Protokoll der Sitzung vom 27.06.2019

So haben wir in den Jahren 2020 und 2021 mit einem Minus von jeweils 600 Millionen € zu rechnen, das kompensiert wer den muss und wozu aus den verschiedenen Ressorts Konso lidierungsbeiträge geleistet werden müssen. Das zeigt einmal mehr: Wir haben angesichts der Aufgaben und Herausforde rungen, die vor uns liegen, eben keine Möglichkeiten, unse ren Haushalt strukturell weiter zu schwächen, meine Damen und Herren.

Des Weiteren ist es so, dass eine Senkung des Grunderwerb steuersatzes als Instrument zum Ankurbeln des Wohnungs baus in Zweifel gezogen werden muss. Auch das hat die An hörung noch einmal erbracht. So lehnt z. B. der Mieterbund diese Absenkung generell ab. Das Argument ist ganz klar: Das würde den Handel mit Wohnungen weiter antreiben – mit der Folge einer Steigerung der Wohnkosten.

Unserem eigentlichen Anliegen und Ziel, nämlich mehr sozi alen Wohnraum zu schaffen, insbesondere Mietwohnungen gerade in Ballungsgebieten, würde das völlig zuwiderlaufen. Auch deswegen ist ein Instrument nach dem Prinzip Gießkan ne völlig falsch:

(Abg. Karl Zimmermann CDU: Das stimmt doch nicht!)

viele Mitnahmeeffekte und wenig zielgenaue Förderung, mei ne Damen und Herren.

(Beifall bei den Grünen)

Wir brauchen natürlich vor allem sozialen Wohnungsbau. In Baden-Württemberg haben wir in den vergangenen Jahren die Trendwende geschafft, indem wir 250 Millionen € für zielge naue und bedarfsgerechte Wohnraumförderung zur Verfügung gestellt haben. In der letzten Förderperiode haben wir damit 1 400 neue Mietwohnungen mit Sozialbindung auf den Weg bringen können.

(Abg. Daniel Born SPD: Finden Sie das ausreichend?)

Das muss in den kommenden Jahren noch weiter gesteigert werden. Andreas Schwarz hat vorhin auch dargestellt, wie wir

die Kommunen noch einmal gezielt unterstützen wollen beim Kauf von Flächen mit dem Ziel, den sozialen Wohnungsbau, insbesondere den Mietwohnungsbau zu fördern.

(Abg. Daniel Born SPD: Und wer baut dann auf den Flächen?)

Das ist der richtige Weg; ihn müssen wir weiter beschreiten. Im Moment gibt es keinen Spielraum für eine Steuersenkung dieses Ausmaßes, im Gegenteil.

Wichtig ist auch, dass wir die Kommunen weiterhin dabei un terstützen, Plätze in der Kleinkindbetreuung auszubauen und die Qualität zu steigern. Auch dafür wird Geld gebraucht.

Deswegen lehnen wir auch nach der Anhörung diesen Gesetz entwurf ab, wie wir es auch im Finanzausschuss getan haben.

Danke schön.

(Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU)

Für die CDU-Fraktion erteile ich Herrn Abg. Kößler das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Ich glaube, heute ist der Tag des Grundbesitzes.

(Heiterkeit des Abg. Andreas Stoch SPD)

Wir haben vorhin das Thema Grundsteuer behandelt und be fassen uns jetzt mit der Grunderwerbsteuer. Frau Kollegin Walker hat dazu schon einiges gesagt, aber ich will trotzdem noch etwas hinzufügen. Tatsächlich, wir diskutieren schon seit zwei Jahren über Initiativen der Opposition zur Absenkung des Grunderwerbsteuersatzes.

(Zuruf des Abg. Anton Baron AfD)

Ich kann der FDP/DVP nur eines sagen: Die Grunderwerb steuer ist kein Sauerkraut. Daher wird bei diesem Thema auch durch mehrmaliges Aufwärmen keine Verbesserung erzielt.

(Vereinzelt Heiterkeit – Beifall des Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD)

Wir haben hier schon zigmal das gleiche Thema behandelt. Es gibt im Augenblick keinen überzeugenden Gesetzentwurf der Opposition.

(Abg. Anton Baron AfD: Was ist mit der Bundestags fraktion?)

Ich sage Ihnen eines: Dadurch wird kein Quadratmeter Bau land zusätzlich erreicht.

(Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Abg. Anton Baron AfD: Wie kommen Sie darauf?)

Das heißt, dass wir, wie die Frau Kollegin schon gesagt hat, zielgenau vorgehen müssen. Wir brauchen eine grundsätzli che Reform der Grundsteuer, wie sie jetzt ohnehin erfolgt, und natürlich auch der Grunderwerbsteuer.

(Beifall des Abg. Karl Zimmermann CDU – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD)

Ich sage Ihnen eines: Der Grunderwerbsteuersatz in BadenWürttemberg liegt unterhalb des Bundesdurchschnitts.

(Zuruf von der AfD: Was? – Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Ist das die Benchmark?)

Nichtsdestoweniger sind wir, die CDU, in der Vergangenheit dafür eingetreten, dass der Grunderwerbsteuersatz wieder ab gesenkt wird;

(Abg. Anton Baron AfD: Bayern als Vorbild! – Zu ruf: In der Vergangenheit!)

aber wir sind natürlich in einer Koalition.

(Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Ach so!)

Eine Koalition braucht Kompromisse. Wir werden aber wei terhin dafür eintreten, die Nebenkosten beim Hauskauf – da rum geht es ja – zu senken.

Laut Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln bezahlen niederländische Hauskäufer ein Viertel von dem, was in Deutschland beim Grunderwerb bezahlt werden muss. Des halb sagen wir: Wir müssen eine Reform der Grunderwerb steuer durchführen, und zwar zielgenau.

Ich sage Ihnen noch eines: Es gibt außer der Grunderwerb steuer natürlich noch andere Kosten, z. B. Notarkosten, Kos ten für den Grundbucheintrag, Maklerkosten. All dies ist in Deutschland im Vergleich mit dem restlichen Europa sehr viel höher.

(Abg. Anton Baron AfD: Sie sind doch in der Regie rung!)

Dann sage ich Ihnen noch eines: Die Grunderwerbsteuer ist eine originäre Landessteuer. Das heißt, das Land legt die Sät ze fest – nicht den Inhalt der Grunderwerbsteuer. Wenn man hieran etwas ändern will, muss man davon ausgehen, dass we niger Einnahmen anfallen werden.

(Abg. Jochen Haußmann FDP/DVP: Ach was!)

Ihr Gegenfinanzierungsvorschlag, liebe FDP/DVP, ist natür lich hanebüchen. Sie sagen: „Wenn man den Grunderwerb steuersatz senkt, gibt es mehr Käufe, und dann kommt es zu mehr Steuereinnahmen.“

(Lachen der Abg. Andreas Stoch und Sascha Binder SPD)

Das wird im Grunde nicht so sein.

(Abg. Sascha Binder SPD: Da hat er recht!)

Wir befürworten eine umfassende Reform der Grunderwerb steuer.

(Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Ja, wie denn?)

Ich sage es Ihnen, Herr Rülke.

(Vereinzelt Heiterkeit – Abg. Anton Baron AfD: Wir warten darauf, dass die Regierung etwas tut!)

Das Stichwort ist erstens: Eindämmung der Share Deals. Da ist man auf einem guten Weg. Die Finanzministerkonferenz hat da schon einiges getan.

Zweitens sagen wir: Befreiung beim Ersterwerb.