Protokoll der Sitzung vom 10.02.2010

Jetzt ist es interessant, zu schauen, was in diesen 4 bis 5 Milliarden € alles steckt. Dann bekommt man eine Vorstellung davon, was in den nächsten Jahren auf uns zukommt. Darin sind nämlich genau die Dinge, die „freiwillige Landesleis tungen“ sind. Wenn darin dann die Privatschulförderung steht, kann man sich vorstellen, was das innerhalb des letzten beweglichen Pakets bedeutet,

(Zuruf des Abg. Norbert Zeller SPD)

oder was es bedeutet, wenn darin steht: Landeserziehungsgeld, Kleinkindbetreuung, Energiebewirtschaftungskosten, Mieten und Pachten. Das heißt, man muss sich einfach einmal vor Augen führen, was für Sprengsätze auch für die Zukunft in einem solchen Haushalt enthalten sind und welch minimaler Spielraum kurzfristig besteht. Das ist schon die Antwort darauf, warum wir in diesem Fall für den Doppelhaushalt 2 respektive 2,5 Milliarden € neue Schulden brauchen.

(Glocke des Präsidenten)

Herr Minister, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abg. Zeller?

Gern.

Herr Minister, habe ich Sie gerade richtig verstanden, dass Sie die Privatschulförderung als Freiwilligkeitsleistung des Landes betrachten?

Nein.

(Lachen bei Abgeordneten der SPD)

Herr Zeller, es geht um Folgendes: Man muss nach dem sortieren, was mittel- und längerfristig unabdingbar ist, dem, was vielleicht kurzfristiger möglich wäre, und den Bereichen – an die natürlich keiner denkt –, in denen Sie sofortige Haushaltsentscheidungen treffen können. Ich habe Ihnen dieses Beispiel genannt, weil wir dort alle miteinander übereinstimmend sagen: Da ist es überhaupt nicht möglich, Abstriche zu machen. Ich meine das nicht als Freiwilligkeitsleistung, sondern ich will zum Ausdruck bringen, dass im Grunde nur dieser bescheidene Rest dieses Pakets in diesem Haushalt überhaupt verfügbar ist. Damit sind wir uns im Klaren darüber, dass das, was Kollege Rust angesprochen hat, gegeben ist, dass nämlich die Aufgabe, eine langfristige Konsolidierung vorzunehmen, außerordentlich schwierig ist. Es ist anhand dessen, was in diesen Paketen enthalten ist, kaum vorstellbar.

Herr Zeller, ich gehe davon aus, dass Sie es jetzt kapiert haben, so, wie ich es aufgeschlüsselt habe.

(Lachen bei der SPD – Abg. Norbert Zeller SPD: Ja!)

Herr Minister, gestatten Sie noch eine Zwischenfrage des Herrn Abg. Knapp?

Nein. Die Zeit schreitet voran, und jetzt möchte ich noch einige Sätze zu dem sagen, was meine Vorredner gesagt haben. Die haben das, finde ich, einfach verdient.

(Abg. Hagen Kluck FDP/DVP: Manche!)

Kollege Rust, die Frage, wann der Haushalt eingebracht werden muss und richtigerweise eingebracht wird, ist ja das alte Lied.

(Abg. Ingo Rust SPD: Das steht in der Landeshaus- haltsordnung!)

Wir kennen das: Das ist eine Sollbestimmung,

(Abg. Ingo Rust SPD: Aber „soll“ heißt, Sie brauchen Gründe, wenn nicht!)

und Sie haben selbst gesagt: In zwei Dritteln der Fälle haben wir diesen Zeitverzug akzeptiert.

(Abg. Ingo Rust SPD: Aber „soll“ heißt, Sie brauchen Gründe, wenn nicht!)

Ja. Aber wenn es ein Jahr gab, in dem die Gründe wirklich offenkundig so deutlich auf dem Tisch lagen, dann war es das Jahr 2009.

(Abg. Ingo Rust SPD: Aber Sie haben doch das, was Sie als Grund angeführt haben, gar nicht gemacht!)

Wir haben die Ergebnisse der Umsetzung des Maßnahmengesetzes des Bundes in die parlamentarische Beratung eingebracht und damit dessen Berücksichtigung ermöglicht. Das war das Entscheidende. Man kann auch sagen: Es war für alle, die sich an der parlamentarischen Beratung des Haushalts beteiligt haben, heilsam, zu wissen, was die Steuerschätzung vom letzten November gebracht hat. Möglicherweise wären die ins Kraut schießenden Anträge der Opposition sonst zum Teil noch umfangreicher geworden.

