Protokoll der Sitzung vom 11.02.2009

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin überzeugt: Ludwig Erhard und Karl Schiller sind auch heute gute Ratgeber.

(Achim Tüttenberg [SPD]: Herr Glos nicht! – Heiterkeit von der SPD)

Wenn wir zusammenstehen und gemeinsam zum Wohl unseres Landes arbeiten, können wir Brücken durch die Krise bauen. Es geht jetzt darum, bei den Menschen im Land neues Vertrauen zu schaffen: neues Vertrauen in unsere Stärke, neues Vertrauen in unsere Fähigkeiten und neues Vertrauen in eine positive wirtschaftliche Entwicklung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, jeder von uns hat Träume und Hoffnungen, aber auch Sorgen und Ängste. Ich sage jedem Mann, jeder Frau und jedem jungen Menschen in unserem Land: Wir tun alles in unserer Macht Stehende, damit deine Träume und Hoffnungen wahr werden.

(Beifall von der CDU – Zurufe von der SPD: Oh! – Gisela Walsken [SPD]: Mein Gott! – Weitere Zurufe von SPD und GRÜNEN)

Es ist jetzt nicht die Stunde von Parteipolitik.

(Gisela Walsken [SPD]: Peinlich! – Weitere Zurufe)

Es ist jetzt Zeit für gemeinsames Handeln. Zusammen sind wir stark und zusammen können wir es schaffen.

(Lang anhaltender lebhafter Beifall von CDU und FDP – Zurufe von SPD und GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Ministerpräsident! – Für die SPD-Fraktion erhält jetzt die Fraktionsvorsitzende, Frau Kraft, das Wort.

(Ralf Witzel [FDP]: Zweiter Versuch!)

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Herr Ministerpräsident, zunächst einmal vorweg, weil das in diesen Tagen wichtig ist: Ich sichere Ihnen hiermit ausdrücklich die Unterstützung der SPD in dem Punkt zu, den Sie zu Opel geschildert

haben. Es ist richtig und gut, dass das Land Nordrhein-Westfalen initiativ wird.

(Beifall von der SPD – Hans-Theodor Pesch- kes [SPD]: Herr Ministerpräsident, da können Sie ruhig lächeln!)

Wir freuen uns darüber – das sage ich auch deutlich –, dass die Abwrackprämie, die sich sowohl bei CDU und CSU als auch bei der FDP zu Beginn nur geringer Beliebtheit erfreut hat und die wir durchgesetzt haben, insbesondere bei Opel besonders wirkt, weil die Kleinwagen gefragt sind und das jetzt schon positive Auswirkungen auf den Bochumer Opel-Standort hat. Darüber freuen wir uns an dieser Stelle.

(Beifall von der SPD)

Herr Ministerpräsident, ich sage auch ausdrücklich: Ja, das Konjunkturpaket II ist hier in NordrheinWestfalen im Sinne der Kommunen gut umsetzt. Das ist richtig.

(Helmut Stahl [CDU]: Sondersitzung! – Ge- genruf von Sylvia Löhrmann [GRÜNE])

Bei dieser Gelegenheit ist aber auch daran zu erinnern – das darf man, weil Sie versuchen, Geschichtsklitterung zu betreiben –: Die Forderungen, dass 50 % für die Kommunen reichten, kamen aus den Reihen von CDU und CSU – nicht aus den Reihen der SPD. Sie haben da noch Ihre eigenen Leute überzeugen müssen. Daran muss man ab und zu erinnern.

(Beifall von der SPD – Zuruf von Helmut Stahl [CDU])

Eines macht mir nach der Diskussion, die ich heute hier verfolgen durfte, noch Sorgen. Wenn das Konjunkturpaket so gut ist – darüber sind wir uns einig –, und wenn es auch für die Kommunen gut ist, frage ich mich, warum Sie nicht endlich Ihren Koalitionspartner in die Pflicht nehmen, damit er dem im Bundesrat zustimmt. Das, was da gerade passiert, ist das Gefährlichste; das kann das Ganze in eine andere Richtung bringen.

(Beifall von der SPD – Kopfschütteln von Dietmar Brockes [FDP])

Denn diese Politik, Herr Kollege Papke, die Sie aufzeigen und bei der Sie vollmundig ankündigen, die Schulden auf null reduzieren

(Hans-Theodor Peschkes [SPD]: Und die Steuern senken!)

und gleichzeitig die Einnahmen abzusenken zu wollen, und bei der Sie den Staat auf lange Sicht zurückdrängen wollen, wird die SPD nicht mitmachen – weder hier noch im Bund. Das ist der falsche Weg für unser Land.

