Meine Damen und Herren, es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Ich schlage vor, den Gesetzentwurf zur weiteren Beratung federführend an den Ausschuss für Schule, Jugend und Sport und mitberatend an den Ständigen Ausschuss zu überweisen. – Sie sind damit einverstanden. Es erhebt sich kein Widerspruch. Damit ist es so beschlossen.
Antrag der Fraktion der SPD und Stellungnahme des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport – Entlastung im achtjährigen Gymnasium – Drucksache 14/11
Das Präsidium hat folgende Redezeiten festgelegt: für die Begründung fünf Minuten und für die Aussprache fünf Minuten je Fraktion.
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Nach den juristischen und gesellschaftspolitischen Höhen der letzten Debatte landen wir jetzt ziemlich abrupt im Alltag der Bildungspolitik von BadenWürttemberg. Ich mache den Eingangssatz ganz kurz: Das achtjährige Gymnasium, wie wir es heute vorfinden, wurde überhastet eingeführt,
Im Januar haben wir hier im Saal eine Anhörung durchgeführt. Es gab 1 000 Anmeldungen, aber nur 650 Lehrerinnen, Lehrer und Eltern aus ganz Baden-Württemberg haben Einlass gefunden. Es war eine eindrucksvolle Demonstration – des Schreckens, hätte ich fast gesagt. Aus ärztlicher Sicht hat eine Medizinerin aus Ellwangen die Auswirkungen des G 8 auf die Gesundheit der Kinder erläutert. Sie stellte aus ihren beruflichen Zusammenhängen eindeutig klar, dass die psychosomatischen Beschwerden von Kindern der fünften und sechsten Klasse dramatisch zunehmen. Ihr Fazit damals war: Unter den derzeitigen Bedingungen wird das Selbstvertrauen, das seelische Gleichgewicht der Kinder zerstört.
Auch viele Eltern haben sich bei dieser Veranstaltung den Frust von der Seele geredet und eine gründliche und schnelle Überarbeitung des Turbogymnasiums gefordert. Die Hauptkritikpunkte von damals sind dieselben wie heute: Überforderung der Kinder, Aushöhlung des Familienlebens, Verschärfung der sozialen Auslese und die durch Schulstress erzwungene Einschränkung sozialer Kontakte und außerschulischer Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler. Es gab dramatische Zitate: „Das ist für unsere Kinder Schock pur.“ Oder: „Darunter leidet das Familienleben; an den Wochenenden existiert nur noch Schule“ usw. Solche Aussagen, meine Damen und Herren, sind keine Einzelmeinungen und sind auch nicht Ausführungen einer wild gewordenen und böswilligen Oppositionspartei. Es sind Aussagen von vielen betroffenen Eltern, und die gilt es, ernst zu nehmen. Sie decken sich übrigens auch mit vielen, vielen einzelnen Erfahrungen von uns SPD-Abgeordneten, die wir Veranstaltungen durchgeführt haben, Hotlines geschaltet und Bürgersprechstunden vor Ort durchgeführt haben.
Es muss uns und Ihnen doch auch zu denken geben, wenn viele Eltern sich wegen der überhasteten Einführung des achtjährigen Gymnasiums zwischenzeitlich überlegen, ihre Kinder lieber in die Realschule gehen zu lassen.
Sie werden sehen, dass die Realschulen demnächst überlaufen. Wir sind an aktuellen Zahlen und an validen Prognosen in diesem Punkt interessiert. Aber Abschulung ist das eine, und Nachhilfeunterricht ist das andere. Aktuelle Angaben des Bundesverbandes der Nachhilfeschulen in Schwetzingen belegen zum Beispiel, dass seit der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit der Bedarf an Nachhilfeunterricht massiv zugenommen hat. Wenn man davon ausgeht, dass viele Eltern aus finanziellen und persönlichen Gründen zur Nachhilfe nicht in der Lage sind oder auch schlicht keine Zeit dafür haben, dann wird klar: Mit dem G 8 in der praktizierten Art und Weise verschärft sich die soziale Auslese und verschärft sich Bildungsungerechtigkeit. Das ist ein Zustand, den wir nicht hinnehmen dürfen.
Diesen Zustand dürfen wir nicht hinnehmen, nicht nur wegen der vielen individuellen Einzelschicksale, sondern auch deswegen nicht, weil es bildungsökonomisch keinen Sinn macht, wenn wir nicht alle Begabungen entsprechend fördern.
