Protokoll der Sitzung vom 24.05.2012

Jetzt befinden wir uns in der Frage der Verfassungsänderung mittlerweile seit fünf Monaten in einem Wartemodus. Ich sa ge Ihnen ganz offen: Irgendwann ist das Warten zu Ende. Denn dem Warten müssen Taten folgen.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP)

Wenn Warten zu besseren Erkenntnissen führt, okay. Aber dann müssen auch die Taten folgen.

Herr Ministerpräsident und in diesem Fall auch Herr Finanz minister, wir erwarten jetzt einfach einmal Vorschläge. Am Ende verwerfen wir einen solchen Prozess. Das ist in Ord nung. Das ist das Schicksal der Opposition. Das ist überhaupt kein Thema. Dem stellen wir uns. Aber es soll uns niemand vorwerfen, dass wir erstens nicht konstruktiv bei der Sache wären und zweitens nicht mit Engagement an der Lösung der Probleme arbeiten würden.

Dass der Problemlösungsweg, den wir aufzeigen, Ihnen nicht gefällt, das war abschließend deutlich zu spüren.

(Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: Welcher Prob lemlösungsweg? Wo war denn der Weg?)

Denn wenn es Ihnen gerade einfällt, dann bezeichnen Sie Schulden und Ausgaben als Investitionen und ansonsten als Erblast.

(Zuruf: Quatsch!)

Deshalb kommen wir zunächst einmal zu der Frage, was Sie vorfinden, weil Sie immer von Erblast sprechen. Was haben Sie denn? Sie verweisen im Zusammenhang mit strukturellen Defiziten auf die Beamten.

(Zuruf)

Entschuldigung, ich halte es übrigens für zynisch, wenn Men schen, die sich 30, 40, 50 Jahre diesem Land verschrieben ha ben, von Ihnen als Erblasten bezeichnet werden.

(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP – Zuruf von der CDU: Jawohl! – Abg. Dr. Markus Rösler GRÜ NE: Die Schulden sind die Erblast!)

Das ist nicht in Ordnung.

Im Übrigen: Es ist nichts Neues. Die Haushalte wurden trans parent aufgestellt, Sie wussten, was Sie erwartet, wie wir es auch gewusst hätten. Die Frage der Pensionsverpflichtungen ist zwar noch nicht gelöst, aber nirgendwo in Deutschland auch nur annähernd so gut in der Lösung begriffen wie in Ba den-Württemberg.

(Lachen des Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE – Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: Hauksche Märchen stunde!)

Da hilft auch nicht das Verweisen auf Rheinland-Pfalz oder auf andere Bundesländer.

(Zuruf von den Grünen)

Entschuldigung, nirgendwo ist ein Pensionsfonds seit dem Jahr 2008 so konsequent aufgebaut worden wie in BadenWürttemberg.

(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP)

Ich gebe zu: Auf diese Idee hätte man auch schon 20 Jahre früher kommen können, in Ordnung. Aber wir haben das 2008 konsequent gemacht und die gute damalige Haushaltslage nicht für strukturelle Mehrausgaben genutzt, sondern dazu, strukturell für die Zukunft zu sparen.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP – Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch CDU: Und für die Nullnettoneuverschuldung!)

Das ist der große Unterschied.

Im Übrigen wird die „Erblast“ von Ihnen natürlich sauber hochgerechnet.

(Zuruf des Abg. Georg Nelius SPD)

Es seien strukturell 2,5 Milliarden €, rechnen Sie ständig vor. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung kam im letzten Jahr in einem Ländervergleich auf ein Defizit

von 1,3 Milliarden € für Baden-Württemberg. Ein Ausgleich dieser 1,3 Milliarden €, Herr Ministerpräsident, ist bei den jet zigen Steuereinnahmen zu schaffen. Das ist zu packen.

(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP – Zurufe von der CDU: Bravo! – Abg. Dr. Markus Rösler GRÜ NE: Machen Sie einmal einen Vorschlag über 1,3 Milliarden €!)

