Ich glaube, dazu ist dieser Antrag durchaus gut. Ich möchte hier auch auf zwei Dinge eingehen, die aus meiner Sicht sehr wichtig sind. Punkt 1 ist die Frage der Bestrebungen eines Thüringer Convention-Büros. Wir haben lange darüber diskutiert: Brauchen wir so etwas, brauchen wir so etwas nicht? Ich denke, wir brauchen so etwas, und es zeigt sich eben, dass dieses Convention-Büro nicht irgendwo auf dem Papier geboren ist, sondern es sind die Anbieter, es sind die Betriebe, die selber dafür sorgen wollen, nämlich der Verein Städtetourismus, dass
dieses Convention-Büro in Gang kommt und dass damit auch mehr Kongresse nach Thüringen geholt werden. Genau diese Bestrebungen des Vereins Städtetourismus muss man einfach unterstützen. Dafür werden wir auch etwas tun, dass es eine Anschubfinanzierung gibt und dass das dann weiter nach vorn kommt.
Eine zweite Geschichte sind die Werbemöglichkeiten für Thüringen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich glaube, da haben wir noch großen Nachholbedarf. Wir haben großen Nachholbedarf in der Werbung, sowohl in der digitalen Werbung als auch in der Werbung vor Ort, das heißt bei dem Besuch von Messen und Ausstellungen. Wir haben eine Thüringer Tourismusgesellschaft, die eigentlich diese Werbemaßnahmen auch tatsächlich voranbringen soll. An der Stelle, muss ich leider sagen, hat es nicht die Effekte in den vergangenen zwei Jahren gegeben, die ich mir gewünscht hätte, auch nicht mit einer neuen Geschäftsführung,
sondern hier sind wir stehen geblieben und teilweise hat es aus meiner Sicht sogar eine Rückwärtsentwicklung gegeben.
Ich glaube, wir müssen sehr viel dafür tun, dass wir diese Werbung weiter ausbreiten. Wenn ich mir die Bayern anschaue, in Südthüringen habe ich immer wieder Annoncen – Andreas Bühl wird das auch wissen –, die für bayerische Regionen werben. Ich finde keine Werbemöglichkeiten in bayerischen Zeitungen, zum Beispiel im fränkischen Raum, außerhalb des Landkreises Sonneberg, da gibt es nichts. Ich glaube, genau da müssen wir ansetzen. Wir brauchen größere Werbekampagnen, um Thüringen als Urlaubsland weiter bekannt zu machen und hier mehr Touristinnen und Touristen herzuholen.
Und letztlich, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen tatsächlich etwas, um die Qualität in Thüringen zu erhöhen. Urlauberinnen und Urlauber gehen heute dahin, wo sie auch in einer guten Qualität ihren Urlaub verbringen können. Dort gibt es Nachholbedarfe. Das soll keine Kritik an den Betrieben sein, denn die Betriebe haben gerade in der Pandemie unwahrscheinlich viel investiert. Über 30 Millionen Euro sind investiert worden in die Infrastruktur der Betriebe, aber das reicht nicht aus, das reicht einfach nicht aus. Wir müssen hier eine weitere Qualitätsverbesserung vornehmen.
Letzte Bemerkung – staatlich anerkannte Erholungsorte: Wir haben seit vielen Jahren eine Unterstützung für die Kur- und Heilbäder, was richtig und gut ist.
Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die staatlich anerkannten Erholungsorte auch eine wichtige Funktion im Gebilde des Tourismus in Thüringen haben. Und deshalb bin ich froh, dass in dem Alternativantrag die staatlich anerkannten Erholungsorte mit aufgeführt sind, sie zu fördern. Ich glaube, es ist eine wichtige Frage, um hier auch ein Stück weiterzukommen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor – ich habe es zu Anfang gesagt –, er soll auch ein weiterer Wirtschaftsfaktor bleiben, meine sehr geehrten Damen und Herren. Deshalb hoffe ich, dass dieser Antrag heute mit einer breiten Mehrheit beschlossen wird, und ich hoffe, dass wir nicht heute das letzte Mal in dieser Legislaturperiode über die Entwicklung des Tourismus in Thüringen geredet haben bzw. derzeitig noch reden. Danke schön.
Vielen Dank. Als nächstem Redner erteile ich Herrn Abgeordneten Bühl von der Fraktion der CDU das Wort.
