Protokoll der Sitzung vom 03.06.2021

(Beifall AfD)

vor einigen Wochen verkündete der Automobilhersteller Audi, dass man ab sofort die gendergerechte Sprache im Konzern verwenden wolle, man spricht jetzt bei Audi nicht mehr in bewährter Art und Weise von Audianern, sondern von Audianer/innen.

(Zwischenruf Abg. Wahl, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Gut so!)

Man sollte eigentlich meinen, dass Automobilbauer in der heutigen Zeit andere Probleme haben.

(Beifall AfD)

Aber anstatt Zeit und Geld in Vorsprung durch Technik zu investieren, investiert man selbige lieber in Ideologie, denn nichts anderes ist der Genderismus, was man unschwer an seinem Kampf um die Sprache ablesen kann.

(Unruhe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ich möchte das kurz einordnen, sehr geehrte Damen und Herren.

Ich bitte um Ruhe, Abgeordneter Höcke spricht.

Die Emanzipation des Menschen von Gott in der Aufklärung hatte eine Kehrseite, denn die Freiheit von den Gesetzen des Schöpfers, die Freiheit von den Gesetzen der Natur selbst machte sie zu den absoluten Herren des eigenen Schicksals. Die Wahrheit war nun nicht mehr bei Gott, sondern konnte nun auch bei den Menschen sein, die glaubten, im Besitz der Wahrheit zu sein. Der vermeintlich gute Zweck, die Errichtung einer Herrschaft der Vernunft oder die Einebnung der Klassen, heiligte alle Mittel. Beginnend mit dem Jakobinismus haben die Ideologien eine Blutspur in die Menschheitsgeschichte der letzten 200 Jahre gezogen.

(Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sagt der Richtige!)

Hölderlin sprach in diesem Zusammenhang die bis heute gültigen Worte: „Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, dass ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte.“ Immer ging und geht es

(Vizepräsident Bergner)

Ideologen darum, Traditionen, Gewachsenes abzuräumen, um einen neuen Menschen zu schaffen. Und immer war und ist ein Hebel die Sprache, mit deren Hilfe man das Bewusstsein der Menschen manipulieren wollte, denn es ist so: Das, was wir nicht sprechen können, können wir auch nicht denken. Kurz: Die Sprachpolitik des Gender-Mainstreamings ist klassische Ideologie und hat in einem freiheitlichen Rechtsstaat nichts zu suchen.

(Beifall AfD)

Auch ohne diese Hintergründe zu kennen, schütteln die Menschen im Land angesichts der Auswüchse der Sprachpolitik den Kopf. Wenn aus der Mutter das austragende und aus dem Vater das nicht gebärende Elternteil wird, dann kommt einem der Aphorismus von Henryk M. Broder in den Sinn, der sagte: „Deutschland ist ein Irrenhaus. Könnte man die Bundesrepublik überdachen, wäre es eine geschlossene Anstalt.“

(Beifall AfD)

(Zwischenruf Abg. Lukasch, DIE LINKE: Sie kriegen aber ein Einzelzimmer!)

Wir sehen die deutsche Sprache allerdings nicht nur durch Genderideologen, sondern auch durch Unachtsamkeit unter Druck gesetzt.

(Zwischenruf Abg. Müller, DIE LINKE: Was ist denn die deutsche Sprache?)

Ich erinnere hier nur an den unreflektierten Gebrauch englischer Wörter in der Alltagssprache oder auch daran, dass sich Parallelgesellschaften in den letzten Jahren und Jahrzehnten ausgebreitet haben, in denen der Gebrauch der deutschen Sprache eher selten stattfindet.

Gerade in einer Zeit, in der das Gemeinsame immer mehr infrage gestellt wird, ist es die Aufgabe des staatlichen Gemeinwesens, das Gemeinsame zu stärken. Hierzu tragen im Besonderen die Bewahrung und die Pflege der deutschen Sprache, unserer Sprache, bei.

(Beifall AfD)

Dies, sehr geehrte Damen und Herren, zum Ausdruck zu bringen, ist Anliegen des Gesetzentwurfs meiner Fraktion. Das Bekenntnis zur Landessprache, das Bekenntnis zu Deutsch als Landessprache gehört ohne Wenn und Aber – gerade in dieser Zeit, die auf der Suche nach neuer Gemeinsamkeit ist – in die Thüringer Landesverfassung.

(Beifall AfD)

(Zwischenruf Abg. Bilay, DIE LINKE: Was ist jetzt mit Belgien?)

Danke, Herr Abgeordneter Höcke. Ich eröffne die Aussprache. Noch mal der Hinweis: Dieser Tagesordnungspunkt wird auf Verlangen der Fraktion der AfD in einfacher Redezeit beraten. Die erste Wortmeldung kommt von der Abgeordneten Müller von der Fraktion Die Linke.

(Zwischenruf Abg. Müller, DIE LINKE: Ich ziehe zurück!)

Dann spricht als Nächster Abgeordneter Prof. Voigt von der Fraktion der CDU. Auch nicht, gut. Die nächste Wortmeldung kommt von Abgeordneter Marx von der Fraktion der SPD. Bitte, Frau Marx.

Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen, der Antrag ist ein Remake. Er wurde vor fünf Jahren schon einmal gestellt.

(Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Von Herrn Brandner da- mals!)

Damals war Herr Brandner hier noch groß am Rednerpult vertreten.

(Zwischenruf Abg. Möller, AfD: Das waren Zeiten!)

