Vielen Dank, Kollege Gehring. - Für die CSU-Fraktion hat sich jetzt Kollege Ländner gemeldet. Bitte schön.
Sehr geehrter Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen! Herr Gehring, ich gebe Ihnen darin vollkommen recht, dass wir unsere Kinder und Jugendlichen für die Digitalisierung starkmachen müssen. Digitalisierung ist eine Frage der Teilhabe. Auch das Kultusministerium hat in einer Pressemitteilung erklärt, dass der Umgang mit digitalen Medien ein wichtiges Bildungsziel an bayerischen Schulen sei, dass die Schüler die Medien kompetent und verantwortungsbewusst nützen sollten und dass die Vermittlung von Medienkompetenz und digitaler Bildung zum Alltag an bayerischen Schulen gehöre.
Medienpolitik und Digitalisierung – da sind wunderbare Sätze, die Sie gefunden haben und die ich unterstreichen kann. Herr Gehring, nur einen Satz kann ich nicht unterstreichen. Sie haben gesagt: Unsere Kinder sollen lernen wie in Singapur. - Das möchte ich wirklich nicht. Wenn Sie wüssten, wie in Singapur gelehrt und gelernt wird, dann möchten Sie das nicht. Vielleicht kennen auch Sie Austauschschüler aus dem asiatischen Raum, die regelmäßig weinen, wenn sie heim müssen, weil sie bei uns die freie und selbstbestimmte Schule kennengelernt haben. Dort drüben aber sind sie einem wirklich enormen Druck ausgesetzt. Das brauchen wir hier aber nicht zu vertiefen.
Sie haben verschiedene Dinge allgemein angesprochen. Mir ist nicht erklärlich, warum Sie diese Anträge heute ins Plenum hochgezogen haben. Ich durfte Ihnen nämlich bereits in der Ausschusssitzung sagen, dass all das, was in Ihren Anträgen steht und sinnvoll ist, entweder schon umgesetzt wurde oder unmittelbar vor der Realisierung steht. Diese bunte Gemengelage orientiert sich vielleicht an den schönen Orchideen, die der Gärtnerverband heute an die Abgeordneten ausgeteilt hat. Das ist ein bunter Strauß, den Sie vorgestellt haben. Herr Kollege Gehring, wenn man ihn einzeln betrachtet, dann kommt man vielleicht zu dem Ergebnis: Ja, die Bayerische Staatsregierung, der Bayerische Landtag und das Kultusministerium sind
hervorragend unterwegs. Nach Aussagen des TÜV Rheinland verfügen nämlich zwei Drittel aller bayerischen Schulen über eine Bandbreite von 50 Mbit/s und mehr. Das hat nicht die Werbeabteilung des Finanz- und Heimatministeriums verlauten lassen, sondern der TÜV Rheinland. Der TÜV Rheinland stellt also fest, zwei Drittel aller Schulen in Bayern haben mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung.
Wir investieren und unterstützen, doch ich bitte eines zu bedenken. Bei der jetzigen, von Herrn Staatsminister Dr. Söder vorgestellten Breitbandausbauinitiative können wir nicht untersuchen, ob es da eine Schule gibt oder nicht. In einer großen Gemeinde mit mehreren Ortsteilen, wo man nach technischen Überlegungen vorgeht, können wir Entwicklungen nicht einfach stoppen und sagen: Hier wird der Breitbandausbau gestoppt, dafür wird er anderswo fortgesetzt; denn dort ist ein Schulstandort. – Ich bitte um Verständnis, dass wir bei dem intensiven Tempo, das beim Ausbau des Breitbands vorgelegt wird, nicht auch den Parameter Schulstandort haben. Das würde viel durcheinanderbringen und nicht gerade zur Beschleunigung des Ganzen beitragen. Außerdem, ich wiederhole mich: Zwei Drittel aller bayerischen Schulen sind bereits bestens mit Breitband ausgerüstet.
Die Funktion des Systembetreuers gibt es an den bayerischen Schulen. Wir haben an den rund 4.400 Schulen in Bayern über 6.000 Anrechnungsstunden. Ein Mehr ist zwar immer möglich, ich glaube aber, das ist ein guter Ansatz. Seit 2002 gibt es ein Netzwerk, dem derzeit über 120 medienpädagogische Beratungslehrkräfte aus allen Schularten angehören und in dem sie zusammenarbeiten.
Zur Lehrerfortbildung will ich anmerken: 10 % aller Lehrerfortbildungsmaßnahmen haben Medienpädagogik zum Inhalt. Ich verweise hier nur auf das eLearning- Kompetenzzentrum in Dillingen. Dort gibt es nachhaltige Fortbildungsinitiativen. In Dillingen und darüber hinaus werden Medienerziehung und Medienpädagogik als wichtiger Bereich in der Lehreraus- und -fortbildung etabliert.
