Protokoll der Sitzung vom 30.01.2013

Das heißt, in einer Gruppe Sport zu treiben, also etwas zu tun, was nicht individuell die Fähigkeiten schulen soll bzw. indi viduelle Erfolgserlebnisse bietet, ist für Kinder und Jugendli che von überragender Bedeutung. Deswegen ist dies ein Grund, weswegen wir Sport an der Schule als eine ganz wich tige Aufgabe erkennen.

Das Weitere ist: Wir kennen die Statistiken über Kinder, die bereits in jungen Jahren gesundheitliche Probleme durch Übergewicht und durch zu wenig Bewegung haben.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Wieso schauen Sie mich da an? – Gegenruf des Abg. Claus Schmiedel SPD: Er sagte „in jungen Jahren“! – Heiterkeit)

Danke, Kollege Schmiedel.

Deswegen ist es für uns auch von großer Bedeutung, dass die se Themen bereits im Kindergarten und in der Schule aktiv angegangen werden, damit Kinder, auch was ihre gesundheit liche Entwicklung angeht, nicht mit Problemen in die Welt gehen, sondern damit diese Kinder auch die Möglichkeit ha ben, sich sportlich zu betätigen und damit ein gesundes Le ben führen zu können.

(Zuruf des Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU)

Dazu gehört, meine sehr verehrten Damen und Herren, auch ganz wesentlich, dass wir im Bereich der Schule die entspre chenden Angebote schaffen. Die entsprechenden Angebote schaffen wir bereits heute, indem wir mit qualifizierten Ange boten in den Grundschulen reagieren, insbesondere in den Grundschulen mit einem sport- und bewegungserzieherischen Schwerpunkt. Diesen Schwerpunkt kann inzwischen jede drit te Grundschule ausweisen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn hier gern leichtfertig davon gesprochen wird, dass dann eine vierte und fünfte Bewegungsstunde schnell und sofort eingeführt wer den müsste

(Abg. Volker Schebesta CDU: Genau! – Abg. Vikto ria Schmid CDU zeigt in Richtung des Abg. Claus Schmiedel SPD. – Abg. Viktoria Schmid CDU: Er war es!)

nicht herumfuchteln! –, dann müssen wir ganz deutlich sa gen: Diese Bewegungsstunden wären sehr erstrebenswert. Es wäre vor allem sehr erfreulich, wenn man sie schnell umset zen könnte. Aber jetzt nenne ich Ihnen einfach einmal eine Zahl: Die Umsetzung der vierten und fünften Bewegungsstun de an allen Grundschulen würde insgesamt 1 300 Deputate in Anspruch nehmen.

(Abg. Volker Schebesta CDU: Dann könnten wir ja gar nichts mehr abbauen!)

Bereits daran können Sie erkennen, dass es bei der derzeiti gen Haushaltslage nicht auf kurzer Strecke möglich sein wird, dieses Angebot zusätzlich zu machen.

(Zuruf der Abg. Viktoria Schmid CDU)

Gerade deshalb, meine sehr geehrten Damen und Herren, lie be Kolleginnen und Kollegen, ist es umso wichtiger, dass wir uns einen Weg überlegen, wie wir trotz der Tatsache, dass wir diese vierte und fünfte Bewegungsstunde nicht sofort einfüh ren können, Angebote schaffen – und zwar vor allem durch die Einbeziehung außerschulischer Partner –, die es uns er möglichen, diese zusätzlichen Bewegungseinheiten an den Schulen anzubieten.

(Beifall bei den Grünen und der SPD – Abg. Fried linde Gurr-Hirsch CDU: Das habt ihr früher bestrit ten, als wir den Jugendbegleiter eingeführt haben! – Glocke des Präsidenten)

Herr Minister, gestat ten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abg. Dr. Kern?

Aber gern, Herr Kern.

(Heiterkeit)

Herr Minister, für die Fra ge, wie Sport an den Schulen angesehen wird, welche Stel lung Sport als Fach an den Schulen hat, ist ganz oft entschei dend, wie die Schulleiterin oder der Schulleiter zum Sport steht. Ich höre von Sportlehrerinnen und Sportlehrern, dass, wenn sie dem Schulleiter mitteilen, zu Wettbewerben fahren zu wollen, manchmal von den Schulleitern die Frage kommt: „Muss das schon wieder sein?“ Könnten Sie sich vorstellen, dass das Kultusministerium eine Initiative ergreift, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass es darauf ankommt, diejeni gen an den Schulen zu unterstützen, die sich hier engagieren wollen?

(Beifall bei Abgeordneten der FDP/DVP und der CDU – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Jawohl! Bravo!)

Herr Kollege Kern, damit laufen Sie bei mir offene Türen ein. Denn ich halte diese Bemerkungen, wenn sie denn gefallen sind, für falsch. Wir, die Schulverwaltung, das Kultusminis terium, wollen alles dafür tun, dass Sport und Bewegung auch in den Augen von Schulleitern als wichtiges Element der Bil dung angesehen wird. Das können Sie mir glauben. Wenn Sie entsprechende Informationen haben, können wir diese gern aufnehmen und dort darauf hinweisen, um die Initiativen zu unterstützen.

