Hinzu muss kommen: Wir brauchen auch regelmäßig mehr Kinder in den Sportvereinen. Dazu ist aber auch das Engagement der Eltern gefordert. In den Vereinen, in denen ich mitwirke, beobachte ich leider immer mehr
bei den Sportvereinen, in denen ich mit tätig bin; das ist nicht nur einer; ich bin da auch regelmäßig ehrenamtlich tätig –, dass, zum Beispiel in der Leichtathletik, die Eltern ihre Kinder zur Sportstunde abliefern, gleich wieder verschwinden und sich dann darüber wundern, dass die ehrenamtlichen Übungsleiter und Begleiter dieser Kinder irgendwann sagen: „Wir sind nicht bloß als Kinderbetreuungsstätte da.“ Ich fordere die Eltern ausdrücklich auf, sich mit zu engagieren. Nur dann merken auch ihre Kinder, dass der Sport eine wichtige Sache ist.
An dieser Stelle möchte ich ein herzliches Dankeschön an die vielen, vielen Menschen richten, die sich in den Sportvereinen ehrenamtlich engagieren und ohne die die Sportvereine nicht existieren könnten, ohne die wir auch nicht die Kinder an den Sport heranführen könnten.
Nach meiner Beobachtung spielt der Gesundheitssport, auch wenn es dazu keine wissenschaftliche Untersuchung gibt, eine immer stärkere Rolle. Das ist auch ein Beitrag der Sportvereine zur Senkung der Sozialversicherungsbeiträge; das muss man doch einmal deutlich sagen. Beispielsweise braucht jemand, der regelmäßig Rückenschule macht, was die Sportvereine ja anbieten,
keine Medizin, weil er durch den Sport sein Knochengerüst und seine Muskeln so in Schwung hält, dass keine Schmerzen entstehen. Dadurch werden viele Kosten gespart.
Von der Kollegin Rudolf wurde darauf hingewiesen, dass es im Landeshaushalt Kürzungen beim Sport gab.
Ich möchte ebenso wie die Kollegin Brunnemer deutlich sagen: Wir haben dafür gesorgt, dass die Kürzungen reduziert wurden.
Ich möchte aber auch an die Sportverbände appellieren: Es ist ja ganz klar: Die Mittel werden von den Sportverbänden verteilt. Es geht eigentlich nicht an, dass diese, wenn Kürzungen erfolgen, immer gleich schreien: „Die Übungsleiterpauschale fällt weg.“
Und zweitens erwarte ich schon noch eigene Anstrengungen der Sportverbände zur Reduzierung des Mittelbedarfs.
In der Summe ist zu sagen: Das Land muss sich nicht verstecken. Die Situation der Sportvereine im Land ist trotz aller Probleme besser als in vielen anderen Bundesländern. Nutzen wir die Begeisterung, die zum Beispiel gerade unsere Fußballerinnen als Europameisterinnen und unsere Fußballer im Confederations Cup auslösen!
Nutzen wir diese Begeisterung, um die Sache des Sports im Lande weiter voranzubringen! Wo wir dies von Landesseite unterstützen können, sind wir gern dazu bereit. Es muss sich nicht immer nur um finanzielle Aspekte handeln. Dies hat zum Beispiel unser wichtiges gemeinsames Engagement
Es ist nicht durch uns zu vertreten, dass im Moment durch eine so genannte vorgezogene Bundestagswahl zum Teil Kräfte in der politischen Arbeit anders gebunden sind, als wir sie gerne für unser Land einsetzen wollen.
(Beifall bei der FDP/DVP – Abg. Christine Rudolf SPD: Sie machen schon anderthalb Jahre rum! Ich glaub’s ja nicht!)
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Wir alle drücken der deutschen Mannschaft heute Abend natürlich die Daumen. Nur: Selbst der dritte Platz der Nationalmannschaft würde die Situation der badenwürttembergischen Sportvereine nicht in irgendeiner Weise verändern bzw. verbessern.
