Protokoll der Sitzung vom 06.06.2018

Grundsätzlich bin auch ich für eine stärkere Beteiligung der Bürger; denn das stärkt unsere Demokratie. Das muss jedoch nicht zwingend ein Volksentscheid sein. Wenn man sich je doch dafür einsetzt, dann sollte man zeitgleich auch aufzei gen, wie das gehen soll. Denn für eine rationale Entscheidung benötigt der Bürger das notwendige Wissen, mit dem man den Sachverhalt von allen Seiten beleuchtet. Zeitgleich muss die ses Wissen kurz und ansprechend verpackt werden. Nur so kann man bei einem Volksentscheid sicherstellen, dass sämt liche Bürger gut informiert sind – so, wie es eben aktuell bei den Parteien in den Fachausschüssen der Fall ist, zumindest bei den meisten Parteien.

Herr Abg. Dr. Gedeon, bit te.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Herr Fiechtner, wie Sie sich da bei den Altparteien anbiedern, das ist schon peinlich.

(Vereinzelt Beifall bei der AfD)

Natürlich sind wir nicht für die total plebiszitäre Demokratie, meine Damen und Herren.

(Zurufe: Wer ist „wir“?)

Die repräsentative Demokratie hat ihre Funktion und ist not wendig. Es geht um das Verhältnis von plebiszitär und parla mentarisch.

(Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: Wer ist „wir“? – Gegenruf der Abg. Dr. Christina Baum AfD: Die AfD-Partei! Er ist Mitglied!)

„Wir“ sind die Menschen, die politisch vernünftig denken. Wenn Sie sich da dazu zählen, nehme ich Sie mit auf, Herr Sckerl.

(Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: Wer ist „wir“? Die AfD-Fraktion? – Unruhe)

In einer Zeit, in der die repräsentative Demokratie funktio niert, brauchen wir nicht viele plebiszitäre Elemente. Das war

bislang so. Wenn die repräsentative Demokratie nicht mehr funktioniert, ist es sehr notwendig, das plebiszitäre Element zu stärken. Und diese Situation haben wir heute.

(Beifall bei Abgeordneten der AfD)

Die Eliten, meine Damen und Herren, vor allem auch die par lamentarischen Eliten, entfernen sich immer weiter von der Bevölkerung. Das wollen Sie doch nicht bestreiten.

(Beifall bei Abgeordneten der AfD)

Deswegen sitzt die AfD überhaupt im Parlament. Wenn Sie das bestreiten wollen, sind Sie fernab der Wirklichkeit. Und eine Therapie, ein Heilmittel für diesen Vorgang ist, das ple biszitäre Element zu stärken.

(Beifall bei Abgeordneten der AfD – Abg. Dr. Chris tina Baum AfD: Jawohl! Sehr gut!)

Insofern ist das ein sehr guter Vorschlag, weil er eine Stärkung des plebiszitären Elements darstellt.

Zweitens: Das, was Sie, Herr Binder, sagen, ist ein Witz. Die meisten haben gar nicht gemerkt, dass das ein Witz ist, aber es ist wirklich ein Witz.

(Lachen der Abg. Dr. Christina Baum AfD)

Sie sagen, durch Volksbefragungen könne man erreichen, dass Minderheiten Gesetze beschließen. Es gebe doch keine Aus schlüsse von Leuten; es könne doch jeder teilnehmen. Natür lich kann eine Minderheit immer bestimmte Sachen durchbo xen. Auch in der repräsentativen Demokratie haben wir es ständig, dass sozusagen Minderheiten den Ton angeben.

(Abg. Sascha Binder SPD: Echt?)

Aber das ist kein Spezifikum des plebiszitären Elements. Zu sagen, das sei Stimmungsmache, Angstmache, das ist doch al les Quatsch. Das zeigt nur, dass Sie vor der Bevölkerung im mer mehr Angst haben, und das zu Recht, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der AfD – Abg. Dr. Christina Baum AfD: Jawohl! Genau so ist es!)

Und jetzt zu all den Attacken, die AfD sei angeblich demo kratiefeindlich. Wer hat denn die Demokratie in einer Art und Weise beleidigt und verunglimpft wie sonst niemand in der gesamten Geschichte der Bundesrepublik Deutschland? Das war im Herbst 2015 Frau Merkel. Die hat allein entschieden, was passiert.

(Beifall der Abg. Dr. Christina Baum AfD – Glocke der Präsidentin)

Herr Abg. Dr. Gedeon, kommen Sie bitte zum Schluss. Ihre Redezeit ist abgelaufen.

Das war ein skan dalöser Beschluss – fernab von jeder Demokratie, eine Belei digung für die Demokratie.

(Beifall der Abg. Dr. Christina Baum und Stefan Räpple AfD)

Nicht einmal das Parlament ist gefragt worden. Und da stel len Sie sich hin und werfen Steine aus dem Glashaus. Schä men Sie sich bitte schön!

(Beifall bei der AfD)

Es liegen mir keine Wort meldungen mehr vor. Damit ist die Aussprache beendet.

Ich schlage vor, den Gesetzentwurf Drucksache 16/3484 zur weiteren Beratung an den Ständigen Ausschuss zu überwei sen. – Es gibt keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlos sen.

Damit ist Punkt 4 der Tagesordnung erledigt.

Ich rufe Punkt 5 der Tagesordnung auf:

Vereidigung von Mitgliedern des Verfassungsgerichtshofs

Meine Damen und Herren, wir kommen nun zu der Vereidi gung der vorhin gewählten Richterinnen und Richter.

Meine sehr geehrten Richterinnen, sehr geehrte Herren Rich ter, der Landtag hat Sie gemäß Artikel 68 der Landesverfas sung in Verbindung mit § 2 des Gesetzes über den Verfas sungsgerichtshof zu Mitgliedern und stellvertretenden Mit gliedern des Verfassungsgerichtshofs Baden-Württemberg ge wählt, und Sie alle haben die Wahl angenommen.

Nach § 4 des Gesetzes über den Verfassungsgerichtshof ha ben die Mitglieder und ihre Stellvertreter vor Antritt ihres Am tes vor dem Landtag einen Eid zu leisten. Ich verlese den ge setzlich vorgeschriebenen Eid:

Ich schwöre, dass ich als gerechter Richter alle Zeit die Verfassung des Landes Baden-Württemberg getreulich wahren und meine richterlichen Pflichten gegenüber je dermann gewissenhaft erfüllen werde. So wahr mir Gott helfe.

Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet wer den.

Meine Damen und Herren, Sie haben die Eidesformel gehört. Ich darf Sie bitten, einzeln in der im Gesetz vorgegebenen Rei henfolge zu mir auf das Podium zu treten, die rechte Hand zu erheben und die Worte zu sprechen: „Ich schwöre es.“ Und gegebenenfalls: „So wahr mir Gott helfe.“

(Die Anwesenden erheben sich von ihren Plätzen.)

Herr Dr. Graßhof, bitte.

Dr. Malte Graßhof: Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe.

Herr Unkel, bitte.

Friedrich Unkel: Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe. Und ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.

Frau Leßner, bitte.

Sintje Leßner: Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe.

Alles Gute für Ihr Amt!

Sintje Leßner: Danke schön.