Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sollten stärker herausstellen, dass es Sinn macht, wenn alle voneinander und miteinander lernen. Das ist die Leitidee unserer Kultuspolitik: Es geht nur gemeinsam.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir werden nicht einen Zentimeter von diesem Weg abweichen. Er bedeutet viele neue Chancen für unsere Schülerinnen und Schüler, aber natürlich auch wachsende Herausforderungen für die Lehrerinnen und Lehrer an unseren Schulen.
Natürlich gab es seit der Einführung der inklusiven Schule auch Reibungen. Es gab aufgrund der neuen Aufgaben Anpassungsschwierigkeiten, wie es sie vielleicht immer geben wird, wenn man ein bestehendes System verändert, ja revolutioniert. Ja, ich gestehe ein: Es musste auch nachgesteuert werden. Das, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen auch von der Opposition, hat diese Landesregierung, das hat diese Kultusministerin hervorragend gemacht. Sie hat eine Qualifizierungsinitiative Inklusion äußerst erfolgreich und zielgenau auf den Weg gebracht.
Bei den Besuchen in den Schulen wird uns von den Lehrerinnen und Lehrern immer wieder deutlich gemacht, dass nicht die Kinder das Problem sind, wenn es darum geht, wie man gemeinsam lernen kann. Sie sagen: Die Kinder sind es nicht. Sie haben sogar Lust darauf, im Miteinander zu leben und sich Neues anzueignen. Sie haben Lust darauf, weil sie neugierig sind und weil sie wissen, dass sie durch Nachahmung und durch Kontakte untereinander prima lernen und sich weiterentwickeln können.
Die Zeiten, in denen Kinder morgens im Halbdunkel von zu Hause mit dem Bus abgeholt werden, mit dem sie dann viele Kilometer zu einer besonderen Schule fahren, um dann spät im Halbdunkel wieder nach Hause zu kommen - ohne Kontakte und Freundschaften in der Nachbarschaft aufbauen zu können -, sollten mehr und mehr der Vergangenheit angehören.
Ich bin dafür, dass die Kinder mit Handicaps nicht an den Rand unserer Gesellschaft gehören. Sie gehören in das Zentrum unserer Gesellschaft, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wenn wir die Lehrerinnen und Lehrer in unseren Schulen besuchen, erzählen sie uns auch, dass sie die Leidenschaft dafür haben, dass sie das Gemeinsame wollen und dass sie jedem Einzelnen gerecht werden wollen. Sie sagen uns aber auch: Wir sind nicht so gut darauf vorbereitet, weil es innerhalb unserer Ausbildung nicht die Möglichkeit gegeben hat, auch eine vernünftige Schulung darüber zu erhalten, wie das Gemeinsame, wie die Inklusion gehen kann.
Das veränderte Berufsbild der Lehrerin und des Lehrers, die Anforderungen, die mit der gemeinsamen Beschulung einhergehen, der neue Umgang mit der Verschiedenheit von Schülerinnen und Schülern an unseren Schulen - alles das wird nun als Basiskompetenz im Lehramtsstudium vermittelt.
Gleiches gilt für das Ausbildungsfeld Deutsch als Zweitsprache. Auch hier werden den Lehramtsstudenten nun direkt im Studium erste Basiskenntnisse verschafft. Das ist eine große Hilfe, finde ich. Es ist auch eine notwendige Hilfe, wenn man bedenkt, wie groß die Anzahl derer ist, die heute bei uns einwandern, weil sie Schutz suchen, und die hier beschult werden wollen und sollen.
Die Pädagoginnen und Pädagogen bitten uns, die Augen vor den neuen Herausforderungen nicht zu verschließen, sondern mutig und fokussiert bereits im Lehramtsstudium die Weichen zu stellen, um die hohe Qualität der Beschulung auch in Zukunft sicherzustellen.
Besonders positiv kommen die bereits eingeleiteten Fortbildungsmaßnahmen und Initiativen an den unterschiedlichen Schulformen an. Ich will nur Folgendes sagen: Als ich kürzlich die Grundschule besucht habe, haben die Lehrerinnen und Lehrer es als sehr positiv erachtet, dass wir jetzt in der Lage sind - - -
- Bei mir ist die Grundschule schon ein bisschen her. Wie lange ist sie bei euch her? - Nein, ernsthaft: Wir haben unter Rot-Grün ein inklusives Niedersachsen. Da ist für jeden von uns Platz. Da gehören wir auch alle hin. Daher ist das auch gut.