Ich sage ja nicht, dass man das strukturell sofort schafft. Aber nachdem wir überdurchschnittliche Steuereinnahmen haben, können wir dies schaffen. Aber Sie wollen Ihre Messlatte so hoch legen, dass jedem Betrachter klar wird: „Das ist ganz klar. Das können die nicht schaffen. Das hat die vorherige Re gierung hinterlassen.“

(Abg. Muhterem Aras GRÜNE: Das ist doch wahr! – Abg. Georg Nelius SPD: Die Wahrheit schmerzt!)

Dann kommt das Thema Schulden: 42 Milliarden €. Meine Damen und Herren, das Land Baden-Württemberg refinan ziert sich derzeit zu einem Zinssatz von 1,7 % für zehnjähri ge Staatsanleihen. Jetzt wird nicht die Rückzahlung für den gesamten Betrag von 42 Milliarden € sofort fällig, sondern re volvierend. Aber schon im letzten Jahr waren die Zinsen güns tig, im vorletzten Jahr waren sie schon deutlich abfallend. Das heißt, der Finanzminister hat noch nie so viel Liquidität aus den Schulden geschöpft,

(Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Man schöpft Li quidität aus den Schulden? Sollen wir mehr Schul den machen?)

die sich – mit Ausnahme der Krise im Jahr 2010 – auch nicht mehr erhöht haben.

(Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: Ist das die neue Einnahmequelle der CDU, oder was?)

Das heißt, noch nie war die Schuldenlast in Bezug auf die Li quidität in den letzten 15 Jahren so niedrig wie derzeit. Noch nie!

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP – Abg. Andreas Stoch SPD: Wie schöpft man Liquidität aus Schulden? – Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: Liquidität aus Schulden! Die Volkswirt schaft wird seit heute neu geschrieben! Meine Güte!)

Ich würde Ihnen einmal empfehlen, sich betriebswirtschaft lich einmal mit ein paar Dingen zu beschäftigen.

So viel zum Thema Erblasten.

(Unruhe – Glocke des Präsidenten)

Dann kommen wir zur Frage der Strukturen. Man muss man ches einfach wiederholen, obwohl es Ihnen nicht gefällt. Sie sagen, die Studiengebühren brächten nur Einnahmen von 130 Millionen €. Es sind aber immerhin 130 Millionen €. Wer erst gar nicht anfangen will, der wird auch nie zum Ziel kommen. Der erste Schritt ist der schwerste. Ich fordere Sie auf, Herr Ministerpräsident und Herr Finanzminister: Gehen Sie die ers ten Schritte! Wir helfen Ihnen auf der Wanderung, aber den ersten Schritt müssen Sie selbst tun.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP)

Aber Ihre ersten Schritte waren ja gerade entgegengerichtet: Personalaufstockung um Hunderte von Mitarbeitern in den Ministerien.

(Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: Hunderte! Tau sende!)

Dann gab es die Einstellung zusätzlicher Betriebsprüfer. Das wurde jüngst erst wieder in einem Expertenartikel als „raus geschmissenes Geld“ bezeichnet, weil alle oder der überwie gende Teil der Mehreinnahmen in den Länderfinanzausgleich wandern.

Das Thema Studiengebühren wurde wiederholt erwähnt.

(Abg. Edith Sitzmann GRÜNE: Sie können es noch dreimal sagen, Herr Hauk, wenn Ihnen sonst nichts einfällt!)

Es ist dennoch richtig. Es stimmt halt.

Dann komme ich zur Parallelität von G 8 und G 9. Ich will die Debatte von gestern nicht noch einmal aufwärmen. Aber was Ihre Kultusministerin auf dieser Baustelle leistet, ist ein fach unterirdisch. Unterirdisch!

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP)

Allein durch den Wegfall von G 9 – da hat sich überhaupt nichts an der Einstellungspolitik verändert – werden über 1 000 Lehrerdeputate frei. Allein dadurch über 1 000 Lehrer deputate! Sie von der grünen Seite – das muss man Ihnen zu gutehalten – versuchen zumindest – die SPD ist schon voll im kraftschen Ausgabenwahn verfangen –,

(Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: So ein Quatsch! – Zuruf von der SPD: Na, na, na!)

etwas zu retardieren. Allein im angesprochenen Bereich wer den über 1 000 Lehrerdeputate frei. Nach Rechnung des Fi nanzministers werden in diesem Schuljahr 3 500 Lehrerdepu tate frei und wurden auch im letzten Schuljahr frei.