Protokoll der Sitzung vom 09.03.2017

Sonst setzen wir das Vertrauen der Bevölkerung aufs Spiel.

(Beifall des Abg. Winfried Mack CDU)

Im Übrigen bedeutet dies im Bereich der Flüchtlinge, dass für den, der vollziehbar ausreisepflichtig ist, im Wege einer Ein zelfallprüfung festgestellt wird, ob er ausreisepflichtig ist. Da gegen hat er Rechtsschutzmöglichkeiten. Wenn dann z. B. ein Verwaltungsgericht sagt: „Ja, er ist ausreisepflichtig“, dann kann, wenn er nicht freiwillig ausreist, die Abschiebung ein geleitet werden. Und dies geschieht.

Wenn dann ein Obergericht, beispielsweise der Verwaltungs gerichtshof, sagt: „Nein, das muss gestoppt werden“, dann wird das selbstverständlich gestoppt, dann wird der Richter spruch befolgt. Dies ist auch keine Panne, sondern schlicht und einfach ein Beleg dafür, dass der Rechtsstaat bei uns funk tioniert – ganz einfach.

(Beifall bei der CDU – Abg. Rüdiger Klos AfD: Und sich selbst lahmlegt!)

Ja, meine Damen und Herren, unser Land ist weltoffen. Wir bekennen uns dazu: Wer unseren Schutz braucht, der bekommt unseren Schutz. So haben wir es vor 20 Jahren gemacht, als im Balkan der Bürgerkrieg tobte,

(Abg. Winfried Mack CDU: So ist es!)

und so halten wir es heute wieder. Unser Land ist weltoffen und bietet schutzbedürftigen Menschen Schutz. Dies zeigt sich auch darin, dass unsere Gesellschaft dabei mit dem zigtau sendfachen ehrenamtlichen Einsatz, den wir hier schon so oft gewürdigt haben, einen hervorragenden Beitrag leistet.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)

Fakt ist aber auch, dass es erhebliche Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der Ausreisepflicht gibt. Deswegen hat Herr Strobl recht, wenn er sagt: „Wir brauchen eine neue Konse quenz bei der Rückführung von Ausländern ohne Bleibe recht.“ Das ist auch zum Wohle derer, Herr Minister Strobl, die ein echtes und begründetes Bleiberecht bei uns haben.

Die Politik handelt. Das sieht man auf Bundesebene an meh reren Asylpaketen seit dem Jahr 2015, die nachweisbar wir ken, und ganz aktuell hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit einem Gesetzentwurf zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht zu Recht an genau den entscheidenden Stellen angesetzt. Das ist, Herr Strobl, ganz im Sinne Ihres Papiers.

Es ist ein großer Erfolg, dass die Bundeskanzlerin und die Re gierungschefs der Länder sich am 9. Februar auf eine zeitna he Umsetzung dieses Gesetzes geeinigt haben. Aber Vorsicht, da gibt es einen Risikofaktor, und der heißt Martin Schulz,

(Zuruf von der SPD: Och!)

den Sie alle so knuffig finden.

(Zuruf von der SPD: Nicht nur wir! – Abg. Martin Rivoir SPD: Der ist für euch ein Risiko!)

Er kommt wohl jetzt am Wochenende, und dann könnt ihr ihn alle knuddeln. Er strebt ganz offen ein Bündnis auch mit den Dunkelroten an.

(Abg. Andreas Stoch SPD: Jetzt kommt die Rote-So cken-Kampagne! Das ist jetzt was ganz Neues!)

Nein, nicht Socken-Kampagne, sondern: Lektüre hilft, lie ber Herr Kollege Stoch. Ich empfehle, sich einmal anzuschau en, was der von der Linkspartei regierte Freistaat Thüringen zu diesen Themen sagt.

(Zuruf von der SPD: Oi, oi!)

Dann sehen wir nämlich, was uns blüht, wenn Ihre Steigbü gelhalterfunktion wirken sollte. Das möge verhindert werden, meine Damen und Herren.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU – Abg. Winfried Mack CDU: So ist es! – Abg. Andreas Stoch SPD: Fällt euch nichts Neues ein?)

Lieber Kollege Dr. Rülke, Sie greifen auch das Thema Afgha nistan mit auf. Die Koalition hat eindeutig festgelegt, dass wir auch weiterhin Abschiebungen nach Afghanistan durchführen werden. Wer nach sorgfältiger individueller Prüfung – ich ha be das vorhin erläutert – ausreisepflichtig ist, muss ausreisen und kann nötigenfalls auch zurückgeführt werden. Die Sicher heitslage in Afghanistan wie in anderen Ländern auch – das haben wir vorhin schon mehrfach gehört – wird in alleiniger Zuständigkeit vom Auswärtigen Amt mit Herrn Gabriel an der Spitze geprüft.

(Abg. Rüdiger Klos AfD: Wo war die sorgfältige Prü fung bei der Einreise?)

Es gibt sehr viele afghanische Bürger, die mittlerweile – auch das ist vorhin schon erwähnt worden – freiwillig in ihre Hei mat zurückreisen. Das sagt auch etwas über die Möglichkeit, in das Land zurückzukehren.

Wenn man sich all dies anschaut, stellt sich die Frage: Was bleibt von Ihrem Antrag übrig, lieber Kollege Rülke?

Erstens: Sie schließen sich Herrn Strobl an.

(Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Richtig!)

Gut so. Weiter so!

(Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Wir wollen, dass Sie das auch können!)

Zweitens: Wir schließen uns dem sowieso an.

(Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Gut!)

Drittens: Das ist wieder mal ein Versuch der FDP/DVP, die grün-schwarze Koalition zu spalten.

(Abg. Andreas Stoch SPD: Das macht die schon selbst!)

Dies ist ein untauglicher Versuch.

(Lachen des Abg. Sascha Binder SPD)

Unter Juristen weiß man: Ein untauglicher Versuch...

Kommen Sie bitte zum Schluss.

... – Frau Präsidentin, ich bin gleich fertig – ist z. B. etwas, was von vornherein zum Schei tern verurteilt ist, weil etwa der Handelnde, lieber Kollege Rülke, für sein Tun nicht qualifiziert genug ist.

(Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Sind Sie qualifiziert genug, um nachher zuzustimmen?)

In diesem Sinn kann ich nur sagen: Man merkt halt, dass die FDP/DVP mittlerweile von Nord bis Süd, von Ost bis West

fast nirgends mehr in Regierungsverantwortung ist. Sie kön nen es nicht mehr so richtig. Lassen Sie es deswegen bitte bleiben.

Wir müssen Ihren Antrag leider ablehnen.

Danke schön.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen – Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Warum müssen Sie ablehnen?)

Für die AfD-Fraktion erteile ich Herrn Abg. Sänze das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Beim Verfassen meiner Stellungnahme zum vorliegenden Antrag der FDP/DVP-Fraktion fühlte ich mich eher an „Faust“ erinnert: Die Botschaft hörʼ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

(Beifall bei Abgeordneten der AfD)

Verstehen Sie mich nicht falsch, verehrte Kollegen von der FDP/DVP, ich halte Sie weder für einen Engelschor noch bin ich in einer Glaubenskrise.

(Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Wir sind aber in anderen Krisen!)

Ich schließe mich aber Ihrer Einschätzung an: Die sogenann te Strobl-Initiative verdient eine Legitimation durch das Par lament. Sympathie erweckt Ihr Antrag bei mir auch, weil für viele Ihrer Forderungen die Urheberrechte bei uns liegen.

(Beifall bei der AfD – Abg. Nicole Razavi CDU: Schon wieder?)