Sehr verehrte Damen und Herren, ich freue mich, dass wir heute Morgen über das Tourismusthema hier sprechen können mit dem Antrag, der ja von unserer Fraktion schon im letzten Winter eingereicht worden ist. So lange hat es gedauert, bis wir hier zu einem Ergebnis gekommen sind, nicht zu spät hoffentlich, aber doch mit anderen Rahmenbedingungen, als wir uns in dem ursprünglichen Antrag vorgegeben hatten. Die Coronapandemie ist glücklicherweise jetzt so weit überstanden, dass wir von deutlich mehr Öffnungen profitieren können, als wir das noch beim Schreiben des Antrags im Blick hatten, sodass wir den Antrag auch angepasst haben. Aber es bleibt ein grundsätzliches Problem und wir haben ein Problem im Thüringer Tourismus, was man ganz klar ansprechen muss.
Wir haben die Zahlen vorliegen – allein im Vergleich von Februar 2021 zu 2022 sieht man das sehr deutlich. In den Übernachtungszahlen ist Thüringen auf dem viertletzten Platz. Sachsen-Anhalt,
Saarland, Bremen sind noch hinter uns, aber wir sind auf dem viertletzten Platz. Das ist keine wirklich neue Erkenntnis, weil wir ja die letzten Jahre immer darum gestritten haben – auch hier im Haus – und, ich glaube, da sind wir uns weitgehend einig, was wir tun wollen. Aber ich habe den Eindruck, die Landesregierung setzt es nicht um. Denn wenn die Mehrheit hier im Haus dafürsteht, aber es dann nicht gemacht wird, scheint es ja ein Problem zu geben.
Wir konnten auch nicht von den Steigerungen, die im letzten Jahr im Inlandstourismus passiert sind, profitieren. Mein Kollege Knut Korschewsky hat es ausgeführt, es gab einen starken Trend zum Inlandstourismus. Mecklenburg-Vorpommern, das verwundert wenig, hat eine Steigerung von 331 Prozent gehabt, Thüringen liegt dabei im unteren Mittelfeld bei 136 Prozent, der Bundesdurchschnitt sind 160 Prozent. Wir haben es also nicht geschafft, wenigstens den Bundesdurchschnitt zu erreichen, obwohl wir im letzten Jahr eine BUGA hatten, die natürlich auch viele Gäste angezogen hat. Das zeigt, welches Problem wir haben, dass wir augenscheinlich die PS nicht auf die Straße bringen, weder in der Werbung noch in dem, was wir so bieten – da muss sich dringend etwas ändern.
Deswegen haben wir jetzt hier eine Neufassung, einen Alternativantrag gemeinsam liegen. Ich will schon mal ankündigen, dass wir deswegen auch unseren ursprünglichen Antrag zurückziehen werden, weil das einfach eine überarbeitete Version ist, in der wir jetzt auch auf die Gegebenheiten nach Corona, nach der Pandemie eingegangen sind, und das damit einfach die aktuellere Version ist. Wir haben dort eine ganze Reihe von Punkten aufgegriffen, von denen ich mir wünsche, dass sie dann auch umgesetzt werden. Da will ich noch einen Punkt einstreuen, den ich mir jetzt nicht verkneifen kann. Ich hätte mir gewünscht, der Wirtschaftsminister wäre da, freue mich aber auch, dass seine Staatssekretärin da ist, aber ich hätte es lieber an den Wirtschaftsminister direkt adressieren wollen. Es wird uns nicht helfen, wenn man Maßnahmen wie zum Beispiel das Projekt „Zukunft Thüringer Wald“ einstellt. Das ist, glaube ich, keine Maßnahme, mit der wir den Tourismus stärken können.
