Herr Präsident, meine Damen und Herren! Der Wettbewerb - ich glaube, das haben das Thema und die Debatte gezeigt - um kluge Köpfe hat begonnen. Hamburg will und wird in diesem Rennen vorne mit dabei sein.
Denn wir sind gut aufgestellt. Wir sind wirtschaftlich erfolgreich. Hier entstehen die Jobs. Wir haben in der Hochschulpolitik bereits die Probleme angepackt, die Sie, meine Damen und Herren von der Opposition, uns hinterlassen haben.
Jetzt haben wir als eine der ersten deutschen Metropolen eine gezielte Talentstrategie ausarbeiten lassen, mit der wir uns eben auch den zukünftigen Herausforderungen erfolgreich stellen werden.
Frau Dräger, die erste Befassung im Wissenschaftsausschuss, bei der Sie nicht anwesend waren, mit diesem Wettbewerb um die klugen Köpfe war bereits sehr interessant, insbesondere bezüglich der Frage, wie die Opposition sich zu dem Thema positioniert. Die GAL hielt zwar die entsprechende Strategie für richtig, fand aber eine Studie für überflüssig. Man hatte schließlich ein Buch aus den USA gelesen und daraus für das eigene Konzept abgeschrieben, ohne sich aber, Frau Opitz, die Frage zu stellen, ob diese Ergebnisse auf Europa und Hamburg übertragbar sind. Nebenbemerkung: So ganz sind sie es eben nicht.
Die SPD - das war noch viel interessanter - hatte einmal wieder einen Richtungsstreit der eher grundsätzlichen Natur. Der eine Flügel hielt ein solches Konzept für Elitebildung, weswegen es abzulehnen sei, und der andere Flügel meinte, darüber erst einmal mit Wissenschaftlern einige Jahre beraten zu müssen.
So, meine Damen und Herren von der SPD, werden Sie in dieser Stadt keine politische Verantwortung übernehmen.
Wir hingegen - damit meine ich den gesamten Senat - werden dieses äußerst erfolgreiche Konzept der Wachsenden Stadt durch eine gezielte Ansiedlungspolitik nicht nur für Firmen, sondern auch für Menschen ergänzen. Wir wollen Talente in Hamburg entwickeln, wir wollen sie in dieser Stadt mit ihren vielfältigen Chancen halten und wir wollen sie für die Stadt neu gewinnen. Anders werden wir auch der demografischen Entwicklung und dem Fachkräftemangel überhaupt nicht begegnen können.
Mit dieser Talentstadt wollen wir die erfolgreiche Clusterpolitik fortsetzen. Es ist auch überhaupt gar kein Widerspruch zwischen klassischer Wirtschaftsförderung und Talentstrategie zu entdecken. Im Gegenteil: Es war gerade die Aufgabe des Projekts, unter Berücksichtigung der heutigen und auch der zukünftigen Stärken Hamburgs - dazu gehören natürlich die Logistik und die Luftfahrt - ein Konzept für die klugen und kreativen Köpfe zu entwickeln. Genau das ist auch gelungen.
Ein zentrales Element dieser Talentstadt sind unsere Hochschulen. So sind auch die Empfehlungen aus dem Projekt, denn mit diesen Hochschulen gewinnen und entwickeln wir die Talente. Nach Jahren von Stillstand haben wir dem Wissenschaftssystem in 2001 wieder eine angemessene Bedeutung gegeben.
(Michael Neumann SPD: Das sieht die Wirt- schaftsbehörde aber ganz anders! Was sagen Sie denn der Wirtschaftsbehörde?)
Wir haben gezeigt, wie notwendig schon zu Zeiten der Clusterpolitik die Hochschulen und eben auch deren Reformen für die gesellschaftliche und, Herr Neumann, auch für die ökonomische Entwicklung Hamburgs sind. Insgesamt zehn Jahre finanzielle Planungssicherheit mit heute 22 Prozent mehr Wissenschaftsetat statt einem Sparkurs, den Sie zu verantworten hatten, einer umgesetzten Studienreform statt einem halbherzigen BachelorMaster-Modell, neuen Forschungszentren, die wir eröffnet haben, zeigen jetzt erste Früchte. So haben wir heute - Sie mögen es nicht hören wollen - in Hamburg 10 Prozent mehr Studierende, 25 Prozent mehr Absolventen und 20 Prozent mehr internationale Studierende als noch zu Ihren Zeiten.
Frau Dräger, Sie mögen Wirtschaftspolitik machen, aber es wundert mich schon, wenn Sie sagen, die Studenten liefen dieser Stadt weg.
Da mag der SPD-Spitzenkandidat ein Stück in die Vergangenheit zurückfallen und die Hochschulen und die Universität Hamburg, wie heute im "Hamburger Abendblatt", so richtig schön schlechtreden mit der Begründung, sie seien im weltweiten Ranking nur auf Nummer 102. Wir stehen zu unseren Hochschulen.
