Frau Ministerin, Sie werfen der früheren Landesregierung vor, nichts für die Realschulen ge tan zu haben. Sind Sie bereit, zur Kenntnis zu nehmen, dass allein durch die bisherige Senkung des Klassenteilers von 33 auf 30, wovon auch die Realschulen maßgeblich profitiert ha ben, nahezu 1 000 Unterrichtsdeputate zusätzlich allein den Realschulen zur Verfügung gestellt wurden?
Deswegen möchte ich noch einmal die Frage stellen: Wäre es nicht an der Zeit, diesen konsequenten Weg der Senkung des
Klassenteilers auch zugunsten der Realschulen fortzusetzen und damit den Realschulen weitere zusätzliche Unterrichts deputate zur Verfügung zu stellen?
Die zweite Frage, sehr geehrte Frau Ministerin: Wären sie für den Fall, dass aufgrund des Wegfalls der verbindlichen Grund schulempfehlung jetzt die Zahl der Übergänge auf die Real schulen nach der Jahrgangsstufe 4 deutlich steigen wird – was möglicherweise auch zur Folge hat, dass zusätzliche Ein gangsklassen notwendig werden –,
auch bereit, vor dem Hintergrund dieses zusätzlichen Unter richtsressourcenbedarfs den Realschulen mehr Deputate zur Verfügung zu stellen, als Sie bisher geplant haben?
Ich fange mit der letzten Frage an, Herr Wacker. Selbstverständlich: Wenn die Übergangszahlen stei gen, wenn sich an den Realschulen schlicht mehr Anmelde zahlen abbilden – was wir ja, in welchem Umfang auch im mer, alle erwarten –, dann wird sich das auch in der Lehrer einstellung abbilden. Das ist doch klar. Wir werden dann die zusätzlichen Deputate zur Verfügung stellen.
(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen – Abg. Claus Schmiedel SPD: Logisch! – Abg. Vol ker Schebesta CDU: Ich habe gedacht, es ändert sich nichts!)
Senkung des Klassenteilers: Selbstverständlich ist der Klas senteiler eine Möglichkeit und ist in der Vergangenheit sicher lich auch ein Beitrag gewesen, die Realschulen und alle an deren weiterführenden Schulen zu entlasten. Nur, Herr Wa cker, Sie haben diese Klassenteilersenkung nicht ausfinanziert.
(Abg. Georg Wacker CDU: 1 000 Deputate haben wir! – Abg. Volker Schebesta CDU: Jetzt sind wir noch beim Haushalt 2012! Was soll denn das? – Leb hafte Unruhe bei der CDU)
(Beifall bei den Grünen und der SPD – Zurufe von der CDU, u. a. Abg. Georg Wacker: Sie haben doch den Haushalt aufgestellt!)
Die Klassenteilersenkung ist der größte Teil Ihrer Qualitätsof fensive Bildung. Wir haben da 223 Millionen € veranschlagt. Wo sind die denn in der mittelfristigen Finanzplanung?
Wo sind die denn in der mittelfristigen Finanzplanung gewe sen? Wissen Sie, was wir, die neue, grün-rote Landesregie rung, jetzt machen werden? Wir werden jetzt dafür sorgen, dass die Klassenteilersenkung, die Sie praktisch in den luft leeren Raum hinein aufgestellt haben, ausfinanziert wird. Das werden wir auf jeden Fall hinbekommen.
(Beifall bei den Grünen und der SPD – Abg. Volker Schebesta CDU: Wenn wir die Steuermehreinnahmen gehabt hätten, hätten wir das locker finanziert!)
Ansonsten bleibt es bei dem, was ich auch immer wieder sehr offen sage, und zwar allen Schulen sage: Es wird keine wei tere Klassenteilersenkung um jeden Preis geben, und zwar schlicht deshalb nicht, weil wir das Geld anders besser einset zen können, nämlich für zusätzliche Stunden und Deputate für individuelle Förderung. Sie haben das doch gerade selbst vorgetragen. Gerade die Realschulen werden diese Kapazitä ten dringend benötigen.
