unseren Schulen und der öffentlichen Verwaltung macht dieser Wahnsinn einfach keinen Halt, weswegen wir heute wieder darüber hier diskutieren und vor allem auch darüber diskutieren, wie man dem Genderirrsinn in unseren Schulen endlich Einhalt gebieten kann.
Geht es nach dem Willen vieler Genderbefürworter, soll die Gendersprache langsam in den Alltag einsickern, dies vor allem gegen den Willen eines Großteils der Bevölkerung. Hier handelt es sich eben nicht, wie es behauptet wurde, um eine natürlich Veränderung der Sprache, sondern um eine gesteuerte Veränderung, erdacht von einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern und Universitäten, die zusammenhocken und an
scheinend pausenlos nichts anderes zu tun haben, als sich irgendwie krampfhaft zu überlegen, welche Personen und Gruppen sich denn angeblich mal wieder diskriminiert fühlen müssten und wie die Bürger doch gefälligst sprechen müssen, um diese angebliche Diskriminierung zu umgehen.
Dabei ist es den Genderbefürwortern durchaus bewusst, dass sich die Sprachverunstaltungen auf normalem Wege niemals in der Bevölkerung durchsetzen würden, und deswegen versucht man, zu Mitteln gegen die Bürger zu greifen, die sich nicht einfach wehren können, zum Beispiel bei öffentlichen Dokumenten von Verwaltungen oder gerade auch bei den Kindern an der Schule.
Dann kommt immer wieder die Behauptung, es gäbe keinen Zwang zum Gendern. Formal vielleicht oftmals nicht, gesellschaftlich aber dann schon, denn die Gleichen, die behaupten, es gäbe keinen Zwang zu gendern, sind ja meist diejenigen, die dann gleich hinterherschieben: Wenn du nicht genderst, dann bist du unhöflich oder du diskriminierst. Man erhebt dann also praktisch das Gendern zu einer Art moralischer Notwendigkeit, was komplett irrsinnig und vor allem anmaßend ist.
Und, Frau Große-Röthig, die deutsche Sprache diskriminiert niemanden. So ist das generische Maskulinum zwar die grammatisch männliche Bezeichnung, hat aber mit dem biologischen Geschlecht rein gar nichts zu tun. So kommt das Wort „Lehrer“ vom Wort „lehren“ und bezeichnet Menschen, die diesem Beruf nachgehen, unabhängig vom Geschlecht, genauso „erziehen“ – „Erzieher“, „fahren“ – „Fahrer“, „malen“ – „Maler“. Da wird niemand in irgendeiner Form diskriminiert, auch wenn man versucht, da irgendwas anderes hineinzudeuten.
Und weil es ja immer so gern behauptet wird: Niemand wird hier irgendwem irgendwas verbieten, wie er privat zu sprechen hat oder irgendwelche Sprechverbote auferlegen. Sie können zu Hause bei der Familie am Abendbrottisch sitzend sehr gern reden, wie Ihre Arbeitszeit mit Ihren „Kolleg-Sternchen-innen“ war, Sie können auch darüber sprechen, wie Sie am Wochenende vielleicht Großeltern Teil 1 und Großeltern Teil 2 besuchen wollen oder ob Sie nicht doch lieber als austragendes Elternteil zusammen mit dem nicht gebärenden Elternteil und den Kindern doch ein ruhiges Wochenende haben.
All dies können Sie tun, es ist aber was völlig anderes, wenn diese Sprachverunstaltungen dann Einzug in die öffentliche Verwaltung finden oder sogar von Lehrern in der Schule verwendet werden. Hier hat man zu Recht zu erwarten, dass nach den Regeln der deutschen Sprache gesprochen, geschrieben und vor allem auch gelehrt wird.
