1. Welche Erkenntnisse hat die Landesregierung über Art und Umfang der in Niedersachsen erzeugten Energie aus Biogas, die nicht aus nachwachsenden Rohstoffen, sondern anderen Substraten wie biogenen Abfällen gewonnen wird?
2. Wie schätzt die Landeregierung das Potenzial der in Niedersachsen anfallenden biogenen Abfälle ein, das zur Erzeugung von Biogas in Kofermentationsanlagen eingesetzt werden kann?
3. Hat die Landesregierung Erkenntnisse über den Wirkungsgrad (Quotient aus eingesetzten Substraten und erzeugtem Biogas) von Biogasanlagen, die ausschließlich auf Basis biogener Abfälle betrieben werden?
Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist wesentlicher Bestandteil der niedersächsischen Energie- und Klimaschutzpolitik. Bis 2020 sollen 25 % des Gesamtenergieverbrauchs in Niedersachsen durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es erforderlich, alle sinnvollen Potenziale Niedersachsens zu nutzen. Diesem Ziel dient auch die Nutzung von Bioenergie und Energiepflanzen aus der Landwirtschaft.
In einigen Regionen Niedersachsens ist deutlich geworden, dass die Grenzen des Wachstums bereits heute erreicht sind. Insbesondere in den intensiven Veredelungsregionen hat sich die Konkurrenzsituation um Anbauflächen, zum Nachteil der Nahrungsmittelproduktion, verschärft.
Es wird daher in Zukunft darauf ankommen, die unterschiedlichen Interessen bei der Biogaserzeugung stärker als bisher zu berücksichtigen.
Eine Möglichkeit, die Flächenkonkurrenz abzumildern ist, den Einsatz biogener Abfälle und tierischer Nebenprodukte in landwirtschaftlichen Biogasanlagen zu verstärken.
Zu 1: Ende 2009 setzten insgesamt 95 Anlagen sogenannte Kofermente (Bioabfälle, Flotate, Fette und andere Reststoffe) in Niedersachsen anteilig oder ausschließlich ein. An der Spitze stehen hier die Landkreise Cloppenburg mit 14 MWel, SoltauFallingbostel mit 12,5 MWel, Osnabrück mit 7 MWel sowie der Landkreis Rotenburg mit 6,8 MWel. Die installierte Leistung der Kofermentationsanlagen lag insgesamt bei ca. 73 MWel. Im Vergleich zu den Vorjahren ist damit ein leichter Rückgang festzustellen, der im Wesentlichen auf die vergangene Novellierung des EEG und die damit einhergehende verbesserte Vergütung für den Einsatz von Gülle in Verbindung mit nachwachsenden Rohstoffen zurückgeführt wird.
Zu 2: Biogene Abfälle und tierische Nebenprodukte haben derzeit einen Anteil von rund 20 % an der zur Biogaserzeugung genutzten Biomasse.
Die Menge der in Niedersachsen anfallenden biogenen Abfälle und tierischen Nebenprodukte (ohne Gülle, Jauche, Festmist), die zur Erzeugung von Biogas in Kofermentationsanlagen eingesetzt werden können, wird von der Landesregierung auf rund 1,6 Millionen t geschätzt. Gülle, Jauche und Festmist haben zusätzlich ein Gesamtaufkommen von rund 34,1 Millionen t.
Zu 3: Die Angaben über die spezifische Gasausbeute von Kosubstraten weisen große Schwankungsbreiten auf. Infolge der vielfältigen Substratkombinationsmöglichkeiten und der verschiedenen Betriebsweisen können keine allgemeingültigen Angaben zum Wirkungsgrad bzw. zur Biogasausbeute gemacht werden.
Nach dem Statistischen Bericht des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikation Niedersachsen über die Abfallentsorgung betrug die im Jahr 2008 in Kofermentationsanlagen eingesetzt Abfallmenge ca. 1,232 Millionen t. Die daraus erzeugte Biogasmenge belief sich auf insgesamt rund 165 Millionen m³ Biogas mit bekanntem Methangehalt. Danach wurden aus 1 t biogenen Abfällen ca. 133 m³ Biogas erzeugt.
des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung auf die Frage 56 des Abg. Jan-Christoph Oetjen (FDP)
Bis 2020 sollen 25 % des Gesamtenergieverbrauchs in Niedersachsen durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Die attraktive Förderung von Strom aus Biogasanlagen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sorgt in Niedersachsen für einen Bauboom von Biogasanlagen. Biogasanlagen leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, zur Einnahmesituation landwirtschaftlicher Betriebe und zur Wertschöpfung im ländlichen Raum. Neben der Basisvergütung können Boni, wie z. B. NawaRo-, Gülle-, Technologie, Formaldehyd-, KWK- und Landschaftspflegebonus, in Anspruch genommen werden. Der zunehmende Anbau von Energiemais führt allerdings zunehmend zu Problemen, die sich teilweise wechselseitig bedingen. Anbauflächen gehen der Nahrungsmittelproduktion verloren, die Förderung und Konkurrenzsituation hat Einfluss auf die Pachtpreise, die Artenvielfalt, der Bodenschutz und die Gewässergüte können negativ beeinträchtigt werden.