Und das hat man vom Wirtschaftsministerium so sang- und klanglos gemacht, auch so ein bisschen am Ausschuss vorbei. Uns informiert man da sowieso nicht so gut; ich erinnere nur an die Touris
musmesse, da hatte man uns auch nicht informiert, sondern Fakten geschaffen. Genauso hat man es hier auch gemacht. Das ist ein Projekt, da muss man den ehemaligen Staatssekretär Georg Maier loben, der das damals eingeführt hat. Aber seitdem er nicht mehr da ist, hat man gemerkt, ist die Motivation für den Tourismus doch deutlich zurückgegangen. Das Projekt ist jetzt eingestellt, das ist schade. Ich wünsche mir, dass wir da anschließen, denn wir haben weiterhin ein Problem in der Qualität und in der Vermarktung und wir konnten nur profitieren in den Städten, an der Städtekette, aber abseits davon ist es schwierig. Deswegen haben wir hier eine ganze Reihe von Maßnahmen aufgeschrieben, die wir der Landesregierung ins Stammbuch schreiben dann auch umzusetzen. Kollege Knut Korschewsky hat es schon angesprochen; ich denke auch, wir haben ein Werbeproblem bei der TTG. Ich würde mir da deutlich mehr wünschen. Ich würde mir wünschen, dass wir auch sichtbar werden. Andere Länder sind sichtbar. Wir sind nicht so sichtbar, wie ich mir das wünschen würde, und wir müssen auch gezielter in die Quellmärkte reingehen, die wir uns wünschen würden. Ich habe das Gefühl, wir zerfasern uns da ein bisschen und kommen da nicht wirklich zum Punkt, den wir brauchen.
Auch die Nachvermarktung zum Beispiel von der BUGA – ich gucke meinen Kollegen Marcus Malsch an –, da sind wir ja stark dabei, dass man die BUGA auch in diesem Jahr noch mit vermarktet. Ich habe das Gefühl, wir machen immer ein Thema, dann fällt das unten runter und dann kommt das nächste Thema, auf das man draufsteigt und das alte ist vergessen. Wir sollten das auch nachhaltiger gestalten, das würde ich mir wünschen.
Und wenn man noch mal auf die konkreten Maßnahmen schaut, die Werbung ist das eine, die Qualität ist das andere. Ich denke, die Bezahlung der Mitarbeiter, das ist schon ein wichtiger Punkt, den muss man auch ansprechen, aber das ist natürlich eine Folge, die wird kommen. Anders wird es gar nicht gehen, weil sonst Unternehmer auch gar keine Mitarbeiter mehr finden. Ich glaube, das merken wir alle, die wir im Gespräch sind, dass die Fachkräftesituation eine schwierige ist. Wer Mitarbeiter haben will, der muss auch einen guten Preis dafür bezahlen, sonst wird er seine Firmen nicht mehr ausstatten können. Von daher ist das eine Entwicklung, die positiv ist, die man auch erwähnen muss.
Zwei Dinge will ich explizit ansprechen, die wir hier aufgenommen haben: Das sind einmal die Erholungsorte, das Erholungsortthema. Ich weiß, es gibt
hier im Hause starke Verfechter für die Kurorte. Ich wünsche mir das aber auch für die Erholungsorte. Da ist es immer ein bisschen schwieriger gewesen in den letzten zwei Jahren, hier auch Mehrheiten zu finden. Es ist dennoch gelungen, mit dem Coronabonus für die Erholungsorte zweimal in Folge etwas zu erreichen. 5 Millionen Euro waren das jeweils und das hat echte Effekte erzielt. Ich habe mich mit den Bürgermeistern unterhalten, was man da an Qualitätssprüngen in den Erholungsorten machen konnte. Das muss man, finde ich, verstetigen. Ich finde gut, dass wir uns hier in dem Antrag darauf verständigen schon mal über vier Fraktionen hinweg, dass wir da was angehen wollen, und das auch im Hinblick auf die kommenden Haushalte.
Es gibt jetzt eine Arbeitsgemeinschaft der Erholungsorte, die sich gegründet hat, und ich bin gespannt, mit denen auch ins Gespräch zu kommen, was die sich genau vorstellen. Das sollten wir dann auch gemeinsam begleiten. Ich finde gut, dass es hier drinsteht. Das ist das eine.
Das andere sind die Messen. Wir haben in Thüringen noch kein Convention-Büro, also keine Möglichkeit, wo wir zentral Messen und Veranstaltungen für das ganze Land dann auch verteilen und vermarkten können. Das ist ein echter Nachteil, obwohl wir in Thüringen wirklich die beste Lage haben. Ich frage mich, warum das so lange nicht gemacht wurde. Auch da muss man wieder sagen, da haben wir eher ein Ausführungsdefizit als ein Feststellungsdefizit hier im Haus. Deswegen ist es gut, dass man jetzt dort rangeht und dass man sich dem Convention-Büro widmet. Das bedeutet also, dass zentral Anfragen für Veranstaltungen, für Messen gesammelt werden und die dann aufs Land gestreut werden. Deswegen ist es auch gut, dass das der Verein Städtetourismus macht, weil dort eben ein Großteil unserer Thüringer Städte, nicht nur die großen an der A4, sondern weit darüber hinaus, auch drin sind.