Das Gendern findet, egal, ob Herr Hoffmeister das nun bestätigt oder eben nicht, immer mehr Einzug in den Unterricht in unseren Schulen, und dies ist nicht irgendwie unbewusst entstanden oder aus Versehen, sondern es war ganz gezielt. Immer mehr wird in Schulbüchern und Lehrmaterialen gegendert und dies wurde durch die letzte Landesregierung auch regelrecht forciert, Frau Merz, wie die Antwort der letzten Landesregierung auf eine Kleine Anfrage von mir auch sehr deutlich macht.
Ich fragte unter anderem: Wie steht die Landesregierung denn dazu, dass Lehrmittel für die Grundschule gendergerechte Schreibweise beinhalten, obwohl dies nicht den offiziellen Regeln der deutschen Rechtschreibung entspricht? Die Antwort der letzten Landesregierung: Die Landesregierung tritt für gendergerechte Sprache ein und befürwortet auch die Nutzung von Lernmitteln in gendergerechter Sprache. Ich fragte weiter: Ist die Landesregierung der Auffassung, dass gendergerechte Sprache in der Schule vermittelt werden sollte? Auch hier die Antwort: Ja, gendergerechte Sprache sollte in der Schule vermittelt werden. Und zum Schluss dann der krönende Abschluss, ich fragte die Landesregierung: Wenn die Landesregierung die Auffassung vertritt, dass gendergerechte Sprache im Unterricht gelehrt werden sollte, ab welcher Klassenstufe erachtet die Landesregierung dies denn für sinnvoll? Hier räumte die damalige Landesregierung ja wenigstens ein, dass gerade die Verwendung von gendergerechter Sprache in der Grundschule nicht einfach ist, da unter Umständen die Schüler die komplizierten Satzkonstruktionen nicht erfassen können. Trotzdem war man aber auch der Auffassung, dass auch schon sehr früh mit gendergerechter Sprache begonnen werden sollte. Denn in der Antwort der Landesregierung kam der Satz – ich zitiere –: Deshalb sollte dosiert ab Klasse 1 mit gendergerechter Sprache eine Einführung stattfinden.“
Ich glaube, die Antwort der letzten Landesregierung macht sehr deutlich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, dass das Gendern an den Schulen bisher nicht nur geduldet, sondern vielmehr sogar forciert wurde.
Um dieser Fehlentwicklung entgegenzuwirken, haben wir den Antrag hier gestellt, mit dem wir zum Teil die Verwendung von Lernmitteln, Schulbüchern untersagen wollen, die gendergerechte Sprache nutzen. Zum anderen darf in den Thüringer Schulen wieder allein nach den bewährten Regeln des deutschen Sprachgebrauchs und ohne Anwendung gendergerechter Sprache gesprochen, geschrieben, gelesen und vor allem auch wieder gelehrt werden. Lassen Sie uns gemeinsam diesem Genderirrsinn an den Schulen endlich einen Riegel vorschieben. Vielen Dank.
Gut. Das würde ich jetzt noch mal wiederholen. Hier wurde gerade noch der Antrag auf Überweisung an den Bildungsausschuss gestellt. Gibt es noch weitere Wortmeldungen aus dem Rund? Minister Tischner.
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Jankowski, ich hatte das Gefühl bei den letzten Ausführungen Ihrer Rede, Sie sind noch nicht in der neuen Zeit angekommen und haben noch
nicht wahrgenommen, dass wir einen Regierungswechsel vollzogen haben, weil Sie sich so an der alten Landesregierung aufgehalten haben.