Natürlich, sie haben dann noch mehr Zulauf. Aber dann brauchen sie noch mehr Übungsleiter, und dann brauchen sie natürlich auch mehr Geld.
Die Kollegin Rudolf hat anfangs gebeten, wir sollten die Situation etwas sachlicher als anlässlich der Haushaltsberatungen erörtern. Leider sind die Sprecherinnen der Regierungsfraktionen, insbesondere Frau Brunnemer, dieser Aufforderung nicht nachgekommen,
sondern haben die üblichen Wahlkampf- bzw. Parteireden gehalten, die uns in dieser Frage nun wirklich nicht weiterhelfen.
Wir hätten uns, Herr Kollege, mehr darüber unterhalten sollen, welche wichtige gesellschaftliche Rolle die Sportvereine haben,
was sie beispielsweise zur Integration beitragen, was sie beispielsweise tun, um die Bewegungsarmut, die in unserer Gesellschaft immer mehr zunimmt, abzumildern.
Es gibt immer mehr übergewichtige Kinder. Die Sportvereine haben die enorm wichtige Aufgabe, dagegen etwas zu
tun. Gleichzeitig ist der Sport eine Möglichkeit, ein Medium, sich Selbstvertrauen zu holen, das man sich im Unterricht oder im sonstigen Leben vielleicht nicht holen kann. Deswegen spielt der Sport eine wichtige gesellschaftliche Rolle, und wir müssen vor diesem Hintergrund diskutieren, wie wir mit dem Sport umgehen, was die Sportförderung anbelangt.
Was den Blick in die Zukunft betrifft, hätte ich mir insbesondere von der CDU mehr erwartet. Stattdessen hat sie sich darüber beklagt, dass die Anfrage schon so alt ist. Das ist halt das normale Verfahren; das ist leider so.
Wir bekommen jetzt immer mehr Ganztagsschulen. Da müssen wir uns doch die Frage stellen: Welche Aufgaben übernehmen da die Sportvereine?
Wenn sie zusätzliche Aufgaben übernehmen, dann heißt das auch: Wie können wir sie künftig finanziell besser ausstatten? Wir können ja nicht nur mehr von ihnen verlangen und ihnen gleichzeitig weniger geben.
Sie haben zu Recht darauf hingewiesen, Frau Kollegin: Das Ganze muss schon im Kindergarten beginnen. Hier müssen die Kooperationsmodelle anfangen und nicht erst in der Schule.
Die Situation im Schulsport ist teilweise besorgniserregend. Bis zu 70 % des Unterrichts in der Grundschule werden von fachfremden Lehrern gegeben. Dann kann man sich doch nicht hier hinstellen und sagen: Alles ist in Ordnung. So ist es leider nicht. An weiterführenden Schulen – darauf haben Sie auch hingewiesen – haben wir sehr häufig einen Ausfall der dritten Sportstunde oder generell des Sportunterrichts. Das Schwimmen findet oft überhaupt nicht mehr statt, und immer weniger Jugendliche können heutzutage schwimmen. Das ist ein großes Problem.
Natürlich stimmt das. Ich kann Ihnen die offiziellen Zahlen der DLRG geben, wie wenig Kinder heute noch schwimmen können. Auch die CDU muss sich ab und zu informieren, bevor sie Zwischenrufe macht.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Abg. Seimetz CDU: Hat noch selten gestimmt, was der Walter sagt!)
Meine Damen und Herren, auch die Kooperation zwischen Schule und Kindergarten einerseits und den Sportvereinen andererseits kann nur gut sein, wenn wir gut ausgebildete Übungsleiter haben. Deswegen müssen wir uns fragen: Wie können wir mehr Menschen dafür begeistern, Übungsleiter zu werden, und was können wir dazu beitragen, dass diese Übungsleiter gut ausgebildet sind, damit sie den pädagogischen und sportlichen Anforderungen nachkommen?