Protokoll der Sitzung vom 12.09.2024

Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen: Sie können hier alles diskutieren, Sie können etwas verlangen. Ich fand das, was der Staatsminister gemacht hat, groß.

(Jürgen Frömmrich und Vanessa Gronemann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Was hat er denn gemacht? – Unruhe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ich bin nicht mehr der Jüngste; ich sage, das kann man nicht so einfach vor diesem Haus. Er hätte es sich leichter machen können; er hätte etwas erzählen können, irgendwann, irgendwie, irgendwo.

(Zurufe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Nein, hier wurde heute etwas gesagt. Ich fand das groß. Für mich ist an dieser Stelle alles gesagt, was zu sagen ist,

und wir arbeiten an der Zukunft dieses Landes. – Vielen herzlichen Dank.

(Anhaltender Beifall CDU und SPD)

Vielen Dank, Kollege Müller. – Damit ist diese Aktuelle Stunde behandelt.

Ich rufe Tagesordnungspunkt 38 auf:

Antrag Aktuelle Stunde

Fraktion der CDU

Nach Olympia ist vor Olympia – Hessen ist stolz auf seine paralympischen Athleten – Drucks. 21/1050 –

Das Wort hat die Kollegin Frau Ravensburg.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Am vergangenen Wochenende sind die großartigen Paralympischen Spiele in Paris zu Ende gegangen. Die „Sportschau“ hat es treffend formuliert: Es waren Spiele, die nicht einfach die Spiele nach Olympia waren, sondern die Paralympics waren die zweite Halbzeit des Weltsports. Wir konnten Sportler mit besonderen Handicaps erleben, die großartige Leistungen vollbracht haben und die das eigene Schicksal als Herausforderung begreifen.

Paris hat den Aufschwung des Parasports befördert. Die Leistungsstärke vieler Nationen hat zugenommen. Paralympics-Sportler arbeiten inzwischen genauso hart wie die Olympioniken ohne Handicap. Die Athleten zeigen uns, und das beeindruckt mich wirklich sehr, was man auch mit einer Behinderung leisten kann. Aber da ist noch mehr: Da sind ganz besondere Geschichten und Schicksale, die uns tief berührt haben, von Sportlern, die uns zu begeisterten paralympischen Fans gemacht haben – ob jubelnd fröhlich in der unglaublichen Atmosphäre in den Sportstätten in Paris oder bei den spannenden Fernsehübertragungen in unseren heimischen Wohnzimmern.

Zu den Zuschauern in Paris gehörte auch unsere Sportministerin Diana Stolz, die damit ihre Sympathie mit den zwölf hessischen Athletinnen und Athleten und ihren Begleitern und Trainern bekundet hat. Zweimal Gold, einmal Silber und fünfmal Bronze haben unsere hessischen Paralympics-Sportler gewonnen, und die anderen haben auch tolle Leistungen vollbracht.

(Beifall CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten)

Herzlichen Glückwunsch für zweimal Gold im Sportschießen an unsere erfolgreichste Sportlerin, Natascha Hiltrop, die am Bundesstützpunkt in Wiesbaden trainiert.

(Beifall CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN)

Glückwunsch an Juliane Wolf mit Silber und Bronze im Tischtennis, Felix Streng für Bronze im 100-Meter-Sprint und an die hessischen Rollstuhlbasketballer Thomas Böhme, Nico Dreimüller und Matthias Güntner, mit deren Team wir im Turnier so mitgefiebert haben.

Sie alle haben nicht verzagt, sie kämpfen gegen ihr eigenes Schicksal. Sie trainieren hart, weil sie sich Ziele gesetzt

haben und erreichen wollen. Doch wie alle erfolgreichen Sportler brauchen auch die paralympischen Leistungssportler Unterstützung. Hessen handelt hier vorbildlich: Unsere Sportler werden durch langfristige Aufbauarbeit am Olympiastützpunkt Hessen gefördert und unterstützt. Unser Dank geht deshalb an die Begleiter und Trainer, wie den Landestrainer für Para-Tischtennis, Fabian Lenke.

Doch nichts geht ohne die hessischen Sportvereine, das will ich klar betonen. Das sind Vereine, die im Behindertensport aktiv sind und sich großartig in der Nachwuchsarbeit engagieren und vielleicht auch ein Beispiel für andere Vereine sind.

(Beifall CDU, vereinzelt SPD und Freie Demokra- ten)

Finanzielle Hilfe leistet die Sportstiftung für das HessenTeam. Gefördert werden Nachwuchsleistungssportler und Spitzensportler mit und ohne Handicap unter der Trägerschaft des Landessportbundes Hessen. Die Sportstiftung finanziert nicht nur laufende Kosten wie für Fahrten, die Wohnung oder Trainingsmaßnahmen; eine umfassende Betreuung der Sportler leistet der Olympiastützpunkt durch die sportmedizinische Begleitung und Trainingswissenschaft.

Aber genauso wichtig ist die berufliche Perspektive; denn auch an die Zukunft, an die Zeit nach dem Sport muss gedacht werden. Hierfür haben wir die duale Karriereplanung. In der Sportfördergruppe der Polizei, seit 2020, aber auch in der Sportfördergruppe Verwaltung finden unsere Sportler eine hervorragende berufliche Perspektive, wobei sie parallel dazu ihren Sport ausüben können und auch ihr Unterhalt in der Zukunft gesichert ist.