Meine Damen und Herren! Lieber Kollege Zippel, Sie haben gesagt: Wenn das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur ins Handeln kommt! Ich kann Ihnen bestätigen, wir sind voll im Handeln. Unsere Priorität liegt auf dem Unterrichtsausfall, dass wir den bekämpfen, sie liegt darauf, dass wir die Qualität in unseren Schulen steigern. In dem Sinne haben wir gemeinsam als Landesregierung in den letzten Tagen viel auf den Weg gebracht. Bei mir im Haus gilt die Devise – und das sage ich immer meinen
Kolleginnen und Kollegen im Haus –: Wir sind nicht für uns im Haus da, sondern wir sind für die Schulen, für die Leute, für die Schüler, für die Lehrer draußen da. In dem Sinne, ja, gilt es auch wahrzunehmen, was die Mehrheit der Thüringerinnen und Thüringer von Politik und politischem Handeln erwartet. Und ja, das gilt eben auch bei dem Thema Gendersternchen, Doppelpunkten und ähnlichen Schreibweisen im Schriftgebrauch.
Die neue Landesregierung hat sich in ihrem Regierungsvertrag klar verständigt – die Kollegin Merz hat es schon zitiert, ich tue das auch noch mal für die Landesregierung: „Grundlage für den Sprach- und Schriftgebrauch an den Thüringer Schulen sind die Regeln des Rates der Deutschen Rechtschreibung.“ Das werden wir auch umsetzen
Gleichzeitig ist mir wichtig: Sprache ist mehr als ein politisches Symbol. Sie ist ein zentrales Element unserer Kultur und Kommunikation und wir müssen mit ihr sorgsam umgehen und vor allem darf sie nicht zum Gegenstand ideologischer Auseinandersetzungen an unseren Schulen werden. Schulen sind Orte des Lernens
und unsere Schulen sind nicht Orte des Kulturkampfes. Deshalb werden wir unsere Haltung mit Klarheit aber ohne unnötige Zuspitzung vertreten. Wir werden den richtigen Weg finden, um diese Leitlinien auch in der Unterrichtspraxis zu verankern mit Augenmaß und unter Einbeziehung derjenigen, die tagtäglich in unseren Schulen Verantwortung tragen. Wir werden gegensteuern, wo es nötig ist, aber mit Bedacht.
Vermittlung von Sprache ist eine davon, es mag nicht das drängendste Problem sein, aber es ist auch keine Nebensache. Sprache formt unser Denken und unsere Gesellschaft, sie konkret zu lehren, ist ein zentraler Bildungsauftrag. Thüringen ist das Land von Goethe und Schiller und in dieser Tradition gilt: Wer die deutsche Sprache pflegen will, muss in der Bildung ansetzen. Vielen Dank.
Wir danken Ihnen. Gibt es weitere Wortmeldungen? Das sehe ich nicht. Damit schließe ich die Aussprache zu diesem Tagesordnungspunkt. Wir hatten den Antrag auf Überweisung – zumindest habe ich den so
gehört – an den Ausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Gibt es weitere Überweisungswünsche? Das sehe ich nicht.
Dann würde ich jetzt über die Überweisung an den Ausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur abstimmen lassen. Wer für die Überweisung dieses Antrags an den Ausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur ist, den bitte ich um sein Handzeichen. Das sind die Stimmen der AfD-Fraktion. Gegenstimmen? Das sind die Stimmen der Linken, SPD, BSW und CDU. Gibt es Enthaltungen? Das sehe ich nicht. Damit ist die Überweisung abgelehnt.
Ich würde nun damit über den gesamten Antrag abstimmen lassen. Wer für diesen Antrag ist, den bitte ich
um das Handzeichen. Auch hier sehe ich die Hände der AfD-Fraktion. Wer ist dagegen? Ich sehe CDU, BSW, SPD und Linke-Fraktion komplett dagegen. Ich frage trotzdem: Wer enthält sich? Das sehe ich nicht. Damit ist dieser Antrag abgelehnt.
Mit Blick auf die Uhr, sehr geehrte Damen und Herren, befürchte ich, dass wir alle weiteren fünf Tagesordnungspunkte, die noch offen sind, heute leider nicht mehr schaffen werden und auf unsere nächste Plenarsitzung vertagen müssen. Ich möchte Sie hiermit jetzt ins Wochenende und die Winterferien entlassen. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit, passen Sie auf sich auf und herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.