Nachdem der Minister den schwarzen Peter zunächst den Lehrerinnen und Lehrern zugeschoben hat, hat er angekündigt, dass die Unterrichtsstundenzahl gekürzt werden könnte. Immerhin! Aber die Idee, die Poolstunden zu streichen, ist wirklich kontraproduktiv, weil gerade die Poolstunden zur Profilbildung der Schule und zur Rhythmisierung des Unterrichts beitragen können.
Auch das Nachdenken über die Verschiebung der zweiten Fremdsprache hat immerhin eingesetzt. Aber es ist ein Spiel auf Zeit, diesen Vorgang an einige Pilotschulen zu verlagern. Das nützt den aktuell belasteten Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 und 6 überhaupt nichts.
Meine Damen und Herren, das sind unsere Vorschläge: Die Stofffülle der Bildungspläne reduzieren und anders aufteilen. Mit der zweiten Fremdsprache erst ab Klasse 6 beginnen. Die Stundentafel verändern. Vergleichsarbeiten nicht als Klassenarbeiten werten, sondern als Evaluationshilfe betrachten. Es ist auch dafür Sorge zu tragen, dass ein Wechsel von der Realschule an ein Gymnasium noch nach der sechsten Klasse möglich ist.
Das Ehrenamt sollte nicht als Ausfallbürge für fehlendes pädagogisches Personal missbraucht, und Nachhilfe sollte durch personelle, räumliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen unnötig gemacht werden.
Dies alles kann nur gelingen, wenn auch genügend Zeit für Bildung bleibt. Das ist nur in einer Ganztagsschule, einer echten Ganztagsschule möglich.
Sogar der Philologenverband formuliert in seiner Presseerklärung vom 4. Juli dieses Jahres, dass es zwar nicht den Wünschen den Verbandes entsprochen habe, dass sich landesweit immer mehr Ganztagsschulen entwickeln, dass aber nach der Umstellung auf ein generell achtjähriges Gymnasium die Realität zu neuen Denkansätzen zwinge – jetzt wörtlich –,
denn das G 8 ist jetzt schon „de facto“ ein Ganztagsbetrieb, der mehr Ressourcen an qualifiziertem Personal, Stunden und Räumen benötigt …
Es kann nicht sein, dass das Land und die Kommunen die Verantwortung für die Finanzierung ungeregelt hin und her schieben.
Deswegen, meine Damen und Herren: Verschließen Sie nicht die Augen vor den Realitäten, reden Sie die Situation
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Lieber Kollege Bayer, lassen Sie mich in der gebotenen Kürze zu fünf Punkten, die Bestandteil Ihres heutigen Antrags sind, Stellung beziehen.
Zunächst einmal zu den anstehenden Veränderungen: Es wird – dieser Meinung war ich zumindest bislang – von niemandem in diesem Hause angezweifelt, dass die Umstellung auf G 8 ohne Wenn und Aber richtig war. Dabei sollten wir auch bleiben.
Die Umstellung ist an fast allen Schulen gut und auch reibungslos angelaufen. Dasselbe gilt für die Umsetzung der neuen Bildungspläne. Die jetzt vorgenommene leichte Modifikation der Stundentafel im G 8 ist aus Sicht unserer Landtagsfraktion ein guter und ausgewogener Kompromiss. Mit der Möglichkeit, Poolstunden auch in der Kursstufe auszuweisen, wurden unseren Schulen weitere Differenzierungsmöglichkeiten eröffnet. Dies bestätigt auch der Landeselternbeirat.
Zweitens zur Arbeitsbelastung, die Sie angesprochen haben: Wenn einige wenige Schulen den Kindern in den Klassen 5 und 6 bis zu 36 Wochenstunden zugemutet haben, dann war dies aus pädagogischer Sicht völlig unverantwortlich und sogar verantwortungslos und hat nie dem politischen Willen in diesem Hause entsprochen.
Dies möchte ich in aller Klarheit sagen. Es war gut, dass sich die Eltern vor Ort dagegen gewehrt haben. Wir waren dabei aus voller Überzeugung an der Seite der Eltern.
(Widerspruch bei der SPD – Abg. Reinhold Gall SPD: Das sind ja völlig neue Aussagen! Sie haben sie doch beschimpft! – Beifall des Abg. Gustav- Adolf Haas SPD – Abg. Ursula Haußmann SPD: Kann man sich denn so verbiegen? Das ist ja un- glaublich!)
Wir haben schon immer gesagt, dass 36 Wochenstunden ein pädagogischer Blödsinn sind. Dabei bleiben wir.
Drittens zu den Vergleichsarbeiten: Die ersten Vergleichsarbeiten sind geschrieben, und die Kinder sind weder körperlich noch seelisch daran zerbrochen – so, wie vor allem