Die Forderung, Informatik als Pflichtfach einzuführen, ist sehr schön. Wir haben periodisch im Bayerischen Landtag immer wieder Anregungen für Pflichtfächer. Kürzlich haben wir im Bildungsausschuss über mehr Sportstunden diskutiert. Wir diskutieren häufig darüber, mehr Raum für Musik, mehr Raum für Theater, mehr Raum für Kultur zu geben. In der Landwirtschaft wird gefordert, man könnte mehr für Heimatkunde machen. Wir sind also täglich sehr erfolgreich darin, neue Pflichtfächer zu erfinden. Gleichzeitig sagen wir aber: die Schülerinnen und Schüler nicht überfordern. – Von einem weiteren Pflichtfach Informatik halte ich
deshalb wenig. Außerdem gibt es in der Sekundarstufe des Gymnasiums bereits Informatik als Pflichtfach. Dort gehört es auch hin. Ob es auch als Pflichtfach in die Sekundarstufe I hinein soll, das wage ich zu bezweifeln. Darüber hinaus wird Informatik an den Realschulen und an den Mittelschulen angeboten.
Zur Forderung nach einem Forschungsprojekt verweise ich auf ein Beispiel an der Universität Augsburg. Dort gibt es unter dem Titel "Lernen mit Tablet-Computern" ein Forschungsprojekt, auf dessen Ergebnisse wir warten, die wir sicherlich in unsere Arbeit einbauen können.
Der schönste Antrag für mich befasst sich aber mit WLAN an Schulen. Dieser Antrag kommt ausgerechnet von den GRÜNEN. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir an dem Gymnasium, für das ich als Kreisrat mit Verantwortung tragen darf, eine WLANKlasse eingerichtet haben und was da für ein Aufschrei des Protestes quer durch die Elternschaft ging. Es war von einer Vernichtung der Gehirn-, aber auch der genitalen Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler durch das ständige Bestrahlen mit diesem todbringenden Zeug die Rede. Bei allem Verständnis, das mit dem WLAN ist so eine Sache. Ich kann auch von meiner Ehefrau erzählen, die immer sagte: WLAN kommt bei uns nicht infrage! – Bis sie dann selbst ihren Computer im Wohnzimmer haben wollte.
Ich möchte das nicht lächerlich machen, wirklich nicht. WLAN ist aber nicht nur ein technisches, sondern auch ein emotionales Problem. Eine gesetzliche Pflicht zur Einführung von WLAN ist meiner Meinung nach kontraproduktiv. Ich rate jedem Schulleiter und jedem Schulaufwandsträger, die Frage, WLAN ja oder nein, sehr intensiv in der Schulfamilie zu diskutieren.
Dann kommen wir zum Antrag zum Thema "BringYour-Own-Device – BYOD", also: Nimm dein eigenes Handy mit. Wir wissen, die Aktion "Bring-dein-eigenes-Handy-mit" funktioniert nur mit WLAN. Insofern gehören diese beiden Anträge auch zusammen. Ich würde diese Verantwortung in die Schulfamilie übergeben und schließe damit, dass es keine Vorschrift gibt, die verbietet, dass mitgebrachte Geräte verwendet werden. Bring-Your-Own-Device kann also jederzeit umgesetzt werden.
Sehr geehrte Damen und Herren, die Bayerische Staatsregierung und an der Spitze die CSU-Fraktion werden die Medienpolitik, die Digitalisierung, in unseren Schulen weiter intensiv betreiben. Wir werden an
der Medienbildung unserer Schülerinnen und Schüler arbeiten. Die CSU-Fraktion wird an der Spitze dieser Bewegung sein.
Vielen Dank, Herr Kollege Ländner. - Jetzt bitte Frau Kollegin Dr. Strohmayr für die SPD-Fraktion, mit eigenem Device.
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Lernen im digitalen Zeitalter ist sicherlich ein spannendes Thema. Es ist ein wichtiges Thema. Es ist wirklich unglaublich - ich bin jetzt seit 13 Jahren im Bayerischen Landtag -, wie sich in dieser Zeit der Einsatz der digitalen Medien ausgeweitet hat. Am Anfang haben wir noch alles auf Papier bekommen. Heute hat jeder ein Handy und einen Mini-PC und bearbeitet damit seine Post, seine Termine und vieles mehr. Manches machen wir heute nur noch digital. Da brauchen wir überhaupt kein Papier mehr.
