Protokoll der Sitzung vom 05.03.2009

(Stefan Köster, NPD: Deutsches Kulturgebiet. – Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

Das aber zu sagen, widerspräche der durchsichtigen Absicht der Antragsteller. Die Kunst- und Kulturgüter dienen den Nationalisten in diesem Haus als Instrument,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Wie schon einmal. – Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

als Instrument, völkische Ideologie zu entstauben.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und FDP)

Das ist nicht dieselbe Leier.

(Stefan Köster, NPD: Jetzt kommt gleich wieder Hitler.)

Ich werde an fünf Punkten deutlich machen, dass der Antrag eine braune Seele hat

(Stefan Köster, NPD: Aber eine gute. – Zuruf von Irene Müller, DIE LINKE)

und einen nazistischen Geist verkörpert.

(Zurufe von Michael Andrejewski, NPD, und Udo Pastörs, NPD)

Erstens. Die wohlgesetzten Worte in Antrag und Begründung verdeutlichen Revanchismus und die Ignoranz völkerrechtlicher Verträge.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und FDP)

Worte wie, ich zitiere, das „offizielle Ende des Zweiten Weltkrieges“ oder, ich zitiere, „Mitteldeutschland“ kommen nicht von ungefähr in diesen Antrag. Sie müssen im Zusammenhang mit dem Parteiprogramm der NPD gesehen werden. Dort heißt es, ich zitiere: „Deutschland ist größer als die Bundesrepublik!“

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktion der NPD – Vizepräsidentin Renate Holznagel übernimmt den Vorsitz.)

„Wir fordern die Revision der nach dem Krieg abgeschlossenen Grenzanerkennungsverträge.“ Und weil Sie das fordern, unterschlagen Sie einfach mal eben, dass es für den wohlabgewogenen Umgang mit Kulturgut völkerrechtliche Verträge gibt.

(Dr. Wolfgang Methling, DIE LINKE: Das interessiert die doch nicht, das Völkerrecht.)

Für die in Rede stehende Übergabe …

(Peter Ritter, DIE LINKE: Die Nazis hat noch nie Völkerrecht interessiert.)

Für die in Rede stehende Übergabe der Fundgegenstände …

(Peter Ritter, DIE LINKE: Das haben Sie auf dem Aschermittwoch doch deutlich gemacht, Herr Karnevalskönig.)

Für die in Rede stehende Übergabe der Fundgegenstände galt nicht Willkür, wie die NPD weismachen will, sondern Artikel 28 Absatz 3 des Vertrages über gute nachbarschaftliche Beziehungen mit der Republik Polen.

(Michael Andrejewski, NPD: Was sich so nennt. – Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Aber an Letzterem, an guter Nachbarschaft mit den polnischen Bürgern, liegt Ihnen bekanntlich nichts.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und FDP – Unruhe bei Abgeordneten der Fraktion der NPD – Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das sind polnische Güter.)

Zweitens. Herr Köster, mit Ihrem Antrag,

(Glocke der Vizepräsidentin)

mit Ihrem Antrag entkleiden Sie geschichtliche Abläufe von Ursache und Wirkung.

(Peter Ritter, DIE LINKE: So wie immer.)

Im Begründungstext heißt es wörtlich:

(Peter Ritter, DIE LINKE: Er kann nur noch dümmlich lachen über seinen eigenen Mist.)

„Die Evakuierungen dienten dem Schutz der Kulturgüter vor Raub und fremdem Zugriff.“

(Udo Pastörs, NPD: So ist es.)

Deutschland, Herr Pastörs, hat einen verbrecherischen Krieg begonnen und unsägliches Leid über die halbe Menschheit gebracht.

(Udo Pastörs, NPD: Das sehen mittlerweile russische Historiker ganz anders. – Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

Das ist die Ausgangsposition. Über eine halbe Million sowjetischer Museumswerke wurden während des Zweiten Weltkrieges gestohlen und zerstört.

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

Nazigrößen, die nicht selten von Ihnen, von der NPD und den Kameradschaften, glorifiziert werden, hatten systematisch Kunstraub betrieben.

(Dr. Wolfgang Methling, DIE LINKE: Richtig.)

Im faschistisch okkupierten Polen war eigens eine Haupttreuhandstelle Ost eingerichtet worden,

(Udo Pastörs, NPD: Faschismus gab es in Deutschland gar nicht, sondern nur in Italien. Da muss man differenzieren. – Zuruf von Irene Müller, DIE LINKE)

von privaten Beutezügen deutscher Beamter, Polizisten und Militärs, Herr Pastörs, ganz zu schweigen. Und deshalb sage ich Ihnen von der NPD:

(Zurufe von Michael Andrejewski, NPD, und Stefan Köster, NPD)

Solche Worte wie „Raub“ und „fremder Zugriff“ sollten Ihnen im Munde verdorren.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und FDP)

Drittens. Ihr Antrag ist in der Substanz unredlich. Sie suggerieren,

(Stefan Köster, NPD: Sie reden wieder von Moral?)

die Stralsunder Museumsstücke wären, wörtlich, „in einer Nacht-und-Nebel-Aktion“ abhanden gekommen. Und mal nicht nur nebenbei: „Nacht-und-Nebel-Aktion“ ist SA-Jargon.

(Peter Ritter, DIE LINKE: So ist es.)

Sehr geehrte Damen und Herren, Sprache verrät Denken.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und FDP – Zuruf von Stefan Köster, NPD)