Wir tun das, weil die Lerngruppen, weil die Klassen immer heterogener werden. Das werden wir auf jeden Fall durchset zen.
Kommen wir zu den beruflichen Schulen. Meine sehr verehr ten Damen und Herren, wer hat denn die zusätzlichen Klas sen für die beruflichen Gymnasien zum vergangenen Schul jahr eingeführt? 100 Klassen, zum kommenden Schuljahr wei tere 50 Klassen.
So schön, wie es ist, dass 30 % der Realschulabsolventen über die beruflichen Schulen ein Abitur machen – das ist eine wun derbare Geschichte –,
sind wir trotzdem im jüngsten Länderranking – es war übri gens nicht irgendwer, der diese Studie veröffentlicht hat; das war die Bertelsmann Stiftung – beim Kriterium Durchlässig keit im unteren Drittel. Damit wollen wir uns nicht zufrieden geben.
(Abg. Viktoria Schmid CDU: Stimmt doch gar nicht! – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Wie bitte? Sie ha ben sie falsch gelesen! – Zuruf des Abg. Dr. Fried rich Bullinger FDP/DVP)
(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Das hat mit Durch lässigkeit nichts zu tun! – Abg. Dr. Hans-Ulrich Rül ke FDP/DVP: Das hat Ihnen jemand falsch aufge schrieben! – Zurufe von der CDU)
Die Wahrscheinlichkeit, auf ein Gymnasium zu gehen, ist in Baden-Württemberg für ein Kind aus einer Arbeiterfamilie noch immer 6,6-mal geringer als für ein Akademikerkind. Da mit wollen wir uns nicht zufriedengeben. Wir wollen etwas an diesen Zusammenhängen ändern.
ist sehr innovativ. Die Realschule hat sich nämlich schon im mer den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst und ih re Konzeption weiterentwickelt,
ob das nun die Kommunikationsprüfungen in den Fremdspra chen sind oder ob das beispielsweise dieser Schulversuch ist, nach dem man Hauptschüler und Realschüler gemeinsam nach dem Realschullehrplan unterrichtet. Die Realschulen sind schon sehr innovativ. Deshalb habe ich überhaupt keine Sor ge, dass die Realschulen vor dem Aus stünden.
Nein, wir werden es erleben, dass sich immer mehr Realschu len auf den Weg machen, innovative Pädagogik anzuwenden, und sich – wer weiß? – sogar auf den Weg machen, selbst Ge meinschaftsschule zu werden. Denn es ist sicherlich richtig, was Herr Abg. Käppeler formuliert hat: Von der Zusammen setzung der Schülerschaft her sind die Realschulen schon heu te Gemeinschaftsschulen.
Ja, natürlich. Der richtige Schritt ist doch, diese Entwick lung konsequent fortzuschreiben und sich auch konsequent dem zu öffnen,
(Abg. Helmut Walter Rüeck CDU: Selbst wenn man im Landwirtschaftsausschuss ist, schüttelt man da den Kopf! – Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU)
was die Gemeinschaftsschule tut, nämlich Gymnasialstan dards mit zu unterrichten. Das ist kein riesengroßer Schritt mehr. Wir werden alle Schulen, die sich auf den Weg machen, auch weiter unterstützen.
Die Realschulen – ich sage es noch einmal – sind eine ganz wichtige Schulform in diesem Land, weil sie eine hohe Ak zeptanz bei den Unternehmen und bei den Eltern haben. Des halb haben wir diese hohen Übergangszahlen. Die Aufgabe dieser Landesregierung, dieser Kultusministerin ist es u. a., die Realschulen schrittweise in die Lage zu versetzen, indivi duelle Förderung noch besser durchzuführen als bisher.