In Ihrem Antrag „Bioökonomiestrategie für das Land M-V entwickeln – Ernährungssicherung und Ressourceneffizienz in den Fokus rücken“ als Reaktion auf die „Anklamer Erklärung“ bekennen Sie sich, sehr geehrte Regierungsfraktionen, unter anderem zu Mecklenburg-Vorpommern als günstige klimatische Gunstregion, die aufgrund ihrer geografischen Lage eine besondere Verantwortung bei der Erzeugung von Lebensmitteln für die rasant wachsende Weltbevölkerung trägt. Dieses Bekenntnis kann meine Fraktion nur unterstreichen. Im Grunde waren wir sogar überrascht, was für eine große Bedeutung und Verantwortung die SPD und LINKE der Landwirtschaft in diesem Land zuschreiben. Das freut uns sehr.
Die Bioökonomie ermöglicht nachhaltige und ökonomisch sinnvolle Kreislaufwirtschaft, die energie- und ressourcenschonend eine zukunftsfähige Wirtschaftsweise darstellt. Zukunftsfähig! Das Konzept umfasst landwirtschaftliche Nebenprodukte, die mithilfe branchenübergreifender Zusammenarbeit weiterverarbeitet werden.
In der Tat hat Mecklenburg-Vorpommern für die Einführung dieses Konzepts beste Voraussetzungen, da ausreichend benötigte Rohstoffe vorhanden sind. Die Möglichkeiten, die sich für die Steigerung der Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern ergeben, dominieren die Argumente und Abwägungen. Aus diesem Grund teilt meine Fraktion ebenfalls die Überzeugung, dass wir eine Bioökonomiestrategie für M-V ausarbeiten müssen. Die Schwerpunkte einer solchen Strategie sollten jedoch im Ausbau des verarbeitenden Gewerbes, der Vernetzung der jeweiligen Akteure und in der deutlichen Verbesserung der Keimfähigkeit für ein gedeihendes Start-up-Klima liegen,
und sich weniger mit der Frage beschäftigen, wie wir Produktionszwecke lenken können. Diese, liebe Kolleginnen und Kollegen, sollte jedes landwirtschaftliche Unternehmen selbst bestimmen können. Egal, ob für Tank oder Teller, für Dünger, für Dämm- oder Kunststoffe oder sonstige Zwecke produziert wird, die unternehmerische Selbstbestimmung muss in diesem Zusammenhang gewahrt werden.
Die Strategie zum Ausbau der Bioökonomie brauchen wir aber aus unserer Sicht trotz allem. Sie schreiben in Ihrem Antrag, dass die Ernährungswirtschaft 32 Prozent des
Exportvolumens des Landes wertschöpft. Wenn Sie den losen Weizen, der von Rostock aus nach Nordafrika verschifft wird, mitzählen, dann wird das auch stimmen. Aber an Veredelung landwirtschaftlicher Produkte in unserem Land mangelt es. Das wissen Sie sicher selbst, liebe Kolleginnen und Kollegen der Regierungsfraktionen. Die letzte Mühle in Mecklenburg-Vorpommern in Jarmen wurde bereits im September 2020 stillgelegt. Verarbeitendes Gewerbe erhöht uns die Wertschöpfung im Land.
Dazu hatten wir auch schon mal hier gesprochen. Es wurde auch festgestellt, aber es wurde natürlich – es war ein Antrag von uns – ein bisschen abgelehnt.
Und eine florierende Bioökonomie ist ein wichtiges Standbein. Deswegen sollte der Ausbau und die Ansiedlung verarbeitender Betriebe auch ein Teil der Bioökonomiestrategie des Landes werden.
Für den Aufbau einer günstigen biogenen Wertschöpfung bedarf es definitiv einer organisatorischen Stelle, die die Vernetzung der jeweiligen Akteure koordiniert. Auch wenn das ZELT in Neubrandenburg für den Ausbau der Bioökonomie im Ernährungssektor beste Voraussetzungen vorweist – da gebe ich Ihnen recht –, so hat sich doch der Anklamer Standort als Vorbild für den Umbau der Wirtschaft in den letzten Jahren bewährt. Alle zwei Jahre findet in Anklam die allein von Unternehmen aus der Region finanzierte Bioökonomiekonferenz statt. Es besteht bereits ein privatgeführtes Bioökonomiezentrum in Anklam. Deshalb sollte auch das Kompetenzzentrum für Bioökonomie des Landes in Anklam stationiert werden. Das ist auch der Wunsch der bisherigen Betreiber. Kann man voll nachvollziehen.
