Protokoll der Sitzung vom 07.12.2006

(Manfred Kuhmichel [CDU]: Bring mal wieder Niveau rein! – Rudolf Henke [CDU]: Gib’s ihm!)

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Tribüne! Das war ja für Sie gerade auch sehr unterhaltsam, vermute ich.

(Zuruf von der SPD: Das war wirklich gut!)

Ich habe mich aber schon gefragt, lieber Herr Groschek, in welcher Rolle Sie hier vorne gestanden haben.

(Zuruf: Der kleine Laumann!)

Ich vermute einmal, in der Rolle – das wissen die Menschen da draußen wahrscheinlich gar nicht – des Generalsekretärs der SPD, des Verteidigers des Ruhrgebiets usw.

Zur Sache war in Ihrer Rede nicht viel drin. Ihre Aussagen hatten fast null Substanz.

(Zuruf von der SPD: Das ist doch Quatsch!)

Das waren nur großformatige Worthülsen. Sie hätten das alles machen können, was Sie da gefordert haben. Sie haben es nicht hingekriegt.

(Beifall von CDU und FDP)

Sie haben hier schlechte Politik gemacht.

(Marc Jan Eumann [SPD]: Das steht doch nicht im Bericht, Herr Brinkmeier!)

Zwei Punkte greife ich heraus. Herr Groschek hat eben gesagt, die Wirtschaft hat ihre Verpflichtung in Sachen Forschungs- und Entwicklungsbudget nicht erfüllt. Darüber haben wir auch in der letzten Wahlperiode schon öfter diskutiert. Denn die Antwort von Ihrer Seite lautete ja immer: Die Wirtschaft muss mehr tun, denn wir haben ja unsere Sache getan.

(Heike Gebhard [SPD]: Das sagt doch der Kollege Lindner auch!)

Und was war? – Sie haben nicht zugelassen, dass die Wirtschaft mehr tut. Sie haben mit Ihrer Politik verhindert, dass die Wirtschaft überhaupt noch ein Interesse hatte zu investieren.

(Beifall von CDU und FDP)

Das ist Ihre Schuld.

Noch ein Punkt – ganz klar für das Protokoll und damit niemand hier mit falschem Wissen aus dem Raum geht –: Herr Groschek, Sie haben behauptet, im FuE-Etat, also im Forschungsetat, im Einzelplan 06, wären 20 % gekürzt worden. Das weise ich zurück. Das ist eine falsche Aussage. Nehmen Sie das bitte zurück!

Mit einer kleinen Geschichte von zu Hause will ich einmal beginnen. Vor einigen Tagen kam unser ältester Sohn Paul, sieben Jahre alt, nach Hause. Er ist ein großer Naturfreund. Er liebt die täglichen Spaziergänge in Wald und Feld und kennt wahr

scheinlich mehr Tierarten als alle Abgeordneten der Grünen hier zusammen.

(Beifall von CDU und FDP – Zurufe von der SPD)

Er ist ein sehr reeller Kerl. Er besucht in unserer Nachbarschaft die Bauernhöfe. Er weiß auch, was ein Trecker ist, und kann ihn auch schon fast fahren. Unser Sohn kommt also nach Hause und sagt: Papa, die Industrie, diese Firmen, die machen unsere Gewässer schmutzig und machen alles kaputt. Eigentlich muss man die doch abreißen. Da dachte ich: Oh Gott, jetzt schon mein Sohn.

Wie weit sind wir eigentlich gekommen, wenn die Kinder – selbst aus einem ordentlichen bürgerlichen Haushalt wie bei uns zu Hause –

(Heiterkeit)

schon so von außen indoktriniert werden? Ich will Ihnen jetzt nicht die Quelle der Indoktrination nennen, aber seien Sie sicher: Ich werde mich nach Kräften bemühen, die stillzulegen.

(Zuruf von der SPD: Das war wahrscheinlich Ihre Frau! – Beifall von der SPD)

Keine Sorge. Meine Frau weiß, was da zu tun ist.

(Johannes Remmel [GRÜNE]: Ihr Sohn hat die Realität erkannt! Das ist es nämlich!)

Meine Frau ist Hamburgerin. Die weiß, was Handel und Wandel bedeutet. Die lässt sich nicht indoktrinieren.

Ich kann nur sagen: Man erlebt am eigenen Leibe – das gilt sicherlich auch für viele hier auf der Tribüne –, wenn man mit den Kindern ins Gespräch kommt, was man da alles mitmacht.

