Das müssen wir in unserem Land fördern. Wir müssen viel mehr Schulen haben, die so erfolgreich sind wie Amtzell. Das ist unser Ziel, nicht das Zusammenschmeißen in großen Schulzentren.
Ich denke, dass Minister Rau in seiner Rede intensiver darauf eingehen wird; deshalb will ich mir das aus Zeitgründen sparen. Wir haben in den letzten Wochen einiges auf den Weg gebracht, um zu erreichen, dass die Hauptschule noch erfolgreicher arbeiten kann als bisher.
Wussten Sie, dass bundesweit 13 % der Abiturienten vorher auf einer Hauptschule waren? So durchlässig ist unser Bildungssystem.
Meine Damen und Herren, jetzt kommt es darauf an, dass wir das, was politisch auf den Weg gebracht worden ist, zügig umsetzen.
(Abg. Alfred Winkler SPD: Was ist denn auf den Weg gebracht worden? Was gibt es zum Umsetzen? Ab- setzen, nicht umsetzen!)
Das habe ich auch in vielen Gesprächen, die ich geführt habe, wahrgenommen: Die Lehrerinnen und Lehrer an der Basis sind frustriert. Da haben Sie recht. Auch langjährige, altgediente Schulrektoren sagen: Es muss jetzt etwas passieren. Es passiert aber auch etwas. Ich habe nur den Eindruck, dass das, was wir politisch schon längst auf den Weg gebracht haben, noch gar nicht richtig an der Basis angekommen ist.
Es ist natürlich auch Aufgabe des Ministeriums und des Ministers, dafür zu sorgen, dass das wirklich unten ankommt und dass die Kultusbürokratie bereit ist und die Schulämter vor Ort bereit sind, den frischen Wind aufzunehmen und gemeinsam mit den Schulträgern vor Ort die neuen Möglichkeiten umzusetzen, die wir heute haben. Das muss noch geleistet werden, meine Damen und Herren.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP/DVP und der CDU – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Bravo! – Abg. Alfred Winkler SPD: Ja wo laufen Sie denn hin?)
Für uns ist die Hauptschule der Zukunft eine Hauptschule, die zwar den Hauptschulabschluss anbietet, die aber möglichst vielen Schülerinnen und Schülern einen mittleren Bildungsabschluss vermittelt und damit die Möglichkeit zu weiteren Bildungsabschlüssen eröffnet. Damit das noch besser gelingt als bisher, fordern wir vonseiten der FDP/DVP-Fraktion über das hinaus, was wir schon auf den Weg gebracht haben, dass die Schulen in Zukunft nicht nur für den Pädagogischen Assistenten ein Personalbudget bekommen, sondern dass das Schulbudget über den ganzen Schuletat ausgedehnt wird. Wir wünschen uns, dass die Schulen ihre Lehrerinnen und Lehrer in Zukunft selbst aussuchen können.
Frau Kollegin, ich darf Sie bitten, zum Ende zu kommen. Sie haben Ihre Redezeit bereits weit überschritten.
Gut, dann mache ich hier Schluss. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. Dann muss ich das andere über eine Pressemitteilung der Öffentlichkeit kundtun.
(Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der CDU – Abg. Dieter Kleinmann FDP/DVP: War gut! Die sind ganz ruhig geworden da drüben!)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die SPD hat mit diesem Antrag, den sie heute vorgelegt hat, Farbe bekannt.
Das muss man ihr lassen. Eine Gesamtschule ganztags für alle verpflichtend! Dafür will sie das, was wir heute in BadenWürttemberg haben, zerschlagen. Das ist die Alternative, die jetzt auf dem Tisch liegt. Damit haben wir eine faire Entscheidungsgrundlage.
Mit Ihrem Gesetzentwurf unternehmen Sie einmal mehr den nun schon gebetsmühlenhaft vorgetragenen untauglichen Versuch, Fragen der Qualität von Schule und Unterricht mit vermeintlichen Patentlösungen schulstruktureller Natur zu beantworten.
(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Sehr gut! Bravo! – Abg. Dieter Kleinmann FDP/DVP: Sehr richtig!)
Dabei wird so getan, als biete gerade ein integrativer Ansatz der Schulstruktur die Gewähr dafür, die Schulstandorte in Baden-Württemberg zu sichern und allen Schülerinnen und Schü lern eine hinreichend individuelle Förderung zukommen zu lassen. Sie behaupten ebenso, dass unser gegliedertes Schulwesen das nicht leisten würde. Beides widerspricht eklatant den Fakten, die ich hier zuletzt wiederholt ausführlich dargestellt habe. Wir führen diese Debatte ja seit Monaten alle vier Wochen.