Meine Damen und Herren, an unseren bayerischen Schulen ist das ganz anders. In dieser Frage möchte ich Herrn Kollegen Ländner widersprechen. Es ist noch lange nicht alles umgesetzt, was wir brauchen.
In ganz vielen Bereichen haben wir noch ganz viel Nachholbedarf. Ich nenne Ihnen mal ein paar Zahlen: Gerade einmal 14 Mittelschulen, 15 Realschulen und 16 Gymnasien nehmen an dem Pilotprojekt "lernreich 2.0" teil. Das sind 45 Schulen von insgesamt 4.500 Schulen in Bayern – so viel, damit man eine Vorstellung davon hat, wie es an unseren Schulen tatsächlich aussieht. Ich meine, das ist ein Armutszeugnis. Es ist ganz besonders für Sie ein Armutszeugnis, Herr Kollege Ländner, weil Ihre Partei in der Regierungsverantwortung steht und immer propagiert, Bayern sei das Land von Laptop und Lederhosen.
Sehr geehrte Damen und Herren, ich kann Ihnen noch ein paar weitere Zahlen sagen: Die Grundschulen haben im Durchschnitt 28 Computer.
- Hören Sie mir gut zu, auch wenn es wehtut. 28 Computer, das sind gerade einmal so viele Computer, wie Schüler in einer Klasse sitzen. An den Gymnasien sind mehr PCs, nämlich durchschnittlich 130. Aber ein dreizügiges Gymnasium hat über 600
Schüler. Da kann man sich dann leicht ausrechnen, wie lange ein einzelner Schüler an einem solchen Gerät sitzen und üben kann, was er später in seinem Arbeitsleben perfekt können muss.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich glaube, es gibt hier über alle Fraktionen hinweg Konsens, wie wichtig IT-Kenntnisse heute für jeden von uns sind. Digitale Medienkompetenz ist gleichsam eine neue Kulturtechnik wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Es ist nur schade, dass diese Kulturtechnik an unseren Schulen bisher noch nicht oder nur unzureichend vermittelt wird. Es verwundert also nicht, dass in Studien, unter anderem der ICILS-Studie, festgestellt wurde, dass die Hälfte aller deutschen Achtklässler noch nicht mal eine Internetadresse eingeben kann. Wir wissen also, dass Kinder nur durch das Aufwachsen mit PC und Smartphone nicht automatisch kompetente Nutzer der digitalen Medien werden. Wenn man die vorgenannte Studie näher anschaut, sieht man auch die harte Kritik der Forscher gerade an den Schulen und den Lehrern. Sie sagen: Hierzulande lernen die Schüler den Umgang mit dem PC trotz Schule, nicht dank der Schule. So war es zumindest bei dieser Studie aus dem Jahr 2014; ich gehe davon aus, dass sich in dem kurzen Zeitraum bis jetzt nicht viel geändert hat.
Wir müssen also feststellen: Die digitale Entwicklung geht an unseren Schulen vorbei, auch an den bayerischen Schulen, weil wir zu wenig Hardware an den Schulen haben oder die Hardware nicht funktioniert oder veraltet ist und weil wir zu wenige Menschen haben, die sich um diese Geräte kümmern. Es gibt zu wenige Systemadministratoren, und es gibt nicht den notwendigen Breitbandanschluss an allen Schulen. 46 % aller Schulen in Bayern haben einen Anschluss von 6 Mbit/s. Damit ist der Anschluss in den Schulen hier in Bayern absolut unzureichend. Das, was Herr Söder gerade gesagt hat, dass wir hier mit SechsMeilen-Stiefeln unterwegs wären, kann ich nicht feststellen. Ich muss demgegenüber eher feststellen, dass wir hier im Schneckentempo unterwegs sind.
Eine Umfrage beim Bayerischen Philologenverband hat ergeben, dass jede zweite Lehrkraft mit der Ausstattung mit digitalen Medien an den Schulen unzufrieden ist. Hauptgründe sind, wie ich schon gesagt habe, die Unzufriedenheit mit einer zu geringen Anzahl der Geräte, mit den nicht funktionierenden Geräten oder mit der viel zu langsamen Internet-Verbindung. Wenn Lehrer digitale Medien einsetzen sollen, und zwar in allen Schularten, dann brauchen sie vor allem funktionierende Geräte. Wenn wir tatsächlich wollen, dass das passiert, müssen wir als Freistaat Bayern die Schulen, die Kommunen und die Schulver
Am besten kann das, so meinen wir, gelingen, wenn wir endlich eine verlässliche, bayernweit einheitliche IT-Struktur inklusive aller IT-Serviceleistungen aufbauen. Leider stecken wir auch da, Herr Ländner, noch in den Kinderschuhen. Ich gebe Ihnen zwar recht, wenn Sie sagen, dass es einige Pilotschulen und einige Pilotklassen gibt, die da tolle Arbeit leisten. Aber das sind halt leider nur sehr, sehr, sehr wenige. Es gibt wenige Leuchttürme, und viele, viele, viele haben in diesem Bereich einfach noch gar keine Angebote.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Informatik braucht einen höheren Stellenwert in der schulischen Bildung. Informatik muss zur Pflicht an den Schulen werden, auch wenn wir im Unterschied zu den GRÜNEN meinen, dass das durchaus fächerübergreifend passieren kann. Es ist wichtig, dass jeder Schüler die Möglichkeit hat, eine Programmiersprache zu erlernen; wir sind nämlich in der Auffassung einig, dass eine Programmiersprache ähnlich wie eine Fremdsprache heute für die Schüler sehr wichtig ist.
