Niemand muss deshalb seine Wurzeln vergessen oder leugnen, aber jeder und jede muss die rechtsstaatlichen Grundwerte und die gesellschaftlichen Spielregeln anerkennen und die kulturellen Sitten und Gebräuche respektieren. Das verstehen wir unter Leitkultur. Das fordern wir ein.
Wir wollen kein Nebeneinander, sondern ein Miteinander. Weil es auf jeden, auch auf jeden ausländischen Mitbürger ankommt.
Ohne Sprache keine Integration! Nur wer Deutsch spricht, kann sich im täglichen Leben zurechtfinden, einen Schulabschluss erwerben und am Arbeitsmarkt aktiv teilnehmen. Sprache ist der erste Schritt in die Mitte unseres Lebens.
Wir wollen keine dauerhaft erhöhte Arbeitslosigkeit bei unseren ausländischen Mitbürgern. Sie ist heute mehr als doppelt so hoch wie bei den Einheimischen. Wir wollen keinen dauerhaft erhöhten Sozialhilfebezug bei unseren ausländischen Mitbürgern. Er ist rund doppelt so hoch wie der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung. Wir wollen keine dauerhaft erhöhte Kriminalität bei unseren ausländischen Mitbürgern.
Dies ist Ausdruck von Integrationsdefiziten. Damit wollen und damit werden wir uns nicht abfinden, gerade auch im Interesse unserer ausländischen Mitbürger.
Damals wurde ich der rüden Germanisierung verdächtigt, auch in diesem Haus, von Ihrer Seite. Heute geben auch Rot undGrün zu: Multikulti ist Gift für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
In den letzten Jahren haben wir die Vorkurse Deutsch im Kindergarten von 40 auf 160 Stunden systematisch ausgebaut. Es zeigen sich bereits deutliche Erfolge. Das reicht aber noch nicht aus. Wir werden auf Dauer nicht akzeptieren, dass Kinder, die nicht ausreichend Deutsch können, in eine Regelklasse kommen. Wir dürfen die Probleme nicht in der Schule, wir müssen sie vor der Schule lösen.
Der Kultusminister wird dazu im Januar ein Konzept vorlegen, wie die Vorkurse Deutsch weiter optimiert werden können. Die Förderung von Kindern hat aber nur dann vollen Erfolg, wenn auch zu Hause deutsch gesprochen wird. Deshalb beziehen wir auch die Eltern, insbesondere die Mütter, in die Deutsch-Förderprogramme ein. Viele machen hier erfreulicherweise aus eigenem Antrieb mit. Wer sich diesem Angebot verweigert, bei dem werden wir die Verpflichtung zum Sprach- und Integrationskurs stärker einfordern.
Wir wollen zusammen mit den Kommunen Sprachtrainer in die Kindertagesstätten schicken und dort das Personal fortbilden.
Dies kommt allen Kindern zugute, gerade auch den deutschen Kindern, die immer häufiger Sprachdefizite haben. Dies ist ein Angebot an die Kommunen. Wir sind bereit, dafür jährlich 25 Millionen Euro auszugeben. Damit setzen wir auch ein Zeichen für Qualität in der Kinderbetreuung, die uns am Herzen liegt.
Integration durch Sprache und Bildung ist wichtig. Doch Integration findet auch im Alltag statt. Gerade in Sportvereinen wird Fairness, Teamgeist, Akzeptanz von Regeln und Leistungsbereitschaft gelehrt und gelernt. Gerade über den Sport erfahren Jugendliche Anerkennung, die ihnen in der Schule vielfach versagt bleibt. Anerkennung ist auch der Einstieg dafür, dass viele Jugendliche für Integration und Bildung überhaupt erst erreichbar werden. Ich danke allen, die sich in Vereinen, Verbänden und Kirchen um die Integration ausländischer Mitbürger bemühen.
Integrierte Ausländer sind Vorbilder. Das kann der Spitzensportler oder der Medienstar ebenso sein wie der Ladenbesitzer um die Ecke, der Trainer im Fußballverein oder der Polizist. Wir werden Beispiele gelungener Integration künftig stärker herausstellen, weil sie zeigen: Integration lohnt sich. In Bayern stehen viele Türen zum Dialog offen. Wer zu uns kommt, muss bereit sein, sich auf das Land einzulassen, in dem er leben will. Die Bereitschaft dazu erwarten wir, weil es auf jeden Einzelnen ankommt.