Das Anklamer Zentrum wäre nicht zwangsläufig an eine konkrete Hochschule gebunden, sondern könnte von allen drei involvierten Hochschulen in Stralsund, Greifswald und Neubrandenburg profitieren. Der Anklamer Standort würde den praktischen Aspekt der Vernetzung bedienen und Unternehmen im Raum für Ideenentfaltung zur Entwicklung biogener Wertschöpfung geben. Das sollte unser Ziel sein, um von bereits vorhandenen Strukturen zu profitieren.
Im Rahmen der Anklamer Konferenz stellte auch das Jugendforum Bioökonomie seine Ergebnisse vor. Ein sehr beeindruckendes Projekt mit massig Output – sollte auch in Zukunft weiterbestehen, um unsere Jugend in Brainstorming und Entscheidungsprozessen aktiv mit einzubinden.
Alles in allem, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der Regierungsfraktionen, sehen Sie auch, dass wir Freien Demokraten die Chancen der Bioökonomie erkennen und für unser Land nutzen wollen. Allerdings erkennen wir am vorliegenden Antrag noch Orientierungsbedarf in der Prioritätensetzung und finden die von Ihnen angeführten Maßnahmen als nicht vollständig ausgereift und beantragen deshalb die Überweisung in den Agrarausschuss und Wirtschaftsausschuss.
aber er wird auch erfolgreich, also mit Hanf wird auch erfolgreich – nicht nur Baustoffe – produziert, sonst mittlerweile auch Kosmetik,
auch bei uns hier in Mecklenburg-Vorpommern schon, und bald auch als Genussmittel. Da freue ich mich drauf.
Bevor ich die nächste Rednerin aufrufe, begrüße ich recht herzlich auf der Besuchertribüne Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule Dienstleistung und Gewerbe aus Rostock. Herzlich willkommen! Schön, dass Sie heute hier sind!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hier ist vieles erwähnt worden. Ich würde jetzt gerne noch ein paar Dinge, die ich vorbereitet habe, sagen, und dann würde ich noch gerne eingehen auf das, was hier angemerkt wurde.
Also wenn wir uns sozusagen mit der Forschungslandschaft beschäftigen – hier wurde ja schon ein Teil genannt –, dann haben wir natürlich eine breite Forschungslandschaft, die sich mit diesem Thema beschäftigt. Alles, was sich mit den Rohstoffen oder der Erstellung von Rohstoffen oder Herstellung von Rohstoffen als Biomasse, für die Ernährung oder für die Materialfrage beschäftigt, ist ja relativ umfangreich:
Wir haben die Aquakultur mit den entsprechenden Forschungen in Mecklenburg-Vorpommern an der Universität Rostock, dem FBN, der LFA und der Universität Greifswald.
Wir haben den One-Health-Ansatz – im Kontext mit gesundem Boden, gesunder Pflanze, gesunde Tiere –, vorrangig am FBN. Dazu gehört auch die Entwicklung von
Inkubatorfleisch, welches auch am FBN beforscht wird und welches sicherlich auch in diese Richtung geht.
Ganz wichtig, Bioökonomie: Pflanze als Schwerpunkt der LFA und der Züchtungsforschung – Züchtungsforschung, darauf gehe ich nachher noch ein –, die nachwachsenden Rohstoffe, angesiedelt als Schwerpunkt bei der Universität Greifswald, der LFA und in Anklam, wie hier auch schon richtig gesagt.
Wir haben die „WIR!“-Bündnisse – das wurde hier auch schon gesagt –, die „WIR!“-Bündnisse: „WIR!“ steht für „Wandel durch Innovation in der Region“, die durch das BMBF umfangreich gefördert werden. Hervorzuheben ist hier schon das, wie gesagt, das Plant3-Projekt, an der Universität Greifswald angesiedelt, LAND-MOOR-MEER.
