Ich will ein Drittes ansprechen. Sie sprechen davon, dass wir Lehrer qualifizieren müssten. Das ist betreffend Naturwissenschaft und Technik sowie Wirtschaft geschehen. Wir haben auch da gelernt: Ab 2010 wird es eigenständige Studiengänge betreffend die Qualifizierung im Bereich NwT und im Bereich Wirtschaft geben. Das Fach Politik/Wirtschaft wird zu einem Doppelfach und aufgewertet. Aufgrund eines Antrags unserer Fraktion wird derzeit sogar überlegt, ob nicht diejenigen, die vor wenigen Wochen und Monaten in Politik abgeschlossen haben, dieses Modul ergänzend studieren können und dann auch mit einer Zweifächerverbindung sofort zur Verfügung stehen.
Viertens: G 8 in neun Jahren zu absolvieren ist längst möglich, um das klar zu sagen. Da möchte ich Ihre Äußerung, Frau Rastätter, vom 21. April aufgreifen und sagen: Das Brückenjahr ist ein vernünftiger Vorschlag.
Das haben wir schon lange und können wir umsetzen, und zwar deswegen: Es gibt trotz Bestehens die Möglichkeit einer freiwilligen Wiederholung. Es gibt die Möglichkeit, während des Schuljahrs in eine andere Klasse zu wechseln. Es gibt die Möglichkeit, Fremdsprachenaufenthalte durchzuführen und damit diejenigen zu unterstützen, die sich in Fremdsprachen schwertun.
Es gibt Wechsel innerhalb des Schuljahrs und, und, und. Das alles sind Maßnahmen, die jede Schule schon heute durchführen kann, ohne dass man im Regierungspräsidium oder bei irgendjemand anderem nachfragen müsste. Das ist der richtige Weg; Frau Rastätter, ich unterstütze Sie darin.
Jetzt zu Ihnen, Herr Zeller. Ich möchte auf Ihr erstes Argument eingehen, nämlich der Aussage zum Zeitpunkt der Einführung der zweiten Fremdsprache. Das hat mit der Durchlässigkeit rein gar nichts zu tun. Wir haben beste Erfahrungen damit gemacht. Meine eigene Schule ist eine solche, in der in Klasse 5 mit beiden Fremdsprachen begonnen wird. Heute Morgen habe ich ein Mädchen eingeschult, das in die achte Klasse eintritt und nicht wie unsere Kinder bereits in Klasse 5 Französischunterricht hatte, sondern erst in Klasse 6. Mit der Mutter haben wir heute Morgen verabredet, dass die Französischnote, wenn es notwendig sein sollte, bis Ende der Klasse 9 ausgesetzt wird. Das heißt konkret, dass dieses Mädchen die Chance hat, für den Fall, dass es etwas versäumt haben sollte, dies in mehr als fünf Vierteljahren nachzuholen. Das ist überhaupt kein Problem. Deswegen ist das eindeutig keine Frage der Durchlässigkeit.
Außerdem haben wir auch den Wechsel zwischen einzelnen Schulen. Zu uns kommen auch Kinder von Gymnasien, an denen nicht gleich mit zwei Fremdsprachen begonnen wurde. Diese Kinder kann ich auch nicht fortschicken.
Herr Zeller, abschließend eine Bewertung Ihrer Umfrage. Ihre Umfrage – ich sage das in aller Klarheit – hat für die CDULandtagsfraktion keinerlei Aussagewert: erstens mangels Teilhabe – Sie gaukeln vor, die Umfrage wäre repräsentativ; sie ist aber mitnichten repräsentativ – und zweitens aufgrund der Art der Fragestellung, die viele Kollegen von vornherein abgelehnt haben. Sie haben sich damit selbst den Weg zu einer größeren Teilhabe verbaut, weil Sie so gefragt haben, wie Sie gefragt haben.
Fazit: Mit G 8 sind wir auf dem richtigen Weg. Eine Parallelität von G 8 und G 9, wie Sie es im Fall Mosbach fordern, wird es nicht geben. Über ein Brückenjahr und ähnliche pädagogisch sinnvolle Maßnahmen, die man ins Ermessen der Schulen stellt, kann man mit uns reden.
Wir sind auf einem guten Weg, und wir lassen uns diesen gerade von der Sozialdemokratie nicht zerreden.
Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Es ist ja sehr löblich, dass die Damen und Herren von der Opposition sich so viele Gedanken um die Situation an unseren Gymnasien machen – löblich deshalb, weil sie es vor nicht allzu langer Zeit ja noch abschaffen bzw. auf eine gymnasiale Oberstufe reduzieren wollten.
Es freut uns, dass Sie wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen sind und sich mit dem auseinandersetzen, was in unserem Land die Bildungslandschaft sinnvollerweise bestimmt.
Es ist auch interessant, zurückzuschauen. Über ein Jahr ist vergangen, seitdem die vorliegenden Initiativen eingebracht worden sind. In diesem Jahr haben wir vonseiten der Landesregierung durch die Qualitätsoffensive Gymnasium im Juni 2008 einiges auf den Weg gebracht. Wir werden ab dem kommenden Schuljahr noch eine ganze Reihe von Maßnahmen im Rahmen der Qualitätsoffensive Bildung umsetzen, die gerade den Gymnasien in unserem Land zugutekommen.
Ein Großteil der Gelder, die wir in die Bildungsoffensive hineinstecken wollen, die wir jetzt ausgeben können, werden wir für die Senkung des Klassenteilers einsetzen. Das war auch von unserer Seite dringend gewünscht, gerade für die Gymnasien in unserem Land. Wir wissen, dass 80 % der Klassen an den Gymnasien mehr als 25 Schüler haben. Die Maßnahme, die wir hier auf den Weg bringen, wird die Unterrichtssituation und die Unterrichtsqualität an unseren Gymnasien deutlich verändern und verbessern.
Hinzu kommt, dass wir, ebenfalls im Rahmen der Bildungsoffensive, die Leitungszeit für die Schulleiter erhöhen. Das
kommt auch und gerade unseren Gymnasien zugute, die ja in der Regel mehrzügig geführt werden und einen hohen Verwaltungs- und Organisationsaufwand haben. Auch das ist eine Maßnahme, um die Situation an unseren Gymnasien deutlich zu verbessern.
Als letzten Punkt möchte ich in diesem Zusammenhang Folgendes ansprechen – diese Nachricht ist erst wenige Tage alt –: Ich kann Ihnen hier und heute mitteilen: Das Finanzministerium und das Kultusministerium konnten sich in der letzten Woche einigen. Es liegt jetzt ein Konzept auf dem Tisch. Wir werden ab dem nächsten Schuljahr das Konzept „Geld statt Stellen“ umsetzen. Wir haben es bei uns in der Fraktion schon durchgewinkt. Wir freuen uns sehr darüber, dass es jetzt realisiert werden kann.
Jede Schule in unserem Land kann ab dem nächsten Schuljahr wenigstens ein Vierteldeputat bis zu maximal 5 % ihrer Unterrichtsversorgung in Geld umwandeln. Das wird gerade auch im Gymnasialbereich, denke ich, eine wichtige Rolle spielen, und zwar in der Profilbildung, in der individuellen Förderung und vielleicht auch im Ausbau des Jugendbegleiterprogramms, das ja auch hier greift.
Ganztagsbetreuung: Auch hier sind wir auf einem guten Weg. Sie wissen, dass die Qualitätsoffensive Gymnasium jetzt jedem Gymnasium, das dies tun möchte, die Möglichkeit bietet, in die Ganztagsbetreuung zu gehen, und zwar unabhängig von den ursprünglich vorgesehenen 40 %. Aber wir von unserer Seite sagen: Wir zwingen auch niemanden dazu, diesen Weg zu gehen. Wir wollen nicht, dass da von oben jetzt die Knute geschwungen wird. Vielmehr soll jede Schule vor Ort selbst entscheiden, ob sie diesen Weg gehen möchte oder nicht.
Zum Thema G 8 möchte ich nur noch so viel anmerken: Wir alle wissen, dass es sehr sinnvoll war, die Verkürzung der Gymnasialzeit zu verkoppeln mit der Einführung neuer Bildungspläne. Wir wissen auch, dass die Einführung der neuen Bildungspläne eine große Herausforderung für alle Betroffenen an unseren Schulen ist. Es muss ja umgestellt werden auf exemplarisches Arbeiten, auf fächerübergreifende Projekte, es sollen neue Medien eingesetzt werden. Es ist unter Umständen auch eine neue Fachdidaktik nötig. All das ist eine große Herausforderung vor allem für den Lehrkörper.