(Abg. Winfried Kretschmann GRÜNE: Blödsinn! – Zuruf des Abg. Eugen Schlachter GRÜNE)

Insofern war es ganz vernünftig, mit der Steuerschätzung eine Grundlage für eine realistische Beratung zu schaffen.

(Unruhe)

Herr Rust, ich will gleich noch einmal auf das Thema Schulden eingehen. Ich habe die Sparvorschläge der SPD noch einmal bei Licht besehen. Mein Appell, Sparvorschläge zu unterbreiten, ist ja gehört worden; aber bei dem, was da gekommen ist, kann ich sagen: Das, was ich von der SPD vernommen habe, war eher ein dröhnendes Schweigen.

(Abg. Hagen Kluck FDP/DVP: Jawohl!)

Sie haben vorhin von nachhaltiger Finanzpolitik gesprochen. Sie wollen doch nicht allen Ernstes einen Darlehensverkauf vornehmen. Das ist in der Vergangenheit schon einmal gemacht worden. Wir alle wissen: Das ist gutes Geld, das ich damit weggebe. Wenn jemand von nachhaltiger Finanzpolitik spricht, dann ist es geradezu eine Frechheit gegenüber der nachfolgenden Generation, Darlehen, die in der Zukunft fällig werden und dann zur Finanzierung eingesetzt werden können, sozusagen zu verscherbeln und der nachfolgenden Generation für die Zukunft noch mehr Schulden aufzulasten.

(Beifall bei der CDU – Abg. Hagen Kluck FDP/DVP: Das sind sie, die Schuldentreiber der SPD!)

Insofern ist das wohl nicht ganz so ernst gemeint.

Jetzt komme ich – Kollege Schlachter und Kollege Rust haben es angesprochen – zu der Sache mit dem Antrag, der heute von der Fraktion GRÜNE eingegangen ist, und vor allem zu dem Antrag, der am Freitag zur Debatte stand.

(Abg. Rainer Stickelberger SPD: Der Beschluss wur- de am Freitag gefasst!)

Wenn Sie jetzt sagen, wir hätten den Antrag sofort ändern können, hätte der Finanzminister auf ein laufendes Prüfverfahren hingewiesen, dann ist das ein Treppenwitz der Geschichte. Es ist schon drei Tage her.

Schauen Sie sich doch einmal Ihren Antrag vom Freitag an. Was stand denn da drin? Es ist im Grunde genommen unmöglich, ja geradezu absurd, einen Generalauftrag an die Landesregierung zu geben, wann immer etwas zu kaufen wäre, es zu kaufen.

(Abg. Walter Heiler SPD: Wo steht das? Auch das hätten Sie im Licht lesen müssen! – Weitere Zurufe von der SPD)

Meine Damen und Herren, das entspricht eben nicht dem Rechtsstaat. Gerade in Steuerverfahren ist es geboten, ein sauberes rechtsstaatliches Verfahren durchzuführen und zu Ende zu bringen.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP)

Deswegen konnte man über den Antrag nicht nur den Kopf schütteln. Man hat erstaunt zur Kenntnis genommen, wie sich das Verfahren gestaltet hat. Wir müssen sagen: Es ist absolut unmöglich, einen Antrag dieser Art in dieser Weise hier einzubringen und zu verabschieden.

(Abg. Rainer Stickelberger SPD: Warum haben Sie ihn dann nicht abgelehnt?)

Wir hätten den Antrag sofort ändern können.

Ich will vor allem einem entgegentreten, was hier mehrfach behauptet wurde und so nicht stimmt.

(Abg. Reinhold Gall SPD: Nehmen Sie einfach zur Kenntnis, dass der Antrag eine Mehrheit gefunden hat! Den haben Sie umzusetzen! – Glocke des Präsi- denten)

Herr Minister, gestatten Sie eine Kurzintervention des Herrn Abg. Knapp?

Zunächst einmal wird Herr Knapp den Ausführungen noch ein wenig lauschen müssen.

(Abg. Thomas Knapp SPD: Aber nachher! Gut!)

Immer wieder wurde behauptet, der Finanzminister hätte gesagt, das aktuelle, das konkrete Verfahren, das jetzt öffentlich angesprochen und auch bekannt wurde, sei abgeschlossen. Genau das hat er aber nicht gesagt.

(Abg. Stephan Braun SPD: Wer hat das behauptet?)

Vielmehr war es so: Nachdem dieses interne Steuerprüfverfahren am Freitagnachmittag den Gang zur Presse gefunden hatte – nicht zur Landespresse, sondern es kam ein Auskunftsersuchen von der Presse außerhalb des Landes –,

(Zuruf von der SPD: Holland!)