(Beifall von der SPD – Hans-Theodor Pesch- kes [SPD]: Das funktioniert nicht!)

Herr Kollege Papke, Sie zitieren zum x-ten Mal irgendwelche Sätze aus den Reden der Kollegin Schäfer. Dieses Mal stammten sie aus März 2004.

(Ralf Witzel [FDP]: Ja!)

Wenn Sie das schon machen, sehen Sie sich doch einmal Ihre eigenen Reden an.

(Gisela Walsken [SPD]: Ja, und die Anträge! Das ist ein Quell der Freude!)

Sehen Sie sich an, was Sie den Menschen für den Fall versprochen haben, dass Sie die Wahl gewinnen. Was ist davon übrig geblieben?

(Hans-Theodor Peschkes [SPD]: Jetzt wird er ganz klein!)

Sie haben den Menschen versprochen, Sie würden ein Unterrichtssicherungsgesetz auf den Weg bringen. Die Wahrheit ist: Sie haben gar nichts geschafft: weder ein Gesetz noch eine Garantie noch eine ordentliche Befragung oder eine Feststellung der Unterrichtsausfallzeiten. Nichts haben Sie auf diesem Feld auf den Weg gebracht.

(Beifall von der SPD)

Damit sind wir beim Schwerpunkt Bildung. Ich bleibe dabei: Er besteht in Überschriften, in Stellen, die Sie schaffen. – Mit Verlaub: Einige von Ihnen kennen immer noch nicht den Unterschied zwischen Stellen, die man schafft, und Menschen, die vor Ort auf diesen Stellen arbeiten. Bei Ihnen gibt es einen Unterschied. Deshalb ist das Haushaltsvolumen auch nicht in dieser Weise angewachsen. In der Dortmunder Befragung kann man sehr gut nachlesen, wie sich das auswirkt.

Aber wenn Sie sich heute schon selbst bejubeln, Herr Kollege Stahl, stellen Sie das doch einmal in den richtigen Rahmen. Heute liest man zum Ganztagsprogramm über die Schulministerin in der Presse: 100-Millionen-Programm wird abgefeiert.

Die Stadt Köln, Herr Ministerpräsident, investiert in den gebundenen Ganztag an 16 Schulen und in die pädagogische Übermittagsbetreuung insgesamt alleine 180 Millionen €. Das ist die Relation, die man dabei sehen muss. Wenn es in diesem Land vorangeht, dann auch deshalb, weil die Kommunen das Thema erkannt haben und der Bund in diesen Fällen mit vielen Mitteln hilft.

(Beifall von SPD und GRÜNEN)

Immer schön mit den Füßen auf dem Teppich bleiben!

Herr Ministerpräsident, interessant ist immer, was Sie nicht sagen und wozu Sie nicht Stellung beziehen. Sie stellen uns in großer Breite den Antrag zur Transparenz in öffentlichen Unternehmen vor, den wir morgen noch gemeinsam diskutieren werden. Er ist richtig. Ich bin weit davon entfernt, eine einseitige Schuldzuweisung an die CDU zu machen. Ich glaube, wir alle müssen über die Parteigrenzen hinweg

aufpassen, dass solche Dinge, wie Sie jetzt in Köln wieder offenkundig werden, nicht passieren.

(Ewald Groth [GRÜNE]: Aufpassen schon!)

Aber Sie haben nichts zu dem gesagt, was in unserem Antrag steht und was ich heute in meiner Rede vorgetragen habe. Wie stehen Sie denn zu Managergehältern?

(Beifall von der SPD)

Wie stehen Sie zur steuerlichen Absetzbarkeit und ihrer Einschränkung? Wie stehen Sie zu all den weiteren Punkten, die ich heute Morgen genannt habe?

(Zuruf von Sören Link [SPD] – Weitere Zurufe von der SPD)

Dazu haben Sie nichts gesagt, Herr Ministerpräsident. Das ist schon interessant.

(Beifall von der SPD)

Sie haben auch nichts zu den Obdachlosen gesagt.

(Markus Töns [SPD]: Das ist ihm peinlich!)

Sie haben heute Ihre letzte Chance vertan.