Die Grundschullehrerinnen und -lehrer bezeichnen es also als wunderbar, dass wir Fortbildungsangebote geschaffen haben, in denen das gesamte Team sich gemeinsam weiterbilden kann, um dann
Mit unserem Antrag dokumentieren wir sehr deutlich, dass der bestehende gute Weg, den die Kultusministerin bereits vorgelegt hat, weiterzugehen ist und die Basiskenntnisse der Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten Schritt für Schritt den neuen Realitäten angepasst werden.
Dazu gehört unserer Meinung nach auch, mehr Wert als bisher auf eine umfassende und individuelle Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler zu legen. Auch hierfür müssen die Pädagoginnen und Pädagogen an unseren Schulen ausgebildet sein. Die entsprechenden Grundlagen können und müssen auch hier bereits im Lehramtsstudium vermittelt werden.
Genau da setzt unser Entschließungsantrag an. Wir wollen die Vermittlung von Basiskenntnissen in den Bereichen Inklusion, Deutsch als Zweitsprache und Berufsorientierung im Lehramtsstudium weiter ausbauen. So können wir den angehenden Lehrerinnen und Lehrern wichtige Hilfen für ihre zukünftigen Aufgaben geben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, mit diesem Entschließungsantrag legen wir ein Papier vor, das die zukünftige Lehrerausbildung unterstützt und somit Niedersachsens Pädagoginnen und Pädagogen und mit ihnen den niedersächsischen Kindern für die Zukunft gutes Rüstzeug gibt.
SPD und Grüne haben ein klares Ziel: Wir wollen eine Gesellschaft, in der niemand benachteiligt wird. Von diesem Ziel lassen wir uns nicht abbringen. Schon heute besuchen 15 400 Kinder mit erhöhtem Förderbedarf den gemeinsamen Unterricht. Dann ist es umso wichtiger, dass wir die Zahl der Studienplätze für Sonderpädagogen auf 400 verdoppelt haben. Das ist eine gute Basis für den gemeinsamen Unterricht.
Abschließend: Mein Dank gilt den Lehrerinnen, den Lehrern, den Eltern und besonders auch den Kindern, die das gemeinsame Lernen möglich machen.
Vielen Dank, Herr Kollege Santjer. - Das Wort hat jetzt für die CDU-Fraktion Frau Kollegin Karin Bertholdes-Sandrock. Bitte schön!
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Dieser Antrag von Rot-Grün ist schon ein bisschen eigenartig. Herr Kollege Santjer, deshalb haben Sie auch fünf Minuten lang ein intensives Bekenntnis zur Inklusion abgelegt, bevor das erste Mal das Wort „Lehramtsausbildung“ fiel.
Normalerweise werden in einem Antrag Forderungen erhoben und begründet. Dann kann man sich damit auseinandersetzen und manchmal sogar aufregen. Alles das ist hier aber nicht der Fall. Sie formulieren einerseits Selbstverständliches, wie Sie das auch in Ihrer Rede fünf Minuten lang getan haben. Es geht um veränderte gesellschaftliche Anforderungen an den Lehrerberuf, um Inklusion und um Förderdiagnostik. Ich nenne jetzt sogar konkrete Punkte aus Ihrem Antrag. Übrigens: Wir hätten uns gerade für die Förderschulen Lernen schon eine etwas bessere Zukunft gewünscht.
Sie sprechen von Deutsch als Zweitsprache - völlig nachvollziehbar -, allerdings verbunden mit der Behauptung, dass nun erst einmal Basiskompetenzen geschaffen werden müssten, um solche Defizite abzubauen. Unterstellen Sie eigentlich, dass das bisher nicht der Fall war? - Unterschätzen Sie nicht das, was Lehrerinnen und Lehrer auch beim Aufarbeiten von Sprachdefiziten immer geleistet haben!
Übrigens: Bei Ihrem Sinn für Sprachförderung hätten wir uns schon ein paar Sprachförderklassen mehr gewünscht - oder auch Sprachlerngruppen als sehr flexible Variante. Davon sprechen Sie ebenfalls nicht.
Die Berufsorientierung in Schulen haben Sie übrigens auch nicht erwähnt. - Ich glaube, ich setze mich mit dem Antrag mehr auseinander als Sie.
Für das Lehramt an Haupt- und Realschulen wünschen Sie sich nun mehr Kompetenzen, was die Ausbildungs- und Berufsfähigkeit angeht. Auch das gehörte - jedenfalls dann, wenn man den Schulalltag kennt, was ich nicht bei allen voraussetzen darf - immer zu den Basiskompetenzen von
Lehrerinnen und Lehrern, und zwar an allen Schulformen; denn Schüler stehen häufiger mal an einem Scheideweg und wissen nicht, wie es bei ihnen weitergehen soll.