Wir haben den Projektverbund ArtIFARM, der ganz direkt in die landwirtschaftliche Primärproduktion abzielt, die Forschung mit verschiedenen Akteuren und mit verschiedenen Lösungsansätzen, auch zum Beispiel moderne Züchtungsforschung, die Epigenetik, die dort vorangetrieben wird. Zu nennen sind dort, ich sag jetzt mal, Lösungsansätze zum Prädatorenmanagement, zum Herdenschutz, zum Wiesenbrüterschutz aber auch zur passgenauen Dosierung für die Düngung.
Die Landesforschung ist aktiv in der Folgenabschätzung von Maßnahmen. Das dürfen wir auch nicht unterschätzen, dass das sehr wichtig ist und auch in so eine Strategie natürlich reingehört, Folgeabschätzung von Maßnahmen. Wir müssen natürlich immer nach hinten raus gucken, wenn wir Maßnahmen ergreifen, die die Fläche betreffen oder die bestimmte Ressourcen betreffen, was passiert nach hinten raus.
Vielleicht noch ganz kurz zum One-Health-Konzept. One Health wurde eigentlich von der Medizinforschung seit Corona für sich in Anspruch genommen, aber es ist natürlich ein grundsätzliches Anliegen auch für die Landwirtschaft, weil es heißt, gesunder Boden – gesunder Boden, gesunde Pflanze, gesunde Tiere und damit gesunde Ernährung. Es sind alles Fragen, die hier genannt werden, erneuerbare Energien sind hier genannt worden, die Plasmatechnologie ist genannt worden. Aber es betrifft nicht den Kernpunkt dessen, was wir eigentlich hier mit diesem Antrag bezwecken.
Hier geht es um die Ernährungssicherheit. Dass das alles zusammenspielt, ist klar. Aber wenn wir die Ernährungssicherheit in den Vordergrund stellen, dann gehört natürlich auch Produktentwicklung dazu.
Und hier muss ich wirklich den Punkt noch mal setzen. Es wurde genannt das MaltFungiProtein-Projekt der Hochschule Neubrandenburg – ein wahnsinnig gutes Projekt, das Pilzmyzel mit seinen wertvollen Proteinstrukturen zu nutzen. Das reicht uns aber nicht. Zum Schluss brauchen wir Lebensmittel, die im Supermarktregal liegen oder die für uns auch erwerbbar sind. Es reicht nicht, wenn wir dahin kommen. Es reicht auch nicht, wenn wir die Aquakultur vorantreiben wollen. Und wir haben den Absatz für den Wels nicht und bekommen ihn nicht nach oben gearbeitet.
Wir scheitern genau immer an diesem Problem. Wir haben unser gesamtes Strategiegruppengeld vor drei Jahren dafür ausgegeben, um einen Wels-Burger auf den Markt zu bringen. Wir haben gesagt, wir machen das jetzt, wir nehmen dieses Geld, wir produzieren eine kleine Einheit von 100 Produkteinheiten, um eine Verkostung zu machen, um dieses Produkt überhaupt erst einmal an den Markt zu bekommen. Aber woran scheitert es dann? Wir haben nicht mal eine Produktionseinrichtung, die das herstellen kann. Wir haben das dann mit dem ZELT gemeinsam gemacht und haben eine Verkostung an der Hochschule Neubrandenburg gemacht, um zu gucken erst mal, wie wertig ist so ein Produkt, wie kann man es an den Markt bringen.
Genau an dieser Schnittstelle fehlt es uns doch bei uns in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist genau der Punkt. Wir haben Produkte, wir haben Forschung, wir haben Produkte aus der Landwirtschaft, wir haben proteinreichen Hafer, wir haben die Leguminosen, die wir gerne verarbeitet hätten. Wir hätten ja gerne eine größere Fruchtfolge. Aber wie schon richtig gesagt, wir haben keinen Absatz für die großkörnigen Leguminosen oder nicht ausreichend Absatz dafür. Also das heißt, wir brauchen Produkte, die auch angenommen werden, die lecker sind, die den Leuten schmecken, aber die müssen erst mal irgendwo entwickelt werden