Ich denke, Staatsregierung, Mehrheitsfraktion und Opposition sind sich im Ziel bayerischer Bildungspolitik einig: Wir wollen die bestmögliche Bildung für unsere Kinder. Und: Soziale Herkunft darf nicht über Bildungschancen entscheiden.
Bei der Frage, wie wir diese Ziele erreichen, haben wir aber unterschiedliche Ansichten. SPD und GRÜNE fordern, Kinder möglichst lange in einer Klasse zu unterrichten. Sie wollen doch die Einheitsschule bis zur zehnten Klasse! Die Gesamtschule hat die SPD in Deutschland lange genug ausprobiert, in Hessen, in Nordrhein-Westfalen, in Bremen. Das ist doch ein Pisa-getesteter Holzweg!
Gesamtschule kostet mehr und leistet weniger. Bei allen Tests – von Iglu bis Pisa – sind die bayerischen Schüler mit unserem gegliederten Schulsystem Spitze. International gehören sie zu den Top fünf der Welt, national lautet das Pisa-Zeugnis für die bayerischen Kinder: Mathematik: erster Platz, Lesen: erster Platz, Naturwissenschaften: erster Platz, Problemlösen: erster Platz.
Trotzdem wärmen SPD-regierte Länder die Gesamtschuldebatte der 70er-Jahre wieder auf. Ihre Schulkonzepte haben die Note mangelhaft – Pisa-getestet. Geben Sie uns keine Ratschläge, schreiben Sie lieber bei uns ab!
Es kommen Kinder, die hochbegabt und weniger begabt sind. Menschen sind nun einmal unterschiedlich in ihren Stärken und Schwächen. Die Antwort darauf kann doch nicht eine Einheitsschule sein.
Für uns gehören zu einem optimalen Bildungsangebot des gegliederten Schulsystems erstens eine begabungsgerechte Schulwahl, zweitens eine individuelle Förderung in den Schulen und drittens größtmögliche Durchlässigkeit. Kein Abschluss ohne Anschluss.
Dazu müssen Eltern das Potenzial ihrer Kinder und ihre Chancen im bayerischen Bildungssystem kennen und
richtig einschätzen. Deshalb werden wir die Schullaufbahnberatung in der Grundschule intensivieren und allen Schülern ein Übertrittszeugnis mit Schulempfehlung geben.
Wir wollen die individuelle Förderung in der Schule verbessern. Auch Kinder, die von ihren Eltern weniger gut unterstützt werden können, wollen wir in der Schule noch intensiver fördern. Dazu werden wir an den Grundschulen die Mittagsbetreuung bis 16.00 Uhr verlängern, sodass dort künftig eine zuverlässige Hausaufgabenbetreuung möglich sein wird. Wir werden die Ganztagsschulangebote an den weiterführenden Schulen ausbauen.
Mit den Intensivierungsstunden am G 8 haben wir die individuelle Förderung der Schüler bereits spürbar erweitert. Sie erfüllen aber nur dann ihren Zweck, wenn sie nicht zur Vermittlung von neuem Stoff verwendet werden. Hier wird Bekanntes in kleinen Lerngruppen gezielt geübt, wiederholt und vertieft. Hier werden auch die besonders Begabten intensiver gefördert.
Im achtjährigen Gymnasium legen wir stärker Wert auf Grundbildung und Grundwissen. Deshalb wurde bei der Einführung der Stoff gekürzt.
Quantität des Wissens bürgt noch nicht für die Qualität der Bildung. Wir wollen kein stures Pauken, sondern sinnvollen Umgang mit Inhalten. Dennoch beklagen sich Eltern über eine zu große Stofffülle und über die Überforderung ihrer Kinder. Offensichtlich wird unsere Intention noch nicht überall im Unterricht umgesetzt. Wo es Schwachstellen gibt, werden wir sie konsequent beseitigen.