Ich stelle also erst einmal fest: Aus Unkenntnis oder welchen Gründen auch immer haben Sie doch recht bescheidene Vorstellungen von dem, was Lehrerinnen und Lehrer vor Ihrem Antrag und vor Ihrem Regierungsantritt bereits konnten.
Eigentlich geht es Ihnen aber auch um etwas anderes. Im Grunde geht es Ihnen um das Loben des Vorhandenen und ein Weiter-so. Da sind Sie netterweise auch nicht so konkret auf Ihren Antrag eingegangen. Gucken Sie einmal in den Mittelteil mit der Begrüßungsarie! Ihre Begrüßung dessen, was die Landesregierung getan hat, ist erheblich länger als Ihre Forderungen. Das sind dann noch drei kleine Pünktchen, die auch jedes Mal mit einem „Weiter-so“ versehen sind. Die Regierungsparteien wollten sich hier also abfeiern. Unter diesem Aspekt erwarte ich dann auch den Beitrag unserer Kultusministerin.
Übrigens: In der Unterrichtung listete die Landesregierung mit Hinweis auf die veränderte Verordnung über Masterabschlüsse für Lehrämter in Niedersachsen auch auf, dass gerade die Kompetenzen - jetzt könnte man denken, ich würde aus Ihrem Antrag zitieren; aber das zitiere ich aus der Unterrichtung - in den Bereichen Umgang mit der Heterogenität von Lerngruppen, Umgang mit Inklusion, Grundlagen der Förderdiagnostik und Deutsch als Zweitsprache sowie interkulturelle Kompetenzen vermittelt würden. War das zufällig? - Nein. Es ist das, was auch Sie fordern. Wenn das kein Zusammenspiel ist! Ich würde das sogar als eine ganz gelungene Teamarbeit zwischen Regierungsparteien und Landesregierung bezeichnen. Nur, das ist nicht Sinn eines Antrags!
Vor diesem Hintergrund will ich Sie bitten, dafür Sorge zu tragen, dass Sie die Lehramtsausbildung nicht überfrachten. Sie haben hier bekenntnishaft ein paar Punkte genannt. Vergessen Sie nicht: Es gibt ganz, ganz breite Grundlagen - fachlicher Art, inhaltlicher Art, didaktisch-methodisch, Evaluationsverfahren, die ganzen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Erziehung und Bildung und alles Mögliche. Wenn jetzt die neuen Ansprüche hinzukommen - da kommt noch etwas hinzu; Sie haben ja gesagt, Basiskompetenzen seien neu zu schaffen; es ist also ein Mehr -, dann müssen
Was für die Lehramtsausbildung gilt, nämlich der dringende Rat, die Lehramtsstudenten nicht zu überfordern und überfrachten, gilt natürlich erst recht für die tägliche Unterrichtspraxis. Denken Sie einmal an Inklusion mit Schülern mit verschiedenen Einschränkungen - Sie haben ja auch welche genannt -: körperlich, geistig, sozial-emotional und andere Arten. Das ist schon ein Riesenfeld.
Jetzt kommt die Integration von Migrantenkindern dazu. Das ist für uns immer ein Begriff. Es gibt aber kaum eine Gruppe, die heterogener ist als die Migrantenkinder selber. Der Ministerpräsident hat ja in seiner Regierungserklärung dankenswerterweise sehr ausführlich darauf hingewiesen.
Nun zur Berufsorientierung. Sie führen aus - das alles haben Sie nicht gesagt; es steht aber in Ihrem Antrag, mit dem ich mich ja nun auseinandersetze -, das verlange neue Basiskompetenzen; diese müssten integraler Bestandteil einer jeden Lehramtsausbildung sein. Das soll doch heißen: Von den Kolleginnen und Kollegen in den Schulen soll jede und jeder alles können und alles machen. - Ganz nebenbei sollen von den Schülern ja auch noch schulische Leistungen erbracht werden.
Ich sage Ihnen: Überfrachten Sie die Lehrerinnen und Lehrer, die es bereits vor unser aller Bekenntnis zur Inklusion schwer genug hatten, nicht mit Aufgaben, Verantwortungen und Arbeit!
Sonst ist vorprogrammiert, dass die jungen Anwärterinnen und Anwärter in einigen Jahren unter Umständen nervlich ihrer beruflichen Arbeit nicht mehr gewachsen sind. Meine Damen und Herren, genau dem sollten wir alle vorbeugen - jetzt Sie und dann wir, wenn wir das weitermachen.