Marie-Theres Ley
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der Hochschulsport hat in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen eine lange Tradition. Seit vielen Jahrzehnten gehört der Sport zum Hochschulbetrieb ganz selbstverständlich dazu. Er sichert zum einen die Vielfalt der Sportlandschaft unseres Landes, zum anderen bereichert er den Spitzensport und die Hochschullandschaft im Ganzen.
Die Hochschulen sind stolz auf ihre deutschen Meister und auf ihre Olympiasieger. An den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking haben 49 Studierende aus Nordrhein-Westfalen teilgenommen.
Dadurch ist in den letzten Jahren das Bewusstsein für den Hochschulsport in der Öffentlichkeit gestiegen. Fachtagungen und Veranstaltungen haben ebenfalls dazu beigetragen. Ein besonderer Erfolg war die Woche des Hochschulsports in NordrheinWestfalen 2009, die die Vielfalt des Sports in Nordrhein-Westfalen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.
Rund 20 % der Studierenden nehmen heute regelmäßig am Sportprogramm ihrer Hochschule teil. Sie sind somit die größte Gruppe unter den Teilnehmern an außercurricularen Aktivitäten. NordrheinWestfalen ist laut einem Ranking des CHE aus dem Jahr 2009 bei der Zufriedenheit der Studierenden mit dem Hochschulsportangebot deutschlandweit führend.
Olympiasieger und hohe Zufriedenheit bei den Studierenden – also alles gut? – Ja und nein. Wir wollen nämlich noch besser werden. Die Woche des Hochschulsports hat gezeigt, dass der Hochschulsport ein wesentlicher Faktor für die Sekundärprofilbildung unserer Hochschulen ist.
Die deutschlandweite Spitzenposition NordrheinWestfalens bei der Zufriedenheit der Studierenden sollte als Standortfaktor stärker betont und für Nordrhein-Westfalen genutzt werden. Viele Studienanfänger wählen die Hochschule auch nach dem Angebot an außercurricularen Aktivitäten aus. Das sollte unseren Hochschulen stärker bewusst werden. Hier kann die Landesregierung Hilfestellung leisten.
Der Sport sorgt wie kein anderes Element für fakultätsübergreifende Zusammenarbeit. Er erhöht die Identifikation mit der jeweiligen Hochschule und ist oft Ausgleich für den Prüfungsstress der Studierenden. Eine auch emotionale Bindung zur Hochschule wird durch sportliche Aktivitäten wesentlich gefördert. Über die Studienzeit hinaus stärkt er außerdem den Zusammenhalt der Alumni, wie wir das aus dem Ausland kennen.
Leider wird die positive Entwicklung des Hochschulsports vielerorts durch unzureichende Sportstätten eingeschränkt. Den Hochschulen haben wir mit dem Hochschulfreiheitsgesetz größtmögliche Freiheit für die Gestaltung des eigenen Profils und entsprechende Budgets zugestanden.
Die Landesregierung sollte immer wieder auf die besondere Bedeutung des Hochschulsports aufmerksam machen und sie im Rahmen der Ziel- und Leistungsvereinbarungen fördern. Es muss selbstverständlich sein, dass auch die Sportanlagen bei den Baumaßnahmen berücksichtigt werden. Allerdings ist das schwierig bei dem Renovierungsstau, den wir von der alten Landesregierung übernommen haben.
Die Universitäten und Fachhochschulen am gleichen Standort müssen stärker kooperieren, um ein möglichst breites Sportangebot zu garantieren. Es kann daneben aber auch sinnvoll sein, Kooperationen mit bestehenden örtlichen Sportvereinen einzugehen. Dadurch entstehen Synergieeffekte, und die Kosten könnten auf mehrere Schultern verteilt werden. An einem solchen Beispiel wird zurzeit in Jülich gearbeitet. Das Kernforschungszentrum Jülich und örtliche Sportvereine arbeiten zusammen.
Ich erwähnte zu Beginn die 49 NRW-Studierenden, die an den Olympischen Spielen in Peking teilgenommen haben. Das war möglich, weil das Hochschulfreiheitsgesetz den Hochschulen die Freiheit gibt, mit den Studierenden individuelle Studienpläne abzustimmen, damit sie die Vereinbarkeit von Studium, Training und Wettkampf möglich machen.
Wir fordern alle Hochschulen auf, die rechtlichen Rahmenbedingungen für duale Karrieren wirklich voll auszuschöpfen, um Nordrhein-Westfalen hier
bei weiterhin einen Spitzenplatz im Ländervergleich zu sichern.
Jetzt zu dem Entschließungsantrag der SPDFraktion: Auch für diesen Antrag gilt: Mäkeln kann man an allem. Inhaltlich unterscheidet er sich kaum von unseren Forderungen. Insofern könnten Sie ohne Probleme unserem Antrag zustimmen. Ihr Entschließungsantrag ist überflüssig.