Abschließend will ich sagen, dass ich mir wünsche, dass wir auch die Destinationsmarken, also unsere örtlichen Vermarktungen, ob das jetzt der Regionalverbund ist oder Saaletourismus oder – wir haben ja eine ganz breite Zahl – Rhön, dass man die weiter unterstützt und auch dort die Finanzierung so ausbaut, dass man vor Ort auch arbeiten kann, denn im Endeffekt wird der Tourismus in der Qualität von unten nach oben aufgebaut und wenn die untere Ebene stark ist, dann wird das auch nach außen strahlen. Deswegen ist es gut, dass wir das hier auch noch mal festgehalten haben.
Abschließend will ich sagen: Wir haben viel zu tun im Tourismus. Ich hoffe, dass dieser Antrag einen Anteil leistet, dass es vorangeht, dass auch wirklich die Dinge umgesetzt werden, die wir aufgeschrieben haben. Vor allen Dingen würde ich mir auch wünschen, wenn wir es heute beschließen, dass der Ausschuss, der Wirtschaftsausschuss eng angebunden wird und dass wir dann auch die Dinge mit bewerten können. Ich glaube, das ist im Sinne von Thüringen und auch für den Thüringer Tourismus. Vielen Dank.
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist jetzt ein bisschen schwierig nach mittlerweile drei Vorrednerinnen bei einem gemeinsamen Antrag zum Tourismus, wo man gehört hat, der Beifall kam tatsächlich von allen Seiten. Auf die Ausführungen der AfD bzw. die Anmerkungen durch Frau Dr. Bergner möchte ich gar nicht erst weiter eingehen. Ich möchte ausdrücklich meinen Kollegen Korschewsky, Herrn Bühl und Frau Lehmann schon mal danken, die haben quasi alles das vorweggenommen, was ich mir habe aufschreiben lassen oder selbst noch hinzugefügt habe. Deswegen mache ich das auch relativ kurz.
Ich habe am Ende noch einen Punkt gehabt und der ist eigentlich eine Art Schlussappell. Der richtet sich natürlich an das zuständige Ministerium. Ja, es wäre schön gewesen, wenn Herr Tiefensee heute auch da wäre. Ich werde aber mit ihm die nächsten Tage nach London und nach Birmingham verreisen und werde mir die Chance nicht nehmen lassen, ihn darauf auch da noch mal anzusprechen.
Ich fände es schon ganz gut, wenn unsere Hinweise auch aus diesem Antrag – vielleicht auch ein bisschen anders als in der Vergangenheit – mit mehr Ernsthaftigkeit angenommen würden.
Ich glaube, gerade bezüglich der Neuausrichtungen, die wir vor uns haben, den Hürden, die vor uns stehen, gerade was Qualität angeht, was Bezahlung angeht, was Aufmerksamkeit angeht, können wir aus dem Ausschuss heraus so viel mitgeben, dass es schade wäre, wenn dieses Potenzial nicht
gehoben wird und wir nicht entsprechend einbezogen werden. Da habe ich das Gefühl, dass das ausbaufähig ist. Ich glaube, da kriege ich auch von allen Seiten ein Nicken. Alle anderen Punkte sind angesprochen worden.
Ich wünsche mir eine gute Debatte im Ausschuss zu unserem gemeinsamen Antrag, damit wir für das Land Thüringen als Tourismusstandort tatsächlich etwas bewegen können. Vielen Dank.
Vielen Dank. Als nächster Redner erhält Herr Abgeordneter Kemmerich von der Gruppe der FDP das Wort.
Sehr verehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren, sehr geehrte Frau Dr. Böhler als zuständige Staatssekretärin, seit Jahren diskutieren wir über die Probleme, Sorgen und Nöte in der Tourismusbranche, Hotellerie, Gastronomie. Zur Wahrheit gehört, dass die Pandemie die Probleme verschärft und nicht erst ausgelöst hat.