1. Kann eine verstärkte EEG-Förderung des Einsatzes biogener Abfälle und Nebenprodukte bei Verzicht auf die Verwendung nachwachsender Rohstoffe die Konkurrenzsituation um Anbauflächen verringern?
2. Unter welchen Voraussetzungen (Behand- lung, Zertifizierung) dürfen die Gärreste auf Böden aufgetragen und als Dünger verwendet werden?
3. Welchen Nährstoffgehalt können die Gärreste aus Biogasanlagen, die auf Basis biogener Abfälle und Nebenprodukte betrieben werden, für diese Böden haben?
Die Herausforderungen des Klimawandels und des Ressourcenschutzes sind auf das Engste mit der Frage verknüpft, wie unter den Bedingungen einer weltweit steigenden Energienachfrage in Zukunft die Versorgungssicherheit zu wirtschaftlichen Preisen gewährleistet und so insgesamt eine nachhaltige Energieversorgung verwirklicht werden kann. Eine ambitionierte Strategie zur Steigerung der Energieeffizienz und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien sind richtige Antworten, um die Emissionen der Treibhausgase zu reduzieren. Die Landesregierung sieht in der Nutzung erneuerbarer Energien ein wichtiges Instrument für Klima- und Ressourcenschutz. Die Niedersächsische
Landesregierung hat sich im Hinblick auf Klimawandel und Versorgungssicherheit für das Jahr 2020 das ehrgeizige Ziel gesetzt, 25 % des Gesamtenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien zu decken. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, alle sinnvollen Potenziale Niedersachsens zu nutzen. Neben den Energiepflanzen aus der Land- und Forstwirtschaft müssen auch die Potenziale biogener Abfälle und tierischer Nebenprodukte möglichst umfassend für die Bioenergie genutzt werden.
Wir wollen deshalb auch dafür sorgen, dass sich der weitere Biogasausbau noch stärker auf die Nutzung landwirtschaftlicher Nebenprodukte wie Gülle und auf andere biogene Abfälle stützt. Wenn allgemein ein verstärkter Einsatz biogener Abfälle und tierischer Nebenprodukte gefordert wird, muss allerdings festgestellt werden, dass diese Rohstoffe schon in großen Mengen in den sogenannten Kofermentationsanlagen genutzt werden.
Zu 1: Derzeit werden fast 8 Millionen t Gülle und etwa 1 Millionen t Festmist sowie über 1 Millionen t Bioabfälle, die zumeist nicht aus privaten Haushaltungen stammen, und tierische Nebenprodukte wie Fette und Flotate in niedersächsischen Biogasanlagen vergoren. Damit haben diese Rohstoffe einen Anteil von über 50 % am gesamten Input niedersächsischer Biogasanlagen. Mit diesen Rohstoffen werden allerdings nur gut 20 % der Energie aus Biogas bereitgestellt. Dagegen stammen fast 80 % des Biogasstroms aus Energiepflanzen.
Weitere 21 Millionen t Gülle und 4 Millionen t Festmist stehen laut Berechnungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen theoretisch für eine Nutzung über den Biogaspfad noch zur Verfügung.
Die im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Entsorgung getrennt erfassten Bioabfälle (rund 1,2 Millio- nen t) können nur zum Teil für die Biogaserzeugung genutzt werden. Dabei werden die Bioabfälle in der Regel nicht als Kofermente abgegeben, sondern in eigenen von den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern betriebenen oder geplanten Anlagen behandelt. Derzeit sind sechs Anlagen mit einer Gesamtkapazität von ca. 80 000 t in Betrieb, im Bau oder in der Planung.
Ende 2011 werden in Niedersachsen voraussichtlich 1 300 Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von rund 640 MWel. am Netz sein. Von der gesamten Kraftwerksleistung werden dann
etwa 75 % aus Energiepflanzen, 16 % aus landwirtschaftlichen Nebenprodukten und 9 % aus Bioabfällen und tierischen Nebenprodukten gespeist werden. Damit hätten die landwirtschaftlichen Nebenprodukte wie Gülle ein Flächenäquivalent von rechnerisch 36 000 ha und die Bioabfälle und tierischen Nebenprodukte von rund 21 000 ha. Insgesamt würden Ende 2011 eine Energiepflanzenanbaufläche von rund 57 000 ha durch den Einsatz biogener Abfälle rechnerisch kompensiert.