(Johannes Remmel [GRÜNE]: Kinder sagen die Wahrheit!)

Da ist hoffentlich die SPD wenigstens mit uns einer Meinung. Das ist schlecht. Hier sind ja viele Mitglieder der Industriegewerkschaft BCE, also Bergbau, Chemie und Energie. Die ist übrigens ein großer Verfechter der Kernenergie. Die wurden ja nur von ihrer eigenen Partei zurückgedrängt. Die wissen, dass das nicht nur falsch ist, sondern schlimm ist, wenn es bei Kindern anfängt und denen ein gestörtes Verhältnis auch zur Wirtschaft beigebracht wird. Das gehört zum Leben dazu. Das ist unsere Aufgabe als Politik. Man muss das in Einklang bringen. Dazu sind die Parteien da, mit unterschiedlichen Interessenlagen.

Das sei den Grünen, den Roten, den Schwarzen und den Gelben zugestanden.

Nur: So, wie Sie es praktiziert haben, schadet das unserem Land – das dazu und als Replik zu Herrn Groschek.

(Beifall von der CDU – Marc Jan Eumann [SPD]: Sie sollten mehr Zeit zu Hause verbringen, Herr Brinkmeier!)

Zum Innovationsbericht: Dieser Innovationsbericht legt uns – darüber sind wir offensichtlich einer Meinung – in klarer Weise vor, was gut ist und was schlecht ist hier im Land. Er tut dies auf eine Art und Weise, in der die wir auch in den Ausschüssen zur Sache sprechen können.

Ich empfehle, dass wir diese gute Quelle auch fortlaufend nutzen, um anhand von Zahlen, Fakten und Daten diesen Prozess zu gestalten.

(Dr. Ruth Seidl [GRÜNE]: Sagen Sie doch mal etwas dazu!)

Wir haben auch schon gesagt, dass sich dieser Bericht von der Analyse her auf Daten vor allem aus den Jahren 2003, 2004 und 2005 bezieht, also – das haben Sie selber zugestanden, Herr Kollege Eumann – auf die Zeit der rot-grünen Landesregierung. Sie haben selber gesagt, dass Sie mit dem Mittelmaß zufrieden sind, weil das ja schon ganz toll ist.

(Marc Jan Eumann [SPD]: Das stimmt noch nicht einmal!)

Sie haben sich bemüht. Sie waren auf einem guten Weg.

(Marc Jan Eumann [SPD]: Erzählen Sie doch mal etwas vom Land! Das ist unterhaltsa- mer!)

Das lässt Sie jetzt nicht mehr los. Wir freuen uns eben über diese Steilvorlage.

Halten wir fest: Sie taten als Koalition und als Landesregierung zu wenig dafür, dass unser Land seine Innovationspotenziale voll entfalten kann. Die Basis des Übels habe ich eben an einem Beispiel verdeutlicht. Sie beschränken sich zu sehr auf die Konservierung alter Industriestrukturen.

(Marc Jan Eumann [SPD]: Das ist doch Quatsch! Sie wissen doch, dass das Quatsch ist!)

Sie setzen zu wenig auf wissensbasierte Spitzentechnologien, die umsatz- und arbeitsplatzwirksam sind. Sie tragen mit dieser alten Politik auch

die Verantwortung für diesen Ausgangszustand, der in diesem Bericht treffend wiedergegeben ist.

(Zurufe von SPD und GRÜNEN)

Herr Groschek hat eben auch gesagt, wir müssten mehr machen: mehr hier, mehr da. Der Fachmann nennt das Steuerung über die Eingabe oder Inputsteuerung. Sinngemäß: Die Lokomotive fährt nicht schnell, also noch mehr Kohle rein – im wahrsten Sinn des Wortes. Dass die Lokomotive selbst von Ihnen nicht ordentlich gewartet worden ist, ist Ihr Problem gewesen.

(Beifall von der CDU)

An einer Stelle kann man eine Inputsteuerung über Zahlen zulassen, nämlich beim Lissabon-Ziel. Darüber sind wir uns alle einig. 3 % des erwirtschafteten Bruttosozialproduktes sollen in Forschung und Entwicklung fließen. Das wurde von Europa als Ziel gesetzt und ist eine Inputgröße, weil man weiß, dass das beim Ausbau von Forschung und Entwicklung hilft.