Hier möchte ich doch noch eine Bitte an das Ministerium richten. Ich höre in Gesprächen immer wieder, dass gerade der Lehrkörper ein Stück weit schon, ich will nicht sagen, sich alleingelassen gefühlt hat, aber meint, dass es in der Vorbereitung und in der Fortbildung deutlich besser hätte laufen kön
nen. Einen Wunsch möchte ich hier artikulieren, der auch an uns herangetragen worden ist: Es wird darum gebeten, dass das Kultusministerium in allen Fächern für die Kerncurricula Vorschläge macht und das den Schulen an die Hand gibt. Wenn das noch geleistet werden könnte, dann würde, denke ich, die restliche Unsicherheit, die restliche Besorgnis, die hier noch vorhanden ist, ein Stück weit ausgeräumt werden können.
Meine Damen und Herren, ein Jahr ist vergangen. Wir haben sehr viel getan, wir haben sehr viel Positives auf den Weg gebracht. Ich denke, wenn wir noch ein Jahr weiter sind, werden wir die positiven Auswirkungen unserer Maßnahmen noch deutlicher sehen.
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Gute Schulen brauchen Freiräume, um sich entwickeln zu können. Diesem Anspruch folgt die Bildungsreform, die wir seit dem Schuljahr 2004/05 an unseren Schulen umsetzen. Sie setzt den Rahmen für das zeitgleich flächendeckend eingeführte achtjährige Gymnasium.
Wer diesen größeren Rahmen nicht sieht, begreift auch nicht die pädagogische Verfassung des achtjährigen Gymnasiums. Die Schulen haben große Gestaltungsspielräume erhalten und damit auch eine entsprechende Verantwortung für das schulische Lernen übernommen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass es richtig war, diesen Weg zu gehen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass immer mehr Schulen die Chancen der Bildungsreform nutzen. Unsere Erfahrungen zeigen auch, dass viele Schulen gute Wege gefunden haben, um das achtjährige Gymnasium mit einem hohen Bewusstsein für Qualität und für Innovation zu gestalten.
Wir haben uns im vergangenen Schuljahr intensiv mit der Umsetzung des achtjährigen Gymnasiums auseinandergesetzt. Anlass war unser Wunsch, vier Jahre nach der Einführung eine Zwischenbilanz zu ziehen und mit Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern über die bisherigen Erfahrungen zu sprechen. Deswegen haben wir eine Reihe von runden Tischen zum G 8 durchgeführt. Ich selbst habe teilweise daran teilgenommen.
Das Ergebnis dieser Zwischenbilanz war dann die Qualitätsoffensive Gymnasium vom Juni 2008. Die runden Tische haben uns bestätigt, dass an vielen Gymnasien G 8 gelingt. Deshalb ist die Qualitätsoffensive Gymnasium 2008 eine Nachjustierung in einigen Punkten, die ja hier auch schon von der Rednerin der FDP/DVP und dem Redner der CDU deutlich gemacht wurden.
Wir brauchen keine grundsätzliche Neuausrichtung der Konzeption des G 8. Wir brauchen auch keine Schulversuche „G 8 plus x“.
Denn die Rückkehr durch die Hintertür in Richtung eines neunjährigen Gymnasiums ist nun wirklich keine bildungspolitische Reform.
Meine Damen und Herren, ich darf Sie bitten, die Unterhaltungen außerhalb des Plenarsaals zu führen.
(Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Vor allem die An- tragsteller! – Gegenruf der Abg. Ute Vogt SPD: Man könnte es ja auch einmal spannender machen!)
Es ist vielmehr der Versuch, es einigen Leuten recht zu machen, die glauben, Probleme vor Ort dadurch bewältigen zu können, dass sie nicht Schulentwicklung im vorgegebenen Rahmen betreiben, sondern zusätzliche Zeit einfordern. Wir wissen, dass das G 8 überall gelingen kann, weil wir sehr viele erfolgreiche Beispiele kennen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU und des Abg. Dr. Hans-Peter Wetzel FDP/DVP – Abg. Brigitte Lösch GRÜNE: Rauschender Beifall!)
Es ist auch nicht so, dass ich nicht mit Vertretern solcher Initiativen gesprochen hätte. Lange bevor sie den Antrag gestellt haben, haben wir uns im Neckar-Odenwald-Kreis bei einem Termin getroffen und darüber gesprochen.