Dazu gehört der sogenannte Tenure-Track. Sicherlich ist dies kein Mittel, das bei jeder Juniorprofessur greifen muss. Auch handelt es sich hierbei nicht um einen völlig für sich stehenden Automatismus. Aber bei entsprechender Qualifikation und bei entsprechenden Leistungen im Rahmen der Juniorprofessur gibt es keinen Grund, hochqualifizierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und wissenschaftlern nicht die Perspektive und Sicherheit zuzusagen, die sie für ihre Aufgaben benötigen.
Track versehen sind, gehören zur Qualifizierung zahlreiche Veröffentlichungen, Drittmitteleinwerbung und auch die positiven Bewertungen durch Studierende. Gerade vor dem Hintergrund dieser zahlreichen und verschiedenartigen Mechanismen ist es absolut unverständlich, warum selbst von der geringen Zahl der Juniorprofessuren in NRW nur knapp 10 % über einen Tenure-Track verfügen.
Wie schon angedeutet, bietet die Juniorprofessur Vorteile auch für Frauen und erleichtert ihnen den Zugang zu einer wissenschaftlichen Karriere. Dass dies sinnvoll und nötig ist, dürfte niemandem, der sich die Zahlen schon einmal angesehen hat, verschlossen bleiben. Frauen sind sowohl bei bestehenden Professuren als auch bei den Habilitationen stark unterrepräsentiert. Dies, liebe Kolleginnen und Kollegen, hat auch etwas mit Wettbewerbsnachteilen für den Hochschul- und Wissenschaftsstandort NRW zu tun.
Denn die Ursachen für dieses Missverhältnis liegen in den Karrierestrukturen innerhalb der Wissenschaft. Ich möchte deshalb kurz aus einer Stellungnahme des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung zitieren:
„Die Besetzung der Juniorprofessuren weist im Übrigen an vielen Hochschulen eine deutlich höhere Transparenz als die Besetzung der bisherigen AssistentInnenstellen auf, da Juniorprofessuren weitgehend analog zu Lebenszeitprofessuren besetzt werden. Transparente, ausschließlich auf Leistung und Qualifikation bezogene Rekrutierungen gehören aber zu den Voraussetzungen für die Verwirklichung von Chancengleichheit. Auch aus diesem Grund ist die Juniorprofessur sinnvoll.“
Wir sind uns sicherlich alle einig, dass Leistung und Qualifikation in der Tat die entscheidenden Punkte sein sollten. Die Juniorprofessur ist ein richtiger Schritt in diese Richtung. Ihre konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung, wie sie auch vom Kompetenzzentrum gefordert wird, ist eine gute Möglichkeit, um auf dem Weg zur Chancengleichheit weiterzukommen. Ihnen, Herr Minister Pinkwart, dürfte nicht entgangen sein, dass gerade in Baden-Württemberg ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt wurde.
Ich darf Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, deshalb um die Zustimmung zu unserem Antrag bitten. Die Juniorprofessur sollte in der Tat der Regelfall für den wissenschaftlichen Nachwuchs werden. Deshalb ist es dringend nötig, in Gesprächen mit den Hochschulen einzusteigen und zu
Wir stimmen natürlich einer Überweisung an den Ausschuss für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie zu, um Ihnen die Chance zu einer gemeinsamen Anstrengung für den wissenschaftlichen Nachwuchs in NRW zu geben. – Herzlichen Dank.
Vielen Dank, Frau Dr. Boos. – Als nächster Redner hat für die Fraktion der CDU der Kollege Dr. Berger das Wort.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir sprechen heute über die Nachwuchsförderung an unseren Hochschulen. In der Überschrift Ihres Antrages, liebe Freundinnen auch der Sozialdemokratie, lese ich,
dass wir den wissenschaftlichen Nachwuchs nicht verprellen sollen. Ich glaube, keine Fraktion in diesem Hause möchte den wissenschaftlichen Nachwuchs verprellen.
Aber an dieser Stelle möchte ich Sie daran erinnern, dass Sie in Ihrer rot-grünen Regierungszeit das genaue Gegenteil betrieben haben, indem dort einiges eingeleitet worden ist, was eben nicht dazu beigetragen hat, den wissenschaftlichen Nachwuchs in Nordrhein-Westfalen zu fördern.
Die Existenz dieses Antrages belegt ja in eindrucksvoller Weise, dass Sie selber Defizite einräumen, die in Ihrer Regierungszeit mit entstanden sind. Spontan fällt mir der sogenannte Braindrain, also die Abwanderung von hoch qualifizierten Wissenschaftlern ins Ausland, ein.
Studien belegen den Trend, dass seit der 2002 von Rot-Grün initiierten Änderung des Hochschulrahmengesetzes viele junge Akademiker den Weg ins Ausland nahmen, um den befristeten Verträ
Des Weiteren lese ich in Ihrem Antrag, dass Juniorprofessuren ein Instrument der Nachwuchs- und Frauenförderung seien und dass diese unterstützt werden sollen. Liebe Frau Boos, wenn Sie unser Hochschulfreiheitsgesetz, das Sie auch angesprochen haben, genau lesen, dann sehen Sie, dass die Juniorprofessur dort als ein Element fest verankert ist. Wir haben eben nicht vor, diesen Weg in die wissenschaftliche Karriere zu verbauen. Dass wir den Nachwuchs an unseren Universitäten fördern, das belegen – das wissen Sie auch – zahlreiche Initiativen und Programme wie beispielsweise das Rückholprogramm für deutsche Wissenschaftler im Ausland.