Die renommiertesten Bildungsforscher in Deutschland haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Wissenschaft die Schulstrukturfrage gerade nicht abschließend lösen könne. In diesem Sinne hat sich z. B. Professor Olaf Köller, der Direktor des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin, im vergangenen Jahr bei einer Anhörung der Enquetekommission in der Hamburger Bürgerschaft geäußert. Professor Köller hat an anderer Stelle hervorgehoben, dass Schüler im unteren Leistungsbereich vom Übergang auf die differenzierte Sekundarstufe profitieren, da – ich zitiere –
der ungünstige Leistungsvergleich mit sehr viel besseren Schülern entfällt, was positive Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl bzw. die Selbstwahrnehmung der eigenen Begabung hat.
Eine neue Studie des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der Universität Dortmund, die den Übergang von Dortmunder Grundschülern in die weiterführende Schule im Längsschnitt untersucht hat, kam Ende Juni zu bemerkenswerten Ergebnissen. Ich zitiere aus der Presseverlautbarung des IFS:
Entgegen den bisherigen Vermutungen zeigen die Ergebnisse, dass beim weitaus größten Teil der Schüler am Ende der vierten Klasse die Vorfreude deutlich höher ausfällt als die Besorgnis – lediglich 7,7 Prozent aller Schüler machen sich in dieser Phase eher Sorgen um den Wechsel, als dass sie diesbezüglich Freude empfinden.
Damit ist eindrucksvoll widerlegt, dass eine frühe Auslese nach der vierten Grundschulklasse Druck auf alle Beteiligten erzeuge, wie Sie dies in der Begründung Ihres Gesetzentwurfs unterstellen.
(Zuruf der Abg. Renate Rastätter GRÜNE – Abg. Bärbl Mielich GRÜNE: Wie kann man so verbohrt sein? – Abg. Alfred Winkler SPD: Das ist der Unter- schied zwischen Theorie und Praxis! – Gegenruf des Abg. Dr. Hans-Peter Wetzel FDP/DVP: Das wollen Sie nicht hören!)
Ich will noch einmal auf den Befund der IFS-Studie zurückkommen und den Pressetext zitieren, weil er gerade auf die Einstellungen von Hauptschülerinnen und Hauptschülern ausführlich eingeht. Ich zitiere:
Zusätzlich zeigen die Ergebnisse, dass Hauptschüler nach dem Wechsel einen regelrechten „Kick“ erleben, im Vergleich der Schulformen steigt bei ihnen die Schulfreude am stärksten. Ihre Erwartungen werden also in vielen
Fällen übertroffen, während … die Gesamtschüler hingegen überdurchschnittlich viele negative Überraschungen erleben.
Es ist offensichtlich unzutreffend und es ist vor allem auch ungehörig, Hauptschülerinnen und Hauptschülern mit ihrem Eintritt in die weiterführende Schule pauschal mit dem Etikett der Bildungsverlierer zu versehen, wie Sie, Herr Zeller, das heute wieder getan haben.
Hören Sie endlich auf, eine Schulart schlechtzureden und ihren Absolventen mangelnde Motivation zu unterstellen!
Wir setzen auf die Stärkung der Hauptschule. Über unsere Ansätze und neue Impulse habe ich mich in den vergangenen Wochen seit dem Ministerratsbeschluss mit rund 700 Hauptschulrektorinnen und Hauptschulrektoren in allen Teilen des Landes intensiv und fruchtbar ausgetauscht. Diese Debatten waren von großer Ernsthaftigkeit gekennzeichnet. Ich habe sehr wohl verstanden, wo die Sorgen dieser Schulleiterinnen und Schulleiter liegen. Ich habe ihnen aber auch erläutert, welche Perspektiven wir für die weitere Entwicklung der Hauptschulen und des Bildungswesens in unserem Land sehen.
Wir setzen auf ein anschlussfähiges Bildungswesen, weil ein gegliedertes Schulwesen keine Sackgassen produzieren darf. Begabungsgerechte, individuelle Bildungsangebote und die Anschlussfähigkeit des Bildungswesens sind in unserem dreigliedrigen Schulsystem zwei Seiten einer Medaille.
Die Durchlässigkeit der Schularten füreinander dient der Erprobung anderer Wege für den Einzelnen, der pädagogischen Nutzung gegebener Vielfalt, der Korrektur verfehlter Entscheidungen. Die Schule ist zu angemessener Förderung und Motivation auf allen Stufen und in allen Schularten verpflichtet.