Ich fange noch mal mit der Thüringer Geistesgeschichte an. Ich hatte vorhin schon die Adligen erwähnt. Die Adligen waren sich ja auch nicht immer einig. Da gab es damals in Weimar 1621 eine kleine Abspaltung von Adligen. Diese haben sich dagegen gewandt, dass sich der Adel auch manchmal im Französischen unterhielt und haben eine sogenannte „Fruchtbringende Gesellschaft“ gegründet. Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, dass man den Einfluss fremder Sprachen auf das Hochdeutsche zurückdrängen müsse, um sich weiter ausdrücken zu können. Allerdings hat dieser Verein nicht lange gelebt. Er hat nicht überlebt.

400 Jahre später gibt es jetzt diesen „Verein Deutsche Sprache“, der seit Jahren – auch mit Ihrer Unterstützung – versucht, die deutsche Sprache in den Verfassungsrang zu überführen. Die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ ist hingegen nicht für dieses Konstrukt.

Wir haben die Regelung zur deutschen Sprache als Verwaltungssprache, als Staatssprache, als Gerichtssprache, also in Gesetzen über Behördenleistungen. Aber sie steht nicht in einer Verfassung, bisher in überhaupt keiner Verfassung. Das ist sehr schwierig, weil sich die Sprache im Laufe der Jahrhunderte aus vielen Sprachstämmen ständig entwickelt hat. Viele Worten, die wir heute selbstver

(Abg. Höcke)

ständlich gebrauchen, haben deswegen nicht das Hochdeutsche, Mittelhochdeutsche oder die Unterfälle der deutschen Geschichte im weiteren Sinne zu eigen. Deswegen ist es so merkwürdig, wenn man glaubt, dass man der Sprachentwicklung einen Riegel vorschieben könnte, wenn man das Deutsch jetzt als Sprache in die Verfassung überführt. Es ist auch komplett unklar, was sich dann daraus für Rechte und Pflichten ergeben sollen. Sie schreiben in Ihrem Antrag, es würde dann der Staat die Verpflichtung übernehmen, die deutsche Sprache zu pflegen und besonders auf sie zu achten. Würde das bedeuten, dass man dann auch Sprachregelungen aufstellt für den öffentlichen Sprachraum, für den schulischen Sprachraum, für den universitären Sprachraum? Wenn das eine verfassungsgemäße Verpflichtung sein soll, wie sollte sie sich dann umsetzen, wenn es mehr sein soll als Amtssprache oder Behördensprache, weil das haben Sie ja im Alternativen ausdrücklich abgelehnt? Ich meine, es ist eigentlich merkwürdig, dass Sie nach der Debatte vor fünf Jahren, bei der es hier auch ausführlich im Landtag in drei Lesungen diskutiert wurde, jetzt wieder darauf zurückgekommen sind. Aber okay – „okay“ ist übrigens das meist gebrauchte Anglizismus-Wort, was wir alle verwenden und auch 90 Prozent aller Kritiker des Verfalls der deutschen Sprache verwenden es immer mal unachtsam vor sich hin. Wir werden unsere kulturelle Selbstverständigung also verarmen und nicht bereichern, wenn wir jetzt einer solchen Konstruktion, wie Sie die jetzt hier vorschlagen, nachkommen wollen. Viele Wörter unseres alltäglichen Tagesgebrauchs haben fremde, aus Ihrer Sicht fremde Sprachenstämme und sind aber dann Gegenstand unserer Sprache geworden. Dass man von Frauen und Männern spricht, war auch früher mal nicht selbstverständlich. Die ganze Sache war wahrscheinlich schon mit Eva ein bisschen schwierig gewesen, Adam allein hätte dann vielleicht auch schon gereicht.

(Beifall SPD)

Aber dann wären wir auch alle nicht hier, auf keiner Seite des Hauses. Ich möchte Ihnen nur sagen, auch Sie verwenden selber einen Haufen …

Frau Marx, erlauben Sie eine Zwischenfrage?

Ja, gern.

Dann bitte.

Frau Marx, Sie haben gerade auch diese Vielfältigkeit der Sprache, wo kommt unsere Sprache her, angesprochen, und auch, wie wir aus anderen Kulturen gelernt haben. Nun gibt es das Wort „Sofa“ und das Wort „Schal“. Würden Sie mir recht geben, dass das aus dem Islamischen stammt?

Ja, das stammt meines Erachtens aus Persien.

(Zwischenruf Abg. Henfling, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Am Ende nutzen wir noch arabische Zahlen!)

Ja, arabische Zahlen nutzen wir auch.

(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das ist genau das, wo die Gesellschaft für deutsche Sprache, also der eigentliche Sprachverband, der althergebrachte, gesagt hat: Es macht gar keinen Sinn, dass man Wörter mit einem anderen Hintergrund, mit einem Migrationshintergrund, könnte man sagen,

(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

wieder aus dem deutschen Sprachgebrauch wegnimmt, wenn sich keine richtige Entsprechung findet. Oder haben Sie was für „Sofa“? Und es wird auch schwierig bei den Worten, die hier im politischen Alltagsstreit verwendet werden, auch gerade von der AfD, die jetzt hier Hölderlin und andere Klassiker wieder mal bemüht hat. Herr Möller hat übrigens gerade erst vor zwei Stunden „Troublemaker“ gesagt zu irgendwelchen Menschen, die er lieber nicht im Lande hätte.