Da die Juniorprofessuren ganz in der Hand der Hochschulen liegen – das haben Sie kritisiert; wir sehen es eben anders –, lehnen wir weitere Reglementierungen strikt ab.
Das Hochschulfreiheitsgesetz hat endlich eine neue Ära für die Universitäten und Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen eingeläutet. Sie werden eben nicht mehr wie bei Ihnen vom Wissenschaftsministerium gesteuert und kontrolliert, sondern sind autonome Wissenschaftsakteure.
So werden unsere Hochschulen, Herr Eumann, in die Lage versetzt, für sich selbst – das ist der zentrale Unterschied zwischen der neuen Landesregierung und Ihrer vergangenheitsorientierten Ideologie – den geeignetsten Weg zu einem starken individuellen Profil zu beschreiten. Damit dieses klappt, wollen wir gerade nicht von oben regulieren. Die Universitäten wissen selbst am besten, ob sie für ein bestimmtes Institut lieber einen Juniorprofessor mit einem tenior track anbieten, was durchaus eine sinnvolle Option sein kann, oder ob ein Professor mit einer tiefgehenden Habilitation an dieser Stelle besser geeignet ist.
Ihr Antrag entspricht hundertprozentig Ihrer alten Ideologie. Ihrer Meinung nach – Herr Eumann, das betonen Sie ja immer – soll der Staat von oben alles regeln und steuern.
Deswegen fordern Sie auch – das haben Sie angesprochen –, dass die Juniorprofessoren in die Zielvereinbarungen mit den Universitäten aufgenommen werden sollen. Aber ich frage Sie: Wa
rum vertrauen Sie unseren Hochschulen nicht? Wie bereits erwähnt, hat jede Universität ihr individuelles Profil und kann jede Universität selber am besten entscheiden, welche Art von Dozent an welchem Lehrstuhl in welchem Institut eingestellt werden soll. Darüber kann beim besten Willen kein Dissens bestehen. Ich meine auch, dass das dem Ausdruck von gesundem Menschenverstand am ehesten nahe kommt.
Sie fordern weiter, dass wir ein Förderprogramm für junge Wissenschaftler einrichten. An dieser Stelle empfehle ich Ihnen, unsere Wissenschaftspolitik genauer zu studieren.
Mit dem Programm „NRW-Forschungsschulen“ sorgen wir dafür, dass junge Menschen auf internationalem Niveau und in forschungsexzellenten Bereichen promovieren. Nachwuchsforschergruppen unterstützen den wissenschaftlichen Nachwuchs, indem sie ihm ermöglichen, eigenverantwortlich zu forschen und dabei ihre Fähigkeit weiterzuentwickeln.
Für die bereits genannte Förderung der Rückkehr des wissenschaftlichen Spitzennachwuchses aus dem Ausland stellt Nordrhein-Westfalen ebenso Gelder zur Verfügung. So erhalten nach der Auswahl durch eine international besetzte Fachjury vier Arbeitsgruppen des wissenschaftlichen Nachwuchses fünf Jahre lang durchschnittlich 250.000 € pro Gruppe und pro Jahr.
Den jungen Forscherinnen und Forschern wird damit wieder eine Zukunftsperspektive für ihre Forschung in Nordrhein-Westfalen geboten und eröffnet.
lassen Sie mich nun ein paar Worte zur Frauenförderung sagen. Auch an dieser Stelle sage ich, dass die Existenz dieses Antrages belegt, dass Sie an Ihren eigenen Zielen gescheitert sind.
Aber ich möchte gerne konzedieren, dass wir in diesem Punkt sicherlich das gleiche Ziel verfolgen. Wir gehen aber wie so oft unterschiedliche Wege.
Wir vertrauen auf die Eigenständigkeit unserer Hochschulen. Ich bin ja bereit, Herr Eumann, Ihnen in der Denkweise ein Stück entgegenzukommen. In den Ziel- und Leistungsvereinbarungen – auch das ist ja klar – werden die GenderMainstreaming-Profile festgelegt. Diese können sehr unterschiedlich sein, setzen sich aber immer aus folgenden zentralen Bestandteilen, die Sie kennen, zusammen: die Ausstattung der Gleichstellungsbeauftragten mit eigenen Mitteln zur Durchführung gleichstellungsspezifischer Projekte und Konzepte, eine gezielte Personalentwicklung und die Verzahnung von Gender-Studies in den verschiedenen Studiengängen. Des Weiteren – auch das will ich einmal erwähnen – stellt die Landesregierung aus dem Fonds zur Erneuerung der wissenschaftlichen Infrastruktur 5 Millionen € für Gleichstellungsförderung an unseren Hochschulen zur Verfügung.
Ich fasse also zusammen: Wir fördern den wissenschaftlichen Nachwuchs, wir verprellen ihn nicht. Sonst – wenn Sie an dieser Stelle kein schlechtes Gewissen hätten – wäre dieser Antrag im Übrigen auch nicht nötig gewesen. Das Instrument der Juniorprofessur stellt dabei eine, aber wirklich nur eine Möglichkeit dar. Die genaue Ausgestaltung – ob eine Juniorprofessur, ob eine Juniorprofessur mit tenure track oder ob eine tiefgehende Habilitation der richtige Weg zur Besetzung eines Lehrstuhls oder eines Platzes in einem Institut ist – liegt in den Händen unserer Universitäten. Das von der SPD geforderte Gießkannenprinzip entspricht