Frau Ministerin, Sie würden dann auch endlich sinnvoll mit den 10.000 Unterschriften umgehen, die die LandesschülerInnenvertretung am Montag zur Unterstützung ihrer Petition vorgelegt hat. Reagieren Sie angemessen darauf; dann würden Sie den weiteren rechtlichen Auseinandersetzungen über Kopfnoten auf dem Abschlusszeugnis aus dem Weg gehen.
Frau Ministerin, Sie haben genug Baustellen. Räumen Sie eine konsequent und frühzeitig ab, dann werden Sie nicht wieder fünf Wochen später von der Entwicklung eingeholt.
Vielen Dank, Frau Beer. – Ich muss kurz einen Sachverhalt klarstellen. Es geht um die Reihenfolge der Redner. So wie ich eben entschieden habe, entspricht es nicht der Geschäftsordnung:
In der ersten Lesung zu einem Antrag oder Gesetzentwurf stellt die einbringende Fraktion den ersten Redner. Bei der zweiten Lesung ist das nicht der Fall. Dann geht es nach der Größe der Fraktionen. Dann wäre zunächst Herr Ellinghaus für die CDU-Fraktion an der Reihe gewesen.
Aber Sie werden mir doch bitte zugestehen, dass es gar nicht möglich gewesen wäre, Frau Beer, die schon hier vorne stand, zurückzuschicken.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Reihenfolge der Redebeiträge ist für mich nicht ganz so maßgeblich. Viel wichtiger sind die Fakten. Frau Beer, ich danke Ihnen zunächst einmal für Ihre Comiceinlage. Das war recht nett, und zwar nicht nur die einleitenden Sätze, sondern der gesamte Vortrag.
Kommen wir jetzt zu den Sachverhalten: Dem Gesetzentwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen entnehme ich zunächst einmal, dass die Grü
nen und wahrscheinlich auch die SPD eine Rückmeldung zum Arbeits- und Sozialverhalten für richtig halten.
(Sylvia Löhrmann [GRÜNE]: Das haben wir immer gesagt, Herr Ellinghaus! – Ute Schä- fer [SPD]: Das haben wir betont!)
Erstens. Die Grünen prangern in ihrem Entwurf die Ziffernnoten an und qualifizieren sie als pädagogisch unsinnig. – Ich möchte Ihnen belegen, warum ich die Abschaffung derselben für unsinnig halte.
Zunächst einmal halte ich Ziffernnoten für durchaus allgemein verständlich und ausreichend aussagekräftig, und zwar sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für die Eltern, die bisher lediglich über den fachlichen Wissensstand ihrer Kinder informiert wurden. Ziffernnoten sind etabliert und enthalten eine klare Aussage.
Gerne zitiere ich aus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom 23. Januar 2008. Dort wurde die Frage gestellt: Würde nicht eine ausführliche, schriftliche Beurteilung dem Einzelnen doch gerechter als eine Zeugnisnote? – Die Antwort: Vielleicht! Doch dürften solche Gutachten – sollen sie denn fundiert sein – den einzelnen Lehrer oder die einzelne Lehrerin noch mehr fordern. Und manchmal ist eine klare Zensur wesentlich deutlicher als ein so oder so interpretierbarer Text.
Auch die Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände in Nordrhein-Westfalen stimmt dem recht deutlich zu. Ich zitiere:
„In beschreibenden Aussagen kann vieles verklausuliert oder sogar versteckt werden. Unter Noten kann sich dagegen jeder etwas vorstellen und abschätzen, wie weit das Bildungs- und Erziehungsziel erreicht worden ist.“
Zweitens. Sie behaupten – darüber habe ich auch ziemlich gestaunt –, dass die Schulen weder Arbeits- noch Sozialverhalten vermitteln.
Meine Damen und Herren, Frau Beer, seit jeher ist es doch Aufgabe der Schulen, sowohl Bildung als auch Erziehung zu vermitteln. Die einzigen, bei denen das offenbar noch nicht ganz angekommen ist, sind die Damen und Herren von der Opposition.
Drittens. Sie behaupten darüber hinaus – das ist schon ein starkes Stück –, dass Lehrerinnen und Lehrer für die Vergabe von Kopfnoten überhaupt nicht ausgebildet und deshalb auch nicht fähig seien, ihre eigenen Schülerinnen und Schüler angemessen zu bewerten. – Mit anderen Worten: Sie sprechen den Pädagogen jegliche Kompetenz sowohl bei der Erziehungsarbeit, die sie zweifelsohne leisten müssen, als auch bei der Einschätzung der eigenen Schüler ab. Das finde ich schon ziemlich ungeheuerlich. Man könnte fast sagen, Sie diffamieren oder deklassieren die ganze Berufsgruppe der Lehrerinnen und Lehrer.
Meine Damen und Herren, die Schulen stärken neben fachlichen Fähigkeiten auch die sogenannten Soft Skills und sollten diese Entwicklung in einer Bewertung festhalten können. Für die Schüler kann dies spätestens beim Eintritt in den Arbeitsmarkt entscheidend sein.
„Gegner der neuen Ziffernnoten wischen ein Argument gerne als symbolischen Wert beiseite, nämlich dass Schüler mit geringem Fachwissen durch Kopfnoten die Möglichkeit erhalten, Eigenschaften zur Geltung zu bringen, die sonst unberücksichtigt bleiben.“
Frau Beer, ich sehe mit Freuden, dass Sie mir immer öfter zustimmen. – Das kann ich Ihnen übrigens aus meiner langjährigen Praxis von fast dreißig Jahren als Handwerksunternehmer anschaulich darstellen: Für mich als Arbeitgeber war die fachliche Note des Bewerbers in Geografie, Englisch, Physik oder Musik nicht wirklich so entscheidend als vielmehr, wie seine Leistungsbereitschaft ist, seine Verantwortungsbereitschaft, seine Zuverlässigkeit, seine Sorgfalt, seine Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Ähnliches.
Im Übrigen sind meine Kollegen aus dem Handwerk, die Handwerkskammern, die Innungen, die IHKs, Einzelhandelsverbände und die Mittelstandsvereinigung mit uns absolut einer Meinung. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dr. Dieter Hundt, ist ebenfalls ein Befürworter der Kopfnoten. Er sagt in einem Interview im „Express“ vom 4. April 2008:
„Kopfnoten sind eine langjährige Forderung der Arbeitgeber. Für die Betriebe sind nicht nur die fachlichen Fähigkeiten, sondern immer mehr auch die persönlichen und die sozialen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter und Auszubildenden wichtig. Die Kopfnoten dafür können ein wichtiger Hinweis sein.“
Viertens. Sie behaupten – Zitat aus Ihrem Gesetzentwurf – „Schülerinnen und Schülern wird ein Stempel aufgedrückt, der sie insbesondere auf den Abschlusszeugnissen und den Zeugnissen, die bei Bewerbungen eingereicht werden, ein Leben lang begeleitet und gegebenenfalls stigmatisiert.
Dass Sie, meine Damen und Herren von der Opposition, hier von einer Brandmarkung der Schülerinnen und Schüler durch Kopfnoten auf den Abschlusszeugnissen sprechen, zeigt in meinem Augen nur eines: Sie gehen offenbar davon aus, dass die Kopfnoten zu einem großen Teil unbefriedigend ausfallen. Ich bin wirklich erschüttert über die schlechte Meinung, die Sie von unseren