Wir brauchen gute Konzepte für die Schulen. Auch da gibt es bisher noch zu wenig, und da müssen wir dringend ran. Wir sagen also: kein Pflichtfach, sondern einfach ein verpflichtendes, fächerübergreifendes Angebot an allen Schulen. Deswegen werden wir auch diesem Antrag nicht zustimmen.
Neben den Lehrern, die nachqualifiziert werden müssen, brauchen auch die Schüler Medienbildung; dazu kann ich in den Anträgen der GRÜNEN relativ wenig finden. Sicherlich müssen wir noch einmal genauer darüber reden, was in diesem Bereich passieren muss, damit letztendlich alle Schüler die entsprechende Medienkompetenz bekommen.
Das Mitbringen eigener Geräte macht aus unserer Sicht durchaus Sinn – allerdings glauben wir, dass es nur dann Sinn macht, wenn die Schulen die Software vorgeben können, also wenn alle Geräte über eine einheitliche Software verfügen und wenn es für Schüler, die keine eigenen Geräte haben, unbürokratische Möglichkeiten gibt, schnell entsprechende Geräte zu bekommen. - Insgesamt werden wir den Anträgen wie im Ausschuss zustimmen bis auf den Antrag auf Drucksache 17/8197, den wir aus den dargestellten Gründen ablehnen.
(Zurufe von den FREIEN WÄHLERN: Eieiei! – Zuruf des Abgeordneten Professor Dr. Gerhard Waschler (CSU))
meine sehr verehrten Damen und Herren! Narren sagen die Wahrheit – so lautet das Sprichwort. Damit möchte ich auf die Fastnacht in Veitshöchheim verweisen, die, denke ich, bei einer Einschaltquote von beinahe 50 % viele gesehen haben. Was ist dort zum Breitbandausbau und zur digitalen Bildung gesagt worden? – In manchen Regionen Bayerns sei das Internet so langsam, dass die Mails auf dem Bildschirm einfrieren; sie müssten dann von Hand abgeschrieben und dem Milchmann mitgegeben werden, um irgendwann einmal anzukommen.
(Heiterkeit und Beifall bei den FREIEN WÄH- LERN – Zurufe von der CSU – Prof. Dr. Gerhard Waschler (CSU): Helau!)
- Ja, genau so war’s. Helau! – Das kommt nicht von mir, sondern das kam - - Herr Waschler, Sie lachen beinahe so wie der Ministerpräsident vor Ort. Ich hab das ja gesehen. Trotzdem, es ist teilweise Realität in Bayern. Das sollten Sie nicht bestreiten.
Was mich wundert, ist: Wenn jetzt von den Kollegen der CSU gesagt wird und es auch in dieser wunderschönen Broschüre der Staatsregierung – zu ihr sage ich noch etwas – heißt, zwei Drittel der Schulen verfügten über 50 Mbit/s -
- Völlig richtig, Herr Ländner. – Das heißt dann im Umkehrschluss: Ein Drittel der Schulen verfügt nicht darüber. Ein Drittel der Schulen ist nach so vielen Jahren immer noch unterversorgt und nicht auf dem Stand dessen, was man braucht, meine sehr verehrten Damen und Herren.
Also, und das gilt für die gesamte digitale Bildung: Erst einmal muss man die Voraussetzungen schaffen; denn was nützen die besten Schulcomputer, wenn die Geschwindigkeit nicht stimmt? – Gar nichts. Digitalisierung und digitale Bildung sind ein ganz wichtiges Thema, aber ich glaube, man sollte es auch differenziert angehen, differenzierter jedenfalls, als es die Staatsregierung in diesem farbigen Flyer zu ihrer Zukunftsstrategie "Digitale Bildung in Schule, Hochschule und Kultur" von sich gibt. Ich darf ihn nicht zeigen, aber Sie alle haben ihn bekommen. Dazu möchte ich