Denn genau dieses Ranking bedeutet, dass die Universität Hamburg es in Deutschland unter die Top 10 geschafft hat. Das ist sicher noch nicht das Ziel, aber es ist der richtige Weg.
Sie von der Opposition mögen uns diese Erfolge neiden. Aber für die Stadt und die Menschen entwickeln sich an unseren Hochschulen die Talente der Zukunft. Dafür werden wir auch weiter hart arbeiten.
Das Gleiche gilt für das breit diskutierte Thema der Master-Studienplätze. Das haben wir an dieser Stelle auch schon besprochen. Die Universität hat jetzt ihre Hausaufgaben gemacht. Das neue Präsidium hat Transparenz geschaffen. Ich bin deswegen sehr optimistisch, dass wir in Kürze auch diese Herausforderung gemeinsam zum Wohle der Studierenden, der Hochschulen und auch unserer Stadt gelöst haben werden.
Um das Wohl der Stadt geht es uns als Senat. Angesichts der Herausforderung, in den nächsten fünf Jahren circa 70.000 bis 100.000 hoch qualifizierte kreative Nachwuchskräfte in den verschiedenen Branchen zu entwickeln und zu gewinnen, nehmen wir diese Verantwortung - dazu gehört natürlich auch der Kollege Uldall - gesamthaft wahr.
Und wenn in der Presse von Machtkämpfen oder Durchsetzen die Rede ist, dann mag das zwar schöne Schlagzeilen liefern, aber es entspricht nicht der Realität. Die politisch Verantwortlichen ziehen hierbei an einem Strang.
Die Talentstadt ist ein wichtiger Baustein der Wachsenden Stadt. Eine neue Behörde wird - wie wir das in Heide beschlossen haben - die Talent- und Innovationsstrategie aus einer Hand koordinieren. Diese neue Behörde wird auch den Sprung über die Elbe nach Harburg machen. Dafür verhandeln wir gerade die Mietverträge bis hin zur Frage, wie viel Fensterachsen die Zimmer haben werden.
Hamburg wächst und boomt, und zwar dank einer guten Wirtschaftspolitik und einer hohen Attraktivität für Talente. Gerade wenn es so gut läuft, wie es im Moment läuft, sollte man sich nicht den Blick für die notwendigen weiteren Entwicklungen verstellen lassen. Wir brauchen noch mehr kluge Köpfe in unserer Stadt. Herr Marx, das ist auch keine verdammenswerte Eliteförderung. Wir arbeiten an den entsprechenden Strategien. Frau Opitz, dabei ist auch eine Studie manchmal sinnvoll. Stellen Sie sich dieser Entwicklung für die klugen Köpfe nicht entgegen, sondern arbeiten Sie lieber wie wir an einer weiterhin so erfolgreich wachsenden Stadt. - Herzlichen Dank.
Danke schön, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren, soeben ist eine Beruhigungspolitik in Bezug auf aufgewühltes Wasser zu vernehmen gewesen. Ich fand das ein bisschen lustig. Meine Wahrnehmung ist, dass im Frühjahr dieses Jahres das Konzept der Talentstadt eine Sturzgeburt erlebt hat und sehr plötzlich kam, nachdem der Zeugungspunkt gut zwölf Monate früher lag, was ein bisschen lang ist. Aber im Senat dauert manches etwas länger. Dieser Zeugungspunkt war, dass wir im April 2006 mit der Vorstellung der Kreativen Stadt in die Öffentlichkeit gegangen sind. Der Bürgermeister sagte damals, das sei sehr interessant, man könne es integrieren und so weiter. Dann hat Senator Dräger nachgelesen und fand es auch interessant. Dann kam, wie gesagt, diese zwölfmonatige Schwangerschaft mit plötzlicher Sturzgeburt und am Ende des Sommers hat man bereits die Befürchtung, das Kind sei schon gleich wieder gestorben. Das ist meine Sorge dabei.
Denn wenn ich mir vorstelle, was da passiert ist: Das Erste, was Herr Dräger aus dem Konzept der Kreativen Stadt, die er dann in Talentstadt umbenannt hat, gemacht hat - dafür hat er den Bürgermeister und, glaube ich, auch den Senat an Land gezogen -, war nicht die Frage nach der Gewinnung und Schaffung von Talenten in der Stadt, sondern der erste öffentliche Gedanke war ein Behördenneuschnitt. - Wir wollen etwas von der Wirtschaftbehörde und eine stramme neue Behörde haben.
Nun weiß jeder, der sich ein bisschen mit dem Hamburger Verwaltungsaufbau auskennt, dass man nichts machen kann, was den Widerstand so potenziert, als wenn man vor jeder Idee in der Sache sofort erst einmal den Behördenneuschnitt fordert. Das ist eine sichere Maßnahme, um einen frühen Tod zu organisieren. Das ist dann auch gleich passiert.