Es gibt an vielen Schulen Lehrerinnen und Lehrer, die solche Angebote befördern und aktiv wollen. Wenn das Engagement von Schulleitern ausgebremst würde, würden wir das schlecht finden. Das würde unserem gemeinsamen Ziel widerstreben.

Herr Minister, gestat ten Sie eine weitere Zwischenfrage des Herrn Abg. Schmie del?

Ich gestatte sie, wenngleich ich gleich zum Sport müsste.

(Heiterkeit – Abg. Dr. Friedrich Bullinger FDP/DVP: Aber Sie sind kein Schüler mehr!)

Bitte.

Herr Minister, Sie wissen, dass die SPD-Fraktion nur grundständige, finanziell solide Vor schläge unterbreitet.

(Oh-Rufe von der CDU und der FDP/DVP – Abg. Volker Schebesta CDU: Der Zwist zwischen den Fraktionen und dem Kultusministerium geht gerade weiter!)

Deshalb wird in der Großen Anfrage die Forderung zusätzli cher Bewegungsstunden daran geknüpft, dass wir die Zahl der Ganztagsschulen ausbauen. Das wird ohne eine Ausweitung der Zahl der Lehrerstunden und ohne eine Beteiligung der Kommunen nicht funktionieren. Letztlich ist es kostenneut ral, dieses Mehr an Angeboten in der Schule nicht in eine grö ßere Stofffülle umzumünzen, sondern in mehr sportliche und musikalische Angebote.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Jetzt noch eine Fra ge!)

Gerade wenn dies nur durch zusätzliche Lehrerstunden abge deckt würde, wäre das schwer zu realisieren. Aber im Zuge des Ausbaus der Ganztagsschule ist es sehr realistisch. Ich fra ge Sie: Teilen Sie diese Einschätzung?

(Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch und Abg. Volker Schebes ta CDU: Jugendbegleiter!)

Herr Kollege Schmiedel, genau das wäre der zweite Teil mei ner Aussage gewesen.

(Abg. Claus Schmiedel SPD: Das musste ich sagen, weil die CDU-Abgeordneten schon geheult haben!)

Das wollen wir ja nicht. – Ein Element beim Ausbau der Ganztagsschule wird sein, dass wir die zusätzlichen Deputa te auch dafür verwenden, mehr Sportunterricht anzubieten.

Zusätzlich erwarten wir, den Vereinen die Angst nehmen zu können,

(Zuruf der Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch CDU)

dass die Aktivitäten in den Vereinen mit dem Unterricht in den Ganztagsschulen kollidieren. Wir wollen im Gegenteil, dass diese Initiativen verzahnt werden und die Vereine die Ganz tagsschule nicht als Bedrohung ihres Vereinsgeschehens se hen, sondern wir die Vereine beim Ausbau der Zahl der Ganz tagsschulen mitnehmen.

(Zuruf der Abg. Viktoria Schmid CDU)

Liebe Kollegin Schmid, Sie meinten vorhin, sagen zu müs sen, dass die Bewegungsstunden von ausgebildeten Sportleh rern gehalten werden müssten.

(Abg. Viktoria Schmid CDU: Das habe ich nicht ge sagt!)

Ich darf Sie darauf hinweisen: Es handelt sich um Bewegungs stunden. Diese Bewegungsstunden sind keine klassischen Sportstunden. Wir setzen hier insbesondere Freiwillige ein, die in Zusammenarbeit mit der Baden-Württembergischen Sportjugend ausgebildet werden, die alle die Befähigung zum Übungsleiter haben. Das heißt, das ist alles qualifiziertes Per sonal. Genau diese Übungsleiter, die ihre Übungsleiterbefä higung in den Vereinen erworben haben, setzen wir dazu ein, die Bewegungsstunden an den Schulen qualifiziert anzubie ten.

(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen – Glocke des Präsidenten)

Gestatten Sie eine wei tere Zusatzfrage der Frau Abg. Gurr-Hirsch, Herr Minister?

Ja, gern.

Bitte.

Herr Minister, ich bin als ehrenamtlich Tätige von Ihren Ausführungen begeistert. Ich möchte Ihnen die Frage stellen: Kann es sein, dass die SPD-Fraktion heute eine andere Einstellung zu den Jugend begleitern und dem Engagement Ehrenamtlicher an der Schu le hat als vor etwa fünf oder sechs Jahren, als sich Vertreter der SPD bei Podiumsdiskussionen ganz vehement gegen den Einsatz dieser Fachkräfte ausgesprochen haben?

(Beifall bei Abgeordneten der CDU – Abg. Karl Zim mermann CDU: Ja, genau! – Abg. Claus Schmiedel SPD: Quatsch!)

Bitte, Herr Minister.

Liebe Frau Kollegin Gurr-Hirsch, wir wollen, dass das Kon zept, das ich Ihnen gerade vorgetragen habe, erfolgreich durchgeführt wird. Wir wollen nicht in der Vergangenheit da nach kramen, welche Meinungen es vor sechs oder sieben Jah ren gab.

(Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch CDU: Da hat man auch Unrecht getan!)