Protokoll der Sitzung vom 20.12.2007

Gerade an Ihrer Stelle wäre ich vorsichtig.

(Zurufe von der SPD)

Ich würde weder hier noch in öffentlichen Erklärungen

(Ralf Jäger [SPD]: Keine Drohung!)

nein, ich wollte eben etwas anderes sagen; ich sage es vorsichtig – den Mund zu weit aufmachen.

(Zuruf von Gisela Walsken [SPD])

Frau Walsken, es ist doch richtig, dass Sie von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern der WestLB einen entsprechenden Brief bekommen haben,

(Ralf Jäger [SPD]: Sie haben doch sowieso keine Scheu, Herr Ministerpräsident!)

in dem diese darauf hinweisen, dass das, was Sie erklärt haben,

(Gisela Walsken [SPD]: Nicht, was ich erklärt habe! Haben Sie falsch aufgeschrieben!)

die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der WestLB massiv schädigt.

(Beifall von CDU und FDP)

Sie haben doch einen solchen Brief bekommen.

(Gisela Walsken [SPD]: Herr Sichau war das gewesen!)

In diesem Brief heißt es – ich zitiere wörtlich –:

„Ihre Aktion wird bei uns einhellig als politisch motiviert verstanden, sich gegenüber der Landesregierung persönlich zu profilieren.“

(Ralf Jäger [SPD]: Zaudern und Zögern!)

„Schade, dass dies auf dem Rücken meiner Kolleginnen und Kollegen ausgetragen wird.“

(Beifall von CDU und FDP – Zuruf von Gise- la Walsken [SPD] – Ralf Jäger [SPD]: Das war echt eine Rakete!)

Das ist das, was die Ihnen mitgeteilt haben.

(Beifall von der CDU)

Nun kommt es Gott sei Dank nicht darauf an, was Sie sagen,

(Lachen von der CDU)

es kommt darauf an, dass die Anteilseigner der WestLB zu ihrer gemeinsamen Verantwortung für die WestLB und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für deren Kunden und für den Finanzplatz Nordrhein-Westfalen stehen.

Dafür ist erforderlich – das ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt – …

(Johannes Remmel [GRÜNE]: Wo gibt es den denn? Das sagen Ihnen doch Fachleu- te!)

Herr Remmel, jeder blamiert sich, so gut er kann, Sie gerade besonders.

(Beifall von CDU und FDP – Rainer Schmelt- zer [SPD]: Das haben Sie in den letzten Wo- chen ja bewiesen!)

Natürlich gibt es einen Finanzplatz. Wer hat denn bitte behauptet, dass Düsseldorf, dass NordrheinWestfalen der zentrale Bankenplatz in Deutschland ist? Wer hat das denn je behauptet?

(Vorsitz: Präsidentin Regina van Dinther)

Der Finanzplatz bei uns besteht vor allen Dingen aus Versicherungen. Er besteht vor allen Dingen aus mittelständischen Unternehmen, die dringend vor Ort eine Begleitung brauchen. Was Sie hier sagen, bedeutet, dass diese mittelständischen Unternehmen demnächst nach Frankfurt oder anderswo hinfahren müssen, um da ihre Bankgeschäfte zu machen.

(Beifall von CDU und FDP)

Sie sollten damit aufhören, einen solchen Unsinn zu reden. Sie sollten einfach aufhören. Sie schaden nur den Menschen, die in dieser Bank arbeiten, und Sie schaden denjenigen, die in den mittelständischen Betrieben arbeiten

(Gisela Walsken [SPD]: Ein halbes Jahr ha- ben Sie nichts gemacht!)

und die nicht die notwendige Hilfe bei den Bankengeschäften bekommen. Ich finde, es ist unverantwortlich, was Sie hier von sich geben.

(Beifall von CDU und FDP – Ralf Jäger [SPD]: Das ist unverantwortlicher Kokolores!)

Der zentrale Dreh- und Angelpunkt ist die Frage des Geschäftsmodells für die WestLB wie für eine fusionierte Bank.

(Gisela Walsken [SPD]: Lauter! Wir verste- hen Sie so schlecht!)

Da muss sich einiges ändern. Dass das nicht ganz einfach ist, das, meine Damen und Herren, brauche ich nicht zu erläutern. Aber eines ist auch völlig klar – das wurde eben auch wieder gesagt –: Man fragt sich, wie man so etwas überhaupt in den Mund nehmen kann. Glaubt denn irgendjemand, dass in einem anderen Bundesland oder in einem anderen Land dieser Welt jemand ist, der die Schulden, die bei der WestLB gemacht worden sind, übernimmt und sagt: Kommt her, ich bezahle sie für euch? – Hat das wirklich jemand geglaubt?

Wir werden die Bank selber restrukturieren müssen. Wir werden sie in Ordnung bringen müssen. Dann werden wir auf der Basis eines neuen Geschäftsmodells zusammen mit der Helaba versuchen, eine zukunftsfähige Bank aufzustellen. Das ist das Konzept, das wir versuchen, hier umzusetzen.

(Beifall von CDU und FDP)

Meine Damen und Herren, die Vorsitzende der Oppositionsfraktion hat eben zum Thema Schule gesagt: Unser Bildungssystem ist nicht fit für die Zukunft. – Ich möchte jetzt nicht über die Verantwortlichkeit für diese zutreffende Zustandsbeschreibung nachdenken. Sie wissen alle, wer dafür verantwortlich ist. Sie sitzen beide noch hier im Landtag.

Ich finde es wichtig, dass es in den letzten Wochen gelungen ist zu zeigen, dass unser Schulgesetz alle Instrumentarien erhält, die nach heutigem Wissen notwendig sind, um auf die Veränderungen zu reagieren, die sich aufgrund der Demografie auch in unserem Schulsystem ergeben. Ich finde, dass der Fall der Gemeinden Horstmar und Schöppingen das eindrucksvoll zeigt.

(Zurufe von SPD und GRÜNEN)

Entschuldigen Sie mal, ich weiß genau, dass es Sie furchtbar nervt und ärgert, dass es Frau Kollegin Sommer gelungen ist, zusammen mit den Städten Horstmar, Schöppingen und Steinfurt eine Lösung zu finden, die in Zukunft hält. Sie können das hier nicht angreifen, meine Damen und Herren.

(Beifall von CDU und FDP – Zuruf von Sylvia Löhrmann [GRÜNE])

Mir ist das schon in der letzten Sitzungswoche aufgefallen, als wir über PISA diskutiert haben. Ich habe da gesessen und zugehört, als Frau Löhrmann und Frau Schäfer gesprochen haben. Was mich am meisten gewundert hat, war die

Verbissenheit, die Verkrampftheit, dieses „Verkämpfen“, bloß weil man die große Sorge hat, mit der neuen Schulkonzeption könnte plötzlich das gesamte alte Gebäude einer überholten ideologischen Bildungspolitik zusammenfallen. Genau deshalb.

(Beifall von CDU und FDP – Sylvia Löhr- mann [GRÜNE]: Ein Spiegel!)

Frau Löhrmann, nach der gemeinsamen Lösung, die gefunden worden ist – Sie haben eben gesagt, Horstmar ist nicht überall –, ist völlig klar: Es ist nicht mehr in Horstmar, meine Damen und Herren.

(Beifall von der CDU)