Meine Damen und Herren, wir müssen jetzt die Begeisterung von Paris mitnehmen. Es müssen Wege gefunden werden, die Leistungssportförderung des Bundes und der Länder weiter auszubauen. Keinen Weg dagegen darf es für vermeintliche Comedians wie Luke Mockridge geben, der Hassreden über Menschen wie du und ich, nur mit Handicap, hält.

(Beifall CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Moritz Promny (Freie Demokraten))

Frau Ravensburg, kommen Sie bitte zum Schluss. Ihre Redezeit ist zu Ende.

Ich stelle fest: Das war menschenverachtend und beleidigend und verdient null Toleranz. – Herzlichen Dank.

(Beifall CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN)

Der nächste Redner ist Oliver Ulloth von der SPD. Bitte schön.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich möchte ich die Frage, die ich Ihnen jetzt stelle, auch einem Komiker stellen; denn die Kollegin hat in der Tat recht: Wie hoch können Sie auf einem Bein springen? Oder, anders gefragt: Können Sie sich vorstellen, mit einem Bein über 1,85 Meter hoch zu springen, also einfach einmal über mich hinweg?

(Unruhe SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Meine Damen und Herren, genau das schaffte Wagner Astacio aus der Dominikanischen Republik in Paris. Er wirft seine Krücke weg, hüpft auf einem Bein fünfmal und überwindet die Hochsprunglatte per Salto. Damit nicht genug – Astacio hat im Weitsprung mit 3,90 Metern sogar einen paralympischen Rekord aufgestellt. Nicht weniger eindrucksvoll: Ali Truwit aus den USA, die im Mai 2023 nach einem Haiangriff ihr Bein verlor, hat in Paris zweimal Silber gewonnen. Diese Athletin und dieser Athlet zeigen, was man erreichen kann, wenn man über sich hinauswächst, wenn man sich Ziele setzt und eine Willenskraft an den Tag legt, wie nicht jeder es kann.

Wie rund 4.400 weitere Athletinnen und Athleten haben sie sich den Traum von Paris und den Paralympischen Spielen erfüllt. Deutschland war mit 143 Sportlerinnen und Sportlern dabei, zwölf aus Hessen, die teilgenommen haben. In Sachen Medaillen waren die Hessinnen und Hessen überproportional erfolgreich, die Kollegin hat es erwähnt: Natascha Hiltrop, Juliane Wolf, Felix Streng, Thomas Böhme und Matthias Güntner sowie Nico Dreimüller waren unsere Medaillengewinner.

Ich sage dazu: herzlichen Glückwunsch aus dem Hessischen Landtag. Herzlichen Glückwunsch an euch, wir sind stolz.

(Beifall SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Freie Demokraten und Robert Lambrou (AfD))

Die Spiele von Paris sind nun vorbei. Wir müssen uns fragen, was wir aus den Spielen mitnehmen. Was haben wir daraus gelernt?

Erstens. Die Spiele haben mir gezeigt, wie unfassbar inspirierend Menschen mit Behinderungen sein können. Die wir gesehen haben, waren wahre Vorbilder, die vielen Menschen Mut machen können. Ich freue mich auch darüber, dass 2,3 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer in den Stadien waren. In Deutschland haben etwa 29 Millionen Menschen das Ganze in der ARD und im ZDF verfolgt.

Zweitens. Alles andere als witzig ist in der Tat der Komiker Mockridge, der im Zusammenhang mit den Paralympics Folgendes sagte – ich zitiere –:

„Es gibt Menschen ohne Beine und ohne Arme, die wirft man ins Becken – und wer als Letzter ertrinkt, der hat halt gewonnen.“

(Robert Lambrou (AfD): Ich würde es nicht wiederholen!)

Treffende Worte zu dieser unfassbaren Aussage fand Kugelstoßweltmeister Nico Kappel. Er sagte:

„Luke Mockridge und seine beiden Mitstreiter haben Pech, dass Menschenverachtung, Ignoranz und Geschmacklosigkeit nicht paralympisch sind. Sonst hätten sie diese tollen Spiele als Athleten erleben

können und wären heiße Gold-Kandidaten gewesen.“

Er hat damit recht.

(Beifall SPD, CDU, Freie Demokraten und verein- zelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Drittens. Da geht es jetzt um uns. Es ist gut, dass die schwarz-rote Landesregierung dem Thema Inklusion und Sport in Zukunft die notwendige Aufmerksamkeit widmen wird. Es gibt im Koalitionsvertrag ganz konkrete Pläne dazu. Wir wollen den Sport für Menschen mit Behinderungen und die Inklusion beim Sport fördern. Wir wollen die Strukturen ausbauen. Dazu sollen Vereine mit inklusiven Sportangeboten besonders gefördert werden. Wir, die Mitglieder der Koalition, wollen den Bau eines Sportzentrums des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands in Fulda unterstützen. Wir wollen das ebenso für deren allgemeine Förderung.

Das Gleiche gilt auch für den hessischen GehörlosenSportverband. Wir wollen auch Programme wie „Sport integriert Hessen“ fördern. Nicht vergessen sollte man die Special Olympics Hessen. Auch sie unterstützen wir maßgeblich.

Wer die Kraft des inklusiven Sports einmal live miterleben will, den kann man einladen. 700 Sportlerinnen und Sportler werden im kommenden Jahr vom 23. bis 26. Juni in Hanau bei den Landesspielen zeigen, was sie alles können. Man kann nur empfehlen, dort tatsächlich einmal vorbeizuschauen.