründerzeit gut oder schlecht finde, sondern hierbei geht es um die Frage: Wie stehe ich zu Menschlichkeit? Wie stehe ich zu Ideologie? An dieser Sache hat sich Paul SchultzeNaumburg vergangen, und an dieser Sache haben Sie sich, Herr Dr. Tillschneider, ebenfalls vergangen. Sie schwadronieren über historische Bausünden, fragwürdige Werte, ideologische Hintergründe und globale Verwertungen in einem Einheitsbrei. All das hat Paul SchultzeNaumburg als Rassenideologe der Nationalsozialisten auch getan.

Die Zielführung, die Joseph Goebbels danach weitergeführt hat, war das Programm „Entartete Kunst“. Sie versuchen, das Ganze zu bemänteln wie der Wolf im Schafspelz und über eine kritische Auseinandersetzung zu schwadronieren. All das ist nicht wahr. Machen Sie sich ehrlich. Sagen Sie, dass Sie zu Ihrem Gedankengut stehen. Das ist das Mindeste, was man hier erwarten kann. Es ist wirklich abscheulich, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der FDP, bei der Linken und bei den GRÜNEN)

Da Sie gerade auf Ihren Computer schauen, auf einem Stuhl sitzend mit einer Stahlrohrfunktion, so geht diese auf Marcel Breuer zurück. Marcel Breuer - 1922 Schüler in der Tischlerlehre am Bauhaus in Weimar - war derjenige, der die Urform dieses Stuhls erstellt hat. Eigentlich müssten Sie sich einen Holzstuhl aus der Gründerzeit hinstellen, damit Sie sich wohlfühlen.

(Beifall bei der FDP, bei der CDU, bei der Lin- ken, bei der SPD und bei den GRÜNEN - Zu- rufe von der AfD)

Meine Damen und Herren! Ich will Ihnen noch etwas sagen.

Herr Silbersack, kommen Sie bitte zum Schluss.

Das Bauhaus war eine Erfolgsgeschichte, war d i e Erfolgsgeschichte in Architektur, Kunst und Design, ist für das Möbelhandwerk noch heute prägend und wird auch in den nächsten 100 Jahren noch prägend sein. Zum Glück wird Ihre Geschichte nicht so lange geschrieben. - Vielen Dank, meine Damen und Herren.